Das Museum Folkwang in Essen zeigt noch bis 7.1.2018 die erste große Museumsausstellung des Filmemachers und Autors.

Kluge hat für die Ausstellung, die in Kooperation mit dem 21er Haus, Wien entstand durchwegs neue Arbeiten geschaffen und sein Werk erstmals in den musealen Raum verlegt. In sechs multimedialen Räumen installierte der Künstler, der heuer seinen 85. Geburtstag feiert, neue filmische Bildmontagen zusammen mit Objekten, darunter unter anderem Glasplatten von Kerstin Brätsch oder Lithografien von Paul Klee. Alexander Kluge gewährt damit zum ersten Mal Einblicke in unveröffentlichte Materialien und Filmsammlungen, die zwischen 1895 und 2007 entstanden sind.

Alexander Kluge im Museum Folkwang, Foto © Jens Nober
Alexander Kluge wurde 1932 in Halberstadt geboren, Anfang der 1960er Jahre wurde Kluge gleichzeitig als Schriftsteller und Filmemacher bekannt: Er liest bei der Gruppe 47 aus dem Band Lebensläufe und veröffentlich mit 25 jungen Filmern das Oberhausener Manifest. Als erster Deutscher nach dem Krieg erhält er bei den Filmfestspielen in Venedig für Abschied von Gestern den Silbernen Löwen. Kluge wird zum „Kopf“ des Neuen Deutschen Films.

Bis Mitte der 1980er entstehen 14 abendfüllende Spielfilme, die immer auch dokumentarisches Material enthalten und vier Bände mit literarischen Geschichten. Nach dem Auslaufen der Filmförderung führt Kluge das Konzept der Politik der Autoren ab 1988 in den Fensterprogrammen der Privatsender (RTL, SAT 1, VOX, sowie dem Schweizer Fernsehen) fort. In fast 20 Jahren entstehen mehr als 1500 Stunden Sendezeit, wie z.B. Facts und Fakes.

Zu Beginn der 2000er Jahre meldet er sich mit mehreren umfangreichen Erzählungsbänden zurück, 2015 erscheint Kongs große Stunde. Chronik des Zusammenhangs. Mit Georg Baselitz entstand kürzlich Weltverändernder Zorn. Nacht von den Gegenfüßlern und Anfang Oktober erschien unter Mitarbeit von Ferdinand von Schirach Herzlichkeit der Vernunft.
Die Ausstellung beginnt bereits mit Stimmen im Foyer und dem Film Brutalität in Stein von 1961.

Alexander Kluge - Schwarze Augen, 2016, Aus: Minutenfilme, Filmstill © Kairos Film

Im ersten Raum – Sternenkarte der Begriffe lernt man die zentralen Themen der Arbeiten von Alexander Kluge kennen. Seine Schlüsselbegriffe wie Bodenhaftung, Ohr, Philosophie der Fußsohle, Arbeit, Antirealismus des Gefühls, Crossmapping, Zirkus, Öffentlichkeit oder Eigensinn ziehen sich durch die ganze Ausstellung.

Im zweiten Raum geht es um die Lebenszeit als Währung – auf sechs Screen Elementen aus dem täglichen Leben: Bilder von der Arbeit und der heutigen 4.0 Industrie, Bilder vom „Tausendfüßler Liebe“, vom Ernstfall Krieg und Eindrücke von dem Rest der Vernunft, der uns bleibt. All dies wird von Chroniken zusammengehalten. Geld ist die Währung – die Lebenszeit ist dazu das Gegenkapital.

Alexander Kluge - Die Bürde der Vernunft, 2017, aús Napoleon Fragment, Filmstill © Kairos Film

Der Raum drei ist das „Arbeitszimmer“ von Alexander Kluge. Hier werden seine Geräte gezeigt, seine Arbeitsweise dokumentiert, außerdem sind Bücher und Filme von ihm zu sehen. Es gibt auch Spuren jener Projekte, die nicht realisiert wurden sowie die Anfänge neuer Projekte.


Dem Gedächtnis der Bilder“ ist der nächste Raum gewidmet, in dem der Atlas Kluges vorgestellt wird, an dem er über Jahrzehnte mit seinen Editoren gearbeitet hat: Filmische Szenen und Versuchsreihen, die die Fortsetzung der Filmgeschichte inmitten der digitalen Welt thematisieren. In der Ausstellung werden auf fünf Screens erstmals Beispiele aus diesen Arbeiten gezeigt.
Im nächsten Raum tritt der Besucher in das Pluriversum der Bilder ein. In der 5-Kanal-Projektion stellt Kluge die ozeanische Freiheit singender Buckelwale den menschengemachten Grenzen an Land gegenüber. Menschengeschichte verzahnt er mit Kriegsgeschichte, die Machtlosigkeit der Tiere im Bombenkrieg mit der Macht eines Donald Trump.

Alexander Kluge - Buch vom Sirius, 2017, Aus: Atlas (neu editiert), Filmstill © Kairos Film

Uns trennt von Gestern kein Abgrund, sondern die veränderte Lage – ist die „Überschrift“ für den sechsten Raum. Hier werden Werke aus der unmittelbaren Zusammenarbeit Kluges mit den Künstlerinnen Kerstin Brätsch und Adele Röder, von DAS INSTITUT in New York sowie mit der Filmemacherin und Künstlerin Sarah Morris gezeigt.

Ein Schwerpunkt der Präsentation sind auch die vielfältigen Kooperationen Kluges, sei es mit Helge Schneider, Sarah Morris, Thomas Thiede, Anselm Kiefer und anderen – viele kommen in der einen oder anderen Form ebenfalls in der Ausstellung vor.

Alexander Kluge - Svante Pääbo mit Schädel, 2017, Aus: Blick in den Abgrund der Sterne, Filmstill, 11 Minuten © Kairos Film
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.
Das Museum Folkwang ist Dienstag, Mittwoch, an Wochenenden und Feiertagen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet, am Donnerstag und Freitag von 10:00 bis 20:00 Uhr, Montag ist geschlossen.
Der Eintritt ist frei.

Jeden Sonntag um 16:00 Uhr finden öffentliche Führungen statt, die mit einem Teilnahmesticker ebenfalls kostenfrei angeboten werden. Der Sticker ist eine Stunde vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich. Achtung! Begrenzte Teilnehmerzahl.

15.9.2017 – 7.1.2018 Alexander Kluge: Pluriversum
Museum Folkwang
45128 Essen, Museumsplatz 1
(Navigationsinfo für die Anreise mit dem Auto: Bismarckstraße 60, 45128 Essen)
Tel: +49 201 88 45 444
Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.museum-folkwang.de

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