Das Folkwang-Museum in Essen zeigt vom 9.2. bis 8.4.2018 eine große Retrospektive von Klaus Staeck zu seinem 80. Geburtstag.

Es gibt wahrscheinlich nicht viele Künstler in Deutschland, die mit ihren Plakaten und Werken in den letzten 50 Jahren so Stellung im politischen Diskurs in Deutschland bezogen haben. 41 Mal wurde erfolglos versucht seine Plakate und Postkarten juristisch verbieten zu lassen, jedes Mal hat Staeck gewonnen. Besonders umstritten waren seine Arbeiten in den 1970ern: 1972 kreiert Staeck nicht nur das Deutsche Kunstsiegel sondern produziert auch im Bundestagswahlkampf der SPD rund eine Million Plakate, Postkarten und Aufkleber und sieht sich ersten Klagen ausgesetzt. 1976 folgt ein weiterer Eklat: am 30. März kommt es zum Bonner Bildersturm. Abgeordnete der CDU/CSU unter Bundestagspräsidenten Philipp Jenniger reißen Staeck-Plakate von den Wänden einer Ausstellung in der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn.

Museum Folkwang, Vorsicht Kunst!, 1982 © VG Bild-Kunst, Bonn 2017
In der Ausstellung im Folkwang-Museum werden nun in 10 Räumen 200 Plakate, 49 Grafiken, 3 Multiples, Fotografien, diverse Bücher, Kataloge, Zeitschriften, Aufkleber, T-Shirts und mehr gezeigt.
Klaus Staeck wurde 1938 Pulsnitz/Kreis Kamenz bei Dresden geboren und wuchs in Bitterfeld auf. Staeck studierte in Heidelberg, Hamburg und Berlin Jura und arbeitete später auch mehrere Jahre als Anwalt.

© Museum Folkwang, Ausstellung Klaus Staeck Sand fürs Getriebe, Coca Cola, 1970

Bereits parallel zu seinem Studium betätigt er sich künstlerisch und gründet schon 1965 den Verlag Edition Tangente, die spätere Edition Staeck. Mehr als 3000 Einzelausstellungen im In- und Ausland präsentierten seine Werke, die sich tief in das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland eingebrannt haben. Mit seinen Arbeiten kommentiert und pointiert der Künstler scharfsinnig gesellschaftliche Themen und Krisen, zeigt Missstände auf und regt zum Nachdenken an. Sein Name wurde zum Synonym für provokante Plakatkunst, das „Staeck-Plakat“ zur Marke. Staeck war und ist immer nah am Zeitgeschehen und mit seinen Plakaten taucht man auch in die Geschichte Deutschlands der letzten 50 Jahre ein.
Klaus Staeck lebt und arbeitet in Heidelberg.

© Museum Folkwang, Ausstellung Klaus Staeck Sand fürs Getriebe, Lügenbaron, 2017
Gleichzeitig gibt die Ausstellung einen umfangreichen Überblick über die frühe Druckgrafik des Plakatgestalters, denn ohne die Auseinandersetzung mit der Druckgrafik wäre seine spätere, auflagenstarke Plakatproduktion gar nicht möglich gewesen. Ein Fokus liegt daher auch auf den frühen abstrakten Holzschnitten und gesellschaftskritischen Siebdrucken des Künstlers, die den Weg zu seinem ersten Plakat ebneten und seine Hinwendung zum Plakat mitbestimmten.

© Museum Folkwang, Ausstellung Klaus Staeck Sand fürs Getriebe, Thema Freihandel, 2015
Zu sehen ist auch eine in den 1980ern entstandene Fotoserie über Bitterfeld, die auch Staecks politisches Engagement, das er bis heute nicht aufgegeben hat, dokumentiert. Der Veranstaltung „Aktion für mehr Demokratie“ in der Essener Grugahalle 1983, sowie weiteren politischen Aktionen ist ein eigener Raum gewidmet.

Katalog

Zur Ausstellung erscheint auch ein Ausstellungskatalog in der Edition Folkwang/Steidl mit Beiträgen von René Grohnert, Tobias Burg, Gerhard Steidl und einem Interview von Monte Packham mit Klaus Staeck.

© Museum Folkwang, Ausstellung Klaus Staeck Sand fürs Getriebe, Deutsche Arbeiter, 1971

Begleitprogramm und Führungen

Öffentliche Führungen finden am 11.2., 18.2., 25.2., 11.3., 18.3., 25.3., 1.4., 8.4., jeweils 12:00 Uhr statt. Die Führungen sind mit Teilnahmesticker, der ab einer Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich ist, kostenlos. Achtung! Begrenzte Teilnehmerzahl.

Kurator René Grohnert führt am 16.3.2018 um 18:00 Uhr durch die Ausstellung. Für den Kunstring Folkwang ist die Führung kostenlos, alle anderen bezahlen 3 Euro, ermäßigt 1.50 Euro. Begrenzte Teilnehmerzahl.

Plakate drucken für Staeck: Vortrag und Führung mit Gerhard Steidl am Freitag, den 16.2.2018 um 18:00 Uhr
Seit den 1970er Jahren veröffentlicht Staeck seine Plakate in Zusammenarbeit mit dem Göttinger Verleger Steidl. Nach einem kurzen Vortrag werden bei einem gemeinsamen Rundgang technische Fragen direkt an Plakat-Beispielen besprochen. Die Karten sind am Tag der Veranstaltung bei der Kasse zu einem Preis von 5 Euro / 2,50 Euro erhältlich. Begrenzte Teilnehmerzahl.

Am 22.3.2018 um 18:00 Uhr findet eine Podiumsdiskussion zum Thema: Nichts ist erledigt – Zur Wirksamkeit politischer Plakate statt, bei der Klaus Staeck über das Unerledigte mit Les Schliesser und Daniela Brahm (Künstler und Raumproduzenten in Berlin), René Grohnert (Deutsches Plakat Museum), Isabel Hufschmidt (Museum Folkwang) spricht. die Moderation übernimmt Stefan Koldehoff vom Deutschlandfunk. Karten sind am Tag der Veranstaltung um 5 Euro/ ermäßigt 2,50 Euro erhältlich. Achtung: begrenzte Teilnehmerzahl.

© Museum Folkwang, Ausstellung Klaus Staeck Sand fürs Getriebe, die Gedanken sind frei, 1979
Das Folkwang Museum Essen ist Dienstag, Mittwoch, Samstag, Sonn- und Feiertage von 10:00 bis 18:00 Uhr, Freitag von 10:00 bis 20:00 Uhr geöffnet. Montag ist das Museum geschlossen. Der Eintritt in die Ausstellung ist frei.

© Museum Folkwang, Ausstellung Klaus Staeck Sand fürs Getriebe, Steuern von allen, 2017

9.2.-8.4.2018 Klaus Staerck – Sand fürs Getriebe
Museum Folkwang Essen
45 128 Essen, Museumsplatz 1 (Navi-Info: 45128 Essen, Bismarckstraße 60)
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museum-folkwang.essen.de

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