Das Dom Museum in Wien zeigt von 20.9.2018 - 25.8.2019 die neue Sonderausstellung „Zeig mir deine Wunde“.

Das Dom Museum Wien widmet sich in seiner zweiten Sonderausstellung der Verwundbarkeit und thematisiert die künstlerische Darstellbarkeit von körperlichen, psychischen, sozialen, ökonomischen und politischen Leiden.

Kader Attia © Bildrecht, Wien 2018 und Galleria Continua, San Gimignano/Beijing/Les Moulins/Habana
Der Titel ist eine Anleihe an die Installation von Joseph Beuys aus den 1970ern „Zeige deine Wunde“. Für ihn wurde das Motiv der Wunde zum Schlüsselbegriff seiner Kunst.

Günter Brus, Selbstbemalung I, 1964, © Dom Museum Wien, Otto Mauer Contemporary, Foto Ludwig Hoffenreich
Das Herzeigen der Wunde bedeutet aber auch nicht nur zu seiner eigenen Verletzlichkeit zu stehen, sondern auch sich gegenüber anderen zu öffnen. Wunden und Verletzungen, Leid und Schmerz gehören seit über 2.000 Jahren zur christlichen Bildtradition und damit zur europäischen Kunstgeschichte. Die Seitenwunde Christi gilt als zentrales Offenbarungsgeheimnis und wird als Quelle des Lebens und des Glaubens verehrt. Sie ist der Geburtsort der Sakramente, Blut und Wasser als Zeichen und Medium von Taufe und Eucharistie.

Blick in die Ausstellung
Das Thema der Verwundbarkeit in der Kunst bleibt ein Hauptmotiv bis in die Gegenwart und fasziniert viele Künstler bis heute. Dabei wird die Verletzlichkeit des Körpers thematisiert, Einblick in die Fragilität der menschlichen Existenz gegeben, der eigene Körper zum Medium der Kunst gemacht und im Rahmen von Aktion selbst verwundet. Nicht immer haben diese Werke einen christlichen Hintergrund, manchmal sind sie sogar kirchenkritisch, aber auch sie vertreten die Grundidee, dass nur durch den geöffneten Körper, durch das Zeigen von Verwundbarkeit, positive Veränderungen und somit Heilung bei gesellschaftspolitischen und persönlichen Verletzungen eintreten kann.

Blick in die Ausstellung
In der Ausstellung sind daher historische Werke, die mit dem christlichen Glauben und der Passion Jesu verbunden sind ebenso zu sehen wie zeitgenössische Arbeiten. Zu sehen ist unter anderen ein Kruzifix aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, das über und über mit Wunden übersät ist, wobei die klaffende Seitenwunde zum Teil des größeren Ganzen wird.
Weiter ist aus dem Reliquienschatz des Stephansdoms eine Reliquie des Schweißtuchs Christi aus dem Jahre 1474 zu sehen.

Blick in die Ausstellung
Die Ausstellung zeigt Arbeiten aus den eigenen Beständen, den historischen Sammlungen, der Sammlung Otto Mauer und Otto Mauer Contemporary wie auch aus Leihgaben aus dem benachbarten Stephansdom, aus Pfarren der Erzdiözese Wien, österreichischen Stiften, in- und ausländischen Museen, Galerien, Privatsammlungen und Künstlerateliers.

Blick in die Ausstellung
Neben dem bereits angeführten Kruzifixus, hat mich besonders das Video „Wonderland“ von Erkan Özgen aus dem Jahr 2016 berührt, in dem der gehörlose Mohammed, der am Boden eines ärmlichen Hauses sitzt, mit seinen Blicken und Gesten ganz ohne Worte kommuniziert und seine Erlebnisse im syrischen Bürgerkrieg auf der Flucht vor dem Islamischen Staat schildert und so von seiner eigenen inneren Verwundung als auch von jener der Gesellschaft, die er verlassen musste, erzählt.

Blick in die Ausstellung
Ein Wasserspeier des Stephansdoms steht für die langsame Zerstörung durch die Umweltverschmutzung, das Kopialbuch Male vom Brand des Stephansdoms 1945.
Interessant ist auch die Geschichte der chinesischen Sommerteeschale der Sung-Periode. Bei ihr sind die Sprünge im Porzellan mit einer Harzmasse gekittet, in die Pulvergold eingestreut wurde. Damit werden die Narben des Objekts sogar hervorgehoben, veredelt und erst sie machen das Objekt besonders wertvoll.

Blick in die Ausstellung
Zu sehen ist auch ein Werk, das an unsere noch nicht allzu ferne Geschichte erinnert: ein spätklassizistisches Kreuzigungsbild, das 1938 von Nationalsozialisten beim Sturm auf das Erzbischöfliche Palais zerschlitzt wurde. Um die Erinnerung an dieses Ereignis wach zu halten, wurde das Gemälde nicht restauriert, sondern die Verletzung ist auch heute noch zu sehen.

Erkan Özgen, Wonderand (Still), 2016. Leihgabe des Künstlers. Foto © Erkan Özgen
Dies ist nur eine kleine Aufzählung der sehenswerten Arbeiten. Auf jeden Fall sollte man auch mehr als einen Blick in die Dauerausstellung werfen – auch hier sind einige Werke durchaus mit dem Thema der Sonderausstellung kompatibel. Hier möchte ich auf jeden Fall das Bild der enthaupteten Heiligen Felix, Regula und Exuperantius auf dem Weg zur Grabstätte erwähnen. Wunderschön auch das Gemälde von Lucas Cranach der Christus als Schmerzensmann mit Dornenkrone und Passionswerkzeugen darstellt. Berührend auch die Wopfinger Pieta (1420 – 1430), die Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes darstellt und selbst Spuren von Verwundungen aufweist, da sie aufgrund des Holzwurmbefall nur mehr fragmentarisch erhalten geblieben ist.

Jan de Beer, Marter des Hl. Sebastian um 510/15. © Kunsthistorisches Museum, Wien
Zu den Highlights der Dauerausstellung zählt natürlich das Bildnis Rudolf IV., das als eines der wichtigsten historischen Schätze Österreichs gilt und das älteste Porträt des Abendlandes ist. Rudolf IV. war jener Habsburger Herrscher, der die Universität Wien gegründet hat und auch den gotischen Ausbau des Stephansdom in Auftrag gab. Das sollte man auf jeden Fall auch gesehen haben.

Blick in die Ausstellung
Das Dom Museum Wien ist von Mittwoch bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, jeden Donnerstag von 10:00 bis 20:00 Uhr. An Montagen, Dienstagen und gesetzlichen Feiertagen ist das Museum geschlossen.

Die enthaupteten Hll. Felix, Regula und Exuperantius auf dem Weg zur Grabstätte, um 1490, Ausschnitt © Österr. Galerie Belvedere, Wien
20.9.2018 - 25.8.2019 Zeig mir deine Wunde
Dom Museum Wien
1010 Wien, Stephansplatz 6
Tel: +43 1 515 52-5300
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.dommuseum.at

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