Die Albertina widmet vom 8.9. bis 3.12.2017 eine großartige Ausstellung Pieter Bruegel dem Älteren, dem bedeutendsten niederländischen Zeichner des 16. Jahrhunderts.

Pieter Bruegel d. Ä, Der Alchemist, 1558 © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders

Mit rund 100 Werken präsentiert die Ausstellung das gesamte Spektrum von Bruegels Zeichnungen und druckgrafischen Werke und beleuchtet seine künstlerischen Ursprünge, die er bei den bemerkenswerten Werken bedeutender Vorgänger wie Bosch oder Dürer fand und die seinen Werken gegenübergestellt werden. Zu sehen sind rund 20 der schönsten handgefertigten Zeichnungen von Bruegel aus dem hauseigenen, umfangreichen Besitz der Albertina sowie aus internationalen Sammlungen.

Pieter Bruegel d. Ä, Der Frühling, 1565 © Albertina, Wien

Dabei wurden auch zwei seiner letzten Zeichnungen - der Frühling und der Sommer- erstmals seit Langem wieder in der Albertina vereint.

Pieter Bruegel d. Ä, Der Sommer, 1568 © Hamburger Kunsthalle / bpk, Christoph Irrgang
Durch mehrjährige Forschungsarbeit in der Albertina wurden zahlreiche druckgrafische wertwolle Werke ausfindig gemacht, neu entdeckt und auch aufwendig restauriert, die in dieser Ausstellung zum ersten Mal gezeigt werden können. Unter anderem zeigt Albertina auch 6 eigenhändige Zeichnungen des Meisters aus dem eigenen Sammlungsbestand, der damit zu den größten weltweit gehört. Außerdem verfügt die Albertina über das gesamte druckgrafische Werk Bruegels, viele Blätter gleich in mehreren Exemplaren.

Pieter Bruegel der Ältere entwirft eine komplexe Bildwelt in einer Epoche der politischen, sozialen und religiösen Umbrüche. Als sensibler, er widmet sich nicht nur den Landschaften, Alpengipfeln und Flusstälern sondern ist auch kritischer Beobachtung der Lebenssituation der Menschen,wie den Bauern bei der Feldarbeit. So reflektiert er humorvoll und volksnah, scharfsinnig und zutiefst kritisch die gesellschaftlichen Verhältnisse und thematisiert die Tragik und Größe, und lässt den Betrachter die Lächerlichkeit und Schwäche des Menschseins in seinen Werken entdecken. Seine Handzeichnungen mit Feder gehen in die Tiefe und zeigen präzise Details des wirklichen Lebens von Menschen und der Naturlandschaften.

Pieter Bruegel d. Ä, Hasenjagd, 1560 © Albertina, Wien
In seiner bekanntesten Zeichnung, Maler und Käufer, einem der Hauptwerke der Albertina, macht Bruegel die Kunstproduktion selbst zum Thema: Er konfrontiert Betrachtende mit der ernsten, intellektuellen Arbeit des Malers, der ein vorgeblicher Kunstkenner nichts als ratloses Staunen und den Griff nach seinem Geldbeutel entgegen zuhalten hat. Kunst trifft in diesem Werk auf das Unverständnis des Käufers und der Gesellschaft im Allgemeinen.

Schon zu Bruegels Lebzeiten waren seine Werke sehr beliebt. Sie waren und sind immer noch begehrte Sammlerstücke - seine "Kunden" waren jedoch nicht die Bauern, sondern meistens eine gebildeten Elite.

Die Ausstellung in der Albertina zeigt handgefertigte Zeichnungen und Druckgrafiken und ist in mehreren Teilen gestaltet.

Erfindung der Landschaft

Unter dem Titel Erfindung der Landschaft zeigt die Albertina Bruegels Zeichnungen der Alpenlandschaften, die er meistens nach seinem Aufenthalt in Italien verarbeitete. Die auf und nach dieser Reise entstandenen Landschaftszeichnungen sind seine ersten bekannten Werke. Im Fokus steht das Herausarbeiten wesentlicher Charakteristika eines Landstrichs in sorgfältig komponierten Arrangements. Derartige Landschaftszeichnungen kann Bruegel gut verkaufen, denn Antwerpen ist ein Zentrum der Landschaftsmalerei mit einem blühenden Kunstmarkt.

Pieter Bruegel d. Ä, Die große Alpenlandschaft, 1555-56 © Albertina, Wien

Die handgefertigten Zeichnungen werden im Antwerpener Verlag Hieronymus Coks als Kupferstiche umgesetzt, was für den jungen Künstler ein langfristiges Einkommen bedeutet. Die Vervielfachung seiner Zeichnungen durch Druckgrafik ist interessanter als der Verkauf einzelnen Blätter und sie finden weite Verbreitung. Seine Landschaftszeichnungen und die von ihm entwickelten neuen Typen von Waldlandschaften, Alpenpanoramen, Flusslandschaften und Seestücken dienten als zukunftsweisende und bahnbrechende Bildvorlage für weitere Nachfolger bis weit über seinen Tod hinaus.

Gestochene Ethik

Bruegel befasst sich ab der zweiten Hälfte der 1550er Jahre zunehmend mit dem Menschen und seinem Verhältnis zur Gesellschaft. Als Markenzeichen des Künstlers sind die gedruckten Darstellungen von Sprichwörtern, Genreszenen und moralisierenden Gleichnisse bekannt. In seinem druckgrafischen Schaffen kritisiert er vor allem die Dummheit, die übertriebenen Geldgier und den maßlosen Egoismus der Stadt Antwerpen.

Ein neuer Bosch

Bruegel orientiert sich in dieser Zeit an den Bildmotiven des niederländischen Künstlers Hieronymus Bosch, dessen Darstellungen von fantastischen Mischwesen und Teufeln weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte und gesuchte Sammlerstücke sind.Ein Vorteil für Bruegel, wenn es um Verkauf seiner Werke geht. Hier sind die sehr gelungene Kupferstiche wie Die großen Fische fressen die Kleinen, Die Christi Höllenfahrt, Das Jüngste Gericht und Die Versuchung des heiligen Antonius zu sehen.

Pieter Bruegel d. Ä., Die großen Fische fressen die kleinen,1556 © Albertina, Wien

Diablerie und Drolerie: Die sieben Todsünden

In diesem Ausstellungsteil präsentiert die Albertina Bruegels gezeichnete und gedruckte Serie, die die sieben Todsünden wie Neid, Zorn, Hochmut, Habgier, Trägheit, Völlerei und Wollust darstellt. Die Todsünden als weibliche Gestalten werden von symbolischen Tieren – Pfau, Truthann, Schwein, Bär, Kröte, Esel und Hahn - begleitet. Obwohl es sich um Sünden handelt und oft grausame Bestrafung droht, enthalten Bruegels Werke auch eine humoristische Komponente: So ist die Völlerei als Vielfraß mit einem fetten Bauch auf einer Schubkarre dargestellt. In der Zeichnung Die Trägheit ist ein Faulpelz beim Verrichten des Geschäfts abgebildete, der durch mehrere kleine Gestalten mit Lanzen dabei unterstützt wird.

Pieter Bruegel d. Ä., Die Trägheit,1557 © Albertina, Wien

Trinken, Tanzen, Feiern: die Bauernkirmes

Die Darstellungen der lebhaften feiernden Landbevölkerung am Markt in Antwerpen sind ebenfalls ab den 1550er Jahre sehr beliebt. Bruegel fokussiert sich auf die Darstellung des Lebens der Bauern und Bäuerinnen inmitten eines flämischen Dorfes.

Pieter Bruegel d. Ä, Der Elck, um 1558 © Albertina, Wien

Im Lauf der Jahreszeiten

Seine Zeichnungen von Frühling und Sommer sind Vorlagen für eine Stichserie Jahreszeiten. Leider kann Bruegel die Szenen zu Herbst und Winter vor seinem Tod nicht mehr fertig stellen. Der Antwerpener Verlag Hieronymus Cock lässt die beiden fehlenden Blätter durch den Landschaftsmaler Hans Bol ergänzen, um alle vier Jahreszeiten als Zyklus herausgeben zu können.

Von Kunst und Künstlern

Im letzten Ausstellungsteil ist nicht nur Bruegels berühmteste Zeichnung Maler und Käufer, sondern auch seine Zeitgenossen zu sehen.

8.9. – 3.12.2017 Bruegel. Das Zeichnen der Welt

Albertina
1010 Wien, Albertinaplatz 1
Tel.: +43 1 534 83-0
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.albertina.at

Öffentliche Führungen finden 16., 23.9., 7., 14., 21.10. und 2.12. um 15:30 Uhr statt. Am 27.10. ist die öffentliche Führung um 18:30 Uhr.
Eintrittskarten an der Kassa erhältlich (am Tag der Führung).
Führungsbeitrag 4,- Euro.

Öffnungszeiten
Täglich 10:00 bis 18:00 Uhr, Mittwoch 10:00 bis 21:00 Uhr

An allen Feiertagen gelten die für den jeweiligen Wochentag vorgesehenen Öffnungszeiten.

Mira Wimmer

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