Die Albertina zeigt vom 16.3.-24.6.2018 Keith Haring in der Basteihalle in einer großen Ausstellung.

Als wäre es ein Geburtstagsgeschenk für mich: Es ist die erste umfassende Keith Haring Ausstellung in Österreich. Da kann ich nur sagen: „Zeit war es!“

Keith Haring in der Albertina
Vielen sind sicher seine „Strichmännchen“ oder besser gesagt „menschliche Silhouetten“ bekannt, auch wenn sie seinen Namen noch nie gehört haben. Das sollte sich mit dieser Ausstellung jetzt ändern. Denn hier kann man auch erkennen und lernen, welch Tiefgang in seinen Werken steckt. Haring war kein Graffiti-Künstler, kein Street Art Maler, obwohl er mit Zeichnungen in der New Yorker U-Bahn (auf Werbeflächen, die nicht verkauft und daher mit grauen Papier überzogen waren) unter anderem bekannt wird. Er war ein genialer Zeichner, der (s) eine eigene Bildsprache entwickelte und damit mit seiner Umgebung in Kontakt treten wollte.

Keith Haring in der Albertina in Wien

Julia Gruen, die bei der Pressekonferenz zur Eröffnung mit dabei war, beschrieb Keith Haring als still, scheu, als eine Person, die nicht viel redete – seine Sprache, seine Verständigung waren seine Zeichnungen. Mit und in ihnen teilte er alles mit, was er zu sagen hatte.

Hier erzählt sie mehr über die Stiftung und über Keith Haring:

 

Er brauchte nur eine weiße Leinwand, eine gelbe Plane, einen Untergrund und ohne Vorzeichnung, ohne Studien, entstand ein perfektes Bild, ein perfektes Werk.

Keith Haring in der Albertina in Wien
„Die Zeichnung ist bereits beim Zeichnen der ersten Linie ‚fertig‘. Es gibt Stellen, an denen man die Zeichnung ‚beenden‘ und sie als ‚fertig‘ bezeichnen kann, so wie auch Zeit und Raum ‚vollendet‘ sind. Es gibt immer unendlich viele Dinge, die man an der Komposition ändern kann, die Schwierigkeit liegt darin, zu wissen, wann man sie beendet. Die Schönheit liegt darin, zu wissen, wann man aufhört. Ich entscheide, wann ich sie beende, aber meine Arbeit ist niemals ‚fertig‘ und immer ‚fertig‘.

Keith Haring in der Albertina in Wien
Keith Haring war ein großer Humanist, der sich gegen die Unterdrückung des Individuums wandte, der sich für die Individualität des Menschen einsetzte, gegen die Suppression der Staatsgewalt. Er setzte sich mit der Macht der Kirche (der Fernsehprediger in den USA) auseinander, war früh einer der Kämpfer für den Umweltschutz, sprach sich klar sowohl gegen die friedliche wie militärische Nutzung der Atomkraft aus, stellte sich gegen Drogen und gegen die Ausgrenzung von Schwulen und Aids-Kranker. Seine Werke haben fast immer auch eine politische Aussage und diese Aussage gilt in vielen Fällen auch heute noch – das macht diese Ausstellung so aktuell, so besuchenswert.

Nach seiner Aids-Diagnose tauchten in seinem Bildern auch immer wieder Geister (Tod) auf

Dabei entwickelte er – lange vor den Emojis, die wir heute kennen – (s)eine eigene Bildsprache, um mit seinem Publikum in Kontakt zu treten. Seine ersten Bilder waren noch abstrakt, doch Haring erkannte, wenn er mit seinen Betrachtern in Kontakt treten wollte, dann musste er diesen Weg verlassen.

Ein fluoreszierender Hund in der Ausstellung Keith Haring. The Alphabet.
Um seine Zeichen, sein Alphabet, geht es nun in dieser Ausstellung in der Albertina. Diese sind, im Gegensatz zu der universellen Emoji-Sprache von heute, zu Beginn immer bedeutungsfrei.
Seine Hunde z.B. können attackieren, es kann ein „Underdog“ sein, ein Monster, aber auch ein fröhlicher „Breakdancer“ – damit lässt das Zeichen eine große Palette von Deutungen offen und ist immer auch im Kontext mit seiner Umgebung zu sehen.

Keith Haring, Andy Mouse, 1985, © Keith Haring Foundation
Das Kreuz bedeutet nicht nur „Nein. Stopp“, sondern ist auch eine Markierung, die anzeigt, dass jemand auserwählt oder aber auch anders, ausgestoßen ist.

Die Grundlage seiner Bildersprache bilden die 1980er Jahre mit dem Massenselbstmord von fast 1000 Menschen in Jonestown, der Umweltkatastrophe in Bhopal, der Wirtschaftskrise, die New York in den Bankrott stürzt, der aussichtslos scheinende Kampf gegen Drogensucht, die tödliche Ausbreitung von Aids und der Rassismus in den USA und in Südafrika während der Apartheid-Zeit.

Keith Haring, Ohne Titel, 1982 © Keith Haring Foundation
Haring zeigt sich auch erschüttert über die Ermordung John Lennons 1980 – und drückt dies mit der Symbolfigur eines Menschen mit einem Loch im Bauch aus. „Eigentlich entstand dieses Bild eines Menschen mit einem Loch im Bauch, nachdem ich von der Ermordung John Lennons gehört hatte. Ich wachte am nächsten Morgen mit diesem Bild im Kopf auf und assoziierte mit ihm immer den Tod John Lennons.“

Das Loch im Bauch kann aber auch die Leere in uns symbolisieren.

Keith Haring, 1984, Ohne Titel, © Keith Haring Foundation
Mit dem Atompilz, dem Atomzeichen oder dem Atomreaktor thematisiert Haring die nukleare Bedrohung. Er war ihr auch ziemlich hautnah ausgeliefert: 1979 fand unweit von seiner Heimatstadt Kutztown der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Three Mile Island statt. Sicher mit ein Grund, dass sich Keith Haring persönlich in der Anti-Atomkraft-Bewegung engagierte.

Im Alphabet von Haring findet sich aber auch das Goldene Kalb, das Massenhysterie, Massenverblendung und Manipulation thematisiert, oder das Schwein, mit dem er auf die Konsumgesellschaft und deren zunehmende Abkoppelung von Natur und Umwelt hinweist.

Das Goldene Kalb in der Keith Haring Ausstellung in der Albertina © Keith Haring Foundation
Bereits 1978 findet sich auf einer seiner großformatigen Zeichnungen der Ausspruch; „Everybody knows where meat comes from it comes from the store“ („Jeder weiß, woher das Fleisch kommt; es kommt aus dem Geschäft“). Auch diese Entwicklung ist heute aktueller denn je und wird z.B. in der Steiermark durch Josef Zotter mit seinem „eßbaren Tiergarten“ aufgegriffen, mit dem er vor allem Kindern zeigen wird, wie die Schnitzel der Supermarktverpackung in ihrem wirklichen Leben ausschauen und dass Kühe eben nicht lila-weiß sind.

Keith Haring, The Radiant Baby in der Ausstellung der Albertina in Wien, © Keith Haring Foundation
Das „Radiant Baby“ ist neben dem Hund eines der bedeutendsten Elemente in seinem Zeichenalphabet. Das krabbelnde Baby mit Strahlenkranz ist durchwegs positiv konnotiert und repräsentiert nicht nur die Zukunft, sondern auch Vollkommenheit. Keith Haring: „Babys stellen die Möglichkeit der Zukunft dar, ein Bild der Vollkommenheit, so wie wir sein könnten. An einem Baby ist nie etwas Negatives. Das ‚Baby‘ ist deshalb zu meinem Logo oder meiner Signatur geworden, weil es die reinste und positivste Form menschlichen Daseins darstellt.“

Die Glühbirne - Keith Haring © Keith Haring Foundation
Wenn Sie durch die Ausstellung gehen, achten Sie in den Bildern und Zeichnungen auch auf Pyramiden, Schlangen, Menschen, die andere Menschen heben, UFOs, Glühbirnen, Geister, Delfine, Stäbe, Uhren, Telefone, Radio und TV.

In seinen Werken finden sich aber auch Bild-Wörter für Sex, Spermien, Vagina und Penis, Schwangerschaft und Geburt ein, um auf den Beginn des Lebenszyklus hinzuweisen. In vielen Werken ist der Penis auch das Symbol für (männlichen) homosexuellen Geschlechtsverkehr (zur damaligen Zeit für viele österreichische Betrachter "very shocking") und für die Abweichung von der gesellschaftlichen Norm.

Die Raupe von Keith Haring 1983, © Keith Haring Foundation
Die Raupe steht für Verwandlung und Metamorphose als auch für Fresssucht und Gier, mit dem Computer, der ihren Kopf ersetzt, wird sie zum technologischen Ungeheuer. Schon 1978 äußert sich Haring kritisch über Computer und was diese für den Alltag bedeuten. „Der Silizium-Computerchip ist zur neuen Lebensform geworden. Die einzige Aufgabe des Menschen wird schließlich darin bestehen, dem Computer zu dienen….“

Im Dunkelraum - die fluoreszendierenden Figuren von Keith Haring in der Albertina in Wien

Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt seiner Bildersprache. Am besten Sie nehmen an einer der öffentlichen Führungen teil und lernen mehr über die Welt von Keith Haring – es lohnt sich …
Und verpassen Sie keinesfalls in den abgedunkelten Raum zu gehen und sich die fluoreszendierenden Bilder von Keith Haring anzusehen. Sie sind einfach „Wow!“

Öffentliche Führungen:

Alle Führungstermine finden Sie auf der Website der Albertina hier: https://albertina.at/besuch/programm/fuehrungen-keith-haring/

Die Freiheitsstatue à la Keith Haring in der Ausstellung The Alphabet. Keith Haring in der Albertina in Wien

Kuratorenführungen

Am Mittwoch, dem 4.4.2018 um 17:30 Uhr findet die Kuratorenführung mit Dr. Dr. Dieter Buchhart statt. Tickets sind am Tag der Führung an der Kassa erhältlich. der Führungsbeitrag beträgt 4 Euro, es ist keine Anmeldung möglich, aber die Teilnehmerzahl ist begrenzt: first come, first serve.

Keith Haring. The Alphabet in der Wiener Albertina

Frühstück und Führung

Vielleicht möchten Sie ja auch einmal in der Albertina frühstücken? Von Freitag bis Sonntags und feiertags ab 9:00 Uhr gibt es bei DO & CO Albertina ein amerikanisches Frühstück und danach den Besuch der Ausstellung. Das Frühstück, der Eintritt und die Führung um 11:00 Uhr schlagen sich mit 31 Euro zu Buche. Bitte melden Sie sich dazu unbedingt bei DO & CO Albertina unter +43 1 532 96 69 512 oder per email Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an. Die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt.

Zur Ausstellung ist ein Audioguide in Englisch und Deutsch erhältlich.

Keith Haring. The Alphabet in der Albertina

Geburtstagsparty für Keith Haring

Am 4.5.2018 wäre Keith Haring 60 Jahre alt geworden. Die Albertina feiert ihn mit DJ und Spezialführungen in der Ausstellung bis 21:00 Uhr.

Auch für Kinder und Jugendliche gibt es rund um die Ausstellung jede Menge interessante Programme. Eine Übersicht finden Sie hier: https://albertina.at/besuch/programm/ 

Die Albertina ist täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, am Mittwoch und Freitag bis 21:00 Uhr.

Der Delphin in der Ausstellung Keith Haring. The Alphabet in der Albertina in Wien

16.3.-24.6.2018 Keith Haring. The Alphabet.
Albertina Basteihalle
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel: +43 1 534 83 0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.albertina.at

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