BesucherInnen dieser Website wissen: ich bin Albertina-Fan. Aber für die große Raffael-Ausstellung vom 28.9.2017 - 7.1.2018 muss man einfach schwärmen.

Diese Chance sollte man wirklich nicht verpassen – und zwar aus mehreren Gründen:

Raffael gehört zu den großen Drei der Malerei

Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael – bei diesen drei Namen kommen nicht nur Kunstliebhaber ins Schwärmen. Ihre Fähigkeiten waren unvergleichlich – Zeichnungen, Fresken, Tapisserien, Bilder, Architektur und Erfindungen, all diese Begriffe werden mit ihren Namen verbunden. Raffael war der Jüngste im Bunde, der leider auch sehr jung starb.

Raffael, Selbstporträt, 1506, © Galleria degli Uffizi, Florenz

In dieser Ausstellung sind Werke zu sehen, die man selten wieder in dieser Zusammenstellung in einer Ausstellung wird bewundern können. Allein die Namen der Leihgeber muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: unter anderem sind hier die National Gallery of Art, Washington, das Ashmolean Museum, Oxford, Musée du Louvre, Paris, Gallerie degli Uffizi, Florenz, Szépművészeti Múzeum, Budapest, Gemäldegalerie Staatlicher Museen zu Berlin, Museo del Prado, Madrid, Royal Collection Trust der britischen Königin anzuführen. Rund 130 Zeichnungen und 18 Gemälde zeigen alle Schaffensperioden des Künstlers: die frühere umbrische Periode, die Jahre die Florenz und seine römische Zeit.

Raffael-Ausstellung in der Albertina

Die Entwicklung der Werke

Anhand vieler Beispiele in der Ausstellung kann man die Arbeitsweise Raffaels studieren: die ersten Skizzen und Entwürfe, die Studien einzelner Personengruppen und Bewegungen – diesen Entwicklungsschritten wird dann das fertige Gemälde gegenübergestellt. Ich kann mich an keine Ausstellung erinnern, bei der man diese Arbeitsweise, die Gedanken, das Werden von Meisterwerken so gut nachvollziehen konnte, wie in dieser Raffael-Ausstellung. Wirklich sehenswert.

Die Zeichnung
Hören Sie die Ausführungen von Kurator Dr. Achim Gnann über das Besondere der Ausstellung bei der Pressekonferenz: 

Das Bild

Rötel, Kreide, Feder, Kohle, Metall- und Silberstift, Weißhöhung, Lavierung, Öl

Besucher der Ausstellung können die vielen unterschiedlichen Techniken und Materialien sehen und haben durch die Vielzahl der Gemälde auch die einzigartige Möglichkeit Raffaels vielseitige künstlerische Persönlichkeit als Maler und Zeichner zu erleben.

Die Porträts

Doch wichtigster Grund die Ausstellung zu besuchen, ist natürlich die Schönheit der Werke: Mir haben vor allem die Porträtzeichnungen und die Madonnen-Darstellungen am besten gefallen. Sie sind für mich von einzigartiger Schönheit und unglaublich im Ausdruck. Marias Gesichtsausdruck und die Leichtigkeit, aber auch die große Vertrautheit mit ihrem Kind – weltlich verspielt und göttlich zugleich – begeistern mich immer wieder.

Raffael - Madonna dell’Impannata, 1511 © Galleria Palatina, Palazzo Pitti, Uffizi, Florenz: Opificio delle Pietre Dure, Florenz

Raffael bringt auf universelle Weise allgemein menschliche Aspekte seiner Geschöpfe ebenso zum Ausdruck, wie ihren Charakter, ihr Wesen, ihre Gefühle und die Motivation ihres Tuns. Er beobachtet genau, idealisiert seine Figuren und gibt ihnen dadurch eine allgemein gültige Bedeutung.

Raffael, Die Madonna mit dem Granatapfel, um 1504 © Albertina, Wien

Sie treten durch ihre Handlungen in ein Beziehungsgeflecht, in dem Gegensätze und Spannungen geklärt werden, sich auflösen und in einer wunderbaren kompositionellen Einheit aufgehen. Raffael ist wirklich ein Meister der Schönheit und Harmonie.

Raffael-Ausstellung in der Albertina

Raffael und sein Leben

Raffaello Santi wurde 1483 in Urbino geboren, sein Vater, Giovanni Santi, war ebenfalls Maler und der erste Lehrer des Sohnes. 1491 verliert Raffael seine Mutter, 1494 stirbt auch sein Vater – Raffael kommt in die Werkstatt von Pietro Perugino, dessen Figuren zum Vorbild des Schülers werden.

Kopf- und Handstudie in der Raffael-Ausstellung
Im Jahr 1500 ist Raffael, der schon zu Lebzeiten nur unter seinem Vornamen berühmt ist, bereits selbständiger Meiser und bekommt den ersten Auftrag für ein Altarbild in Città di Castello. Raffael schafft verschiedene Gemälde in seiner Heimat, darunter auch die berühmte Pala Oddi. Ab 1502 arbeitet Raffael für Pinturicchio in Umbrien und macht für ihn Vorzeichnungen für verschiedene Werke, darunter für die Bibliotheks-Fresken in Siena die Szenen aus dem Leben des Papstes Pius II., Enea Silvio Piccolomini.

Raffael-Ausstellung in der Albertina

1504 geht Raffael nach Florenz, wo er die Werke von Leonardo da Vinci und Michelangelo studiert. Auch die großen Florentiner Bildhauer und die Malereien von Frau Bartolommeo faszinieren den Künstler.
In dieser Zeit schafft Raffael bedeutende Madonnenbilder, wobei er sich von den Vorbildern Peruginos löst, das Ideal einer ausgewogenen Dreieckskomposition aufgreift um die vollkommene Harmonie zu schaffen, die mit größter Natürlichkeit in die heiligen Figuren einfließt.

Raffael Ausstellung in der Albertina

Wiederholt kehrt er auf Grund unterschiedlicher Aufträge nach Urbino und Perugia zurück, bevor er 1508 nach Rom übersiedelt, wo ihn Papst Julius II. mit der Dekoration seiner Gemächer beauftragt, nachdem Raffaels erstes Fresko die Werke der anderen Künstler in den Schatten stellte. Auf die 1509 bis 1511 erfolgte Ausmalung der Stanza della Segnatura folgt bis 1514 die Stanza di Eliodoro und bis 1517 die Stanza dell’Incendio. Raffaels Ruf verbreitet sich nun in ganz Europa. In Rom ist Raffael nach dem Tod von Papst Julius II. auch für seinen Nachfolger Papst Leo II. tätig wie auch für Angehörige des päpstlichen Hofes und für weltliche Auftraggeber, wie Agostino Chigi, der als vermögendste Bankier in seiner Zeit gilt. Für ihn stattet er dessen Kapellen in Santa Maria della Pace und Santa Maria del Popolo wie auch seine Villa, die Farnesina, aus.

Raffael, Maria mit dem Kind (Madonna Colonna), 1508, © Gemäldegalerie Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz

1514 bis 1515 entwirft Raffael die berühmten Kartons für die Teppichserie der Sixtinischen Kapelle, 1514 wird er auch zum Nachfolger von Bramante als Architekt von Sankt Peter ernannt, „nebenbei“ erhält Raffael auch noch zahlreiche weitere Aufgaben als Maler und Architekt: spätere Aufträge, wie die 1516 bis 1519 entworfenen Vorlagen für die Loggien des Vatikans werden nun unter Mitwirkung seiner Werkstätte ausgeführt.

Raffael Ausstellung

1517 wird er vom Kardinal Giulio de’Medici, dem späteren Papst Clemens VII., mit einem Altarbild für seine Bischofskirche in Narbonne beauftragt – die Transformation, die Verklärung Christi und die Heilung des Besessenen – ist das letzte, eigenhändig gemalte Hauptwerk Raffaels und sein künstlerisches Testament. Die Studien für die Apostel des Altarbildes zählen zu den schönsten Zeichnungen der italienischen Renaissance.

Raffael Ausstellung

Am 6. April 1520 stirbt Raffael mit nur siebenunddreißig Jahren.
Auf eigenen Wunsch wird er in einem antiken Sarkophag im Pantheon in Rom bestattet.

Raffael Ausstellung in der Albertina

Das Rahmenprogramm

Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm:

31.10.2017 Salon Albertina | Raffael Reinterpreted

Zu Halloween entführt die Albertina ihr Publikum in die Zeit der Renaissance und erweckt die Welt Raffaels zu neuem Leben: Ein kreativer Dresscode, umfangreiches Programm und ein Kostüm-Contest stehen im Zeichen von Raffaels Renaissance. Höhepunkt des Abends ist eine Fashion Show, die raffaeleske, jedoch zeitgenössisch interpretierte Mode in den habsburgischen Prunkräumen als Tableaux Vivants präsentiert. Die Besucher werden eingeladen, es den Models gleichzutun und ihre Porträts mit dem Hashtag #AlbertinaRaffael zu teilen – die besten Kostüme und Fotos werden prämiert.

Tickets sind im Vorverkauf in der Albertina und an der Abendkassa erhältlich.
Führungen finden an diesem Tag um 19:30, 20:00 und 20:30 Uhr in der Propter Homines Halle statt. Die Fashion Show beginnt um 21:00 Uhr in den Prunkräumen.

Raffael, Hl. Georg, 1505, Musée du Louvre, Paris: © RMN-Grand Palais

21.-22.11.2017 Symposium: Raffaels Zeichnungen

International renommierte SpezialistInnen präsentieren hier neue Forschungsergebnisse über die Zeichnungen Raffaels. Die Beiträge beziehen sich auf die Geschichte der Zeichnungsforschung, auf neue Zuschreibungen an Raffael, die Antikenrezeption, die Zeichenmethoden bis hin zu Unterzeichnungen auf Gemälden, Raffaels Entwurfspraxis, die Verwendung unterschiedlicher Zeichenmaterialien, sowie Raffaels Einfluss auf andere Künstler.

Bei der wissenschaftlichen Fachtagung können Sie 19 Vorträge von 24 ReferentInnen aus Österreich, Deutschland, England, USA und Italien hören, die die interessierte Öffentlichkeit herzlich willkommen heißen.

Das Symposium findet an beiden Tagen von 9:00 bis 17:30 Uhr im Musensaal der Albertina statt.

Raffael Ausstellung in der Albertina

21.11.2017 Raphael’s Bindo Altoviti: The Life of a Portait (Jane van Nimmen, Wien)

Abendvortrag um 19:00 Uhr im Musensaal der Albertina

Raffael Ausstellung Albertina Wien

Öffentliche Führungen

Öffentliche Führungen durch die aktuellen Ausstellungen finden Samstag, Sonn- und Feiertag um 15:30 Uhr, Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag um 11:00 Uhr, Mittwoch und Freitag um 18:30 Uhr statt. Dauer:60 Minuten

Die Tickets sind am Tag der Führung an der Kassa erhältlich, begrenzte TeilnehmerInnenanzahl, keine Anmeldung möglich, first come, first served. BesucherInnen, die besondere Vorkehrungen brauchen (Blinde, RollstuhlfahrerInnen) mögen dies im Vorfeld der Führung mitteilen.
Hier finden Sie den Kalender der Führungen: http://www.albertina.at/information/kalender

Raffael Ausstellung in der Albertina

Kuratorenführung

Am Mittwoch, den 15.11.2017 führt Dr. Achim Gnann um 17:30 Uhr durch die Ausstellung. Tickets sind an der Kassa am Tag der Führung erhältlich, der Führungsbeitrag beträgt 4 Euro, begrenzte Teilnehmerzahl, keine Anmeldung möglich, first come, first served.

Raffael in der Albertina

Audioguide

Zur Ausstellung ist ein Audioguide in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und Russisch vorhanden.

Raffael in der Albertina in Wien

Frühstück und Führung

An Freitagen, Samstagen, Sonn- und Feiertagen gibt es ab 9:00 Uhr ein italienisches Frühstück im Do&Co in der Albertina und im Anschluss den Besuch der Ausstellung.
Frühstück, Eintritt und Audioguide schlagen sich mit 31 Euro zu Buche, begrenzte TeilnehmerInnenzahl, Anmeldung bei Do&Co Albertina erforderlich unter +43 1 532 96 69 512 oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Näheres zum Albertina-Family-Sonntag, den Juniorführungen und den Kunstworkshops erfahren Sie unter http://www.albertina.at/fuehrungen__mehr
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog erschienen, der im Shop der Albertina und unter www.albertina.at erhältlich ist.

Die Albertina hat neue Öffnungszeiten: Täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10:00 bis 21:00 Uhr geöffnet.

Raffael in der Albertina

29.9.2017 – 7.1.2018 Raffael
Albertina – Propter Homines Halle
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel: +43 1 534 83 – 0
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.albertina.at

 

Kommentare (2)

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  1. Jürgen

Tolle Ausstellung, hat mir sehr gut gefallen. Vor allem hat man auch mal gesehen, wie viel Vorarbeit dahintersteckt und wie viele Skizzen angefertigt wurden bevor es dann an die großen Formate ging. Sehr gelungene Ausstellung!

 
  1. Dagmar

Vielen Dank für Eure Kommentare - sorry einen habe ich irrtümlich gelöscht.
Mir hat die Ausstellung auch ganz toll gefallen...

 
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