Das Folkwang-Museum Essen widmet Roland Topor zum 80. Geburtstag vom 29.6.-30.9.2018 eine große Ausstellung, die sein vielfältiges Schaffen würdigt.

Roland Topor ist in der französischen Kunst und Kultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Ausnahmeerscheinung. Geboren 1938 in Paris als Kind polnisch-jüdischer Einwanderer, muss seine Familie 1941 aus Paris fliehen um den deutschen Besatzern zu entgehen. Roland lebt mit seiner Schwester Hélène in einer Pflegefamilie in Savoyen. Nach dem Krieg besucht er das Lycée Jacques Decour in Paris, verlässt die Schule aber ohne Abitur und beginnt an der École des Beaux-Arts in Paris zu studieren. Bereits 1958 veröffentlicht er erste Zeichnungen in humoristischen Zeitschriften und in 1960 kommt auch seine erste Kurzgeschichte heraus, 1964 beginnt die Zusammenarbeit mit dem Regisseur René Laloux und zwei Jahre später erfolgt sein erster Auftritt als Schauspieler in einem Film.

Roland Topor L'Emigrant, 1977, Sammlung Jakob und Philipp Keel © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Topor beschäftigt sich Zeit seines Lebens auf vielen Feldern kreativen Schaffens: Er ist unermüdlicher Zeichner und Illustrator, aber auch Autor einer Fülle von Romanen, Kurzgeschichten und Bühnenstücken, schreibt Drehbücher, tritt in Filmen auf, führt am Theater Regie, entwirft Bühnenbilder und Kostüme und entwirft nicht zuletzt über einhundert Plakate.

In seinem vielseitigen Werk reflektiert er die Absurditäten und Abgründe des menschlichen Daseins, seine Motive bewegen sich zwischen Witz und Schrecken, aber schaffen immer einen Moment der Erkenntnis.

Porträt Roland Topor, 1990, Foto: Museum Folkwang, ADHAB

Die Ausstellung im Folkwang Museum zeigt in sechs Kapitel über 200 Werke des Künstlers aus unterschiedlichen Schaffensperioden und Genres. Zu sehen sind frühe Tuschzeichnungen mit klarem Strich und großen motivistischem Einfallsreichtum ebenso wie eine Auswahl seiner Illustrationen, anfangs noch dem Schwarz-Weiß verpflichtet werden seine Zeichnungen im Laufe der Jahre farbiger und nehmen auch an Größe zu.

Roland Topor Marteau pilon poil au menton, 1972, Galerie KK Klaus Kiefer, Essen © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Eine weitere Sektion ist seinem umfangreichen filmischen Schaffen gewidmet, wobei hier der Schwerpunkt auf der Kooperation mit dem französischen Trickfilmregisseur René Laloux liegt. In einem eignen Filmraum sind Les Temps morts (Die toten Zeiten, 1964) Les Escargots (Die Schnecken, 1965) zu sehen. Auch eine Passage aus dem abendfüllenden Trickfilm La Planète sauvage (Der fantastische Planet, 1973) wird vorgeführt. Außerdem werden einige farbige Zeichnungen mit grotesken erotischen Motiven gezeigt, die Topor eigens für eine Szene in Federico Fellinis Casanova schuf.

Topor entwickelte auch eine intensive Verbindung zu Bühne und Theater. So präsentiert die .Ausstellung auch seine Mitwirkung an der Inszenierung von Mozarts Die Zauberflöte am Essener Aalto-Theater 1990, wo er nicht nur opulente Kostüme (auch für den Chor!) wie auch das Bühnenbild entwarf. Auch das Plakat der Essener Aufführung stammte von Topor.

Roland Topor Filmplakat Le Tambour, 1979, Deutsches Plakatmuseum im Museum Folkwang © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in der Edition Folkwang. Der Eintritt ist frei. Das Museum ist Dienstag, Mittwoch, Samstag, Sonntag und Feiertage von 10:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag und Freitag von 10.00 bis 20:00 Uhr geöffnet.

Die Termine für öffentliche Führungen und die beliebte Kuratoren-Führungen finden Sie hier auf der Website des Museums.( https://www.museum-folkwang.de/de/aktuelles/veranstaltungen.html) Die öffentlichen Führungen sind kostenlos mit Teilnahmesticker, der ab einer Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich ist. Die Kuratorenführung kostet € 3, für den Kunstring Folkwang ist sie frei. Achtung! Die Führungen können nur mit begrenzter Teilnehmerzahl stattfinden.

Weitere Veranstaltungen zur Ausstellung

31.8.2018 um 18:00 Uhr: Memoiren eines alten Arschlochs

Lesung aus Roland Topors fiktiver Autobiografie

Roland Topor erzählt seinem fiktiven Leben und verknüpft seine erfundene Biografie mit einem wilden Trip durch die europäische Kultur, schildert humorvoll fiktive Begegnungen mit Personen der Zeitgeschichte, von Picasso über Einstein, bis Proust und Kafka, steht dem Bildhauer Maillol Modell, bringt den betrunkenen Erik Satie ins Bett, richtet ein Bankett für den Maler Rousseau aus und verkauft Gertrude Stein seine Bilder. Nichts war so, wie Topor es beschreibt, aber wäre es so gewesen – es hätte sehr lustig sein können.
Es liest Karl Walter Sprungala, Karten sind am Tag der Veranstaltung zu € 10 an der Kasse erhältlich.

Roland Topor Sur les dents, 1971 Sammlung Jakob und Philipp Keel © VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Filmprogramm zur Ausstellung Roland Topor. Panoptikum

Der Künstler Topor war den Abgründen des menschlichen Lebens auch im Film auf der Spur und so vermittelt die Auswahl an vier Abenden einen repräsentativen Überblick über sein filmisches Schaffen. Vorab kann man jeweils um 16:30 Uhr einen kostenfreien Rundgang durch die Ausstellung machen. Aufführungsort ist das Filmstudio Glückauf, 45128 Essen, Rüttenscheider Straße 2. Karten sind direkt an der Abendkasse im Kino erhältlich. Es gibt keinen Vorverkauf im Museum Folkwang!

Die Filme beginnen jeweils um 17:30 Uhr.
5.9.: Der Mieter, Regie: Roman Polanski, Frankreich 1976
12.9.: Casanova, Regie: Federico Fellini, Italien 1976
19.9.: Nosferatu – Phantom der Nacht, Regie: Werner Herzog, Deutschland/Frankreich 1979
26.9.: Le planète sauvage, Regie: René Laloux, Frankreich 1973

29.6.-30.9.2018 Roland Topor. Panoptikum
Museum Folkwang
45128 Essen, Museumsplatz 1 (Navigationsinformation: Bismarckstraße 60)
Tel: +49 201 8845 000
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museum-folkwang.de

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