Emil Viklický (Foto: Wikipaedia)Emil Viklický wurde am 23. 11. 1948 in Olmütz geboren und ist einer der bekanntesten tschechischen Komponisten und Pianisten des Modern Jazz.

Zu seinem Werk gehören aber auch Opern, Film- und Theatermusik und er hat zahlreiche Preise für seine Kompositionen erhalten.

Viklický vollendete 1971 sein Studium der Mathematik an der Universität Olomouc. Ursprünglich sollte er eine Stelle als Assistent antreten, doch lehnte er die Forderung, der kommunistischen Partei beizutreten ab. So wurde vorgeschlagen seine Diplomarbeit zu einer Dissertation auszubauen, allerdings war dafür eine Vorsprache bei der verantwortlichen Behörde vorgesehen. Als es dort hieß: „Die mathematischen Resultate sind ganz egal, alles was Sie zu tun haben ist Lenin und Marx zu lesen“, verließ er den Raum ohne sich zu verabschieden und beschloss Jazzmusiker zur werden.

Viklický interessierte immer die reine Mathematik, weniger die angewandte. Er sieht darin eine Perspektive und meint beim Komponieren vielleicht unbewusst in diesen Systemen zu denken. Während seiner Armeezeit war er Pianist beim Heereschor, von 1974 bis 1989 spielte er in Karel Velebnýs Ensemble SHQ. 1977 bis 1978 studierte er am Berklee College in Boston Komposition und nahm privaten Unterricht bei Georg Crumb und Václav Kučera. Aus Amerika zurück schrieb er Filmmusik und spielte in verschiedenen Jazzgruppen, übernahm nach dem Tod von Velebný die Leitung der Sommer-Jazzkurse in Frydlant. Viklický gründete sein Ad Lib Moravia Ensemble, das 1994 mit dem Album „Fast Falls the Rain“ aufhorchen ließ und 1996 auf Tournee in die Vereinigten Staaten und Mexico ging. Der Künstler tritt gemeinsam mit František Uhlíř und Laco Tropp als Viklický-Trio auf, spielt mit Lou Blackburn, Benny Bailey, Scott Robinson, Harald Gundhus und ist auch auf internationalen Festivals vertreten. 1992 nimmt er mit der Band von Jiří Stivín im Prager Reduta Jazz Club auf, 2000 ist er in verschiedenen Konstellationen mit Georg Mraz zu hören. 2004 entsteht seine Komposition „The Mystery of Man“ auf Texte von Václav Havel.

Emil Viklický - The funky way Viklický schreibt neben Jazzkompositionen auch Opern, sinfonische Werke und elektroakustische Musik und erhält einige Auszeichnungen: 1974 wird er beim tschechischen Amateurfestival als bester Pianist mit dem ersten Preis ausgezeichnet, 1976 gewinnt er den Kompositionswettbewerb in Lyon und in Monaco, 1996 erhält „Paradise Park“ einen Sonderpreis in Prag für elektroakustische Musik und 2000 erzielt seine Oper Faidra den ersten Preis im internationalen Wettbewerb Nová Opera pro Prahu.
Viklický versucht in seinen Kompositionen überlieferte Melodien, vor allem mährische Volkslieder mit moderner Jazzmusik zu kombinieren und sieht sich damit in einer Reihe mit Janacek und Bartok, die auch ihre Quellen in der Volksmusik fanden. Janáček gehört auch zu Viklicklýs Lieblingskomponisten, er ist fasziniert von der Methode Janáčeks Sprachmelodien zu sammeln. Janáček achtete immer und überall auf die Melodie der Sprache, auch bei den einfachsten Gelegenheiten und notierte die Noten dazu sofort auf Zettel oder sogar auf seinen Hemdsärmeln, später gelang es ihm dieses Material beim Komponieren in seine Werke einzubinden. Besonders wichtig war es zu wissen, welche Emotionen bestimmte Sprachmustern zu Grunde lagen. Viklický geht bei vielen seiner Jazzkompositionen ähnlich vor.

Er gehört auch zu den Musikern, die sich bei Liveauftritten nur wenig auf inspirative Momente verlassen, sondern systematisch üben. In einem Interview mit Radio Prag erzählte er: „Wenn ich über Improvisation spreche, wollen die Leute immer etwas con Magie hören. Aber das Erste ist die Struktur. Im Laufe seines Lebens versucht der Jazzmusiker immer eine Struktur auszubilden. Und dann kommt es natürlich darauf an, mit wem er spielt. …Wenn man in bestimmten Momenten inspririert ist und wenn zufällig jemand da ist, der eine Aufnahme macht, dann ist es phantastisch. Da kann ein bestimmter Zauber dabei sein. Aber ich würde sagen, dahinter steckt sehr viel harte Arbeit. …, ich denke 75 bis 80 Prozent sind harte Arbeit der Rest Zauberei.“

Emil Viklicky Trio - Kafka on the Shore Mathematik und Musik gehen für Viklický eine Zusammenarbeit ein, die er in manchen Kompositionen bereits sehr viel früher sieht: „Ich glaube, Bach war ein großer Mathematiker. Also wenn man sich seine Fugen ansieht, muss das ein mathematisch sehr begabter Kopf gewesen sein, vielleicht der Begabteste seiner Zeit.“ Harte systematische Arbeit macht auch das Spiel Viklickýs perfekt und seine Kompositionen scheinen ebenfalls einer bestimmten Systematik zu unterliegen. Er stellt Teile aus mährischen Volksliedern in einen anderen Kontext: die Gelegenheit erkennen und mit dem mathematisch geschulten System verstehen.

Die Musik Janáčeks, das mährische Volkslied und die Mathematik spielen eine Rolle bei seinen Kompositionen, aber auch die Malerei, zu der er familiäre „Nahebeziehungen“ besitzt: sein Vater unterrichtete Malerei an der Olmützer Universität und sein Onkel war ein bekannter Maler.

Emil Viklický ist einer der etabliertesten Musiker in Tschechien, den man von Zeit zu Zeit noch immer in Prager Jazzclubs bei einem Auftritt sehen kann. Obwohl er dies auf finanziellen Gründen schon lange nicht mehr machen müsste, sieht er die Auftritte als Art Workshop, eine Möglichkeit neue Ideen auszuprobieren. Vergessen Sie also bei Ihrem nächsten Prag-Besuch nicht auch einen Abstecher in die Jazzclubs zu machen. Prag ist berühmt dafür und vielleicht treffen Sie ja auch auf Emil Viklický.

Zitate von Radio Prag (Sendung über Emil Viklický, moderiert von Lothar Martin und Jörg Nuber)
www.radio.cz/de

de.wikipedia.org/wiki/Emil_Viklic

Emil Viklicky: In Holomóc Town - Probe hören