Zum 100. Todestag von Egon Schiele eröffnet das Egon Schiele Museum in Tulln nach Umbau mit einer neuen Ausstellungsgestaltung. Egon Schiele privat – eine biographische Annäherung ist vom 7.4.-4.11.2018 zu sehen.

Egon Schiele, der zu den bedeutendsten österreichischen Malern neben Gustav Klimt und Oscar Kokoschka der Wiener Moderne zählt, starb am 31.10.1918 in Wien. Hier – in der Albertina, im Leopold Museum oder im Belvedere sind auch die größten Sammlungen seiner Werke zu finden. So widmete die Albertina dem berühmtesten Sohn der Stadt Tulln bereits im Vorjahr eine bedeutende Ausstellung.

Bahnhof Tulln (Foto © Alessandra Comini)

Egon Schiele kam im Bahnhofsgebäude von Tulln am 12.6.1890 zur Welt und verbrachte fast zwei Drittel seines kurzen Lebens in Niederösterreich. Er ging in die Volksschule in Tulln, ins Realgymnasium in Krems und später ins Gymnasium in Klosterneuburg, wo bereits seine außergewöhnliche Begabung erkannt und gefördert wurde, sodass er im Alter von 16 Jahren an der Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen wurde, die er jedoch bereits zwei Jahre später wieder verließ.

Selbstbildnis, 1906 (Foto © Landessammlungen Niederösterreich)
Grund genug für die Stadt Tulln sich ihrem berühmtesten Sohn zu widmen: Im ehemaligen Stadtgefängnis von Tulln wurde daher 1990 anlässlich des 100. Geburtstages des Künstlers das erste Museum eröffnet, das sich ausschließlich dem Leben und Werk Egon Schieles widmet. Elf Jahre verbringt der Ausnahmekünstler in Tulln. Auf seine Anfänge als Zeichner und Maler und die Zeit in seiner Heimatstadt, in Krems, Neulengbach und Klosterneuburg ist daher der Fokus des Museums gelegt – das Leben von Egon Schiele steht hier im Zentrum.

Gefängniszelle Neulengbach, 1963 (Foto © Alessandra Comini)
Das Museum ist aber auch Ausgangspunkt zu einer Entdeckungsreise zu den Lebensräumen des Künstlers, die 50 Jahre zurückführt und die wir einer ungewöhnlichen Frau aus Texas zu verdanken haben. 1956 und 1963 besucht Alessandra Comini Österreich, um sich auf die Spuren Egon Schieles zu heften, wobei ihr Besuch im ehemaligen Bezirksgericht von Neulengbach, in dessen Keller Egon Schiele 24 Tage lang eingesperrt war zu einem entscheidenden Erlebnis wird.

Klassenzimmer Gymnasium Klosterneuburg, 1963 (Foto © Alessandra Comini)
Schiele hatte nicht nur in Österreich Probleme mit seiner Umgebung. Auch als er 1911 dem Trubel von Wien entfliehen möchte und mit seinem Modell Wally Neuziel nach Český Krumlov (Krumau) übersiedelt, nehmen seine Mitbürger an seinen Gemälden und seiner Lebensart Anstoß: nicht nur dass er mit seinem Modell unverheiratet zusammenlebt, für damaligen Verhältnisse anstößige Bilder malt, sind es auch die jugendlichen Modelle, die die Nachbarn und Bewohner der Stadt verstören. Schiele wird bald aus Krumau vertrieben: zuerst grüßt man ihn nicht mehr, dann weigert man sich ihn in den Geschäften zu bedienen. Schließlich zieht er nach Neulengbach, wo er wegen angeblicher Entführung und Schändung eines Mädchens in Untersuchungshaft genommen wird. Die Vorwürfe bezüglich der Entführung und Schändung erweisen sich zwar als haltlos, aber er wird wegen „Verbreitung unsittlicher Zeichnungen“ (die auch Kinderaugen zugänglich waren!) verurteilt.

Foto von Melanie Schuster-Schiele im Profil mit Portrait von Egon Schiele, Wien 1971 - Alessandra Comini, Reproduktion: Christoph Fuchs
Diese Gefängniszelle betritt nun als erste Forscherin Alessandra Comini bevor es zu weiteren Schauplätzen nach Klosterneuburg und Tulln geht, außerdem sucht die Forscherin Kontakt zu Schieles Schwestern und findet ihn auch. Gerti und Melanie Schiele, sowie Adele Harms, Erich Lederer und viele weitere stehen Comini für Gespräche über Egon Schiele bereit, mit einigen entwickeln sich richtige Freundschaften. Ihre Interviews mit WegbegleiterInnen Schieles legen den Grundstein für eine neue Dimension in der biographischen Forschung zu Egon Schiele, ihre damals entstandenen Fotografien der Schauplätze, die sich oft noch im Originalzustand befanden, sind heute Vorlage für die Präsentation im Egon Schiele Museum, das sich zum biographischen Zentrum des Künstlers auf Basis jener Gespräche mit ZeitzeugInnen entwickelt. Es sind einzigartige Originale, die dem Egon Schiele Museum exklusiv zur Verfügung stehen.

Selbstbildnis mit langem Haar, 1907, Foto © Sammlung E. u. H.H., Foto: Christoph Fuchs
Doch kein Schiele Museum dieser Welt käme ohne Originalwerke des Künstlers aus, die einen direkten Zugang zu seinem Schaffen vermitteln. Daher finden sich im neu gestalteten Erdgeschoss des Museums, in dem die Gefängniszelle als „Schatzkammer“ umgewandelt wurde Original-Graphiken und Gemälde, die heuer das spannungsgeladene Verhältnis von Egon Schiele zu seinen Onkel und Vormund Leopold Czihaczek verdeutlichen werden.

Bildnis Leopold Czihaczek, 1907 (Foto © Sammlung E. u. H.H., Foto: Christoph Fuchs)
Mit einem Kopfhörer ausgestattet, kann der Besucher dann durch die Räume wandeln und in die Lebenswelten von Egon Schiele vordringen, die ZeitzeugInnen anhand von animierten Porträts kennen lernen und sich von aktuellen ForscherInnen über deren Sicht auf den Mensch Egon Schiele informieren lassen. Dann begrüßt Alessandra Comini die Gäste und führt die Besucher auf die Spuren ihrer damaligen Reise nach Tulln, Klosterneuburg, Neulengbach, Krems, Mühling und Wien. Insgesamt sechs Stationen finden sich im Hauptraum des Museums, die über einen Monitor mit visuellen und akustischen Animationen zum Leben erweckt werden und das Klassenzimmer von Egon Schiele, seine Zeit an der Akademie in Wien und weitere Erlebnisse, sowie die Interviews von Alessandra Comini zeigen.

Gerti und Anton Peschka, 1967 (Foto © Alessandra Comini, Reprographie: Christoph Fuchs)
Wer also nicht nur die Werke Egon Schieles betrachten möchte, sondern sich auch mit dem Menschen hinter den Bildern, seinem Charakter, seinem Leben und seiner Zeit auseinander setzen möchte, ist der Weg in das Egon Schiele Museum empfohlen. Danach könnte man auch noch den Egon Schiele Weg und das Geburtshaus am Bahnhof von Tulln besuchen.

Der Eintrittspreis in Egon Schiele Museum beträgt für Erwachsene 5.50 Euro, es gibt eine Familienkarte um 11 Euro. Die Teilnahme einer Führung schlägt sich mit 3,20 Euro zu Buche.

Jeden 2. und 4. Sonntag im Monat finden um jeweils 13:00 Uhr Führungen durch das Museum statt. Jeden 2. Sonntag im Monat gibt es auch für Groß und Klein jeweils ab 14:00 Uhr ein Atelierprogramm

Das Museum ist Dienstag bis Sonntag und Feiertag von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet.

Egon Schiele am Totenbett (Foto © Foto Martha Fein, Sammlung Gradisch)

7.4.-1.11.2018 Egon Schiele privat – eine biographische Annäherung
Schiele Museum Tulln
3430 Tulln, Donaulände 28
Tel: +43 2272 64 570
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.schielemuseum.at

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