Die Albertina präsentiert vom 21.9.2018.-6.1.2019 den „Kopf“ der Impressionisten, den Meister des Lichts - Claude Monet -  in einer gigantischen Ausstellung.

Es ist die erste umfassende Präsentation von Claude Monet seit über 20 Jahren in Österreich, die 100 Gemälde des Meisters und bedeutende Leihgaben aus über 40 internationalen Museen und Privatsammlungen vereint. Ein Traum für jeden Fan der impressionistischen Malerei.

Claude Monet Am Strand von Trouville, 1970 © Musée Marmottan Monet, Paris/Bridgeman Images

Diese Ausstellung bringt dem Besucher aber nicht nur die wunderbaren Werke des Meisters, sondern auch sein Leben näher und hat mir einiges neues über diesen großartigen Künstler erzählt.

Claude Monet Blick auf die Felsnadel durch die Porte d'Aval, 1886 © National Gallery of Canada, Ottawa
Es ist gut auch einmal den Lebenslauf von Claude Monet zu kennen, wenn sich auch die Ereignisse rund um ihn – seien sie privater oder politischer Natur – kaum in seinen Bildern widerspiegeln.
Monet wurde 1840 in Paris geboren und verbringt seine Jugend in Le Havre. Eine Erkrankung beendet erst seinen – eigentlich sieben Jahre umfassenden – Wehrdienst, dann kauft ihn seine Tante mit einem Ersatzmann frei. Sein Vater ist von seinen „Malambitionen“ nicht sehr begeistert: wenn es schon die Malerei sein muss, dann wünscht er sich eine Ausbildung seines Sohnes an der Akademie und letzten Endes sollte sein Platz im Salon sein. Doch bereits in Le Havre kommt Monet mit der Freiluftmalerei in Berührung und damit wendet er sich bereits von den vorherrschenden Strömungen ab. Während des Studiums in Pariser Ateliers lernt er Renoir, Sisley und Bazille kennen.

Claude Monet Das Atelierboot, 1874 © Sammlung Kröller-Müller Museum, Otterlo
Finanziell ist seine Malerei lange Zeit ein Desaster. Monet lebt von der Unterstützung seines Vaters und seiner Tante. Auch die Wahl seiner Lebensgefährtin wird vom Vater nicht goutiert, der ihm die Heirat mit Camille Doncieux, seiner Geliebten und Modell, verbietet, auch als diese 1867 seinen Sohn Jean zur Welt bringt. Erst 1870 heiraten die beiden und Monet flüchtet nach London um dem Militärdienst im Deutsch-Französischen Krieg zu entgehen.

Claude Monet Der Landesteg, 1871 © Acquavella Galleries
1871 stirbt sein Vater, Monet kehrt über die Niederlande nach Frankreich zurück und lässt sich, abgesichert durch das Erbe seines Vaters und auch seiner Tante in Argenteuil nieder. Der Vorort von Paris, mit der Hauptstadt durch eine Eisenbahnlinie verbunden, wird zur Geburtsstätte der Impressionisten. 1874 erfolgt die erste gemeinsame Gruppenausstellung, der aber ebenfalls kein großer Erfolg beschienen ist – auf dieser wird auch der Spottname „Impressionisten“ für ihre skizzenhafte Stimmungsmalerei geprägt.

Claude Monet Die Kirche von Vétheuil im Schnee, 1878/79 © RMN-Grand Palais/Musée d'Orsay/Stéphane Maréchalle
Nach seiner Rückkehr lernt er ebenfalls den Kaufhausbesitzer Ernest Hoschedé, der ihn fortan als Mäzen unterstützt.
Obwohl Monet in London seinen Galeristen Paul Durand-Ruel kennengelernt hat, sichert ihm nur sein – nicht allzu großes – Erbe das Überleben. Seine Bilder gelten als unfertig, sein Malstil als skizzenhaft.

Claude Monet Der Boulevard des Capucines, 1873 © Photo Scala, Florence 2017
So muss er im Jänner 1878 wegen seiner drückenden Schuldenlast Argenteuil verlassen und zieht vorerst nach Vétheuil, ein kleines abgeschiedenes Dorf an der Seine. Ernest Hoschedé, eher ein kunstsinniger Mäzen denn ein Geschäftsmann muss Konkurs anmelden und so fällt auch diese Unterstützung weg. Im selben Jahr kommt auch sein zweiter Sohn, Michel, zur Welt. Doch bereits ein Jahr später, 1879 stirbt seine Frau Camille nach einer missglückten Abtreibung. Alice, die Frau Ernest Hoschedés folgt ihrem Ehemann nicht nach Paris, sondern zieht mit ihren sechs Kindern zu den Monets nach Vétheuil. Monet, der wahrscheinlich bereits früher ein Verhältnis mit Alice hatte, übernimmt schließlich die Vormundschaft über die Kinder und 1892 – nach dem Tod von Ernest – legalisieren Alice und Claude ihre Beziehung durch Heirat.

Claude Monet Junge Mädchen im Boot, 1887 © The National Museum of Western Art, Tokio
Auch der Impressionismus gerät in eine Krise – einige Künstler entwickeln ihn „weiter“ zum Pointilismus. Monet jedoch bleibt ihm treu, er malt nun noch rascher, skizzenhafter, abstrakter als zuvor. Paul Durand-Ruel fordert ihn mehrere Male auf, die Bilder stärker auszuführen, um sie besser verkäuflich zu machen. Diesen Ansinnen kommt Monet gar nicht bis äußerst widerstrebend nach.
1880 verlässt Monet auch Vétheuil.

Claude Monet
Langsam beginnt sich der Verkauf zu verbessern, 1883 kann Monet ein kleines Presshaus in Giverny mieten, dass er dann 1890 erwirbt. Jetzt entstehen die großen Serien, die ihm endlich Erfolg und Ruhm bringen: die Landschaft der Creuse, die Heuschober und die Kathedrale von Rouen.

Claude Monet (Foto © Dagmar Postel)
Auch sein Garten rückt immer mehr in den Mittelpunkt seines malerischen Interesses. Laufend vergrößert er diesen, legt seinen Seerosenteich an, leitet sogar einen Bach um, damit dieser mit frischem Wasser gespeist werden kann. Seine Aktivitäten werden von seinen Nachbarn nicht immer mit Begeisterung aufgenommen: man meint, dass die Abflüsse der Seerosen ihre Felder vergiften könnten. Jetzt entstehen die berühmten Seerosenbilder, die Bilder mit der japanischen Brücke, der Rosenallee.

Die Seerosen von Monet (Foto © Dagmar Postel)

Jetzt erst, mit 50 Jahren, wird Monet und seine Malweise akzeptiert, seine Bilder beginnen Höchstpreise zu erzielen. Monet wird zur lebenden Legende. Obwohl ihn große Schicksalsschläge treffen (so sterben kurz nacheinander seine Stieftochter, seine zweite Frau und sein Sohn Jean) und auch die Welt durch den Ersten Weltkrieg in Flammen steht, in seinen Bildern ist all dies nicht zu merken. Weder privates noch weltbewegendes findet hier einen Widerhall.

Seerosen von Monet (Foto © Dagmar Postel)
Erst in seinen letzten Lebensjahren ändert sich seine Farbgestaltung und Malweise. Monet ist durch eine Graue Starerkrankung schwer sehbehindert, nun zeigen sich seine Bilder in einer spätherbstlichen Farbwelt und obwohl diese düsteren, fast abstrakten Gemälde erst nach seinem Tod – Monet stirbt am 6. Dezember 1926 im Alter von 86 Jahren – lassen sie schon einen ersten Ausblick in die nächste Generation zu – zum Expressionismus…

Claude Monet (Foto © Dagmar Postel)
Die Ausstellung in der Albertina begleitet das Leben des Künstlers wunderbar durch alle seine Schaffensperioden: von seinen ersten, noch sehr gegenständlichen Bildern über die Zeit in Argenteuil, in der er die Veränderungen durch die Industrialisierung und den Eisenbahnverkehr mit seiner Infrastruktur in Form von Bahnhöfen und Brücken zum Motiv seiner Bilder werden. Neben den intimen Genreporträts von Camille zeigen seine Landschaftsinterpretationen einen ersten Höhepunkt. Monet malt Boote auf der Seine, eine in den Bahnhof einfahrende Eisenbahn im tiefsten Winter, fragile Brückenkonstruktionen, Winterbilder, in denen er die klirrende Kälte bis zum Tauwetter in feinen Nuancen festhält.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Hier gewinnt auch erstmal der Garten van Bedeutung – wobei der Garten in Argenteuil noch unabhängig von der Malerei ist, während später in Giverny der Garten von Monet geschaffen wird, um gemalt zu werden.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Die Bilder vom verschneiten Vétheuil und vom verheerenden Eisstoß der Seine im Winter 1978/79 zeigen in der Farbgebung und im Ausdruck von tiefer Melancholie und Tristesse, während die Frühlings- und Sommerbilder wieder heiter, hoffnungsfroh wirken und nicht auf die schwierige Lage des Künstlers schließen lassen.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Aus den 1880er Jahren reist Monet an die spektakulären Küsten der Normandie, des Mittelmeers und der Bretagne. Er malt die alleinstehende Felsnadel mit der Felsenbrücke von Aval, und malt seine Motive unter den unterschiedlichen Bedingungen des Wetters, der Tages und Jahreszeit. Die grüne Färbung des tiefen Wassers, der Glanz des nassen Sandes, der Tanz der Lichter der ins Meer versinkenden Sonne – es sind diese Bilder, die den Augenblick, die momentane Stimmung und Atmosphäre, die Unmittelbarkeit festhalten.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Es folgt das Jahrzehnt der Serien – in der Ausstellung zu sehen sind die Kathedrale von Rouen, das Londoner Parlament , die Heuhaufen, die Hügel über der Creuse – immer von ein und demselben Standpunkt aus beobachtet und die Veränderung im Licht und in der Atmosphäre wird aufs Bild gebannt. Monet gibt nun die Darstellung eines Motivs von verschiedenen Standpunkten im Raum zugunsten der Darstellung desselben Motivs zu verschiedenen Zeiten auf.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
In Giverny widmet sich Monet fast nur mehr der Farbenpracht seines privaten Refugiums: seinem opulenten Blumengarten, der Rosenallee, den exotischen Weiden, der japanischen Brücke und dem berühmten Seerosenteich. Inzwischen ist er so reich, dass er sechs Gärtner beschäftigen und sich drei Ateliers bauen kann. Monet bleibt nun fast bewegungslos und weltabgewannt diesen Motiven treu. In Giverny malt Monet seine eigene Welt, alle Ereignisse bleiben außen vor.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
In seinen letzten Werken, wahrscheinlich bedingt durch die zunehmende Erblindung, kann man doch so etwas wie einen Tunnelblick, eine Widerspiegelung der Psycho und der Physis erkennen. Mit seiner Erfahrung und seinem Wissen kann er nun noch seine Palette zusammenstellen, aber die Motive, die er nun malt - wie die Rosenallee oder die japanische Brücke – haben nun nicht mehr mit seiner früheren Obsession den Seheindruck wiederzugeben zu tun.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Die Ausstellung ist einfach ein „Must-go“ für alle Fans des Impressionismus, von Monet und auch solchen, die es noch werden möchten. Wer vielleicht zu Weihnachten einen Wien-Besuch plant, sollte unbedingt auch diese Ausstellung mit ins Besuchsprogramm nehmen. Am besten die Eintrittskarten gleich online buchen, um Wartezeiten an den Kassen zu vermeiden. Während der Monet-Ausstellung ist die Albertina bereits täglich um 9:00 Uhr geöffnet, am Mittwoch und am Freitag sogar bis 21:00 Uhr.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Außerdem ist zur Ausstellung auch ein wunderschöner Katalog in Deutsch und Englisch erhältlich, der im Shop der Albertina und auch online unter www.albertina.at erhältlich ist. Im Shop gibt es natürlich auch jede Menge anderer Souvenirs, die sich mit Motiven von Monet schmücken.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Frühstück & Führung

Wer den Kunstgenuss mit kulinarischem Genuss verbinden möchte, sollte sich für Frühstück & Führung anmelden:
Jeden Freitag, Samstag, Sonntag und Feiertag kann man ab 9:00 Uhr ein französisches Frühstück im Do&Co in der Albertina genießen und im Anschluss die Ausstellung besuchen.
Frühstück, Eintritt und Führung um 11:00 Uhr kosten 31 Euro, die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt, daher ist eine Anmeldung unbedingt erforderlich unter Do&Co Albertina, Tel: +43 1 532 96 69 512 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)Führungen

Eine Führung durch die Ausstellung ist sehr empfehlenswert. Die aktuellen Termine finden sie hier auf der Albertina-Website: https://www.albertina.at/besuch/programm/fuehrungen-claude-monet/ Für die Teilnahme ist keine Anmeldung möglich, allerdings ist die Teilnehmerzahl begrenzt – first come, first serve.

Claude Monet in der Albertina Wien (Foto © Dagmar Postel)
Für die Ausstellung ist auch ein Audioguide in den Sprachen Deutsch, Englisch, Italienisch und Russisch erhältlich.

21.9.2018.-6.1.2019 Claude Monet. Die Welt im Fluss
Albertina Propter Homines Halle
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel: +43 1 534 83-0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.albertina.at

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