Die Ära des neuen Intendanten der Oper Dortmund begann am Freitag, den 5.10.2018 mit einer durchaus hörens- und sehenswerten Aida Premiere.

Intendant Heribert Germeshausen feiert seine erste Spielsaison in Dortmund mit einem dreitägigen Fest. Start war am Freitag, den 5.10.2018 mit Aida.


Ein dreitägiges Eröffnungfest? Mit zwei Opernpremieren? In Dortmund? Das konnte ich mir nicht entgehen lassen – kaum von Kroatien zurückgekehrt ging es daher auch schon weiter in den Norden.

Elena O'Connor als Aida in der Oper Dortmund (Foto © Opernhaus Dortmund)
Und dann war es soweit. Voll Erwartung saßen wir im Zuschauerraum. Ich mag diese Oper. Ein modernes Gebäude, nicht vergleichbar mit unserer ehrwürdigen Staatsoper in Wien, aber doch edel, frisch mit viel orange und vielen Spiegeln, eine wunderbare Bar, und mit den vielen Lampen fast schon wieder ein bisschen kitschig – so wie es eben sein soll.

Verdis Aida in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)
Da ich mehrere Opernaufführungen in Deutschland bereits gesehen habe, weiß ich, dass hier eher modern inszeniert wird, allerdings kaum am Thema vorbei, wie das oft bei modernen Inszenierungen der Fall ist. Bis auf eine Zauberflöte bei der die Königin der Nacht vor allem mit sechs oder noch mehr Brüsten glänzte, haben mir die meisten Interpretationen gefallen.

Doch zurück zur Aida.

Der Vorhang hebt sich und gibt – sowohl beim Hochgehen als auch wenn er sich senkt – immer den Blick auf die Bühne wie in einer Pyramide frei. Ein schöner und sehr passender Einfall.
Allerdings erstarre ich ein wenig beim ersten Bild: ein moderner Konferenzraum mit Tischen und Sessel. Aida in einem einfachen Kleid in orange (ich denke gleich an die Gefangenen von Guatanamo), die die Konferenzunterlagen auf dem Tisch ausbreitet, schließlich kommen die „Generäle“ in ihren Uniformen, darunter auch Radames.

Mit diesem Bild kämpfte ich länger, nicht weil ich es unpassend finde – irgendwie scheint es mir banal und passt für mich nicht so recht zu den anderen durchaus charmanten Ideen.

Verdis Aida in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)
Der König der Ägypter erscheint in einem goldenen Jacket und schwarzer Lederhose und ist gut Freund mit seinem Heerführer. Der Chor der Ägypter – eine Partygesellschaft. Die Priestergilde wiederum ist auch durch ihre Kleidung erkennbar. Die Uniformen der Soldaten und auch die Uniform, die Radames von den Priestern angelegt wird, erinnern mich an eine meiner Lieblings-Science-Fiction Serie Stargate – SG1. Werden Radames und Aida heute durch ein Sternentor fliehen können?

Verdis Aida in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)
In der zweiten Hälfte der Oper fühlt man sich (fast) an den Nil versetzt – die Bühne ist mit einem Streifen Wasser geflutet.
Das Ende der Liebenden, zum Tode verurteilt, eingemauert bei lebendigem Leibe, wird wunderbar durch eine Box, deren Wände sich senken dargestellt. Immer weitere durchscheinende Wände senken sich hinter, aber auch vor dem Paar herab.

Verdis Aida in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)
Zuerst war es für mich ein reines Spektakel und ich fragte mich, ob sich die Ausstatter nicht ganz für eine Zeit entscheiden konnten: manches ist modern, manches altägyptisch. Dann aber – zugegebener Maßen erst nach dem Studium des Programmheftes – ist mir klar, dass sie sich nicht entscheiden wollten. Es ist der Hinweis auf die Zeit der Uraufführung der Oper in Kairo, in der Pascha Ismail in seinem Lande pharaonische Vergangenheit und erfolgreiches Moderne verbinden wollte.

Nun zum musikalischen Teil:

In Hochform wieder die Dortmunder Philharmoniker, geleitet von Gabriel Feltz. Nur manchmal würde ich für ein bisschen Zurückhaltung in der Lautstärke im Sinne der Sänger und ihren Stimmen bitten.
Herausragend Elena O’Connor als Aida. Stimmlich stark und auch schauspielerisch überzeugend. Man fragt sich, wie aus diesem grazilen Körper diese Stimmgewalt entstehen kann. Mit ihr in einem Atemzug zu nennen ist ihr „Vater“ Amonasro, der König von Äthiopien, dargestellt von Mandla Mndebele.

Verdis Aida in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)
Gut die Leistung von Hector Sandoval als Radamès, wenn auch die „Holde Aida“ etwas im Orchesterklang unterging. Doch vielleicht war dieses auch ein wenig der Premieren-Aufregung geschuldet. Die Steigerung im Verlauf der Oper war erkennbar.

Ebenfalls eine solide Leistung sahen und hörten wir von Hyona Kim, die die Königstocher Amneris darstellt, die vor allem in den Szenen ihrer Wut über ihre Gegenspielerin überzeugte, aber auch am Ende in ihrer Verzweiflung über ihre verlorene Liebe beeindruckte.

Denis Velev gibt als König von Ägypten den Partyking, der aber stimmlich voll überzeugen kann, Gut auch Shavleg Armasi als Oberpriester und Fritz Steinbacher als Bote.

Verdis Aida in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)
Kurz zusammengefasst: Dem Publikum (Standing Ovations nach der Premiere) und mir hat es wieder einmal ausgezeichnet gefallen. Einige schüchterne Buhs waren zwar für die Ausstattung dabei, aber wahrscheinlich hatten die Buhrufer noch nicht das Programmheft gelesen.

Weitere Aufführungen:
19.,21.,17.10., 1.,4.,18.,28.11., 15.,23.12.2018, 13.1.2018

Weitere Informationen und Tickets unter https://www.theaterdo.de/detail/event/19216/

Verdis Aida in der Oper Dortmund (Foto © Oper Dortmund)
Wer zu diesen Zeiten in Dortmund oder Umgebung ist – reingehen.

Giuseppe Verdi: Aida
Opernhaus Dortmund
Theaterkasse im Foyer des Opernhauses
44137 Dortmund, Platz der Alten Synagoge
Tel: +49 231 50 27 222 (Montag bis Samstag 10:00 bis 18:30 Uhr)
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.theraterdo.de

Der Besuch erfolgte auf Einladung der Oper Dortmund

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