Das Museum Folkwang in Essen präsentiert vom 30.3.-24.6.2018 die große Retrospektive von Hans Josephsohn „Existenzielle Plastik“.

Josephson zählt zu den großen Bildhauern der europäischen Moderne nach 1945. Die erste große Werkschau des Künstlers, der die menschliche Figur in das Zentrum seiner künstlerischen Arbeit stellte, versammelt mehr als 70 zum Teil großformatige Plastiken und Reliefs des Künstlers von seinen frühen Werken der 1950er Jahre bis zum fulminanten Spätwerk seit den 1990er Jahren.

Hans Josephsohn, „Ohne Titel (Verena)“, 1987, Foto: Museum Folkwang, Jens Nober

Gipsmodelle und Zeichnungen aus allen Schaffensphasen veranschaulichen seine Arbeitsweise, bei der er sich auf einige Grundformen der menschlichen Figur: Kopf, Halbfigur, Stehende, Liegende.

Josephsohn strebte sein Leben lang danach, die menschliche Existenz mit den Mitteln der Bildhauerei zu erfassen, wobei die Suche nach der richtigen Form seine Arbeit bestimmte.

Hans Josephsohn, Ohne Titel, 2006, Foto: Stefan Altenburger

Gips wurde dabei sein bevorzugtes Material. Damit konnte er seine Werke immer wieder neu bearbeiten und durch Hinzufügen oder Wegnehmen von Material weiter entwickeln. Seine Werke bestehen aus nacheinander aufgetragenen Schichten, die Oberfläche wirken mitunter brüchig und zerklüftet, immer wieder zeigen sich Spuren des nachträglichen Glättens. Diese Arbeitsweise ist auch in den Messinggüssen erkennbar. Die raue Oberfläche ist notwendiger Bestandteil seiner Plastiken: das Ergebnis eines langen, manchmal jahrelangen Prozesses, bei dem die Werke immer wieder bearbeitet werden. Anhand der Gipsmodelle lässt sich diese Arbeitsweise explizit nachvollziehen.

Hans Josephsohn, Ohne Titel, 1991, Foto: Stefan Altenburger
Außerdem sind in der Ausstellung die Dokumentationen „Stein des Anstosses“ von Jürg Hassler, 1977 und „Josephson Bildhauer“ von Matthias Kälin/Laurin Merz, 2007 zu sehen, die Josephsohn bei seiner täglichen Arbeit an Figuren und Reliefs zeigen.

Hans Josephsohn, Ohne Titel (Benno), 1956, Foto: Stefan Altenburger
Der Künstler arbeitete meistens nach Modell und suchte für jedes Werk das richtige Maß zwischen Körperlichkeit und Abstraktion. Einige seiner frühen Arbeiten sind schmal wie Stelen, andere geben akkurat die Gesichtszüge und die Körperhaltung des Modells wieder. Seine späten Halbfiguren sind überlebensgroße Werke aus Messing, deren Körperformen nur noch ansatzweise erkennbar sind.
Josephsohns Reliefs verzichten auf eine detaillierte Darstellung und zeigen das Dynamische menschlicher Beziehungen und Konflikte. Auch deshalb erscheint die Spannung zwischen den Figuren mit ihrer rauen Oberfläche aus Messing im wahrsten Sinne des Wortes greifbar. 40 Reliefs und Reliefskizzen verdeutlichen die intensive Beschäftigung mit dem menschlichen Miteinander.

Hans Josephsohn, Ohne Titel (Ruth), 1968, Foto: Stefan Altenburger
Josephsohn arbeitete auch in späten Jahren seines Lebens regelmäßig in seinem Zürcher Atelier, in dem er auch seine Werke, die Reliefskizzen und Zeichnungen aufbewahrte. Fast 30 Zeichnungen, in denen er mit schnellem Strich die Grundformen seiner geplanten Werke festhielt, dokumentieren in der Ausstellung seine Ideen.

Hans Josephsohn, Stehende (1968), Relief (1974) und Halbfigur (1991), Foto: Stefan Altenburger
Die Retrospektive in Essen würdigt die bedeutende Künstlerpersönlichkeit der figurativen Bildhauerei des 20. Jahrhunderts und stellt durch sein bildhauerisches Werk auf eigentümliche und unverwechselbare Weise Fragen nach der existenziellen Verfassung des Menschen.

Hans Josephsohn, Ohne Titel (Verena), 1985, Foto: Stefan Altenburger
Die Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerkt dieses einzigartigen Künstlers und ist die größte Josephsohn-Ausstellung in Deutschland.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog der Edition Folkwang/Steidl zum Preis von 25 Euro.
Der Eintritt ins Museum Folkwang in Essen kostet 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Das Museum ist Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag und Freitag von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet, Montag ist geschlossen.

Weitere Informationen über die Ausstellung und das Begleitprogramm finden Sie unter www.museum-folkwang.de

30.3.-24.6.2018 Hans Josephsohn Retrospektive
Museum Folkwang Essen
45128 Essen, Museumsplatz 1
Tel: +49 201 88 45 444
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museum-folkwang.de

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