Leoš JanáčekEr gehört zu den großen tschechischen Komponisten. Werke wie Jenůfa oder „Das schlaue Füchslein“ werden auf allen großen Opernbühnen der Welt aufgeführt.

Sein kompositorisches Schaffen umfasst jedoch nicht nur Opern, sondern auch Orchester- Chor-, Klavier- und Kammermusikwerke. Oft geprägt von folkloristischen Elementen waren ihm auch die tschechische Sprache und ihre Sprachmelodie in seinen Vokalwerken sehr wichtig. So unterscheidet sich z.B. die deutsche Fassung von Jenůfa (von Max Brod übersetzt) nicht nur in der Sprache, sondern auch in der Musik.

Leoš Janáček wird am 3.Juli 1854 in Hukvaldy als Sohn eines Dorfschullehrers geboren. Er besucht zuerst das Augustinerstift in Brünn, wo musikalisch begabte Jungen gefördert werden, dann die deutsche Realschule und studiert schließlich in Prag, Leipzig und Brünn.

1872 wird er Musiklehrer und Leiter verschiedener Chöre, 1876 Chormeister des Philharmonischen Vereins Brnenska beseda und ist mit Antonin Dvořák befreundet.
Zu dieser Zeit ist das musikalische Leben der tschechischen Minderheit in Brünn mehr als schwierig, Brünn ist eine deutsche Stadt. Doch Janáček bringt wichtige Werke auf die Brünner Konzertbühne: es erklingen hier Beethovens Missa solemnis, Mozart Requiem und viele andere – so schafft er eine Steigerung der ganzen Musikkultur in Brünn.
Leoš Janáček - Galgolith. Messe 1877 wurde er der Privatklavierlehrer der talentierten zwölfjährigen Zdeňka Schulzová, deren Vater der Direktor der Brünner K.u.K. slawischen Lehrerbildungsanstalt war. Nur vier Jahre später heiratete er die erst 16jährige Schülerin und bereits ein Jahr 1882 später kam seine Tochter Olga zur Welt. Das Kind kränkelte, die Eltern trennten sich vorübergehend sogar und so kam erst 1888 sein Sohn Vladimír zur Welt. Auch er wurde wie seine Schwester von zahlreichen Krankheiten heimgesucht und beide starben jung: der Sohn bereits im Feber 1890, die Tochter im Februar 1903 – zwischen den Eheleuten kriselte es und sie hatten mehrere Ehekrisen zu durchstehen. Diese persönlichen Erlebnisse spiegeln sich auch in seiner Oper Osud (Schicksal) wider.
1881 gründete er in Brünn eine Orgelschule, die er bis 1919 leitete. Von 1881 bis 1888 war er auch als Dirigent der dortigen Philharmonischen Gesellschaft tätig.

1904 folgte seine Pensionierung als Musiklehrer, im gleichen Jahr fand die Uraufführung seiner Oper Jenůfa statt, die nach ihrer Erstaufführung in Prag 1916 und in Wien 1918 seinen internationalen Ruf begründete.
Max Brod aus Prag übersetzte fünf seiner Opern in enger Zusammenarbeit mit Janáček ins Deutsche und half so mit die Werke des Komponisten einem breiten Publikum bekannt zu machen. Aufführungen in Tschechisch waren damals außerhalb von Tschechien schwer möglich und auch in Prag keine Selbstverständlichkeit. Da die Musik jedoch sehr auf der Sprachmelodie des Tschechischen basierte, hatte Brod die schwierige Aufgabe diese mit dem deutschen Text in Einklang zu bringen. Nicht immer war dies ohne Zugeständnisse der Komposition möglich: so war die „deutsche“ Jenůfa nicht notengetreu mit der „tschechischen“ umzusetzen.

Janáček: Jenufa Janáček sammelte viele tschechische Volkslieder und untersuchte die Sprache ganz genau. Diese Studien aber auch die Beobachtungen der Natur flossen in seinen Stil mit ein, er entwickelte eine Theorie der Sprechmelodie, die nicht nur seine Vokalwerke prägte. Fernab der Hauptströmungen der damaligen europäischen Musik und gilt Janáček daher heute als einer der großen Erneuerer des 20. Jahrhunderts und einer der bedeutendsten Opernkomponisten.

Mit zahlreiche Veröffentlichungen und der ersten Biografie über den Komponisten, trug Brod auch wesentlich zum immer größer werdenden Ruf Janáčeks bei. 1915 lernt Janáček Kamila Stösslová kennen, die platonische Beziehung zu ihr belastet seine Ehe schwer. 1916 unternimmt seine Frau sogar einen Selbstmordversuch. 1919 wird Janáček Direktor des privaten Konservatoriums in Brünn, 1920 Professor einer Meisterklasse für Komposition, diese hat er bis 1925 inne. In dieser Zeit erhält er zahlreiche internationale Ehrungen, unter anderem wird er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste sowie der Tschechischen Akademie in Prag.
Die letzten zehn Jahre in seinem Leben stehen im Zeichen vieler großer Werke: jetzt entstehen die Opern Kátja Kabanová, Das schlaue Füchslein, Die Sache Makropulos und Aus einem Totenhaus, seine beiden Streichquartette, die Sinfonietta und die Glagolitische Messe.

Janáček komponierte nicht nur: neben den Kompositionen und dem Unterricht am Lehrerbildungsinstitut verfasste er auch regelmäßig Feuilletons für die Zeitung Lidové voviny, die später auch in zwei deutschsprachigen Ausgaben erschienen.

Im August 1928 starb Janáček in einem Sanatorium in Moravská Ostrava an den Folgen einer Herzlähmung nach einer Lungenentzündung.

Leoš Janáček - Kata Kabanova In seinen letzten 18 Jahren seines Lebens hat Leoš Janáček in einem Häuschen in der Nähe der Orgelschule gewohnt, das vom Brünner Bahnhof in einem fünfzehnminütigen Fußmarsch zu erreichen ist. 1910 ist er hier mit seiner Frau und einer Dienstmagd eingezogen.
Heute befindet sich im ehemaligen Salon eine kleine Ausstellung, die sich vor allem mit jenen Werken Janáčeks befasst, die er nach 1910 schuf. Das erste Stück, das er in seinem neuen Heim zu schreiben begann und auch vollendete ist der Klavierzyklus Im Nebel. Neben Erstdrucken, Briefen und Entwürfen von Bühnenbildern kann man auch einige persönliche Sachen des Komponisten in der Ausstellung sehen: das berühmte Chronoskop – eine merkwürdige technische Einrichtung, mit der Janáček die Länge der Wörter aufnahm, wenn er sich Sprechmelodien notierte. Weiters gibt es seinen Taktstock, sein Metronom, und andere Gebrauchsgegenstände des Komponisten zu sehen.

Sehenswert ist auch das Arbeitszimmer, das in der ursprünglichen Einrichtung erhalten geblieben ist – die Einrichtung  bekam das Ehepaar Janáček gleich nach der Hochzeit geschenkt. In diesem Zimmer dominiert das Klavier des Meisters, das er von den Eltern seiner Frau als Hochzeitsgeschenk bekam und das auch heute noch spielbereit ist. Das Häuschen gehört zur Abteilung für Musikgeschichte des Mährischen Landesmuseums, das sich im Gebäude der ehemaligen Orgelschule befindet. Hier wird der riesige Nachlass von Janáček verwaltet: über 15.000 Briefe, Druckvorlagen, Abschriften, die von ihm autorisiert wurden, Textbücher, auf deren Grundlagen er die Libretti vorbereitete, Dokumente über die Orgelschule und über seine Person.

Hörprobe aus Leos Janacek: Katja Kabanowa