Ferenc Liszt, Geburtshaus Raiding (Foto: Manfred Horvath)Er war der erste „Popstar“ neuerer Prägung der Musikgeschichte und einer der ersten Europäer.

Geboren in Raiding, heute zum Burgenland in Österreich gehörend, lag sein Geburtsort damals in Ungarn und Liszt nannte sich Ferencz und die Ortschaft hieß Doborján. Trotzdem war seine Muttersprache Deutsch, mit neun Jahren begann er Französisch zu lernen, Ungarisch folgte erst in späteren Jahren und er konnte es Zeit seines Lebens nie perfekt sprechen. Seine Musik fand nicht nur Bewunderer, doch die Hysterie, die seine Konzerte vor allem in der Damenwelt auslöste, ließ Heinrich Heine von „Lisztomanie“ sprechen.

Liszt wurde am 22.Oktober 1811 als Sohn des von Adam List, einem Verwaltungsbeamten im Diensten des Fürsten Nikolaus II. Esterházy und seiner Frau Maria Anna, einer Bäckerstocher aus Krems geboren. Bereits bei seiner Geburt prophezeite eine Zigeunerin der Mutter  „einen großen Sohn“ – schließlich erschien in dieser Zeit der Große Comet von 1811 am Himmel.

Bald zeigten sich auch seine außergewöhnlichen Begabungen: laut eigenen Angaben hatte er sich mit sieben Jahren das Notenschreiben allein angelernt, mit neun bereits „Ziemlich viele Bögen mit Noten gekritzelt“ wie sein Vater vermerkt. Mit neun Jahren tritt Franz List auch erstmals mit einem Klavierkonzert in Es-Dur von Ferdinand Ries und einer eigenen Improvisation bei einem Konzert in Ödenburg/Sopron öffentlich auf. Adam List begann nun – wie einst Leopold Mozart – seinen Sohn als „Wunderkind“ zu formen und zu propagieren. Er erwirkte zuerst eine Arbeits-Freistellung vom Fürsten Esterházy, der den jungen Liszt auch finanziell unterstützten, als diese aber nicht mehr verlängert wurde, gab er seine Anstellung auf.

The Liszt Collection 1822 reist die gesamte Familie Liszt nach Wien, um dem Sohn eine Ausbildung bei Carl Czerny im Klavierspiel und bei Antonio Salieri  in der Komposition zu ermöglichen. Bald tritt Liszt auch in Wien mit seinem Klavierspiel öffentlich auf. Nach einem kurzen Besuch 1823 in Pest, wo er im Mai erste Konzerte gab, verlässt die Familie im September des gleichen Jahres Wien, um nach Zwischenaufenthalten in München, Augsburg, Stuttgart und Straßburg in Paris einzutreffen. Obwohl Liszt ein Empfehlungsschreiben des Fürsten Metternich erhalten hat, weigert sich das Pariser Konservatorium ihn aufzunehmen – schließlich sei das Konservatorium nur Franzosen vorbehalten. So übernimmt sein Vater die Klavierausbildung und daneben erhält er Kompositionsunterricht bei Ferdinando Paër und Antonín Reicha.

Nach einigen Konzerten erhält er den Beinamen „petit Liszt“ und wird als wiedergeborener Mozart gefeiert. 1824 bis 1827 bereist der als „Wunderknabe“ bezeichnete Liszt mit seinem Vater mehrmals England, gibt unter anderem auch ein Konzert auf Windsor Castle und wird dort als „Master Liszt“ bezeichnet. Reisen in die französische Provinz und in die Schweiz folgen. 1827, am 28.August, kommt es zu einem schweren Einschnitt in seinem Leben: der bisher alles beherrschende Vater stirbt im Alter von 50 Jahren.

Der 15jährige Liszt kehrt verstört nach Paris zu seiner Mutter zurück. Er nimmt nun nur mehr gelegentlich an Konzerten anderer Künstler teil und tritt zwei Jahre lang nicht mehr als Pianist auf. Um den Lebensunterhalt zu verdienen gibt er Unterricht in Klavierspiel und Komposition, dabei verliebt er sich in seine Schülerin Caroline de Saint-Criq, die Tochter des französischen Innenministers, der die Beziehung jedoch auf Grunde des Standesunterschiedes untersagt.

Horowitz plays Liszt Liszt wird depressiv, zieht sich weiter zurück, vertieft sich in religiöse Schriften, zeitgenössische Belletristik und philosophische Schriften, auch um seine Bildung zu verbessern. Durch seine intensive Ausbildung und die frühen Reisen hatte er nur eine kurze Volksschulausbildung absolviert.  Er knüpft Kontakte zu Intellektuellen und Schriftstellern in Paris, darunter Victor Hugo, Honoré de Balzac, Heinrich Heine, Alexandre Dumas, George Sand und Théophile Gautier. Außerdem begeistert er sich für die Lehre der Saint-Simonisten und bewundert Abbé Félicité de Lamennais, dessen Buch „Paroles d’un croyant“ er liest und ihn auch in der Bretagne besucht. Während er auf der einen Seite überlegt Priester zu werden, pflegt er auf der anderen Seite zum Leidwesen seiner Mutter ein ziemlich exzentrisches Verhältnis zur Damenwelt.

1831 lernt Liszt Frédéric Chopin, Niccolò Paganini, Gioachino Rossini, Vincenzo Bellini, Giacomo Meyerbeer, Hector Berlioz und Felix Mendelssohn Bartholdy kennen. Liszt erkennt, dass er noch einiges an seiner Ausbildung verbessern muss – teilweise ist die Kritik der Künstler ziemlich harsch: so ist Liszt für Mendelssohn der dilettantischste aller Dilettanten und Chopin nennt ihn eine pianistische Null. Paganinis Spiel prägt ihn aber nachhaltig: überwältigt von einem Konzert des Meisters beschließ er ein Paganini des Klaviers zu werden. So wendet sich Liszt im Frühjahr 1832 wieder der Musik zu und widmet sich wieder mit Feuereifer dem Üben und Lernen zu, er beteiligt sich auch wieder am öffentlichen Konzertleben. Die Aufführung seiner Eigenkomposition – Clochette-Fantasie op.2, eine Fantasie über das Thema des Rondo-Finales von Paganinis zweiten Violinkonzert – wird allerdings 1834 zu einem katastrophalem Misserfolg.

Das Üben hatte allerdings Erfolg: Chopin wird zwar kein großer Freund von ihm, bewundert aber seine Art zu spielen mehr und mehr „..Ich möchte ihm die Art und Weise rauben, wie er meine eigenen Etüden spielt“. Liszt ist anscheinend auch fähig, selbst kurze Zeit nach der Vollendung einer Komposition zweier schwieriger Chopin- Etüden diese auswendig und technisch vollendet zu spielen.

Lang Lang - Liszt Ab Anfang 1833 ist Liszt immer öfter bei der um sechs Jahre älteren Gräfin Marie d’Agoult zu Gast. Diese ist verheiratet, hat zwei Töchter, doch in der Ehe kriselt es. Beide sind unglücklich, beide fühlen sich zu einander hingezogen. Doch von Anfang an gestaltet sich die Beziehung schwierig: Obwohl Liszt betont am liebsten in der Einsamkeit komponieren zu wollen, fühlt er sich magisch von der Pariser Gesellschaft angezogen. Bei seinem Auftritten als Pianist entwickelt er zum Teil exzentrisches Gehabe, er will den Applaus um jeden Preis. Marie d’Agoult lehnt diese Seite von Liszt ab, sie möchte, dass er sich als Komponist durchsetzen soll.

Problematisch sind natürlich auch seine vielen Frauenbeziehungen. So findet Marie d’Agoult bereits im Sommer 1834 einige Briefe anderer Frauen an Liszt. Im Frühjahr 1835 ist Maire d’Agoult schwanger, sie verlässt ihren Ehemann und zieht mit Liszt zusammen, was dieser unter Mithilfe von Abbé de Lammenais versuchte zu verhindern. Sie verlässt Paris und reist nach Basel, Liszt folgt ihr wenige Tage später, danach beziehen sie eine Wohnung in Genf. Die Ehe von Charles d’Agoult wird am 19. August geschieden, am 18. Dezember kommt ihre Tochter Blandine zur Welt. Um zu verhindern, dass ihre Tochter – nach dem damaligen Rechtsverständnis - als Tochter Charles d’Agoult gilt, gibt sie bei der Anmeldung der Tochter bei den Genfer Behörden ihren Namen als „Catherine-Adelaide Mèran“ an.

Liszt nimmt als ehrenamtlicher Klavierprofessor an Sitzungen und am Unterrichtsbetrieb des Genfer Konservatoriums teil. Sein Schüler Hermann Cohen trifft aus Paris ein und so entsteht ein quasi Familienleben zu dritt. Liszt gibt einige Konzerte, komponiert, aber schon bald stellen sich finanzielle Probleme ein.  Er komponiert einige Bearbeitungen populärer Werke – z.B. den Walzer op.8 über Melodien aus Rossinis Soirées musicals – obwohl er diese Vorgehensweise zuvor scharf kritisiert hatte – um zu Geld zu kommen. Schließlich verlassen sie im Oktober Genf und kehren über Dijon nach Paris zurück, wo Liszt vorerst alleine lebt, während Marie bei George Sand lebt und mit ihren ersten schriftstellerischen Arbeiten beginnt.

Alfred Brendel - Liszt Klaviersonate H-Moll Mit Sigismund Thalberg taucht im Winter 1835/36 ein Rivale des Pianisten Liszt auf, dessen Spiel nicht nur übermäßig in den Gazetten gerühmt wird, sondern der auch weitaus höhere Einnahmen pro Konzert verbuchen kann, bald wird Thalbergs neuartiger Klavierstil gerühmt. Liszt schreibt mit einem Artikel in der Revue et Gazette musicale dagegen an, der allerdings ziemlich polemisch ausfällt – eine Welle der allgemeinen Empörung wird dadurch ausgelöst. Nach einem Aufenthalt in London kehrt Thalberg wieder nach Paris zurück und es kommt im Salon der Prinzessin Belgiojoso zum Wettstreit der beiden Ausnahmepianisten. „Thalberg ist der erste aller Klavierspieler – Liszt aber der einzige“ lautete das diplomatische endgültige Urteil der Prinzessin. Liszts Ruhm als herausragender Virtuose und erfolgreicher Klavierkomponist wächst.

1837 reist die Familie Liszt nach dem Ende der Pariser Konzertsaison durch Aufenthalte in Nohant, Lyon und Genf unterbrochen, nach Italien.  Liszt trifft während eines Aufenthaltes in Mailand Rossini, schließlich lassen sie sich in Bellagio am Comersee nieder. Anfang November 1837 fahren sie wieder nach Como, wo am 24. Dezember ihre zweite Tochter Cosima (die spätere Frau Richard Wagners) geboren wird. Liszt und Marie d’Agoult bleiben etwa zwei Jahre in Italien, in Bellagio beginnt Liszt wieder zu komponieren.  Im März 1838 reist das Paar nach Venedig. Liszt fasst den Entschluss zugunsten der Opfer der Hochwasserkatastrophe in Ungarn ein Benefizkonzerte in Wien zu geben. Obwohl er ursprünglich nur zwei Wochen in Wien bleiben wollte, kehrt er – auf Grund seiner großartigen Erfolge – erst nach zwei Monaten zu Marie nach Venedig zurück. Während dieser Zeit wird sich Liszt auch seiner ungarischen Nationalität bewusst und wendet sich verstärkt der Bearbeitung ungarischer „Nationalmelodien“ zu. „Mein Leitstern soll sein, dass Ungarn einmal stolz auf mich zeigt,“ schreibt er einmal in einem Brief.

Die Beziehung zu Marie jedoch bekommt erste Risse: Liszt hat sich in Wien mit einigen Damen eingelassen, Marie hat in Venedig eine Liebesbeziehung zum Grafen Emilio Malazzoni begonnen.
Noch einmal kommt es zur Aussöhnung und sie nehmen eine Wohnung in Lugano. Liszt gibt Konzerte in Mailand, Florenz, Bologna und Pisa. Das erste Halbjahr 1839 verbringen sie in Rom, wo Marie ihr drittes Kind, Daniel, zur Welt bringt.
Das Paar beschließt sich zu trennen, Liszt möchte wieder Konzertreisen unternehmen. Marie kehrt nach Paris zurück, Franz reist zu Konzerten nach Wien, Bratislava und Pest. Erstmals seit seiner Kindheit wieder in Ungarn wird er im Theater von Pest wie ein heimgekehrter Nationalheld begrüßt und er erhält von einem ungarischen Magnaten einen Ehrensäbel. In Pest tritt er auch erstmalig als Dirigent ans Pult.

Barenboim - Franz Liszt Superstar Liszt reist nun durch ganz Europa: so nach Prag, nach Dresden und Leipzig, nach Hamburg, Belgien, Weimar, Berlin, St. Petersburg, Ostpreußen und ins Baltikum. Sein Ruhm vergrößert sich, eine regelrechte Lisztomanie bricht aus. Er spielt sogar vor dem russischen Zaren. Als sich dieser während des Konzertes mit seinem Nachbarn unterhält, unterbricht Liszt sein Musikspiel. Auf die Frage des Zaren nach dem Warum, antwortete er: „Sire, wenn der Zar spricht, müssen andere schweigen.“ Der Zar war angeblich „not amused“. Das ist aber nicht der einzige Affront, den sich der selbstbewusste Pianist, der den Ausspruch „Le concert c’est moi“ tätigte, leistete: Liszt weigerte sich vor der spanischen Königin Isabella II. zu spielen, da die spanische Hofetikette es untersagte, dass er der Königin vorgestellt wurde.

Auch die ersten Ehrungen stellen sich ein: er wird Mitglied der Königlichen Preußischen Akademie der Künstler und erhält den Orden pour le merite, in Königsberg wird ihm die Ehrendoktorwürde der Universität verliehen, in Weimar wird er zum „Großherzoglichen Kapellmeister in außerordentlichen Diensten“ ernannt.

In Paris bleibt dennoch Thalberg die Nummer eins, auch die Tourneen in England, Schottland und Irland sind kein großer Erfolg  - anstatt Geld für seine Familie aufzustellen, machte er, auch durch seinen luxuriösen Lebensstil, Schulden. Es kommt wieder zu Streitigkeiten mit Marie.

1840 bereisen sie zwar gemeinsam das Rheinland, machten Urlaub in Fontainebleau, schmieden Heiratspläne, doch die große Leidenschaft scheint dahin zu sein, im Oktober 1941 überredet er Marie einer Verlängerung seiner Konzerttourneen zuzustimmen, obwohl er ihr vorher versprochen hatte sich nach Abschluss der ersten mehr dem Komponieren zu widmen.
1843 erfährt Marie wieder von einer Frauenbeziehung von Liszt – im Juli treffen sie sich und versöhnen sich nochmals. Im Oktober kehrt Marie nach Paris zurück und beginnt ihren autobiographischen Roman Nélida, in dem Liszt in der Gestalt des Malers Guermann Regnier mit amoralischer Lebensanschauung dargestellt ist. Der Roman erscheint 1846, allerdings unter dem Schriftstellerpseudonym Daniel Stern.

Liszt - Piano Werke 1843 initiiert Liszt seine Biographie, die in Stuttgart von Gustav Schilling verfasst wird, Liszt stellt das Material zur Verfügung. Ende des Jahres trennen sich Liszt und Marie endgültig. Eine Auseinandersetzung um die Kinderbeginnt: obwohl er zuerst auf jede Einmischung in ihre Erziehung verzichtet, verlangt er ein Jahr später das vollständige Sorgerecht für alle drei. Im Juni 1845 verzichtet Marie, um eine weitere Eskalation zu vermeiden, auf das Sorgerecht. Die Kinder kommen unter die Obhut ihrer Großmutter Anna Liszt, der Kontakt zu ihrer Mutter wird ihnen strengstens untersagt.

1835-1844 wird gerne als Liszts „Virtuosenzeit“ bezeichnet, in der er zwischen den größten Städten Europas hin und her gereist ist. Nimmt man sämtliche Entfernungen zusammen – ist er, auf europäischen Boden – zweimal um den Globus gereist. „Aus Russland traf er mit seiner Offenbacher Reisekutsche ein, die als eine Neuheit galt und von der er zwei hatte… Sie waren mit jedem Luxus, mit jeder erdenklichen Bequemlichkeit ausgestattet und dienten tags als Salon, als Speisesaal, nachts hingegen als Schlafzimmer.“

Mit der Ernennung zum Kapellmeister verpflichtete sich Liszt bereits 1842 drei Monate im Winterhalbjahr in Weimar das Orchester zu leiten, kam dieser Pflicht aber anfänglich nur sehr unregelmäßig nach. 1844 debütierte er in Weimar als Dirigent. Anschließend hörte er in Dresden die Oper Rienzi von Richard Wagner, und schloss mit ihm Freundschaft. 1844/45 reiste er durch Spanien und Portugal, im August 1845 war er in Bonn und im nächsten Winter bereist er Wien, Pest, Bukarest, Kiew, Lemberg, Odessa, Konstantinopel, Elisabethgrad. Für Liszt scheinen diese Reisen keineswegs schwierig oder unangenehm gewesen zu sein. Er fühlte sich in den verschiedensten Städten, Ländern und Fürstentümern zu Hause und genoss die Abwechslung. In seinen Konzertwerken verarbeitete er auch die unterschiedlichen Eindrücke: es erklingen alte hussitische Lieder, neapolitanische Canzoni, spanische Rondos und feierliche Polonaisen, sogar die englische Hymne God Save the Queen und natürllich eine ganze Reihe ungarische Lieder und Rhapsodien.

Liszt: Klavierkonzerte 1 & 2, Totentanz Und wieder änderte eine Begegnung mit einer Frau sein Leben. In Kiew machte er die Bekanntschaft mit Jeanne Elisabeth Carolyne Fürstin zu Sayn-Wittgenstein, in die er sich verliebte. Sie erwiderte seine Gefühle und sie beschlossen sich in Weimar niederzulassen.
Liszt fand in der willensstarken, temperamentvollen, gebildeten Frau, die sieben Jahre jünger war als er, eine Diskussionspartnerin zu den Themen der Kunst, Religion und Philosophie. Er wollte mehr Ruhe in sein Leben bringen und sie fühlte sich anscheinend berufen einen genialen Künstler zu leiten und zu fördern. Ab Herbst 1847 lebte Liszt mehrere Monate in Woronince, ihrem Gut in der südlichen Ukraine, im Oktober gaben sich beide eine Art Eheversprechen.

Im April des nächsten Jahres verließ die Fürstin mit ihrer Tochter den Landsitz und übersiedelte in eine Villa am Rande von Weimar, die Liszt ebenfalls im Herbst bezog. Die nächsten zwölf Jahre, die sie in Weimar relativ zurückgezogen verbrachten, gelten als die produktivsten und schöpferischen von Ferenc Liszt und zeugen vom positiven Einfluss den Carolyne auf die Künstlerpersönlichkeit hatte. Obwohl die Fürstin 1855 nach russischem Recht von ihrem Ehemann geschieden wurde, war sie nach katholischem Recht noch immer nicht für Liszt frei. Dazu kamen auch noch finanzielle Schwierigkeiten, da sie aus Russland verbannt und ihre Güter bis zur Volljährigkeit ihrer Tochter unter staatliche Verwaltung gestellt wurden. In Paris suchten die drei Liszt-Kinder mehr und mehr Kontakt zu ihrer Mutter, was beide nicht gut hießen. Aus diesem Grund holt Liszt seine Kinder 1855 nach Weimar und beauftragte die Freifrau Franziska von Bülow mit der weiteren Erziehung.  Ihr Sohn, Hans von Bülow, wird später der erste Ehemann von Cosima Liszt werden.

Liszt dirigierte in Weimar viele Werke zeitgenössischer und auch umstrittener Komponisten und führte auch deren Werke auf, wie auch die Opern Wagners. Liszt stand Wagner sehr nahe und half ihm auch im Frühjahr 1849 nach dem Aufstand in Dresden zur Flucht nach Zürich, unterstützte ihn finanziell und stand mit ihm in regem Briefwechsel. 1850 brachte er Wagners Oper Lohengrin in Weimar zur Uraufführung. Später traten sie öfter gemeinsam als Dirigenten auf. Allerdings kühlte sich die Freundschaft etwas ab, nachdem Wagner mit Liszts Tochter Cosima liiert war.

Liszt - The complete Wagner & Verdi Transcriptions Nicht nur Wagner wurde von Liszt aufgeführt, auch für die Werke Berlioz, Mendelssohn und Schumann setzte er sich ein, sein Dirigat fand ebenso wie sein Klavierstil flammende Verehrer oder große Ablehnung. Mit seinen Bearbeitungen und Reminiszenzen verhalf er auch Komponisten zu Popularität, zu denen er keinerlei persönliche Beziehung hatte und mit denen ihn auch keine künstlerische Verwandtschaft verband – z.B. seine von Verdis Opern inspirierten Paraphrasen.  Diese Unterstützung genossen auch voneinander überaus abweichende musikhistorische Persönlichkeiten wie Bruckner oder Smetana.
Ab 1861 dirigierte er nur noch eigene Werke.

In Weimar nahm er auch wieder seine Lehrtätigkeit auf: Hans von Bülow, Carl Tausig, Franz Bendel, Peter Cornelius, Hans von Bronsart sind nur einige, die zu seinen Schülern zählten und sich als Mitglieder einer verschworenen Gemeinschaft fühlten und sich mit großen Engagement für die von Liszt vertretene Kunstrichtung einsetzten.

1859 wurde bei den Feiern zum 25jährigen Bestehen der Neuen Zeitschrift für Musik über den Begriff „Zukunftsmusik“ diskutiert, den Richard Wagner geprägt hatte. Auf Brendels Anregung wurde beschlossen, den Begriff Neudeutsche Schule einzuführen und auf Anregung von Liszt und Köhler wurde der allgemeine Deutsche Musikverein ADMV gegründet.

1861 fuhr Liszt nach Rom um Carolyne zu heiraten, die Hochzeit sollte am 22. Oktober in der Kirche San Carlo al Corso stattfinden, doch die Fürstin zog einen Tag zuvor ihre Einwilligung zur Heirat zurück. Carolyne blieb in Rom, studierte Theologie und schrieb Bücher, Liszt widmete sich in dieser Zeit verstärkt Kompositionen mit religiösen Themen und führte ein teilweise mondänes, teilweise mönchisches Leben. Er wohnte im Kloster Madonna del Rosario auf dem Monte Mario – hier besuchte ihn auch Papst Pius IX. – im Vatikan, im Kloster Santa Francesca Romana. Ab 1864 besuchte er wieder Konzerte und dirigierte in verschiedenen europäischen Städten. 1865 unterzog er sich der Tonsur und erhielt die vier niederen Weihen. Von da an trug er den römischen Kragen und lies sich Abbé nennen.

Martin Haselböck - The Sound of Weimar In diesem Jahr verbrachte er auch einige Monate in Budapest, ab 1867 zog er dann wieder nach Weimar. Diese drei Orte waren die Fixpunkte seiner regen Reisetätigkeit, die er auch weiterhin unternahm, um seine eigenen Werke aufzuführen, oder, oft unentgeltlich, zu unterrichten.

Sein Ruhm als Komponist und Lehrer war nun genauso groß wie jener des Pianisten. Besonders seine Orchester- und geistlichen Werke fanden großen Anklang. 1867 komponierte er zur Krönung Franz Joseph I. zum Ungarischen König seine Ungarische Krönungsmesse. Die ungarische Seite verlangte, dass das Werk des ungarischen Komponisten aufgeführt werden sollte. Es kam zwar zur Aufführung am 8. Juni, nicht jedoch bei dem geplanten Anlass der Krönung. Nach der Aufführung marschierte Liszt allein aus der Kirche und die vor der Kirche versammelte Menge jubelte ihm zu.

Ab 1872 verbesserte sich auch wieder sein Verhältnis zu Richard Wagner, der inzwischen wie Liszt Tochter Cosima von seiner ersten Frau geschieden war und die auch geschiedene Cosima geheiratet hatte.
Im Mai 1873 dirigierte Liszt erstmals eine vollständige Aufführung des Oratoriums Christus in der Stadtkirche in Weimar und nahm wenig später an der Richtfestfeier des Festspielhauses in Bayreuth teil. Hier weilte er auch bei den ersten Festspielen 1876 (Der Ring der Nibelungen) und bei den zweiten 1882 (Parsifal).  Im Dezember des gleichen Jahres traf er mit seiner Tochter und Wagner in Venedig zusammen, wo man gemeinsam ein Konzert gab. Liszt reiste ab, wenige Wochen später erlag Wagner einem Herzinfarkt.

Liszt - Dante Symphonie 1875 wird Liszt zum Vorsitzenden der Budapester Musikakademie ernannt, die damals noch kein richtiges Gebäude hatte. 1879 zieht die Akademie endlich in ihr Gebäude in der Andrássy-Straße ein – hier führte Liszt seine Meisterschule für Klavier bis zu seinem Tod weiter. „Meine besten Stunden sind die, wenn ich an der neuen Musikakademie Professor bin“, schrieb er in einem Brief und seine Kurse, die in einer freundschaftlichen, zwanglosen und väterlichen Atmosphäre stattfanden, lockten Schüler aus aller Welt nach Pest. Es waren auch keine Klavierstunden im herkömmlichen Sinn: er lehrte keine Fingersätze, ihn interessierte viel mehr der Charakter des Vortrags als die reine Technik. Er entdeckte Talente, kümmerte sich um sie, spornte sie an, wie auch István Thomán, der spätere Lehrer von Béla Bartók und Ernő Dohnányi.

1886 kam Liszt, bereits schwer krank, nochmals nach Bayreuth, um die Festspiele, die nun unter der Leitung seiner Tochter standen, zu besuchen. Liszt starb wenige Tage nach seiner Ankunft am 31. Juni 1886 und wurde am Bayreuther Stadtfriedhof beigesetzt. Bei der Totenmesse spielte Anton Bruckner an der Orgel über Motive aus Parsifal.

Die Erforschung des Musikers und Komponisten Liszt setzte erst spät in den 1970 Jahren ein und ist heute noch nicht abgeschlossen. Sein Werk ist umfangreich, man kennt heute 123 Klavierwerke 77 Lieder, 65 geistliche und 28 weltliche Chorwerke, eine Oper, mehr als 300 Arrangements und Transkriptionen und vieles mehr.
Die bekanntesten seiner Werke sind vielleicht die Dante und die Faustsymphonie, die Ungarische Krönungsmesse, und natürlich seine Ungarischen Rhapsodien, die Sonate in h-moll.

Aber vielfältig wie der Mensch Ferenc Liszt ist auch sein Werk – jeder wird sein Lieblingsstück im Werk des ersten Europäers finden.

Hörproben von Liszt: Complete Hungarian Rhapsodies (2 CDs)

de.wikipedia.org/wiki/Franz_Liszt
www.scribd.com/doc/34489011/Haupttext
www.lisztfestival.at/cms_liszt/front_content.php?idcat=154
www.lisztzentrum.at/