Das Jüdische Museum Wien zeigt in der Dorotheergasse vom 31.10.2018 bis 3.3.2019 wieder eine hervorragende Sonderausstellung.

Ich war schon ganz begeistert von der Ausstellung über Leonard Bernstein und auch über den dazugehörigen Katalog. Doch auch die neue Ausstellung in der Dorotheergasse ist sehr sehenswert.
Die Kabbala oder Kabbalah galt lange Zeit als eine Geheimlehre und ist es zum Teil heute noch. Immerhin war es früher untersagt, sich vor dem 30. Lebensjahr mit den Schriften zu beschäftigen, die umfangreich, teilweise widersprüchlich sind, aus unterschiedlichen Zeiten und verschiedenen „Schulen“ stammen.

Blick in die Sonderausstellung

Viele Ausstellungen haben sich bereits mit Teilaspekten der Kabbala beschäftigt, es wurde bereits viel über die Kabbala geschrieben, ein fundierter Überblick fehlte aber durch die Vielfältigkeit ihrer Ausprägungen.

Anselm Kiefer © Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg Austria
Dennoch hat man sich im Jüdischen Museum Wien, gemeinsam mit dem Jüdischen Museum Amsterdam über diese Aufgabenstellung herangewagt. Der Museumsbesucher soll anhand von 10 sogenannten Topics, die für bestimmte Aspekte der Kabbala stehen, einen Gesamtüberblick bekommen. Außerdem wird auch immer wieder die Verbindung zur Kunst und zur Gegenwart hergestellt. Hat sich doch besonders in der Gegenwart – auch durch Hollywoodstars wie Madonna, Demi Moore oder die Beckhams – die Kabbala wieder in Erinnerung gebracht.

Blick in die Sonderausstellung
So wurde ein Teil der „Geheimlehre“ öffentlich und nun können auch Frauen die Lehre, die früher nur dem männlichen Geschlecht offenstand, sich damit auseinander setzen. In jedem Fall ist es mehr, als nur ein rotes Bändchen am linken Handgelenk zu tragen.

Blick in die Sonderausstellung
Die Kabbala ist eine Säule, ein ständiger Wegbegleiter der jüdischen Geschichte, Kultur und Religion, die aber weit über das Judentum hinausgeht und immer wieder Wissenschaftler wie auch Humanisten beschäftigt. Sie hat im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Richtungen entwickelt und auch eine große Anzahl von Schriften hervorgebracht. Von den mystischen Zirkeln in der südfranzösischen Provence und in Spanien des 12. und 13. Jahrhunderts verbreitete sich die Weisheiten, um nach der Zerstörung der spanisch-jüdischen Gemeinden 1492 im 16. Jahrhundert in Safed in Obergaliläa einen neuen Höhepunkt zu finden, wo zwei „Lehrer“ – Moses Cordovero und Isaak Luria ihre unterschiedlichen Interpretationen entwickelten. Später entwickelten sich die Lehren in kleinen Zirkeln weiter und führten zur Volksbewegung des Chassidismus im 18. Jahrhundert.

Blick in die Sonderausstellung
Neben der jüdischen Kabbala entstand in der Renaissance auch eine christliche Bewegung und mit der damit einsetzenden Übersetzungen ins Lateinische wurden Elemente und Ideen in zahlreichen Texten von Alchemisten und Magiern aufgenommen. So ist in der Ausstellung auch eine wunderschönen kleine alchemistische Tischglocke von Kaiser Rudolf II. aus der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums zu sehen. Von der Decke hängt eine Kopie, schauen Sie auch den Schlögl und die Innenseite an – auch dort finden sich kaballistische Schriftzeichen.

Blick in die Sonderausstellung
Heute findet man in vielen modernen esoterischen Strömungen Symbole der Kabbala wie den Sefirotbaum, um spirituelle und universale Erneuerungswege aufzuzeigen. Ausgangspunkt der modernen Kabbala war der chassidische Kabbalist Yehuda Ashlag, der die lurianische Kabbala vor dem Hintergrund seiner Zeit kommentierte. Durch die schrecklichen Ereignisse des Zweiten Weltkrieges kam Ashlag zum Schluss, dass die Mächte des Bösen so stark geworden seien, dass man die Lehren der Kabbala verbreiten sollte. Für ihn waren die Übel der Zeit der Egoismus und die Egozentrik der Menschheit, gegen die man den Kampf aufnehmen musste. Durch Madonna, Ashton Kutcher und andere Prominente wurde vor allem das „rote Band“ ein Accessoire der Pop-Kultur, wobei man aber auch die gegenwärtigen Formen der Kabbala ernst nehmen sollte und auch als Teil der jüdischen Kulturgeschichte gelten.

Blick in die Sonderausstellung
Ziel der Ausstellungsgestalter ist es, auch für Besucher, die sich nicht so tief mit der Kaballa auseinandersetzen wollen bzw. tiefe Kenntnisse haben, ein mystisches Erlebnis mit und in der Ausstellung zu vermitteln und dies ist ihnen wirklich gelungen. Man tritt ein und steht im Dunklen, das von hellen Stäben, die Gottes Licht symbolisieren erleuchtet wird. Unter den Stäben zerbrochene Spiegel, die für die Gefäße stehen, die das Licht Gottes nicht mehr aufnehmen konnten und zerbrachen.

Blick in die Sonderausstellung
Nehmen Sie sich viel Zeit, um durch die Ausstellung zu wandern. Es gibt viele Videos, Filme, die anzusehen gilt. Wunderschöne Kunstwerke, die man lange betrachten muss, um jedes Teil zu sehen, Texte zur Erklärung, die man lesen sollte. Eine Ausstellung, bei der man einiges lernen kann – Mystisches garantiert.

Blick in die Sonderausstellung
Wer sich näher für die Kabbalah interessiert, dem empfehle ich unbedingt den Kauf des Katalogs. Ich bin zwar noch nicht ganz durch, aber ich habe gleich nach dem Besuch der Ausstellung mit dem Lesen der ersten Kapitel begonnen…

Blick in die Sonderausstellung
Das Jüdische Museum Wien ist von Sonntag bis Freitag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet.

Blick in die Sonderausstellung
31.10.2018 – 3.3.2019 Kabbalah

Jüdisches Museum Wien
1010 Wien, Dorotheergasse 11
Tel: +43 1 535 04 31
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.jmw.at

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