Es hat eine Zeitlang gedauert, bis das ehemalige Völkerkundemuseum wieder eröffnen konnte, aber jetzt ist es soweit und es ist gut geworden ….

2004 wurde das Museum geschlossen und eigentlich nur mit – wenn auch beachtenswerten – Sonderausstellungen am Leben erhalten. Nun ist es aber wieder soweit: Mit einer tollen Eröffnungsshow, kuratiert von André Heller, kann man auch die neu konzipierte Schausammlung wieder sehen.

Weltmuseum Wien

Wenn man durch die 14 Säle geht, merkt man auch gleich den neuen Wind, der in diesem Museum herrscht: es soll ein Museum für die Menschen sein, ein Treffpunkt für Menschen und Kulturen, wo Begeisterung zu den vielen unterschiedlichen Kulturen vermittelt wird, ein Ort der die Welt und Wien verbindet.

Die Säulenhalle im Weltmuseum Wien in der Neuen Burg

250.000 ethnografische Gegenstände, 140.000 historische Photographien und 146.000 Druckwerke befinden sich im Besitz des Museums, wenn man sich diese Vielfalt vorstellt, kommt schon einiges an Bedauern auf, dass die Größe des Museums auf Wunsch der Politik redimensioniert werden musste. Trotzdem sind dem Architektenteam bei der Gestaltung gleich mehrere Highlights gelungen:

  • die Weiterverwendung der alten Museumsvitrinen, die sich sehr gut in das Gesamtkonzept einpassen,
  • die – auch farbige - Abgrenzung zwischen den Präsentations- und „Diskussionssälen“
  • und die Erweiterung vor den Präsentationsräumen für die verschiedenen Sonderausstellungen.

Nach wie vor ein Highlight der Ausstellung: der Penacho der Azteken, Foto © KHM-Museumsverband

Bei der Neuaufstellung konzentrierte man sich auf die Stärken des Hauses und die liegen eindeutig in den Sammlungen:  sie sind in den letzten 200 Jahren aus der ganzen Welt nach Österreich gekommen. Sammlungen aus dem Pazifik, aus Afrika, aus Südamerika und vielen anderen Regionen der Welt.

Blick in die Ausstellung im Weltmuseum Wien

Aber auch die Frage nach der Provenienz der Sammlungen muss gestellt werden, die Provenienzen sind verschieden, aber auch die Perspektiven in den 14 Sälen sind ganz verschieden:

Es gibt die große Sammlung von Erzherzog Franz Ferdinand die er 1893 auf seiner Weltreise beginnt und damit Objekte aus der ganzen Welt mit nach Wien bringt und womit er hier das größte Privatmuseum errichten will.

Blick in die Ausstellung des Weltmuseums Wien
In einem anderen Saal geht es um Kaiser Franz, der die Cook-Sammlung aus London kauft für die die Engländer keinen einzigen Penny mehr investieren wollen. Heute beneiden sie uns darum. Seither ist die Sammlung des großen Pazifikforschers ein Teil des österreichischen Kulturerbes.

Blick in die Ausstellung des Weltmuseums

Erzählt werden aber auch die Geschichten der Händler und Missionare, von Amerika und den Indianersammlungen. Hier zeigt sich besonders der neue Geist, der durch das Museum weht: Der Saaltext stammt nicht von den österreichischen Kuratoren, sondern wurde von Nachfahren der einstigen „Indianerhäuptlinge“ geschrieben, Kommentare stammen von indianischen Gruppen aus Nordamerika. In diesem Sinne sind auch die Stimmen der anderen zu hören.

Blick in die Ausstellung im Weltmuseum Wien

Es gibt Objekte, die Kriegsgefangene des Ersten Weltkriegs aus der Gefangenschaft mitbrachten, die Sammlung von Maximilian aus Mexiko und auch die Benin-Sammlung und die vielen schönen Geschenke, die Kaiser Franz Joseph vom Kaiser Äthiopiens erhalten hat.

Blick in die Ausstellung im Weltmuseum Wien

In den Diskussionsräumen wird nicht nur der Kolonialismus angesprochen, sondern unter anderem auch der Kulturkampf um Wien, der um 1900 in Wien zwischen katholischen Priestern und der „gottlosen Moderne“ getobt hat. Und natürlich ist da immer wieder die Frage nach der Provenienz: „ Sind diese Sammlungen eigentlich rechtmäßig hier? Müsste man die Sammlungen nicht eigentlich zurückgeben?“.

Blick ins Weltmuseum Wien

Auch dem Thema Migration widmet sich das Weltmuseum Wien. Seit 200.000 Jahren, als die ersten Menschen Afrika verließen, sind immer wieder Menschen zu neuen Ufern aufgebrochen und immer wieder ist daraus Neues entstanden. Migration gehört zum Menschen, wie Sonne und Regen zum Wetter. Vielleicht kann man ja auch die Wiener überzeugen, dass es etwas Gutes ist, sich auf Neues einzulassen und aufzeigen, was Migration positives für die Stadt mit sich bringt.

Fünf Sonderausstellungen

Mit der Wiedereröffnung des Weltmuseums Wien wurden auch gleich fünf Sonderausstellungen eröffnet:

Sharing Stories – Dinge sprechen

Seit 2015  wurden 10 temporäre Stationen bespielt und unterschiedliche Menschen eingeladen, einen jeweils für sie bedeutenden Gegenstand zu bringen und dessen Geschichte zu erzählen.

Sonderausstellungsansicht

Die Ausstellung zeigt die gesamte Sammlung von 150 Ding-Geschichten, von denen 20 davon von Tal Adler porträtiert. In einem eigenen offenen Interviewformat entstanden 150 persönliche, reichhaltige und spannende Geschichten: von einfachen Alltagsdingen, wie einem Schlüssel oder einer Halskette, bis zu besonderen und seltenen Objekten, wie der Schachtel eines verlorenen Films oder einer handgemachten Maske.

Rajkamal Kahlon – Staying with Trouble

Staying with Trouble ist eine Werkreihe, die von der zweimonatigen Residency der Künstlerin im Weltmuseum entstand,  - dabei durchforstete sie historisches Material in der Photosammlung des Museums.

Sonderausstellung Rajkamal Kahlon

Rajkamal Kahlon setzt sich im Besonderen mit ethnographischen Portraitphotographien im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert auseinander. Die Inszenierung der Abbildungen baute häufig auf Konstruktionen des „Wilden“ oder „Primitiven“ auf und bildete so den Grundstein für Darstellungscodes, die sich teils noch heute wiederfinden. Der Titel der Ausstellung weist auf die Biologin und Wissenschaftsphilosophin Donna Haraway, deren Werk Kahlon in ihrem Arbeitsprozess beeinflusst hat.

Pop-Up World – Erzählungen

Diese Sonderausstellung ist wie ein innovatives Buch zum Museum, das dadurch teilweise real begehbar wird.

Ein Blick in eine Ecke der Säulenhalle - wunderschön

Jeweils mehrere Objekte sind zu abgeschlossenen Erzählungen arrangiert, die Bandbreite der Themen erstreckt sich von traditioneller Ethnographie bis zu Kunstgeschichte, von historischen Erwerbsumständen der Objekte bis zu Glaubensinhalten verschiedener Weltreligionen, von Sammlerpersönlichkeiten bis zum Spannungsverhältnis zwischen „Eigenen“ und „Fremden“. Die Kuratorinnen treten hier als ErzählerInnen durch Filmaufnahmen selbst auf und berichten über ihre Lieblingsobjekte.

Lisl Ponger – The Master Narrative

Das MuKul, das – fiktive – Museum für fremde und vertraute Kulturen zeigt auf Einladung des Weltmuseums eine Ausstellung der Künstlerin Lisl Ponger.

Blick auf die Ausstellung, Weltmuseum Wien

Sechs großformatige, inszenierte Fotografien in Leuchtkästen sowie eine einen Museumtag lang dauernde 2-Kanal-Installation mit dem Titel The Master Narrative und Don Durito laden die BesucherInnen auf Entdeckungsreisen ein, wobei Don Durito ein gut gekleideter, Pfeife rauchender Käfer aus dem lakadonischen Urwald ist, der Marcos, den Subcomandante der Zapatistischen Befreiungsarmee zu seinem Schildknappen erkoren hat.

Dejan Kaludjerović – Conversations

Dejan kreiert Zeichnungen, Gemälde, Installationen und entwickelt forschungsbasierte Projekte, wie diese Installation unter dem Titel „Conversations“, die eine Art Übersicht seiner jahrelangen Forschungs- und Produktionsarbeit darstellt. Zwischen 2013 und 2017 interviewte Kaludjerović Kinder im Altern von 6-10 Jahren mit einer Reihe von einfachen, aber provokativen Fragen. Für die Ausstellung im Weltmuseum Wien wurden diese Interviews nun neu zusammengefügt und bearbeitet, woraus eine Gesamtanalyse entstanden ist und das Ergebnis in Form eines beunruhigenden Spielplatzes mit einer Art unsichtbaren Performance mündet. Die ganze Arbeit basiert auf einer ungewöhnlichen soziologischen Forschung, die ganz offensichtlich zu keinen direkten oder pragmatischen Ergebnissen führt.

Blick zum Café

Im Weltmuseum Wien finden die Besucher auch ein Café (cook café & bistro) und natürlich auch ein Shop, in dem es den empfehlenswerten neuen Katalog über das Museum und die Schausammlungen zu kaufen gibt.

Blick ins Weltmuseum Wien

Tickets können auch online unter shop.khm.at/tickets gekauft werden. Das Weltmuseum Wien Ticket gilt auch für die Hofjagd – und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums Wien in der Neuen Burg.

Blick ins Weltmuseum Wien

Vermittlungsprogramm

Zur Dauerausstellung gibt es auch jede Menge an verschiedenen coolen Programmangeboten, um das Museum und die Ausstellungen besser kennen zu lernen. Schauen Sie einfach auf die Website des Museums: https://www.weltmuseumwien.at/programm/#angebote

Blick ins Weltmuseum Wien

Das Weltmuseum Wien ist täglich außer Mittwoch von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, am Freitag sogar bis 21:00 Uhr.

Mehr über das Weltmuseum Wien, aber auch über anderes Sehenswertes finden Sie auch hier auf askEnrico.

Blick ins Weltmuseum Wien

Weltmuseum Wien
1010 Wien, Heldenplatz
Tel: +43 1 534 30-5052
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.weltmuseumwien.at

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