Vom 2.10.2018-13.1.2019 liefert das Kunsthistorische Museum in Wien eine Show der Superlative: sie zeigt rund 90 Werke von Pieter Bruegel dem Älteren in der weltweit größten Einzel-Ausstellung über den Begründer der Bruegel-Dynastie.

Diese Ausstellung gibt es wahrscheinlich wirklich nur once in a lifetime, wie die Direktorin der Kunsthistorischen Museums, Sabine Haag, in der Pressekonferenz betonte. Und: sie ist wahrscheinlich nur im Kunsthistorischen Museum in Wien möglich, ist doch hier die Gemäldegalerie in der glücklichen Lage zwölf gesicherte Gemälde Pieter Bruegels ihr eigen nennen zu können.

Pieter Bruegel Ausstellungsansicht, Foto © KHM-Museumsverband
Sechs Jahre Vorarbeiten und ein Forschungsprojekt gingen der Ausstellung voran, um nun – im Gedenken an das 450. Todesjahr des Meisters – diese Ausstellung präsentieren zu können, die man wahrlich als einmalig und sensationell bezeichnen kann und muss.

Pieter Bruegel Ausstellungsansicht, Foto © KHM-Museumsverband
Bruegel gilt als einer der bedeutendsten niederländischen Maler und Zeichner des 16. Jahrhunderts und hatte bereits zu seinen Lebzeiten einen legendären Status erreicht. Der Sammel- und Kunstleidenschaft der Habsburger ist es zu verdanken, dass sich heute im Kunsthistorischen Museum und in der Albertina ein großer Schatz an seinen Werken befindet.
Während Bruegel im 18. und 19. Jahrhundert fast in Vergessenheit geriet, entdeckten ihn die Kunsthistoriker des 20. Jahrhunderts wieder. Jetzt bewunderte man – damals wie heute – wieder die Vielseitigkeit seiner Themen und die Originalität seiner Ausführungen.

Pieter Bruegel Maler und Kenner, Foto © Albertina, Wien
Erstmalig werden diesmal im Kunsthistorischen Museum seine Werke über die Mediengrenzen hinweg gezeigt – Gemälde, Zeichnungen und Grafiken sind dieses Mal in einer Schau vereint. Möglich wurde dieses Projekt aber vor allem, da das KHM beinahe einen Drittel des Gemäldebestandes des Meisters besitzt. Nur knapp vierzig Gemälde und sechzig Grafiken sind überhaupt erhalten geblieben. Diesmal steht auch einzig und allein der Vater der Dynastie im Mittelpunkt, während in letzter Zeit der Forschungs- und Ausstellungsfokus eher auf das malerische Œuvre der Söhne gelegen hatte.

Wer war Pieter Bruegel?

Über sein Leben ist wenig bekannt. Wahrscheinlich wird er um 1525 in Breugel, in der Nähe von Breda oder in Antwerpen geboren. Seine künstlerische Ausbildung erfährt er im Atelier des Pieter Coecke van Aelst, von dessen Frau Mayken Verhulst wird er zum Miniaturmaler ausgebildet.

Pieter Bruegel d.Ä. Der Hafen von Neapel, Galleria Doria Pamphilj © Rom, Galleria Doria Pamphilj
1551 tritt er als Freimeister in die Antwerpener Malergilde ein, er malt die Außenseiten (Pieter Baltens die Innenseiten) eines Altars für die Handschuhmacher von Mechelen. 1552 bis 1554 reist er durch Frankreich und Italien, die frühesten erhaltenen datierten Zeichnungen stammen ebenfalls aus 1552. Bruegel hält sich in Rom auf, arbeitet mit Giulio Clovio zusammen, und reist weiter bis in den Süden Italiens bis nach Reggio Calabria. 1554 kommt er zurück in die Niederlande, wobei er zuvor wahrscheinlich noch Venedig besucht.

Ausstellungsansicht (Foto © KHM Museumsverband)
Bruegel gehört nun zu den etablierten Künstlern in Antwerpen, er arbeitet vornehmlich als Entwurfszeichner für den Verlag von Hieronymus Cock. Ab 1562 ist er vor allem als Maler tätig, ab 1563 zieht er nach Brüssel um und gehört dort schnell zu den etablierten Künstlern. Im selben Jahr heiratet er Mayken Coecke, die Tochter von Pieter Coecke van Aelst und Mayken Verhulst in der Notre-Dame de la Chapelle. 1564 wird sein Sohn Pieter geboren, 1568 sein Sohn Jan. Aus diesem Jahr stammen auch seine letzten datierten Werke. 1569 stirbt Pieter Bruegel der Ältere in Brüssel und wird in der Notre-Dame de la Chapelle begraben.

Pieter Bruegel d.Ä. Die Heuernte, 1565, © Prag, The Lobkowicz Collections
Obwohl Bruegel nur eine kurze Schaffensperiode von 18 Jahren gegeben war und er dadurch nur ein relativ kleines Werk hinterlassen kann, ist es ihm gelungen die Landschafts- und Genremalerei zu revolutionieren. Bruegel entwickelte sich vom „neuen Bosch“ über den „Bauernbruegel“, den Humanisten, Moralisten oder christlichen Maler hin zum Satiriker und Gesellschaftskritiker. Immer wieder ist er der scharfsinnig Beobachter, der dem Betrachter seiner Bilder einen Spiegel vorhält, immer wieder kann man hunderte Kleinigkeiten in seinen Bildern entdecken, manchmal wird man von seinen Bildern unmittelbar berührt, manchmal verstört, und oft kann man auch einen faszinierenden Bezug zur Gegenwart entdecken.

Pieter Bruegel d. Ä., 1563, Dulle Griet © Museum Mayer van den Bergh
Die Highlights der Ausstellung

Eigentlich ist es schwierig aus dieser Ausstellung wirkliche Highlights herauszupicken: schließlich kann man jedes Werk als Highlight einer Ausstellung betrachten. Einige haben die Kuratoren jedoch hervorgehoben und diese möchte ich hier weitergeben:

  • So sind nach ca. 400 Jahren der Wiener Turmbau zu Babel und der Turmbau aus Rotterdam wieder vereint.
  • Die Bienenzüchter und Der Vogeldieb werden erstmals zusammen ausgestellt.
  • Meisterwerke wie Der Triumph des Todes und Die Dulle Griet wurden restauriert und werden nun gemeinsam gezeigt.
  • Bei den Jahreszeitenbildern ist es gelungen diese mit Die Heuernte aus der Sammlung Lobkowicz aus Prag zu ergänzen.

Pieter Bruegel d. Ä., vermutlich nach 1562, Der Triumph des Todes, © Madrid, Museo Nacional del Prado
Durch die Kombination der chronologischen wie auch der thematischen Präsentation von Bruegels Kunst kann man die stilistische Entwicklung und die Vielseitigkeit seines Werkes nachvollziehen.
Auf jeden Fall sollte man auch einen Blick in die Kabinetträume der großen Galeriesäle werfen, denn hier werden die Ergebnisse der neuesten umfangreichen technologischen Untersuchungen präsentiert, die auch tiefe Einblicke in den Schaffensprozess ermöglichen.

Pieter Bruegel d. Ä., um 1567, © Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM Museumsverband

Sensationelles auch im Web

Die Anfänge Bruegels als Zeichner und Grafiker sind ebenso nachvollziehbar wie seine Innovationen in der Landschaftsmalerei. Natürlich fehlen auch nicht die berühmten Wimmelbilder: Allein bei Kampf zwischen Fasching und Fasten und bei Kinderspiele müsste man als Besucher lange verweilen, um allen Details gerecht zu werden. Wer sich wirklich alle Details einmal zu Gemüte führen möchte (nicht nur dieser beiden Werke, sondern aller Wiener Gemälde) sollte unbedingt auf der Website: http://www.insidebruegel.net vorbeischauen. Hier kann man die Bilder fast wie ein Forscher betrachten.

Pieter Bruegel d. Ä., um 1568, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, © KHM-Museumsverband

Einzelne Details durch Makrofotografie größer machen, neue Details entdecken, das Bild mit Makroinfrarottechnologie, Röntgen oder Infrarotreflektofotografie betrachten. Sie werden staunen, was es „hinter“ dem Bild noch alles zu sehen gibt. Dies alles wurde durch ein Forschungsprojekt ermöglicht, dass mit Unterstützung der Getty Foundation bereits 2012 im Kunsthistorischen Museum in Wien begonnen wurde und eine tiefgreifende technologische Untersuchung der zwölf Tafelbilder, die im Besitz des KHMs sind ermöglichte, und damit auch den Schaffensprozess des Meisters für die Nachwelt transparenter machte.

Pieter Bruegel d. Ä., 1565, Der düstere Tag, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Die Kreuztragung Christi

In der Ausstellung – um vom World Wide Web wieder ins Kunsthistorische Museum zurückzukehren – kann man als Besonderheit Die Kreuztragung Christi als größte und im Format unveränderte Tafel Bruegels ohne Rahmen und beidseitig sichtbar ausgestellt sehen, über die Fragilität und Beschaffenheit der Holztafel staunen und die die Qualität der Malschicht bewundern, deren Perfektion auch nach über 450 Jahren den Betrachter in Staunen versetzt. Im anschließenden Kabinettraum kann man dann einiges über das Holz, aus dem die Tafeln bestehen und deren Verarbeitung bzw. Vorbereitung erfahren. Unglaublich, dass eine Tafel dieser Größe aus verschiedenen „Tafelstreifen“ zusammengesetzt ist – erst dann kann man die Arbeit und das Geschick der RestauratorInnen erahnen, wenn so eine Tafel aus einem Rahmen zur Restaurierung genommen werden muss.

Pieter Bruegel d. Ä., 1564, Die Kreuztragung Christi, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM.Museumsverband
Ich denke, wer sich auf www.insidebruegel.net und auf www.bruegel2018.at einmal umgesehen hat, wird die Ausstellung unbedingt besuchen wollen. Und all jene, die bereits im Museum waren, werden sich freuen, ihren Besuch noch einmal auf diesen Seiten Revue passieren zu lassen und viele neue Details zusätzlich entdecken zu können.

Pieter Bruegel d. Ä., 1568, Der Vogeldieb, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Öffnungszeiten und Tickets:

Da man für diese Sonderschau mit einem großen Publikumsandrang rechnet, gelten für die Zeit der Bruegel-Ausstellung besondere Öffnungszeiten:
Das Kunsthistorische Museum ist täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet, am Donnerstag sogar bis 21:00 Uhr. Am Freitagabend gibt es mit einem Spezialticket „Ein Abend mit Bruegel“ ein zusätzliches Angebot von 18:30 bis 20:30 Uhr.

Pieter Bruegel d. Ä., um 1568, Staatliches Museum zu Berlin, Kupferstichkabinett © Foto: Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz, Jörg P. Anders
Achtung! Erstmals muss für den Besuch einer Ausstellung auch ein sogenanntes „Zeitfenster“ gebucht werden. Um den Ansturm ein wenig kanalisieren zu können, werden sogenannte „Zeitfenster“ vergeben, die zum kostenpflichtigen Ticket (reguläres Ticket Erwachsener 20 Euro) kostenlos vergeben werden. Ticket wie auch Zeitfenster buchbar unter https://shop.khm.at/tickets/bruegel

Pieter Bruegel d. Ä., 1565, Die Heimkehr der Herde, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, © KHM-Museumsverband

Katalog:

Zur Ausstellung ist auch ein wunderbarer Katalog für alle Bruegel-Freunde erschienen: Bruegel. Die Hand des Meisters. Der Katalog ist in deutscher und englischer Sprache im Museums-Shop und auch online https://shop.khm.at/de erhältlich.

Pieter Bruegel d. Ä., 1565, Die Jäger im Schnee, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Führungen:

Täglich finden ab 11:00 Uhr bis 16:00 Uhr stündliche Führungen in deutscher Sprache statt, am Donnerstag gibt es eine Führung auch um 19:00 Uhr. (Führungsbeitrag 4 Euro). Eine Führung dauert ungefähr 60 Minuten, Treffpunkt ist im Vestibül. Die Teilnahme ist nur mit gültigem Bruegel- und Führungsticket möglich, die TeilnehmerInnenzahl pro Führung ist limitiert.

Pieter Bruegel d. Ä., 1559, Kampf zwischen Fasching und Fasten, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Kinderprogramm

Am 7., 14. und 21.10. findet jeweils von 14:00 bis 16:30 Uhr ein Kinderatelier für 6- bis 12-jährige statt.
Da es auf den Bildern Bruegels viel zu entdecken gibt und dort auch Spiel und Spaß nicht zu kurz kommen, geht es auch im Atelier munter zu. So wurde Bruegels Bild Kampf zwischen Fasching und Fasten nachgebaut. Im Rahmen des Kinderateliers könnt ihr nun helfen, die Spielbühne weiter zu verschönern: mit Figuren, Fahnen, Brezeln und nach viel mehr. Anschließend gibt es ein Spiel für die kleinen BesucherInnen.

Weiteres Kinderprogramm finden Sie unter www.khm.at/besuchen/kalender

Pieter Bruegel d. Ä., 1560, Kinderspiele, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband

Turmbau zu Bioblo

Tausende Bioblo-Steine stehen zur Verfügung, um selbst ein Bauprojekt zu starten. Erwachsene und Kinder, allein oder die ganze Familie sind eingeladen, die schönsten, höchsten und verrücktesten Türme zu bauen.
Termine dafür finden Sie unter http://www.khm.at/erfahren/kunstvermittlung/bruegel-wochenenden-fuer-familien/ 

Pieter Bruegel d. Ä., nach 1563?, Turmbau zu Babel, Rotterdam, © Museum Boijmans Van Beuningen, Foto: Studio Tromp, Rotterdam
Weitere Informationen über Veranstaltungen, Vorträge, Kunstschatzi, etc finden Sie auf den Websiten www.khm.at und www.bruegel2018.at.

Pieter Bruegel d. Ä., 1563, Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie, © KHM-Museumsverband

2.10.2018-13.1.2019 Bruegel
Kunsthistorisches Museum Wien
1010 Wien, Maria-Theresien-Platz
Tel: +43 1 525 24
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.khm.at
www.bruegel2018.at
www.insidebruegel.net

Noch ein Tipp am Schluss:

Wer Bruegel „verkosten“ möchte, kann dies im Café & Restaurant des Kunsthistorischen Museums tun. Dort ist das Bruegel Brezel für 3 Euro erhältlich.
Brezeln waren zur Zeit Bruegels im Flandern des 16. Jahrhunderts ein traditionelles Fastengebäck und auf der rechten Seite von Kampf zwischen Fasching und Fasten kann man auch ein solches Brezel erkennen. Anders als die weit verbreiteten Laugenbrezel ist diese jedoch nicht mit Laufe bestrichen, sondern weist eine helle Farbe auf und ist eher länglich statt rund. Die Brezelarme sind auch nicht verknotet, sondern übereinander gelegt.
DeliziArte hat nun in Zusammenarbeit mit der Bäckerei Felber an einer Bruegel-Brezel gearbeitet und sie ist gelungen. Sieht gut aus und schmeckt gut.

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