Martin Kratochvíl (Foto: Wikipaedia - Harold)Martin Kratochvíl wurde am 22.Mai 1946 in Prag geboren und ist einer der Jazz- bzw. Jazz/Rockgrößen der Tschechischen Republik.

Er hat sich jedoch nicht nur als Musiker (hier unter anderem durch die Gründung der Jazzband „Jazz Q“) ausgezeichnet, sondern auch als erfolgreichen Geschäftsmann nach dem Ende des Kommunistischen Regimes: so war er der Gründer der Schallplattenfirma Bonton, Besitzer eines Flughafens und mehrerer Firmen.

Kratochvíl studierte an der Prager Karlsuniversität, erwarb den Doktor der Philosophie und reise für ein Jahr nach England. Jazz, Skifahren und Klettern waren seine großen Interessen. Obwohl Jazz Q bereits 1964 gegründet wurde, trat die Band ihren Siegeszug in Osteuropa in den 1970er Jahren an. Die Kombination aus Jazz/Rock und elektronischer Live-Performance begeisterte das Publikum.

Zwischen 1970 und 1984 wurden zahlreiche Alben aufgenommen und die Band gewann viele Festivalpreise, darunter so renommierte wie San Sebastian und Zürich. 1976 war er der erste tschechische Musiker der eingeladen wurde, ein Jahr am Bostons Berklee College of Music zu studieren, unter anderem mit Kollegen wie Gary Burton und Mike Gibbs. Nach seiner Rückkehr trat er wieder mit Jazz Q auf und gründete 1977 das Studio Budikov, das erste privatwirtschaftlich geführte Aufnahmestudio in der kommunistischen Tschechoslowakei. Diese Tätigkeit und sein Geschäftssinn führten zur Gründung der Bonton Musik Kooperative (noch immer unter dem Kommunistischen Regime), die nach der „Samtenen Revolution“ 1989 zum größten Unterhaltungskonzern der früheren „Ostblocks“ heranwuchs. Als Vorstandsvorsitzender von Bonton, der insgesamt 12 Gesellschaften angehörten, wurde Martin Kratochvíl auch außerhalb der Tschechischen Republik bekannt.

Das Label arbeitete in Tschechien und in der Slowakei. Sein Name ist ein Wortspiel: bon ton bedeutet sowohl „Gute Manieren“ wie auch „Schöner Klang“.

Martin Kratochvil & Jazz QSony übernahm 1998 51% der Anteile und führte das Label als Sony Music Bonton ebenso wie in der Slowakei weiter. 2003 kaufte Sony Music alle Anteile der Bonton Group an der Plattenfirma.

Martin Kratochvíl blieb aber auch seiner Leidenschaft für das Klettern treu: so reiste er zweimal im Jahr ins Himalaya-Gebirge: ging dort aber nicht nur seiner sportlichen Betätigung nach, sondern drehte dort einige Bestseller-Filme über den Berg der Berge. Zu Hause sitzt er allerdings meistens hinter dem Keyboard; sein Stil erinnert an Keith Jarrett, Thelonius Monk oder John Cage, abhängig vom Stück und seiner Laune. Martin Kratochvíl kombiniert harte Percussions und Rhythmus mit sanften und üppigen Harmonien – die Musik ist doch sein Beruf im wahrsten Sinne des Wortes.

Mit energischen und klangmalerischen Jazzrockmusikproduktionen setzte er sich zuerst in der heimischen Szene, bald aber auch im Ausland durch und trat oft mit Jazzmusikern mit recht klangvollen Namen auf.

Noch ein paar Informationen zu Jazz Q:

Martin Kratochvil & Jazz Q 1964 von Martin Kratochvíl (Piano) und Jiří Stivín (Blasinstrumente) gegründet. Am Anfang orientierten sie sich an den Free Jazz Happenings der späten 1950er Jahre, danach näherten sie sich der Englischen Rockszene an und Kratochvíl beschloss mehr  in eine elektronische und groove basierte Richtung zu gehen, die Stivín nicht mittragen konnte und wollte, sodass er kurz nach den Aufnahmen zur Debut LP „Coniunctio“ 1970 – das Rock, Fusion und Free Jazz vereinte - ausstieg. Kratochvíl gründete die Band mehr oder weniger neu: Lubos Andrst stieg als Gitarrist ein, Vladimir Pudranek als Bassist und Michal Vrbovec werkte an den Drums. Diese Besetzung spielte das Album „Watchtower“ ein, vielleicht das bekannteste Werk von Jazz Q. Später ersetzte Frantisek Francl Andrst und die englische Sängerin Joan Duggan (später Ehefrau von Frantisek Francl) war bei den Aufnahmen zur nächsten LP „Symbiosis“ 1974 mit von der Partie. Jazz Q fand nun ihren eigenen Stil, die Band ist eine der am längsten aktiven Tschechischen Fusion Bands, aktiv von 1964 bis 1984. 2004 wieder gegründet kann man auf die Entwicklung gespannt sein.

www.martinkratochvil.com

Hörprobe Martin Kratochvil: Himalayan Echoes