Am Samstag war es soweit: rechtzeitig und stolz wurde von den Verantwortlichen das erste Haus der Geschichte in Österreich in St. Pölten eröffnet. Wir erhielten einen Vorgeschmack.

Sie haben es also geschafft: während der Bund hofft, 2018 wenigstens einen Teil seines geplanten Hauses der Geschichte fertig stellen zu können, luden die Niederösterreicher bereits am Donnerstag Journalisten zu einer schnellen Führung durch ihr Haus der Geschichte ein.

Der Eingang zum Haus der Geschichte

Warum dabei wieder ein Seitenhieb auf Wien ausgeteilt werden musste, bleibt mir allerdings unverständlich – immerhin liegt das österreichische Museum der Geschichte, wenn auch mit Standort Wien – in der Verantwortung des Bundes. Aber Wien-Bashing scheint im Moment ziemlich angesagt zu sein. 
Aber widmen wir uns nun dem neuen Haus der Geschichte in St. Pölten und freuen wir uns über seine Fertigstellung.

Vor dem Museum erwartet den Besucher ein alter, wunderschöner VW-Bus
Dieses ist nun als Schwester zum Haus der Natur ins Museum Niederösterreich eingezogen. Die hier untergebrachte Kunstgalerie übersiedelt nach Krems und so wurde für das neue Museum Platz geschaffen.

Die Landeshauptfrau bei der Pressekonfernz

Neu ist  laut Aussage der Ausstellungsgestalter die Konzeption: so wird die Geschichte nicht linear erzählt, sondern es wurden unterschiedliche Themenbereiche geschaffen, mit denen sich der Besucher dann – ganz nach seinem Belieben – ausführlicher oder weniger intensiv beschäftigen kann. Zu jedem Themenbereich gibt es einen einführenden Text und ein kurzes Video, wobei die einzelnen „Cluster“ nicht isoliert im Raum stehen, sondern auch untereinander verzahnt sind und sich – genauso wie die Vermittlungszonen mit der Ausstellung – überlappen. Außerdem gibt es ein Miteinander von interaktiven Stationen, Videos, Mitmachspielen und wertvollen und interessanten Exponaten, die dem Besucher Geschichte näherbringen sollen.

Auch der Dienstwagen von Figl ist dabei
Das Haus der Geschichte in Niederösterreich soll sich allerdings nicht nur dem Museumsbetrieb widmen, sondern auch die Forschung vorantreiben und einen starken Servicecharakter aufweisen: so erhalten Interessierte auch Hilfe des Museums um ihrer eigenen Geschichte auf den Grund zu gehen.

Was gibt es nun alles zu entdecken?

Es war ein Schnelldurchgang, der uns am Donnerstag geboten wurde, auch wenn die angepeilte Dauer denn doch ein wenig überschritten wurde. Außerdem war einiges noch nicht live geschaltet oder noch verhüllt. Daher möchte ich bei meiner späteren Kritik noch ein wenig vorsichtig sein und gelobe schon jetzt, dass ich das Haus der Geschichte sicher noch einmal und dann in der gebotenen „Langsamkeit“ besuchen werde und selbstverständlich gibt es dann noch einmal einen Bericht.

Für einen Überblick reicht aber die Speed-Führung und sie enthüllte schon einiges.

Das Museum ist in 11 – bereits oben erwähnte – Cluster oder Themenbereiche gegliedert, die man entweder der Reihe nach oder auch nach Lust und Laune besuchen kann. So kann man die Ausstellung auch am „Ende“, also mehr oder weniger in der Gegenwart beginnen und sich dann bis zu den Römern oder noch früher zurückarbeiten.

1. Im Fluss der Zeit

Der erste Raum widmet sich der Geschichte im Fluss der Zeit. Hier soll dem Besucher klar gemacht werden, dass Geschichte immer (auch!) einen subjektiven Bezug hat und Generationen geschichtliche Ereignisse und Gegenstände unterschiedlich beurteilen können und werden.

Cluster 1 - Im Fluss der Zeit

Bereits hier soll eine Einladung zur Diskussion über Geschichte und ihre Interpretation an die Besucher ausgesprochen werden. Dr. Karner versuchte dies anhand zwei Vitrinenobjekten einem „Hakenkreuz“ und einer „Holzbanane“ deutlich zu machen.

Objekte im Laufe der Zeit 

Während heute das Kreuz ohne Zweifel für jedermann als Hakenkreuz erkennbar ist, war die Holzbanane im 19. Jahrhundert Unterrichtsmaterial in Schulen, um den Schülern die exotische Frucht zeigen zu können.

2. Mensch im Raum

Dieser Abschnitt führt den Besucher von den Anfängen der Besiedelung von Niederösterreich, den Jägern und Sammlern, zu den Römern, über die Burgen der Babenberger und der Habsburger, deren Kernland das heutige Niederösterreich ursprünglich war bis zum Eisernen Vorhang.

Mensch im Raum

Der Bogen wird damit von der Urgeschichte über die römische Besiedlung, der Völkerwanderung bis zum Mittelalter gespannt. Niederösterreich war immer schon ein Land, das durch den Handel und seine Handelsstraßen geprägt war.

Die Römer und ihre Straßen

Als Anschauungsobjekte dienen hier der Schatz von Wiener Neustadt (im Mamuz früher prominenter präsentiert), außerdem gibt es einige Objekte der alten Hafenanlage, die man bei Krems gefunden hat und Ritterfreunde werden sich sicher über die Modell der Burgen freuen.

Der Wr.Neustädter Goldschatz (Foto © Haus der Geschichte)

3. Flucht und Wanderung

Cluster oder Themenbereiche können auch ineinander greifen, stellt das Thema Völkerwanderung doch einen Bezug zum nächsten Bereich her: Krieg, Gewalt, Naturkatastrophen, ethnische Vertreibung und Deportation sind leider keine Erfindungen der Gegenwart – es gab sie schon immer.

Mit dem Kinderwagen auf der Flucht

Hier versucht die Ausstellung gleich eine Brücke zur Gegenwart zu schlagen, indem sie zwei Kinderwägen präsentiert: der eine stammt aus 1945 von der Vertreibung der Sudetendeutschen, der neuere von den Flüchtlingen, die über die Balkanroute ab August 2015 nach Österreich strömten.

4. Macht und Gegenmacht

Wer hat Macht, von wem ist sie ihm gegeben und wie übt er sie aus? Im Mittelalter gab es die adeligen Herren, die ihre Besitztümer vom Landesherren als Lehen erhielten, und die besitzlosen Bauern, die von ihnen Boden und Schutz erhielten und dafür Arbeitsdienste und Abgaben leisten mussten.

Wie war die Hierarchie im Mittelalter?

Im späteren Mittelalter wiederum verbündeten sich Adelige, Geistliche und Vertreter der Städte gegen die Landesherren. Aber auch damals gab es schon Außenseiter, die keiner der „Hauptgruppen“ angehörten. In den Vitrinen wieder finden sich Objekte, die in einer Beziehung zu den jeweiligen Gruppen stehen.

5. Glaube und Wissen

Der christliche Glaube bestimmte lange Zeit das Denken, Wissen und Leben in Europa, doch schon früh gab es Bestrebungen Missstände in der Kirche abzustellen und diese zu reformieren. Diese Erneuerungen gipfelten schließlich 1517 in den Thesen von Martin Luther.

Die Luther Bibel

Dennoch bleibt Zentraleuropa und damit Niederösterreich durch den Einfluss der Habsburger, der katholischen Kirche und der damit verbundenen Gegenreformation überwiegend katholisch. Die Jesuiten gründen Universitäten und schaffen Zentren für Bildung, doch die Religion verliert zunehmend an Bedeutung. Die Aufklärung und damit die Vernunft gewinnen an Einfluss und ist der Schlüssel für die Entfaltung der feien Wissenschaft und Bildung.

Die alte Einrichtung einer Schulklasse

Die Ausstellung zeigt hier aber nicht nur ein altes Klassenzimmer aus einer mödlinger Schule, in dessen Bänken der Besucher auch zum Ausruhen Platz nehmen und ein Video zum Schulwesen seit dem Mittelalter ansehen kann, sondern auch eine Sammlung von „Esszettel“, Haussegenssprüchen und allerlei Steinchen, die man sich um den Hals legte, um verschiedene Krankheiten zu bekämpfen.

6. Wer bestimmt?

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit sind die Schlagworte der französischen Revolution 1789 und 1848 revoltiert man in weiten Teilen Europas gegen die Herrschenden, so auch in Österreich. Ende des 19. Jahrhunderts entstehen die Massenparteien, der Einfluss der Monarchie nimmt ab, und ab 1919 dürfen auch Frauen in Österreich zur Wahlurne schreiten.

In den Wahlkabinen abstimmen

Der Tod von Kaiser Franz Joseph I. steht symbolhaft für eine zerfallende Ordnung in Zentraleuropa. Die Ausstellung schlägt hier eine Brücke zur Gegenwart: so kann man sich die Sitzordnung des österreichischen Parlaments kennen lernen, am Rednerpult eine Rede zum Nationalrat halten und diskutieren oder in der Wahlkabine abstimmen.

Im

7. Selbstbilder – Fremdbilder

Im 19. Jahrhundert lockern sich die Bindungen zu den Zünften und der Kirche, an deren Stelle treten die Zugehörigkeiten zu einer Nation, einer Sprachgruppe, zum Bürgertum, Bauernstand oder Arbeiterschaft. Brauchtum, Tradition und Tracht wird groß geschrieben, um sich von anderen Nationen abzuheben.

Die Rasseneinteilung der Nationalsozialisten

Anstelle der Religion tritt die Ideologie, neue Feindbilder entstehen: Rassen, Klassen, Völker, Nationen. Die Frage nach der Identität und deren Zustandekommen wird in der Ausstellung aufgeworfen.

8. Im Takt der Maschine

Hier steht die Industrialisierung – die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts im Mittelpunkt der Ausstellung. Nun unterscheidet man Arbeitszeit und Freizeit. Mit den ArbeiterInnen entsteht eine neue Bevölkerungsgruppe mit unsicherer Existenz, schlechten Arbeitsbedingungen und Verelendung – die „soziale Frage“ rückt in den Blickpunkt.

Im Takt der Maschine

In der Transportwirtschaft gewinnen Schiffsverkehr und Eisenbahn zunehmend an Bedeutung, nur die Landwirtschaft bleibt technologisch im Hintertreffen, hier beginnt der Einsatz von Maschinen erst im 20. Jahrhundert. In dieses Kapitel fallen auch die ersten Anfänge des Tourismus und damit des Skisports, der ja auch mit Mathias Zdarsky, von dem ein Paar Ski zu sehen sind, in Lilienfeld erste Schritte machte.

9. Im Gleichschritt – ausgelöscht

Auf dem Weg zum Obergeschoss kann man noch zwei Objekte sehen, die eigentlich als Überbleibsel der beiden Weltkriege zu sehen sind, aber lange Zeit Zentraleuropa, aber im besonderen Niederösterreich bestimmten: ein Grenzwachturm und jene selbstgebaute „Flugmaschine“ mit der noch 1988 Jiri Rada die Flucht nach Österreich gelang.

Die selbstgebastelte Flugmaschine von Jiri Rada
Der folgende Bereich widmet sich dann eigentlich nur kurz dem Ersten Weltkrieg, zeigt Europa vor dem Ersten Weltkrieg und wie spezialisiert die Gebiete der Monarchie bereits in Industrie und Landwirtschaft waren, dann das Heranwachsen der autoritären Regime bis Februar 1938 und zeigt anhand eines Lebenslaufs +auf wie der Nationalsozialismus und Führerkult von der Schule bis ins letzte Wohnzimmer hinein seine Auswirkungen hatte.

Bewusst wolle man keine Bilder der Millionen von Toten zeigen, sondern aufzeigen, was es für einen Menschen bedeutete in solch einem System mitzumachen: was musste er dafür aufgeben, wer war Opfer, wer war Täter?

Während der 1.Weltkrieg eher kurz gestreift wird, beleuchtet die Ausstellung den 2.Weltkrieg genauer. Allein die Tafeln der Rassen, die gezeigt werden, sollten alle zum Nachdenken bringen. Auch auf die Umstellung aller Wirtschaftsbereich auf Kriegswirtschaft wird eingegangen.

10. Niederösterreich im Wandel

Hier ist das Hauptexponat sicher das Original-Faksimile des Österreichischen Staatsvertrags von 1955, das das russische Außenministerium dem Museum zur Verfügung gestellt hat. Aber auch das Bild von der Staatsvertrags-Unterzeichnung ist beachtenswert.

Mikl-Leitner und Dr. Karner bei der Übergabe des Faksimiles des Staatsvertrags

Ist es doch die „Erstausgabe“, die hier in der Ausstellung gezeigt wird. Da dieses jedoch dem Auftraggeber Julius Raab nicht gefiel, da die Personen auf dem Bild nicht erkennbar waren, musste ein zweites angefertigt werden, das dann als das „offizielle“ Bild seinen Weg machte. Weiter geht es dann mit dem Abzug der Besatzungstruppen, dem Wiederaufbau mit US-Hilfe und dem österreichischen Wirtschaftswunder.

Der Puch des Wirtschaftswunders

Ein Puch 500, eine Eumig Kamera und ein Mischpult, Lilienporzellan sind ebenso dabei wie Fotos von der Leichtathletik-, Handball- und der politischen Karriere von Liese Prokop. An einer Wand kann man in einer Art Zeitraffer wichtige Ereignisse der Nachkriegszeit bis heute verfolgen, von der Besetzung der Hainburger Au bis zur Öffnung des Eisernen Vorhangs, von Franz Klammer bis zu Arafat bei Bruno Kreisky.

11. Brücken bauen

Die letzte Installation soll jeweils aktuelle Themen mit den 10 Bereichen verbinden, zum Nachdenken anregen und Verbindungen zwischen Niederösterreich, Zentraleuropa und der ganzen Welt herstellen. Über diese Station werde ich bei meinem nächsten Besuch berichten.

Sonderausstellung: Die umkämpfte Republik

Nächstes Jahr jährt sich zum 100.Male das Ende des 1. Weltkriegs und die Ausrufung der Republik Österreich (damals Deutsch-Österreich). Die Sonderausstellung widmet sich in drei Räumen der Zeit von 1918 bis 1938.

Eingang zur Sonderausstellung
Im ersten Raum zeigt man die Situation des Landes mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, die Vitrinen sind in den Raum hineingeworfen, wie die Menschen in ihre neue Situation. Ein Wirtschaftsraum – die Monarchie – zerfällt in ihre Einzelteile, die Nationalstaaten entstehen, die ersten Wahlen zum Nationalrat werden abgehalten und schon damals zeigen sich ernste Gegensätze zwischen den Bevölkerungsgruppen.

Der Zerfall der Monarchie
Der zweite Raum widmet sich der immer größer werdenden Eskalation zwischen Heimwehr und Schutzbund und dem Anwachsen der Nsdap. Im Raum findet sich auch eine Installation, mittels derer man deutlich machen kann, welches Vorgehen zu mehr oder weniger Opfern politischer Gewalt führt. Auch dazu noch später…

Die umkämpfte Republik
Der dritte Raum zeigt dann nicht nur das Dolfuss-Bild, das vom ÖVP-Club des Parlaments zumindest für die Dauer der Renovierung des Parlaments in die Ausstellung übersiedelte, sondern bringt auch verschiedene unterschiedliche Statements zu Dolfuss und er zeigt den Weg in den Polizeistaat, der dann durch die Machtübernahme Hitlers abgelöst wird.

Das Bild von Dolfuss aus dem ÖVP-Club des Parlaments

Mein erster Eindruck der Ausstellung ist auf jedem Fall dem Schnelldurchlauf geschuldet. Daher mag sich auch manches, das an Kritik nun vorgebracht wird, bei einem ausführlichen Besuch als unzulässig herausstellen. Ein zweiter, ausführlicher Besuch ist daher schon aus „Objektivitätsgründen“ erforderlich, wenngleich ich weiß, dass auch diese Objektivität mit meiner Subjektivität vermengt ist. In jedem Fall würde mich Ihr Eindruck der Ausstellung interessieren und daher würde ich mich freuen, wenn Sie die Kommentarfunktion dieses Artikels reichlich benutzen würden, um ihre Meinung bekannt zu geben.

Aus der Geschichte lernen?

Vielleicht ist es dem Menschen wirklich nicht möglich aus der Geschichte zu lernen, aber man sollte es versuchen – und eigentlich ist es ja auch ein Ziel des Hauses der Geschichte: Verbindungen zur Gegenwart zu schaffen. Diese Verbindungen fehlen mir allerdings ebenso wie das stärkere Aufzeigen der Gründe, die zu bestimmten Entwicklungen führen.

Einige Beispiel kurz angerissen:

Flucht und Migration.

Zwei Kinderwägen versinnbildlichen, dass es Flucht schon immer gab, aber wo wird auf die Fluchtgründe eingegangen? Und – sollte bei den heutigen Fluchtgründen nicht auch gezeigt werden, wie es zu den Auseinandersetzungen kam?

Auseinandersetzung der politischen Parteien nach dem Ersten Weltkrieg.

Gezeigt wird sehr wohl die brutale Auseinandersetzung der Worte und der Abbildung auf Plakaten, aber wo bleibt die Verbindung zur Gegenwart. Wenn man hier von dirty campaining spricht, wo bleiben die Beispiele aus Facebook & Co. Warum wird nicht genauer der Weg von den Worten zu den Taten in der Vergangenheit aufgezeigt, warum wird nicht gewarnt, dass wir uns auf einem ähnlichen Weg in der Gegenwart befinden (könnten)?

Identität und Werte

In den Eröffnungsreden und auch in der Führung zur Ausstellung tauchten oft die Worte Identität und Werte und deren Wichtigkeit auf. Das alles ist richtig, aber wo wird in der Ausstellung gezeigt, dass sich Identität und Werte sehr wohl auch ändern können. Gerade Österreich ist hier seinen Weg gegangen – und sollte ihn weitergehen und nicht in der Tradition und Tracht verharren. Was wären die Wege wohin man gehen könnte?

Interaktive Installation über politische Gewalt

Vielleicht habe ich es ja falsch verstanden, doch angeblich kann man mit dieser Installation, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen basiert, feststellen, dass es bei einem vermehrten und harten Durchgreifen der Polizei weniger politische Opfer gibt. Hier bin ich mir nicht sicher, ob die Intention wirklich richtig beim Besucher "rüber" kommt. Soll dies einem verstärkten und härten Polizeieinsatz das Wort reden? Ich denke nicht. Wahrscheinlich soll es bedeuten, hart gegen politische Gewalt vorgehen, aber wie genau das gemeint ist, ist für mich im Schnelldurchgang nicht klar gewesen und damit sollten wir vorsichtig sein. Diesem Thema werde ich mich bei meinem Zweitbesuch besonders widmen.

Wie können politische Opfer verhindert werden?

Ganz zufrieden bin ich auch nicht mit der Aussage, dass Geschichte offen ist und sich jede Generation ihre eigene Geschichte neu schreibt. Da würde ich mich schon gerne ein bisschen mehr auf die unabhängige Wissenschaft verlassen mögen. Dass man vieles später anders sieht, als wenn man im Ereignis mitten drinnen steckt, verstehe ich schon, doch sollten die vielzitierten österreichischen und europäischen Werte besonders bei den Begriffen Opfer und Täter doch immer ziemlich hilfreich sein können. Wenn man im Nachhinein auch vielleicht besser erklären kann, wie Menschen in bestimmte Systeme oder Ereignisse „hinein rutschten“, wenn man vielleicht auch noch Verständnis aufbringen kann (keiner werfe den ersten Stein): Verbrechen bleibt Verbrechen und Denunziation Denunziation. Da waren die Kuratoren bei der diesjährigen Niederösterreichischen Landesausstellung „Alles was Recht ist“ um einiges deutlicher. Gerade bei sensiblen Themen …

Ich bin ziemlich sicher, dass die Kulturvermittler bei Führungen und beim Besuch von Schulklassen alle diese Kritikpunkte richtig vermitteln werden, aber was ist mit dem Individualbesucher?

Ich werde mich auf jeden Fall wieder nach St. Pölten begeben, um in aller Ruhe und ohne Zeitdruck herauszufinden, ob sich die Antworten auf die oben gestellten Fragen finden lassen und ob diese Kritikpunkte zutreffend sind oder nicht. Außerdem freue ich mich, die Objekte in Ruhe betrachten zu können, aber auch möglichst viele interaktive Stationen ausprobieren zu können. Und schließlich möchte ich auch mein Leben an Hand der Beispiele von 1959 an, noch einmal so richtig im Gedanken an mir vorbeiziehen lassen…

Kreisky und Arafat
Zum Haus der Geschichte gibt es auch eine eigene App: Sie dauert ein bisschen beim herunterladen, bietet die Haupttexte der jeweiligen Themenbereiche und Informationen über wichtige Ausstellungs-Exponate. Außerdem gibt es einen kleinen Quiz mit 10 Fragen am Ende.

Die Ausstellungs-App

Eines stimmt auf jeden Fall: Geschichte lebt und es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken und zu erforschen. Daher freue ich mich auch schon auf die Veränderungen, die durch die Modulbauweise selbst in der Dauerausstellung immer wieder vorgenommen werden können – und auf die Sonderausstellungen sowieso.

Das Museum Niederösterreich ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 9:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Eintritt: Erwachsene 5.50, ermäßigt 4,50, Kinder von 7 – 18 Jahren 3.50 Euro, Familien 11 Euro.

Hier noch einige Eindrücke in die Ausstellungen:

Museum Niederösterreich
Haus der Geschichte und Sonderausstellung „Die umkämpfte Republik 1918 – 1938“
3100 St. Pölten, Kulturbezirk 5
Tel: +43 2742 90 80 90
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museumnoe.at

Link zum Plan auf Google Maps

 

Kommentare (0)

Rated 0 out of 5 based on 0 votes
There are no comments posted here yet

Einen Kommentar verfassen

Posting comment as a guest.
Anhänge (0 / 3)
Share Your Location

Event Suche

Melden Sie sich hier zu unserem Newsletter an:

Wir freuen uns über Ihre Unterstützung!

Wir freuen uns sehr, wenn Sie unsere Arbeit mit einem kleinen Beitrag unterstützen. Vielen Dank.

Mein Unterstützungsbeitrag:
Zum Seitenanfang