Bedřich (Friedrich) Smetana (Foto: Wikipaedia)Smetana ist wohl – neben Dvořák und Janacek – einer der bekanntesten tschechischen Komponisten und seine Opern wie die „Verkaufte Braut“ oder „Libussa“ gehören zum Repertoire vieler großer Opernhäuser.

Neben diesen Werken ist vor allem sein sinfonischer Zyklus „Má Vlast“ (Mein Vaterland) – und davon „Vltava“ (Die Moldau) berühmt.

Bedřich Smetana wurde am 2. März 1824 in Litomyšl in Ostböhmen geboren. Seine Eltern förderten von klein auf seine musikalische Begabung: bereits als Vierjährige spielte er Violine, bald darauf Klavier. Seine musikalische Begeisterung, die durch einen Besuch eines Liszt-Konzertes noch verstärkt wurde, ließ die schulische Ausbildung in den Hintergrund treten. Nach Klavierstudien in Litomyšl, Jilhava und Prag fing er autodidaktisch an zu komponieren. Seine erste Komposition, ein Galopp, verfasste er bereits als Achtjähriger. 1849 heiratet Smetana die Pianistin Katerina Kolárová, die er bereits aus seiner Zeit in Plzsen kannte. Sie beeinflusst auch seine weiteren Kompositionen.

Seit 1843 widmete sich Smetana ganz der Musik: bis 1847 studierte er bei Proksch in Prag, daneben gab er der Familie des Fragen Leopold Thun Klavierunterricht. In Prag lernte er auch Hector Berlioz und Robert und Clara Schumann persönlich kennen. 1848 beteiligte er sich aktiv an der März-Revolution – während dieser Zeit komponierte er ein revolutionäres Chorlied und zwei Märsche, sowie die Jubel-Ouvertüre. In diesem Jahr eröffnete Smetana in Prag sein erstes Musikinstitut in Prag, dennoch durchlebte er wirtschaftlich schlechte Zeiten: so wandte er sich an dem ihm persönlich unbekannten Franz Liszt mit der Bitte um Hilfe. Liszt unterstützte Smetana zwar nicht finanziell, sorgte aber dafür, dass seine Albumblätter 1851 bei F. Kistner in Leipzig erschienen. Zwischen Liszt und Smetana entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft.

Bedřich -Friedrich- Smetana: Mein Vaterland1855 starb seine musikalisch äußert begabte Tochter Bedriska, im Schmerz darüber schreibt er das „Trio in g“.
Smetana versuchte sowohl ein Symphonieorchester, wie auch später einen Musikverein in Prag zu gründen, doch beide Vorhaben misslangen.  So trat er 1856 die Stelle des Musikdirektors der Hamoniska Sällskapet in Göteborg an, sammelte hier Erfahrungen als Dirigent und setzte trotz knapper Mittel die Aufführungen auch größere Werke von Mozart, Mendelssohn, Schumann, Liszt und Wagner durch. Smetana wurde in Schweden bald sehr beliebt und auch materiell verbesserte sich seine Situation zunehmend: hier entstanden seine ersten symphonischen Dichtungen und weitere Klavierwerke.  Diese glückliche Zeit wurde allerdings auf der Rückreise von Göteborg durch den Tod seiner Frau am 20. April 1859 in Dresden unterbrochen.

Während seines nächsten Sommeraufenthalts in Böhmen heiratete er am 10. Juli 1860 Bettina Ferdinandi und kehrte mit ihr für ein weiteres Jahr nach Schweden zurück. In dieser Zeit entstand sein nationales Bewusstsein, das anfangs durch seine deutsche Schulbildung und die überwiegend deutsche Umgebung zurück gedrängt war. Smetana entschloss sich nun alle seine Kräfte ausschließlich der tschechischen Nation zu widmen. Er kehrte im Mai 1861 nach Prag zurück - die bevorstehende Eröffnung des ersten selbständigen tschechischen Theaters vor Augen.

Smetana entfaltete große kulturpolitische Aktivitäten: er wurde Vorsitzender der Musikselektion der Umelecká beseda (Kunstvereinigung), Chefdirigent, Musik-Referent der Zeitung Národní listy, konzertierte als Pianist, dirigierte beim Shakespeare-Fest.

Bedřich Smetana: Dalibor1863 eröffnete er mit F. Heller ein zweites Musikinstitut, sein Hauptinteresse war es aber eine national geprägte, tschechische und dramatische Musik zu schaffen. Seine beiden ersten Opern „Branibori v Cechách“ und „Prodaná nevesta“ wurden vom Publikum hervorragend angenommen. Dieser Erfolg half Smetana 1866 ein Engagement als 1. Kapellmeister zu bekommen, ab 1872 wirkte er als Künstlerischer Direktor. Nun endlich konnte er seine Pläne verwirklichen und vor allem einheimische Produktionen in den Spielplan aufnehmen. Durch die Einrichtung einer Opernschule beim Theater machte er sich seinen früheren Freund Pivoda zum Feind, der zum Anführer der Gegnerschaft Smetanas wurde. Schon die dritte Oper Smetanas – „Dalibor“ – war von der konservativen Kritik als unnational und wagnerianisch bezeichnet worden, während der Komposition von „Libuše“ wurden die Anfeindungen immer ärger. Diese Oper wurde 1872 vollendet und war zur Eröffnung des großen National-Theaters vorgesehen. Kritiker sahen die schöpferischen Hoffnungen nicht erfüllt – auch eine weitere Oper „Dvě vdory“, uraufgeführt im März 1874 wurde von der Kritik abgelehnt.

Zu dieser Zeit verstärkten sich seine Hörprobleme, die sich seit 1860 angekündigt hatten immer mehr und in der Nacht des 20. Oktobers 1874 trat völlige Taubheit ein. Smetana musste die Direktionsstelle abgeben. Die Dauer seiner Anstellung reichte nicht für einen vollen Pensionsanspruch und so war Smetanas Überleben wieder in Frage gestellt. Zusätzlich waren nun viele seiner Gegner an der Macht, doch seine Verdienste um die tschechische Musik waren schon so offensichtlich, dass man sich nicht traute, ihn ganz fallen zu lassen. Dadurch blieb er weiter für ein geringes Gehalt von 100 Gulden monatlich am Theater engagiert und stellte dafür alle seine bisherigen Opern zur Verfügung – nur für ein neues Werk sollte er die üblichen Tantiemen beziehen. Dennoch akzeptierten nicht alle Direktoren diesen Vertrag und so blieb Smetana zweimal mehrere Monate lang ohne jegliches Einkommen.
Smetana: Wallensteins Lager ... Sein schöpferisches Schaffen war dennoch ungetrübt: nun begann die Verwirklichung seines großen symphonischen Zyklusses „Mein Vaterland“, der eng mit „Lubuše“ zusammenhängt. Die ersten beiden Teile – „Vyšehrad“ und „Vltava“ – entstanden von September bis Dezember 1874. Im nächsten Jahr schrieb er „Sárka“ und „Z českých luhů a hájů“ und erst um die Jahreswende 1878/79 entstanden die letzten Dichtungen „Tábor“ und „Blaník“, die den einheitlichen Zyklus zu „Má vlast“ vollenden. Weitere Streichquartette, Lieder- und Klavierzyklen folgten.

1875 meldete er sich mit der lyrischen Oper „Hubička“ auf die Opernbühne zurück. Die Aufführung 1876 wurde stürmisch gefeiert und auch die folgende Oper „Tajemství“ ein Erfolg. Auch die Premiere der „Libuše“, mit der am 11. Juni 1881 das neue Nationaltheater eröffnet wird steht nun im Zeichen von Ovationen. Nachdem das Theater kurz darauf einem Brand zum Opfer fällt, wird es 1883 mit „Libuše“ wieder eröffnet. Dieses Nationaltheater wurde für Smetana das wahre Symbol seiner vollendeten Lebenssendung, es stand für alles, für das er nach seiner Rückkehr aus Schweden gekämpft hatte.

Doch auch in seiner letzten Lebensphase musste Smetana Anfeindungen miterleben: seine letzte Oper -  „Čertova stĕna“ – wurde 1882 so nachlässig ausgestattet. dass sie nur schwache Anerkennung erhielt, worüber Smetana schwer getroffen war, da er gerade für dieses Werk mehr Arbeit als bei allen anderen aufgewendet hatte.
1883 kommt es zur Katastrophe: Halluzinationen und Ohrensausen treten verstärkt auf, doch Smetana komponiert weiter: beendet sein zweites Streichquartett und beginnt den ersten Teil zu „Pražský karneval“. Kurz vor seinem sechzigsten Geburtstag bricht er über der kaum begonnen Oper „Viola“ zusammen - am 25. Februar 1884 schreibt er auf ein Blatt „Poslední arch“ (letzter Bogen) – Ende April wird er in die Prager Anstalt für Geisteskranke überführt, wo er bald darauf stirbt.

Smetana: Die verkaufte Braut Smetana gilt als der Begründer der eigenständigen tschechischen Oper, ja der tschechischen Kunstmusik überhaupt. Er ist die repräsentative schöpferische Persönlichkeit Tschechiens schlechthin, seine kulturelle Bedeutung für seine Nation geht über sein Wirken als Pianist, Dirigent, Organisator des Musiklebens und geistigen Pioniers hinaus und macht durch ihre Vielfältigkeit seine Stellung im tschechischen Kulturleben einzigartig.
Smetana wurde ursprünglich vom deutschen Kulturkreis beeinflusst, seine Größe bestand jedoch in seiner schöpferischen Kraft, mit der er die Anregungen der „Moderne“ seiner Zeit – der neudeutschen Romantik – in ein unverwechselbares eigenes Idiom umwandelte. Alles, was die Ausdrucksfähigkeit der Musik als Sprache bereicherte, bedeutete für Smetana einen Fortschritt: ob es nun die Erweiterung der Harmonik und des orchestralen Kolorits oder die Durchdringung mit poetischen Ideen oder ein dramatischer Opernstil mit sensibler Charakteristik ist.

Seine bedeutendsten Werke entspringen aus einer poetischen Idee, zugleich aber zeichnet sie ein ausgeprägter Formensinn aus. Während seine früheren symphonischen Dichtungen noch den Einfluss der Lisztschen Programmmusik erkennen lassen, sind seine reifen Werke Zeugen einer eigenen romantisch-klassischen Synthese. Smetana nimmt mit seinen Meisterwerken immer Bezug auf das Leben und schreibt Geschichten: „Ma Vlast“ ist die großartige Erzählung des Landes, der Geschichte, des Mythos Tschechiens und seiner Bewohner. In seinem Streichquartett „Aus meinem Leben“ erzählt er seine Lebensgeschichte: seine Jugend, sein Liebesglück aber auch die Katastrophe seiner Taubheit. In seinem „Trio in g“ spürt man seine Verzweiflung und Trauer über den Tod seines Töchterchens.

Seine Opern standen von Beginn an im Zeichen des Patriotismus, obwohl es ziemlich lange dauerte bis die Tschechen, aber auch der Rest der Welt die Einzigartigkeit erkannten. Erst die Übersicht all seiner Meisterwerke im Genre Oper zeigt seinen Reichtum als Menschengestalter – die gesungenen Melodien werden zu ihren Seelen: heiter, gemütvoll, tragisch. Smetana gehörte zu den begabtesten melodischen Erfindern des 19. Jahrhunderts, er schaffte in seinen Werken eine geglückte Synthese aus nationaler Eigenart und Weltoffenheit, Volkstümlichkeit und hohem künstlerischen Anspruch. Schade, dass seine Werke – vor allem außerhalb Tschechiens – noch immer nicht das Ansehen und die ihnen zustehende Bedeutung erfahren.

Hier ein paar Takte zum Probe hören: Smetana: Má Vlast