Mit einer außerordentlich gelungenen Ausstellung feiert die Universität für angewandte Kunst Wien gemeinsam mit und im MAK vom 14.12.2017-15.4.2018 ihr 150jähriges Bestehen…

Man könnte ja das MAK – das Museum für angewandte Kunst - und die Angewandte – die Universität für angewandte Kunst – in Wien als Geschwister bezeichnen. Kein Wunder also, dass sich beide für eine Ausstellung zur Feier von 150 Jahren Universität für angewandte Kunst Wien zusammengetan haben.

Ausstellungsansicht - MAK-Ausstellungshalle © Kristina Satori/MAK

Herausgekommen ist nicht nur eine wirklich tolle und neuartige Exposition der Werke der letzten 150 Jahre, sondern auch gleichzeitig ein Blick in die Zukunft. Ich bin noch am Überlegen, welcher Teil mich mehr beeindruckt hat. Fact ist auf jeden Fall: Ich muss unbedingt noch einmal ins MAK, um dann in aller Ruhe die Schau genießen und reflektieren zu können.

Ausstellungsansicht

Vielleicht machen Sie sich ja auch nach dem Lesen des Artikels auf ins MAK – ich würde mich freuen, Ihren Eindruck über die Ausstellung in den Kommentaren wieder zu finden.

Ein bisschen Geschichte

Die große Weltausstellung 1851 in London war ein bisschen der Geburtshelfer für MAK und Angewandte: dort werden riesige Produktpaletten gezeigt, um für sie neue Märkte zu erschließen und ein Jahr später wird das erste Kunstgewerbemuseum – das heutige Victoria and Albert Museum – gegründet.

Blick in die Ausstellung

1863 ist es dann auch in Wien soweit: durch „Lobbying“ von Rudolf von Eitelberger, der auch der erste Direktor des Museums wird und mit Unterstützung durch Erzherzog Rainer, wird das heutige MAK gegründet.

Blick in die Ausstellung

Am 21.9.1867 war die Geburtsstunde für die damalige k.k. Kunstgewerbeschule: Kaiser Franz Joseph I. genehmigte in einem formlosen Schreiben die Gründung der neuen Lehrinstitution, die damals allerdings noch an das k.k. Österreichische Museum für Kunst und Industrie – das heutige MAK – angeschlossen wurde. Am 1.10.1868 wurde der Unterricht in einem Hoftrakt des Palais Brenner in der Währinger Straße aufgenommen, 1877 wechselte die Schule dann in das von Heinrich von Ferstel neu errichtete Haus am Stubenring neben dem Museum. Das erste Schuljahr eröffnet mit 78 Studierenden, unter denen sich sogar sieben weibliche befinden.

Blick in die Ausstellung

Die Aufgabe der Kunstgewerbeschule wird vom Museumsdirektor Eitelberger wie folgt definiert: „… besteht darin, tüchtige Kräfte für die Bedürfnisse der Kunstindustrie heranzubilden. Sie vertritt daher jene Zweige der Kunst, welche mit den Gewerben in nächster Verbindung stehen: 1. Baukunst, 2. Bildhauerei, 3. Zeichnen und Malen.“

Blick in die Ausstellung

Was hat sich da nicht alles geändert in den letzten 150 Jahren! Die „Genealogien“ der Unterrichtsfächer im Zentrum der Präsentation zeigen eine Synthese von Historie und Gegenwart auf und damit die enorme Differenzierung des Lehrangebots von den Anfängen bis heute. In diesem Raum präsentieren sich auch alle Abteilungen der Angewandten mit einem kurzen Video, außerdem gibt es Hörstationen, Videos, Webstationen und ein Büchertisch, der Einblicke in die umfangreiche publizistische Tätigkeit der Angewandten gibt.

Blick in die Ausstellung, Teil 1

Doch zurück zum Anfang der Ausstellung. Diese ist nicht – wie man vielleicht erwarten könnte – historisch gereiht, sondern alphabetisch. So scheint es fast, als ob man durch eine Enzyklopädie der Angewandten wandelt. Tausende Biografien aus Kunst, Architektur und Design sind mittlerweile durch Lehre oder Studium mit der Angewandten verbunden, darunter große und bekannte Namen wie Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Maria Lassnig, Josef Frank, Margarete Schütte-Lihotzky, Hans Hollein, aber auch viele, deren Namen einer größeren Öffentlichkeit nicht so geläufig sind.

Blick in die Ausstellung, Teil 1

In der Ausstellung im MAK sind nun über 400 Exponate aus der universitätseigenen Sammlung, der Sammlung des MAK, sowie Leihgaben in der unteren MAK-Ausstellungshalle zu sehen, die durch die 150 Jahre des Bestehens der Universität bis in die Gegenwart führen. 300 Objekte stammen aus der Designsammlung der Universität, das MAK ergänzte die Auswahl durch zahlreiche Werke von ProfessorInnen und AbsolventInnen, die bis Mitte der 1930er Jahre in die MAK-Sammlung aufgenommen wurden.

Blick in die Zukunft

In der oberen Ausstellungshalle – im zweiten Teil der Schau Ästhetik der Veränderung – geht es dann aber nicht minder spannend zu. Peter Weibel (emer. o. Univ.-Prof., Universität für angewandte Kunst und Vorstand des Zentrums für Kunst und Medien, Karlsruhe) und Gerald Bast (Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien) kuratierten den zukunftsweisenden Part, mit dem sie für eine Neuorientierung von Bildung, Kunst und Gesellschaft plädieren. Im Moment kann man nur hoffen, dass ihre – für mich – optimistische Sichtweise der Zukunft eintreffen wird.

Ausstellungsansicht, 2017, Im Vordergrund: Robotlab, The Big Picture, 2014 © Kristina Satori/MAK

Der Start des in die Zukunft gerichteten Teils der Ausstellung wird mit der historischen Expansion der Künste in neue Medien, Materialien und Methoden, sowie deren Fusionen eingeleitet und zeigt unter anderen Arbeiten von Joseph Beuys, Hans Hollein, Peter Weibel, Alfons Schilling, Ruth Schnell, Anab Jain, die ab den 1960er Jahren die Angewandte selbst zur Vorreiterin entscheidender Neuerungen bei der Ausdehnung der Künste gemacht haben.

Blick in die Ausstellung, Teil 2

Das weitere Setting der Schau widmet sich drei aktuellen Trends – Social Turn, Technological Turn und Cultural Turn und beleuchtet diese näher. Als Themenkomplexe gebündelt werden sie von österreichischen wie auch internationalen KünstlerInnen untersucht, wie sich diese Turns – also Veränderungsprozesse und Zukunftstrends – auf Bildung, Kunst und Gesellschaft auswirken.

Blick in die Ausstellung

Unter anderem ist die Arbeit Liquid Democracy (2017) von Monika Piorkowska zu sehen, die die Stabilität westlicher Demokratien in Frage stellt, der Schweizer Medienkünstler Marc Lee führt mit 10.000 Moving Cities (2010/2017) einprägsam die weltweite Vernetzung vor Augen und die Installation Lights Contacts (2009) vom KünstlerInnenduo Scenocosme zeigt, dass Veränderungen nur gemeinsam initiert werden können.

Bild in die Ausstellung, Teil 2

Außerdem wird die CrispR-Technologie von Emmanuelle Charpentier und Ihrem Team, die Nanotechnologie-Forschung von Geoffrey Ozin oder Ergebnisse aus der Migrations- und Demografieforschung des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital thematisiert.

Martin Kusch, Ruth Schnell, Marie-Claude Poulin, Liminal Spaces, Präsentation im Dome-Lab, Abteilung Digitale Kunst, 2016, Foto © Gerald Bast

Zum Abschluss findet sich noch ein weiteres Highlight der Ausstellung: The Future Room, eine spektakuläre Installation, die von den Kuratoren Weibel und Bast in Zusammenarbeit mit Ruth Schnell und Martin Kusch verwirklicht wurde. Treten Sie ein, setzen Sie sich auf eine Bank und nehmen Sie die Denkanstöße und Visionen des virtuellen Wissensraum auf…

„Zukunft ist da, wo wir uns selbst bemühen“, stellt Kurator Peter Weibel fest und so richtete man den Blick auf das Neue, ließ alte Strukturen im Dunkeln verschwimmen und bietet dem Besucher ein interaktives Ausstellungserlebnis, bei dem auch anstelle klassischer Textsorten ein virtueller Guide in Form eines Chatbots die BesucherInnen durch die Ausstellung führt und zusätzliche Inhalte auf ihren Mobilgeräten bietet. Viele der Informationen werden erst dann sichtbar, wenn die BesucherInnen selbst aktiv werden.

Blick in die Ausstellung, Teil 2

Future appliedguide

Zuerst wusste ich nicht genau, wie ich ihn denn in Gebrauch setzen könnte, denn es soll auch von zu Hause aus möglich sein, doch dann ist es mir geglückt und ich finde den Guide echt stark.
Also Handy auf jeden Fall mitnehmen und wer auch außerhalb der Ausstellung mehr über die ausgestellten Objekte erfahren möchte, der in kurzen Texten, Bildern, Videos und GIFs Wissenswertes und Unterhaltsames zu den Ausstellungsstücken und KünstlerInnen erfahren möchte, kann gleich folgendermaßen beginnen:

Facebook:

1.Facebook öffnen
2.Im Suchfeld „AppliedGuide“ eingeben
3.„Nachricht senden“

Messenger:

1.Facebook-Messenger öffnen
2.Im Suchfeld „AppliedGuide“ eingeben
3.“Los geht’s“

Christa Sommerer & Laurent Mignonneau, Portrait on the Fly, 2015 Foto © Christa Sommerer & Laurent Mignonneau
Meine Empfehlung: kommen Sie ins MAK, staunen Sie über die Vergangenheit und riskieren Sie einen Blick in die Zukunft – es lohnt sich wirklich.

Rahmenprogramm zur Ausstellung

Jeden Samstag um 16:00 Uhr (Dauer: 1 Stunde) und jeden Sonntag um 14:00 Uhr (1 ½ Stunden) findet eine Führung zur Ausstellung statt.

Jeweils an den Dienstagen (2.1., 16.1., 13.2., 20.3., 3.4.) finden um 19:00 Uhr spezielle Themenführungen statt. Das genaue Programm und weitere Infos finden Sie unter http://mak.at/programm/fuehrungen__mehr.

Die Kuratorenführung mit Patrick Werkner findet am 9.1. und mit Elisabeth Schmuttermeier am 13.3. jeweils um 19:00 Uhr statt. Außerdem gibt es Expertenführungen mit Heinz Adamek (ehemaliger Universitätsdirektor, Universität für angewandte Kunst Wien) am 30.1. um 19:00 Uhr, mit Elisabeth Frottier (Leiterin der Kostüm- und Modesammlung, Universität für angewandte Kunst Wien) am 27.2. um 19:00 Uhr und mit Nikolaus Jantsch (Malerei und Animationsfilm, Universität für angewandte Kunst Wien) am 27.3.2018 um 19:00 Uhr.

Dialogführungen mit Gerald Bast (Kurator) und Janina Falkner (Neue Lernkonzepte, MAK) finden am 20.2. und 10.4. jeweils um 19:00 Uhr statt.

Blick in die Ausstellung

Weitere Führungen und das komplette Kinder- und Familienprogramm finden Sie unter http://mak.at/programm/fuehrungen__mehr und http://mak.at/programm/kind_familie

Das MAK ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, Dienstag verlängerte Öffnungszeit bis 22:00 Uhr. Jeden Dienstag von 18:00 bis 22:00 Uhr ist der Eintritt frei.

Blick in die Ausstellung

15.12.2017-15.4.2018 Ästhetik der Veränderung. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien.
Eine Kooperation der Universität für angewandte Kunst Wien und des MAK
MAK – Museum für angewandte Kunst
1010 Wien, Stubenring 5
Tel: +43 1 711 36-248
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.MAK.at

Kommentare (0)

Bewertet als 0 von 5 basierend auf 0 Stimmen.
Bisher wurden hier noch keine Kommentare veröffentlicht

Einen Kommentar verfassen

  1. Kommentar als Gast veröffentlichen.
Rate this post:
Anhänge (0 / 3)
Deinen Standort teilen
Zum Seitenanfang