In der neuen Ausstellungsreihe „Meisterwerke zu Gast“ präsentiert das Museum Folkwang in Essen vom 16.2.-22.4.2018 Werke von Edvard Munch.

Die Idee des neuen Ausstellungskonzepts ist es ein „Gastwerk“ aus einem anderen Museum gemeinsam mit Werken der eigenen Sammlung zu präsentieren. Den Beginn dieser Reihe, die in losen Abständen präsentiert werden soll, machen nun Edvard Munch und das Gemälde „Die Mädchen auf der Brücke“ aus dem Munch Museum in Oslo.

Edvard Munch. Sehnsucht und Erwartung.
Edvard Munch gilt heute als einer der wichtigsten Künstler seiner Zeit. Mit seiner eigenen Formensprache wirkte er anfänglich durchaus verstörend. So wurde er mit seiner ersten Ausstellung schlagartig in Deutschland bekannt, doch die Exposition endete 1892 in Berlin mit einem Skandal und wurde wenige Tage nach der Eröffnung wieder geschlossen. Nicht die erwarteten Landschaftsbilder zeigte der Maler aus Norwegen, sondern nur Figuren und Themen für die er heute weltberühmt ist: Die Auseinandersetzung mit Seelenzuständen, mit Leiden, Einsamkeit, mit der Liebe und dem Tod. Dennoch fand er schon damals einige Unterstützer in Deutschland wie auch den Gründer des Museums Folkwang in Hagen, Karl Ernst Osthaus. Leider sind die Gemälde nicht mehr in Essen, da sie beschlagnahmt und verkauft wurden und so in andere Museen gelangten. Dennoch konnte die Sammlung der Werke von Munch später wieder vergrößert werden und ist zu einer kleinen, aber hochkarätigen Sammlung von Arbeiten Munchs angewachsen, die aus drei Gemälden, einem Aquarell und 27 Druckgrafiken besteht.

Kurator Tobias Burg vor dem Gast-Meisterwerk
Für die Ausstellung wurden nun drei Gemälde und 17 grafische Arbeiten Munchs ausgewählt, um gemeinsam mit dem „Gast“ präsentiert zu werden.

Das Gast-Meisterwerk: Die Mädchen auf der Brücke

Das Werk entstand 1927 und ist die jüngste Version des Themas. Es zeigt drei wartende Mädchen auf dem Landungssteg des Badeorts Åsgårdstrand am Oslofjord. Munch beschäftigte sich mit diesem Thema seit 1902 immer wieder. Nahe des Ports in der Nähe von Oslo gab es eine große Künstlerkolonie, in der Munch auch einige Zeit wohnte, viele Gemälde sind dort entstanden. Die drei Mädchen stehen am Landungssteg und sehen in die Ferne, der Betrachter sieht sie bei diesem Bild nur von hinten, sie blicken in die Ferne, vielleicht warten sie auf ein Schiff, das sie mitnehmen soll oder das jemanden zu ihnen bringt. Auch hier – wie bei vielen anderen Werken von Munch - wird der Betrachter in das Bild hineingezogen, er soll die Geschichte weiter denken und sie mit Leben erfüllen.

Edvard Munch, Die Mädchen auf der Brücke, 1927, Munch Museum, Oslo

Die Arbeit kann auch als Sinnbild verstanden werden. Die Mädchen werden isoliert dargestellt, allein auf der Brücke, was realistisch gesehen in dieser Gegend im Sommer geradezu unmöglich wäre. Man kann sie auch als die Jugend per se interpretieren, die darauf wartet, was ihr das Leben noch bringen wird, ein Bild jugendlicher Hoffnungen und Sehnsüchte tut sich im Betrachter auf.

Die Werke aus der Sammlung

Für die Kabinett-Ausstellung wurden nun Werke ausgewählt, die unterschiedliche seelische Empfindungen thematisieren. In den Bildern Munchs finden sich Nöte und Sehnsüchte, Sorgen und Erwartungen der Menschen, Krankheit, Angst und Todeserwartung. Die ausgestellten Werke zeigen einsame Menschen, die des Nachts in ihrem Zimmer wachen, am Bett des geliebten Toten stehen oder melancholisch am Meeresufer sitzen. Paare, die nebeneinander aber doch entfremdet scheinen und Paare, die sich endlich gefunden haben.

Edvard Munch, Vampir II, 1895, Museum Folkwang Essen

Die Druckgrafik nimmt von Beginn an in den Arbeiten von Edvard Munch einen besonderen Stellenwert ein. Oft taucht ein Motiv sowohl in seiner Malerei wie auch in der Druckgrafik auf und auch hier setzt er Farbe ein, um spezifische Stimmungen zu transportieren: so verstärken z.B. die roten Wolken in der Lithografie Angst den verstörenden Eindruck, der von den geisterhaft auf den Betrachter zuschreitenden Figuren ausgeht.

Edvard Munch, Zwei Menschen. Die Einsamen (Der Reinhardt-Fries), 1906/7, Foto © Museum Folkwang

Sehnsucht ist ebenfalls ein immer wiederkehrendes Thema seiner Bilder und die Erfüllung der Sehnsucht kann zwiespältig sein wie die Lithografie des innig umschlungenen Liebespaar zeigt, das Munch den Titel Vampire II gibt oder das Gemälde Zwei Menschen. Die Einsamen das einen Mann und eine Frau am Strand zeigt, die sich offenbar nichts (mehr) mitzuteilen haben.

Edvard Munch, Angst, 1896, Foto © Museum Folkwang


In der Ausstellung können aber auch die Beziehungen zwischen den Gattungen hergestellt werden und die unterschiedlichen Drucktechniken beleuchtet werden.
Eine kleine, aber große Ausstellung, die es den Besucher ermöglicht, näher auf die einzelnen Werke des Künstlers einzugehen und sich diesen genauer zu widmen.

Museumsbegleiter

Zur Ausstellung ist ein Ausstellungsbegleiter mit einführenden Texten und einer Dokumentation sämtlicher Werke Edvard Munchs in der Sammlung Folkwang erschienen, der zum Preis von 10 Euro im Museum erhältlich ist.

Edvard Munch, Am Totenbett, 1896, Museum Folkwang
Vorlage

Besucher, die interessiert sind, auch die anderen Werke von Munch (aber auch anderer Originale! der grafischen Sammlung) zu sehen, können sich diese jeden Donnerstag von 10:00 bis 16:00 Uhr nach vorheriger Anmeldung im Studien- und Lesesaal vorlegen lassen. Anmeldung im Besucherbüro unter +49 201 8845 444 und unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!). Noch habe ich die Vorlage nicht ausprobiert, bin aber allein von der Möglichkeit sich Werke berühmter Künstler ganz nah im Original anschauen zu können, total begeistert und ich kenne bis dato kein Museum, das diese Chance ihren Besuchern bietet.

Veranstaltungen

Mein trauriges Gesicht – Bilder von Edvard Munch, Workshops im Rahmen der Serie Bildschöner Samstag – für Kinder von 6 bis 12 Jahren

Der Künstler Edvard Munch beschäftigte sich in seinen Bildern oft mit negativen Stimmungen. Ob er eifersüchtig oder wütend war, erfand er düstere Gestalten, die seine Gefühle ausdrücken sollten. Im Workshop werden Porträts von den Kindern gedruckt, auf denen sie mal böse schauen oder sogar fiese Grimassen schneiden.
Termine: 3.3., 17.3., 31.3., 7.4., 21.4., jeweils von 14:30 bis 16:30
Begrenzte Teilnehmerzahl, daher Anmeldung im Besucherbüro unter +49 201 8845 444 oder unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erforderlich. Teilnahmebeitrag: 7 Euro.

Edvard Munch, Frauen am Meeresufer, 1898, Foto © Museum Folkwang

Als Edvard einmal einsam war

Kinder sprechen über Kunst – Ausstellungsgespräche für Kinder von 6 bis 12 Jahren
Termine: 11.3., 1.4. , 22.4., jeweils um 15:00 Uhr
Kostenfrei mit Teilnahmesticker, der ab einer Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich ist. Begrenzte Teilnehmerzahl. Ohne Anmeldung.

Öffentliche Führungen

Termine: 25.2., 4.3., 11.3., 18.3., 25.3., 1.4., 8.4., 15.4., 22.4., jeweils 16:00 Uhr
Kostenfrei mit Teilnahmesticker, der ab einer Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich ist. Begrenzte Teilnehmerzahl.

Edvard Munch, Mondschein I, 1896, Foto © Museum Folkwang

Drei Tage Norwegen

Ferienakademie für Kinder von 8 – 12 Jahren vom 27.-29.3.2018 von 10:00 bis 13:00 Uhr
In Norwegen gibt es tiefe Wälder und weite Fjorde, helle Sommertage am Strand und lange dunkle Winternächte. Der norwegische Künstler Edvard Munch ging gern allein in der Natur spazieren und fand dort Ideen für seine Bilder, die er malte oder druckte. Manchmal fühlte er sich dabei nachdenklich, manchmal auch verträumt oder abenteuerlustig. Wie wirkt sich eine menschenleere Landschaft auf die Stimmung aus? In der Ferienakademie lernen die Kinder verschiedene Drucktechniken kennen.
Begrenzte Teilnehmerzahl, daher Anmeldung im Besucherbüro unter +49 201 8845 444 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erforderlich. Teilnahmebeitrag: 30 Euro.

Edvard Munch, Madonna, 1895/1902, Museum Folkwang

Mein Weg hat entlang einem Abgrund, einer bodenlosen Tiefe geführt …

Lesung zur Ausstellung Edvard Munch. Sehnsucht und Erwartung
Edvard Munchs malerisches und druckgrafisches Werk kreist zeitlebens um existenzielle Erfahrungen wie Krankheit, Tod, Angst und Verzweiflung, wobei die Arbeiten auch ganz persönliche Schicksalsschläge widerspiegeln. Munch hat sich auch vielfach in Briefen und Tagebucheinträgen mit literarischen und autobiografischen Notizen zu seiner Kunst geäußert. Die Lesung lässt die großen Themen, zu denen auch das Verhältnis der Geschlechter oder die enge Verbindung von Eros und Tod zählen, lebendig werden und bezieht weitere literarische Zeugnisse aus der Zeit um 1900 mit ein, u.a. Stanislaw Przybyszewski oder August Strindberg. Wie Munch zählten diese Schriftsteller zum Kreis der Berliner Künstlerkneipe „Zum Schwarzen Ferkel“, einem beliebten Treffpunkt der Bohème, der zum Schauplatz von Beziehungsdramen und Alkoholexzessen wurde.
Termin: Freitag, 13.4.2018 um 18:00 Uhr
Es liest Henrik Schubert (Schauspielhaus Bochum)
Teilnahmebeitrag; 10€ / 5€ - Karten am Tag der Veranstaltung an der Kasse erhältlich.

Kuratoren führen - am Freitag, 20.4.2018 um 18:00 Uhr

Tobias Burg: Edvard Munch. Sehnsucht und Erwartung
Teilnahmebeitrag: 3€ / 1,50€ / Kunstring Folkwang frei. Begrenzte Teilnehmerzahl.
Das Museum ist Dienstag, Mittwoch, Samstag, Sonntag und Feiertage von 10:00 bis 18:00 Uhr, Donnerstag und Freitag von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Montag ist geschlossen.
Der Eintritt ist frei.

Edvard Munch, Der Kuss, 1895, Museum Folkwang
16.2.-22.4.2018 Meisterwerke zu Gast
Edvard Munch. Sehnsucht und Erwartung
Museum Folkwang
45128 Essen, Museumsplatz 1
Tel: +49 201 8845 444
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museum-folkwang.de

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