Den Wienern wird nachgesagt, ein besonderes Verhältnis zum Tod zu haben. Davon kann man sich auch am Wiener Zentralfriedhof überzeugen …

Der 1874 eröffnete Wiener Zentralfriedhof hat eine Fläche von fast zweieinhalb Quadratkilometern und war bei seiner Eröffnung der größte Friedhof Europas. Hier fanden bis jetzt in rund 330.000 Grabstätten rund drei Millionen Verstorbene ihre letzte Ruhestätte.

Blick auf die Karl Borromäus-Kirche in der Dämmerung
Blick auf die Karl Borromäus-Kirche in der Dämmerung

Mit seinen vielen Ehrengräbern zählt der Zentralfriedhof heute zu den Sehenswürdigkeiten Wiens. Auf Grund seiner Größe sollte man sich auf jeden Fall einer Führung anschließen (ich empfehle euch eine Führung mit Wolfgang Auinger. Durch diese konnte ich nicht nur die wichtigsten Gräber und Plätze des Friedhofs kennenlernen, sondern auch das eine oder interessante „Gschichtl“ über die prominenten Verstorbenen erfahren. Einige davon erzähle ich euch auch hier später.

Er kennt viele interessante Facts und Geschichten
Er kennt viele interessante Facts und Geschichten

Wie vieles in Wien und in Österreich veränderten die Josephinischen Reformen von Kaiser Joseph II. auch die "Begräbnisrituale" und -plätze. Er bestimmte unter anderem, dass Friedhöfe innerhalb des Linienwalls (also innerhalb des heutigen Gürtels) aufgelassen und vor die Stadt verlagert werden mussten.

Außerdem sollten die Bestattungen möglichst sparsam und funktionell durchgeführt werden, wie die Einführung von Schachtgräbern und der mehrfach verwendbaren Klappsärge bewies. Im Bestattungsmuseum (auch am Zentralfriedhof bei Tor 2 untergebracht) kann man noch einen dieser Klappsärge - mit einem solchen wurde auch Mozart begraben - sehen.

Jugendstil am Wiener Zentralfriedhof
Jugendstil am Wiener Zentralfriedhof

Dennoch: Mitte des 19. Jahrhunderts war klar, dass die Stadt stark wuchs und auch die bereits vorhandenen “communalen” Friedhöfe in den Vororten die Toten der Stadt nicht mehr aufnehmen konnten. Daher beschloss 1863 der Wiener Gemeinderat die Errichtung eines großen Friedhofs. Zentral hatte daher nicht die Bedeutung von zentral gelegen, sondern mehr im Sinne von “für alle groß genug”. 

Im Inneren der Friedhofskirche
Im Inneren der Friedhofskirche

Allerdings war der Wiener Zentralfriedhof am Anfang umstritten und bei den Wienern unbeliebt. Bei seiner Eröffnung lag er weit außerhalb der Stadt, es gab damals keine Autos und auch keine Straßenbahn, keine Bahn führte hinaus nach „Simmering“.

Das Areal wurde auf Grund seiner Beschaffenheit gewählt: der Lösboden ist eben und die Gräber können auf diesem Boden einfacher und schneller gegraben werden, die Leichen „verrotten“ schneller.

Der Park der Ruhe lädt zur Erholung ein
Der Park der Ruhe lädt zur Erholung ein

Außerdem wurde zu dieser Zeit auch die Zuständigkeit der Kirche für Begräbnisstätten aufgehoben und das bedeutete, dass die Gemeinde einen Friedhof verwalten dufte, aber auch finanzieren musste.

1869 wurden die Grundstücke in Kaiserebersdorf und Simmering gekauft, 1870 der Wettbewerb für den Entwurf des Friedhofs ausgeschrieben und nach nur drei Jahren Bauzeit (1871 bis 1874) beendete das Frankfurter Architektenteam Karl Jonas Mylius und Alfred Friedrich Buntschli die neue Wiener Totenstadt. Da in manchem anderen Friedhof der Platz allerdings schon vorher gefehlt hatte, wurde der Zentralfriedhof eigentlich schon ein Jahr früher provisorisch genutzt.

Das Tor 2 - der Haupteingang zum Wiener Zentralfriedhof
Das Tor 2 - der Haupteingang zum Wiener Zentralfriedhof

Ursprünglich hatte der Friedhof elf Tore, der Haupteingang war und ist das Tor Nummer 2, wo die Pylonen das verschlungene Monogramm GW für Gemeinde Wien tragen.

Tritt man hier ein, hat man einen schönen Blick auf die Friedhofskirche und auf die Alten Arkaden. Nach dem Eingang befindet sich auch eine Tafel mit dem Friedhofsplan, hier ist auch der Treffpunkt für die Führungen mit Wolfgang Auinger.

Die Geschichte des Wiener Zentralfriedhofs

Bleiben wir noch ein bisschen bei der Geschichte des Zentralfriedhofs. 
Bereits mit dem Beschluss des Wiener Gemeinderats 1863 wurde der Friedhof als interkonfessionell festgelegt und es wurde beschlossen, dass auch anderen Glaubensgemeinschaften – neben der katholischen Religion – eigene Abteilungen am Friedhof bekommen würden. Auch deswegen wurde eine Einweihung des Areals durch Beschluss untersagt. Dies führte allerdings umgehend zu starken Protesten der Katholischen Kirche.

Der Baby-Friedhof, ein sehr berührender Teil des Wiener Zentralfriedhofs
Der Baby-Friedhof, ein sehr berührender Teil des Wiener Zentralfriedhofs

Auch der Beschluss der jüdischen Glaubensgemeinschaft (wohlgemerkt um einen hohen Geldbetrag) eine eigene Abteilung am Friedhof zu übertragen heizte die negative Stimmung weiter an. Schließlich wurde der Protest so groß, dass man den Beschluss der „Nichteinweihung“ wieder zurücknahm.

Die kirchliche Ministerialgewalt über die Begräbnisstätte wurde aber weiterhin ausgeschlossen. Um die Lage schließlich zu beruhigen wurde dann in Absprache mit dem Wiener Bürgermeister, wenn auch von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt, die katholische Einweihung des Friedhofs vorgenommen.

Es gibt auch Denkmäler am Zentralfriedhof
Es gibt auch Denkmäler am Zentralfriedhof

Trotz alledem – den Wienern gefiel der neue Friedhof nicht. Die kleinen Bäumchen wurden bekrittelt und vor allem der lange Weg von der Stadt auf den Friedhof war ein besonderes Problem. Nicht nur für die Besucher der Gräber oder Begräbnisse – auch für den Transport der Leichen. Diese wurden zu Beginn mit Pferdefuhrwerken, später mit eigenen Wagen der Straßenbahn zum Friedhof gebracht.

Manche Grabgestaltungen verwundern ein bisschen
Manche Grabgestaltungen verwundern ein bisschen

Doch der Weg war weit. Im Sommer brachte der „Duft“ der Leichen die Bewohner an der Simmeringer Hauptstraße an den Rand der Verzweiflung, im Winter blieben die „Transporte“ oft im Schnee stecken. Auf jeden Fall war es für die Einwohner auch kein schöner Anblick täglich mit dem Tod konfrontiert zu werden.

Die "Leichen-Rohrpost" wurde nicht verwirklicht
Die "Leichen-Rohrpost" wurde nicht verwirklicht

Wie uns Wolfgang erzählte, wurden teilweise futuristische Pläne gewälzt: so wurde unter anderem der Bau einer Röhre überlegt, durch die die Leichen pneumatisch wie bei der Rohrpost von der Stadt zum Friedhof transportiert werden sollten.

Es blieb aber bei den Pferdefuhrwerken als Leichentransporte, die später von der Straßenbahn abgelöst wurden. Schließlich, 1925, wurde zum ersten Mal ein Lastkraftwagen für die Überführung eingesetzt.

Die Karl Borromäus-Kirche
Die Karl Borromäus-Kirche

Um den Friedhof mehr Ansehen bei den Wienern zu verschaffen, wurde 1903 ein Wettbewerb für seine bauliche Ausgestaltung ausgeschrieben, den Max Hegele gewann. Er errichtete neben der Karl Borromäus-Kirche (darüber noch später) das Hauptportal (Tor 2) und die beiden Aufbahrungshallen, die sich links und rechts vom Tor 2 vor den Alten Arkaden befinden.

Die Ehrengräber

Als eine weitere Maßnahme, die das Ansehen und die Beliebtheit des Zentralfriedhofs steigern sollte, beschloss der Gemeinderat bereits 1881 die Errichtung einer Ehrengräberanlage, was dazu führte, dass die Überreste verschiedener prominenter Persönlichkeiten, unter anderem Ludwig van Beethoven und Franz Schubert hierher verlegt wurden.

Curd Jürgens hat seine Beerdigung wie ein Drehbuch geplant
Curd Jürgens hat seine Beerdigung wie ein Drehbuch geplant

Wenn auch nicht alle Ehrengräber von Wien am Zentralfriedhof liegen, kein zweiter Friedhof der Welt weist soviele Ehrengräber und ehrenhalb gewidmete Gräber auf wie jener in Wien.

Am Wiener Zentralfriedhof gibt es bei der "Ehre" verschiedene Kategorien:
In einem Ehrengrab liegt ein A-Promi begraben und die Stadt bezahlt die Gebühren des Grabes, das Begräbnis und übernimmt dafür auch die Pflege. (Außer die Angehörigen möchten es selbst pflegen).

Große Architekten: Der Erbauer der Semmeringbahn und jener des Suez-Kanals haben ihre Grabstätten neben einander
Große Ingenieure: Der Erbauer der Semmeringbahn und jener des Suez-Kanals haben ihre Grabstätten neben einander

Ist das Grab ehrenhalber jemanden gewidmet, weist dies den Verstorbenen in eine weniger prominente Kategorie. Die Stadt bezahlt dennoch das Begräbnis und das Grab, für die laufende Pflege müssen aber die Angehörigen sorgen.

Als historische Gräber sind all jene Begräbnisstätten eingestuft, die aus verschiedenen Gründen als erhaltungswürdig eingestuft sind, sei es der kunsthistorische Wert der Grabgestaltung oder seien es die Verdienste des Verstorbenen.

Auf den Opfern der Kriege wird gedacht
Auch den Opfern der Kriege wird gedacht

Im Zentralfriedhof gibt es auch unterschiedliche Mahnmale, darunter eines für die Opfer des Justizpalastbrandes oder für jene Bergsteigergruppe, die am Himalaya in den Tod stürzte. Für diese Gruppen wurden gemeinsame Grabstätten errichtet.

Zum Schluss gibt es natürlich noch die privaten Gräber – in sieben verschiedenen Preiskategorien. Generell gilt: je weiter entfernt das Grab von der Begräbnisstätte Beethovens entfernt ist, umso günstiger wird es. Wobei in der Nähe des Komponisten eigentlich keine Gräber mehr verfügbar sind.

A scheene Leich (ein schönes Begräbnis)

Ich weiß nicht, wie dies in anderen Ländern oder Städten oder am Land ist: in Wien jedenfalls ist „ a scheene Leich“ – ein schönes Begräbnis - für viele Mitbürger auch heute noch eine Möglichkeit, der Welt und seinen Nachfahren zu zeigen, dass man es geschafft hat.

Erinnerung an Falco
Erinnerung an Falco

Vielleicht ist es aber auch nur eine noch immer nachwirkende Reaktion auf den sparsamen Kaiser Joseph II. der anfangs jeglichen Pomp verbot. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wollte es jedenfalls das wohlhabende Bürgertum dem Adel gleichtun und begann ebenfalls mit prunkvollen Trauerfeiern und Begräbnissen seinen letzten Weg anzutreten.

Auch heute noch erweisen die Wiener ihren Politikern bei Staatsbegräbnissen oder Prominenten bei Beisetzungen in den Ehrengräbern gerne und zuweilen „schaulustig“ die letzte Ehre.

Blick zur Friedhofskirche
Blick zur Friedhofskirche

Auch dazu gibt es einige durchaus interessante Geschichte von Wolfgang. Und damit ist es jetzt wirklich Zeit mit ihm unseren Rundgang zu beginnen.

Mein Rundgang durch den Wiener Zentralfriedhof

Wir treffen uns gleich hinter dem Tor 2 beim Plan der Anlage. Hier kann man sich die Weitläufigkeit des Areals ansehen und auch die verschiedenen Abteilungen der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften verorten. Wichtig also für den Überblick, so ihr wirklich alleine losziehen möchtet.

Der Übersichtsplan vom Wiener Zentralfriedhof
Der Übersichtsplan vom Wiener Zentralfriedhof

Der Bus

In der Nähe gibt es hier auch eine Haltestelle der Buslinie ZF, die alle halben Stunden als Rundlinie einen Großteil des Zentralfriedhofs auf ihrer Linie mit 19 Haltestellen verbindet. Der Bus, obwohl privat betrieben, gehört zum Verkehrsverbund Ost-Region (VOR), sodass man ihn mit einem gültigen VOR-Fahrschein auch ohne weitere Gebühr benutzen kann. Seit 2022 wird der grüne Bus elektrisch betrieben.

Die Fiaker

Wer lieber in einem Fiaker den Zentralfriedhof erkunden möchte, findet hier ebenfalls eine Zustiegsmöglichkeit. Bei schönem Wetter ist das wahrscheinlich die bequemste Möglichkeit das weitläufige Area zu erkunden. Und wie uns Wolfgang versichert hat, wissen die Herren Fiaker auch einiges über den Friedhof, die hier begrabenen Prominenten und einige Gossips mehr zu erzählen.

Doch jetzt geht es für uns zu Fuß los.

Die Alten Arkaden

Nachdem wir uns kurz am Plan orientiert haben und einiges über die Geschichte den Wiener Zentralfriedhofs gehört haben, machen wir uns zu unserem Rundgang auf und spazieren zu den Alten Arkaden.

Blick zu den Alten Arkaden
Blick zu den Alten Arkaden

Im Tode sind wir zwar alle gleich, doch auch hier zeigt sich, dass einige eben doch ein wenig gleicher sind. Eine Grabstätte in den Arkaden war und ist in erster Linie für Menschen und Familien gedacht, die es sich auch leisten können.

Die Alten Arkaden
Die Alten Arkaden

Mit ihrem Bau versuchte die Friedhofsverwaltung auch wieder Geld für die Investitionen in den Ausbau und die Gestaltung des Friedhofs hereinzubekommen.

Grabmal in den Alten Arkaden
Grabmal in den Alten Arkaden

Reiche Bürger, Industrielle, Unternehmer, hohe Beamte oder Adelige sollten die Möglichkeit bekommen, eine Grabstätte für 50 oder 100 Jahre zu mieten, um nicht mit bzw. neben den „Normalsterblichen“ begraben zu sein. 

In den Alten Arkaden
In den Alten Arkaden

Wir halten vor einer Grabstätte mit der Aufschrift World Music Fans, die (noch) keine besondere Gestaltung aufweist, aber eine durchaus interessante Geschichte bzw. Idee hat: 

Als vor ein paar Jahren die Gruft aufgelassen wurde, mietete – kaufen kann man sie ja nicht – ein japanischer Geschäftsmann diese Gruft. Viele seiner Landsleute sind Musikliebhaber und möchten gerne in der Nähe von Beethoven, Brahms, Strauss und anderen musikalischen Größen ihre letzte Ruhestätte finden. Das Arrangement beinhaltet auch das Begräbnis und die “Reise” des Verstorbenen nach Wien.

Die Gruft der World Music Freunde
Die Gruft der World Music Freunde

Wie man hört, ist das Geschäft erfolgreich und einige entsprechend finanziell gut ausgestattete Japaner haben angeblich ihre letzte Ruhestätte bereits gebucht. Da sie aber noch nicht verstorben sind, ist ihr Name noch nicht vermerkt.

Engel beschützen oft die Verstorbenen
Engel beschützen oft die Verstorbenen

In den Alten Arkaden finden sich nicht nur Gräber berühmter industrieller Dynastien, wie z.B. die Gruft derer von Mautner Markhof. Die Grabstätten wurden immer auch dazu genutzt, um aufzuzeigen, welche Leistungen der Verstorbene im Leben erbracht hat oder welchen Leidenschaften er frönte.

Das Grabmal der Familie Mautner-Markhof
Das Grabmal der Familie Mautner-Markhof

Bei den Mautner-Markhofs wurde ihrne wohltätigen Eigenschaften hervorgehoben: als Mäzene von Schulen, Alters-, Pflegeheimen und Krankenhäusern.

Ein Mann wie ein Bergwerk - ob ihm dieses Grabmal gefallen hätte?
Ein Mann wie ein Bergwerk - ob ihm dieses Grabmal gefallen hätte?

Welche Gestaltung gewählt werden sollte, kann – wie bei den “normalen” Gräbern auch – im Testament festgelegt werden, oder aber die Hinterbliebenen bestimmen das Aussehen. 

Nicht leicht zu erkennen - das Grab von Alfred Hrdlicka
Nicht leicht zu erkennen - das Grab von Alfred Hrdlicka

Nicht immer wird allerdings den Verfügungen im Testament entsprochen, wie wir bei den Ehrengräbern der Musiker erfahren.

So verbot Johannes Brahms in seinem Testament explizit ein pompöses Begräbnis. Doch die Freunde des Musikvereins setzten sich über seinen letzten Willen hinweg, da sie befürchteten in diesem Fall das Gesicht zu verlieren und Proteste heraufzubeschwören. Das Begräbnis von Brahms war eines der größten und pompösesten seiner Zeit. Über 4.000 Menschen begleiteten den Komponisten bei saukaltem Wetter von Karlsplatz – teilweise mit Fackeln – bis zu seiner Ruhestätte am Wiener Zentralfriedhof.

Johannes Brahms wäre wahrscheinlich auch nicht zufrieden
Johannes Brahms wäre wahrscheinlich auch nicht zufrieden

Eine kleine Zeitreise

Für mich war der Rundgang bei den Ehrengräbern nicht nur eine Reise in die Geschichte von Wien, sondern auch zurück in meine Jugend.

Waluliso - der erste "Grüne" und Umweltschützer
Waluliso - der erste "Grüne" und Umweltschützer

Waluliso – der einstige “Bote” für Wasser, Luft, Licht und Sonne fand hier ebenso eine letzte Ruhestätte wie Erich Sokol, der einst das ORF Auge (das Logo) schuf,

Katzenliebhaber Manfred Deix
Katzenliebhaber Manfred Deix

Manfred Deix, der den Österreichern immer einen kritischen Spiegel vorhielt,

Arik Brauer
Arik Brauer

Arik Brauer, einer meiner Lieblingsmaler aus der Welt der Wiener Schule der Phantastischen Realisten,

Einer der größten der österreichischen Popmusik - Falco
Einer der größten der österreichischen Popmusik - Falco

Hansi Hölzl, alias Falco,

Udo Jürgens und sein Klavier
Udo Jürgens und sein Klavier

Udo Jürgens, dessen “Griechischer Wein” mich an meine Urlaube in Griechenland erinnerte,

Josef Holoubek, der mit “I bins dei Präsident” einen ausgebüchsten Verbrecher wieder zurück in die Haftanstalt brachte,

Hans Moser, ob er noch immer grantelt?
Hans Moser - ob er noch immer grantelt?

Hans Moser, der mit seinem Nuscheln manchen Samstagnachmittag bei meinen Eltern kurzweiliger gestaltete,

Meine Traum-Carmen
Meine Traum-Carmen

Leonie Rysanek, für mich eine der besten Carmen, die ich je gehört habe und die mit

Er erklärte uns Oper und Operette und war berühmt für seine Plastiksackerl: Marcel Prawy
Er erklärte uns Oper und Operette und war berühmt für seine Plastiksackerl: Marcel Prawy

Marcel Prawy mir immer wieder Interesse für die Oper einhauchte,

Fritz Muliar: keiner konnte so toll "böhmakeln" wie er
Fritz Muliar: keiner konnte so toll "böhmakeln" wie er

Fritz Muliar, der beste Schwejk aller Zeiten,

Rudolf Hausner
Rudolf Hausner

Rudolf Hausner, der den zitternden Adam perfektionierte, Hugo Wiener und Cissy Kramer, Peter Patzek, der nicht nur mit Kottan Geschichte schrieb,

"ORF Tiger" Gerd Bacher
"ORF Tiger" Gerd Bacher

Gerd Bacher, dessen Erlass über die Verwendung der österreichischer Sprache im ORF ich erst viel später verstanden und dann für richtig befunden habe,

Hugo Portisch
Hugo Portisch

Hugo Portisch - für jeden journalistisch Tätigen ein Vorbild, Rudolf Wittgenstein, Erwin Ringel, und nicht zu vergessen

Willi Resetarits - unser Ostbahn-Kurti
Willi Resetarits - unser Ostbahnkurti

Willi Resetarits alias Ostbahn Kurti und noch so viele andere …

Auch über Hedy Lamarr kann Wolfgang eine Menge erzählen
Auch über Hedy Lamarr kann Wolfgang eine Menge erzählen

Wolfgang kann fast zu jedem Grab, zu jedem Verstorbenen Geschichten erzählen und auch ich erinnere mich bei dem Rundgang an viele Erlebnisse.
Natürlich ist diese Aufzählung nicht vollständig, sondern nur ein kleines persönliches Best of.

Wien und die Musiker

Die Musiker, deren Ehrengräber “rund” um Beethoven gruppiert sind, werden wohl von Touristen am häufigsten besucht.

Im Mittelpunkt seiner Musikerkollegen: Ludwig van Beethoven
Im Mittelpunkt seiner Musikerkollegen: Ludwig van Beethoven

Hier findet ihr Franz von Suppé, Franz Schubert, Johannes Brahms, Johann Strauss und Johann Strauss Vater, Josef Lanner, Robert Stolz und viele andere.

Das Mozart Denkmal am Wiener Zentralfriedhof
Das Mozart Denkmal am Wiener Zentralfriedhof

Kurios ist das Mozart Denkmal inmitten der musikalischen Größen. Wolfgang Amadeus Mozart wurde am St. Marxer Friedhof in einem Schachtgrab zur Ruhe gebettet. Allerdings suchten viele Touristen immer wieder sein Grab am Zentralfriedhof und da die Beschwerden und die Suche überhandnahmen, entschloss man sich sein Denkmal vom St. Marxer Friedhof auf den Zentralfriedhof zu verlegen.

Obwohl man in St. Marx die Stelle kennt, an der Mozart begraben wurde, sind seine Knochen noch immer nicht gefunden bzw. eindeutig zugeordnet.

Die hohe Politik

Während ausländische Touristen unsere Politiker wahrscheinlich weniger interessieren, sind auch sie für mich ein Blick zurück. Sallinger und Benya,

Damals wurde auch gestritten - aber man zollte sich Respekt und einigte sich
Hier seht ihr die Gräber von Rudolf Sallinger und Bundeskanzler Julius Raab

das einzigartige Paar der Sozialpartnerschaft, die Wiener Bürgermeister Slavik und Zilk, Franz Jonas, der im selben Haus wie meine Großmutter gewohnt hatte und zuerst Bezirksvorsteher in Floridsdorf, dann Bürgermeister von Wien und schließlich Bundespräsident wurde. Und natürlich Bruno Kreisky, der "Sonnenkönig" als Bundeskanzler von Österreich.

Das Grab Bruno Kreiskys ähnelt fast einer Sonnenscheibe
Das Grab Bruno Kreiskys ähnelt fast einer Sonnenscheibe

Die Präsidentengruft am Wiener Zentralfriedhof hat mich – ehrlich gesagt - enttäuscht. Sie ist wirklich sehr schlicht ausgefallen, doch auch hier hatte Wolfgang eine Erklärung: Nach der pompösen Vorstellung der Monarchie wollte sich die junge Republik durch Bescheidenheit – auch bei und für ihre Repräsentanten - unterscheiden.

Blick zur Präsidentengruft
Blick zur Präsidentengruft

Und es gab noch eine Geschichte dazu: 
Ursprünglich sollten hier nur die Präsidenten ohne ihre Ehefrauen begraben werden. Da sich aber Karl Renner weigerte ohne seine Ehefrau hier seine letzte Ruhestätte zu “beziehen”, dürfen in der Gruft nun auch die Gattinnen zur Ruhe gebettet werden.

Die Karl Borromäus-Kirche

Auch sie sollte zum besseren “Image” des neuen Wiener Zentralfriedhofs beitragen. Wer den Friedhof heute besucht, sollte unbedingt auch ins Innere der Kirche schauen.

Blick zur Friedhofskirche
Blick zur Friedhofskirche

Eine Kirche war bereits in den ursprünglichen Plänen vorgesehen, aber es war lange Jahre unklar, wie sie ausgestaltet werden sollte. Erst einige Jahre nach der Eröffnung des Friedhofs erfolgten die Ausschreibungen über ihre Gestaltung.

Blick in die Kuppel der Friedhofskirche
Blick in die Kuppel der Friedhofskirche

Viele Architekten der damaligen Zeit beteiligten sich daran, schließlich wurden die Pläne von Max Hegele von der Kommission, der auch Otto Wagner angehörte, angenommen.

Blick ins Innere der Karl Borromäus-Kirche
Blick ins Innere der Karl Borromäus-Kirche

Hegele, der bereits einige verwirklichte Bauwerke, wie eine Kirche in Favoriten oder eine Stiege im 6.Bezirk vorweisen konnte, galt als moderner, junger Sezessionskünstler. Leider fehlte aber das Budget für den Bau und so passierte einige Jahre wieder gar nichts.

In den Fresken ist auch Bürgermeister Karl Lueger zu erkennen
In den Fresken ist auch Bürgermeister Karl Lueger zu erkennen

Während dieser Zeit errichtete Otto Wagner die Kirche am Steinhof, die heute noch ein wenig pompöser als die Kirche am Zentralfriedhof wirkt, ihr aber doch "ein wenig" ähnelt.

Auch hier ist Lueger zu sehen
Auch hier ist Lueger zu sehen

Endlich wurde das Geld für den Kirchenbau am Zentralfriedhof freigegeben und 1910 konnte auch sie eröffnet werden. Lange Zeit galt sie als Kopie der Kirche am Steinhof, doch eigentlich hatte sich Otto Wagner einiges von den Plänen von Hegele “ausgeborgt”. Da seine Kirche am Steinhof aber früher fertiggestellt werden konnte, glaubte man, dass Hegele der “Kopist” sei.

Die Neuen Arkaden
Die Neuen Arkaden

Doch durch die Teilnahme Wagners an der Planungskommission für die Kirche am Zentralfriedhof waren Wagner die Pläne Hegeles bis ins letzte Detail bekannt und er scheint sich auch großzügig daraus bedient zu haben.

In der Karl Borromäus-Kirche kann man gut die drei Grundideen der Sezession verfolgen:

Alle geltenden Stilrichtungen sollen zusammengeführt werden, Zitate aus allen Epochen sollen zu sehen sein: Säulen verweisen auf Griechenland, Mosaike auf die Römerzeit, romanische Rundungen, Erinnerungen an die Renaissance, moderne Glasfenster, die Licht ins Innere bringen sollen.

Blick ins Innere der Friedhofskirche
Blick ins Innere der Friedhofskirche

Unterschiedliche Materialien sollen sich zu einem harmonischen Ganzen verbinden: Stein, Metall Holz, Glas, Email.

Detail in der Friedhofskirche
Detail in der Friedhofskirche


Der Zusammenschluss an Stilen und Materialien soll Helligkeit ins Innere und in die Welt bringen: helle Farben und große Fenster sind auch dafür ein Garant. Ein Sezessionsgebäude darf nicht dunkel wirken.

Im Inneren der Kirche
Im Inneren der Kirche

Da Bürgermeister Karl Lueger versuchte, den Kirchenbau so schnell wie möglich voranzutreiben, wurde die Kirche ihm zu Ehren auch bald Lueger-Kirche genannt und wer die Fresken genau betrachtet, bemerkt, dass Lueger in den Fresken auch dargestellt wurde (im Hermelinmantel).

Detail im Inneren der Kirche
Detail im Inneren der Kirche

Da ein Politiker aber kein Patron einer Kirche sein kann, wurde zumindest ein Heiliger mit dem Namen Karl gesucht und so wurde die Kirche offiziell die Karl Borromäus Kirche, die Wiener nannten sie aber die Karl Lueger-Gedächtniskirche. Seine letzte Ruhestätte fand Karl Lueger in der Gruft der Kirche.

Der Baby-Friedhof

Dieser Teil des Zentralfriedhofs hat mich am meisten berührt. Er ist all jenen gewidmet, die viel zu früh ihr Leben lassen mussten, ja kaum zu leben begonnen haben.

Blick zum Baby-Friedhof
Blick zum Baby-Friedhof

Als Mutter und Oma war es für mich schrecklich hier vorbeizugehen, die Inschriften und die vielen Puppen, Kuscheltiere und Geschenke zu sehen, die bei den Gräbern niedergelegt wurden. Es muss einfach schrecklich sein, ein Kind in so jungen Jahren zu verlieren.

Der Park der Ruhe und Kraft

Der Wiener Zentralfriedhof ist auch eine Grünoase, besonders für die Bewohner von Simmering oder Favoriten. Hier kann manchmal dem einen oder anderen Reh begegnen, Eichhörnchen auf den Bäumen und am Boden sehen und hin und wieder schaut ein Zwiesel aus seinem Erdloch heraus. 

Der Park der Ruhe
Der Park der Ruhe

Der Park der Ruhe und Kraft wurde 1999 eröffnet, er ist eine der letzten gestalterischen Neuerungen. Geplant vom Architekten Christof Riccabona wurde der geomantische Landschaftspark von den Städtischen Steinmetzwerkstätten unter der Leitung von Leopold Grausam jun. ausgeführt.

Blick in den Park der Ruhe
Blick in den Park der Ruhe

Er ist in fünf unterschiedlich gestaltete Bereiche gegliedert und soll zur körperlichen wie geistigen Entspannung und Besinnung einladen. Hier kann man im Sommer auch viele Familien beim Picknicken erleben.

Das Bestattungsmuseum

Im Untergeschoss der Aufbahrungshalle 2 befindet sich das Bestattungsmuseum, das wir bei diesem Besuch allerdings nicht besucht haben. Dennoch solltet ihr vorbeischauen. Vor allem all jene, die einen Sinn für schwarzen Humor haben, könnte bei den Souvenirs fündig werden.

Es war ein dreistündiger Rundgang mit unserem Führer Wolfgang Auinger und dabei haben wir nur einen kleinen, aber wichtigen und interessanten Teil des Wiener Zentralfriedhofs gesehen und viele – auch kuriose – Geschichten aus der Vergangenheit und der Gegenwart gehört.

Am Zentralfriedhof
Am Zentralfriedhof

Wer also nicht einen ganzen Tag Zeit hat, sollte sich einer Führung anschließen. Ein Ausflug auf den Zentralfriedhof ist auch eine Reise zu vergangenen Größen von Architektur, Musik, Malerei, Politik und lohnt auf jeden Fall jederzeit.

Manchmal wird am Zentralfriedhof auch gefeiert und dabei an die Verstorbenen gedacht
Manchmal wird am Zentralfriedhof auch mit einer "Feier am Grab" an die Toten gedacht

Und wie heißt es so schön in einem Lied von Georg Kreisler: „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ – Georg Kreisler liegt übrigens auch am Wiener Zentralfriedhof begraben.

Dieses Tor ist wichtig! Damit kann man nach dem Schließen der Haupttore den Friedhof verlassen
Dieses Tor ist wichtig! Damit kann man nach dem Schließen der Haupttore den Friedhof verlassen

Weitere Informationen über den Wiener Zentralfriedhof findet ihr hier: https://www.friedhoefewien.at/zentralfriedhof.

Zum Bestattungsmuseum mit Online-Shop (!) geht es hier: https://www.bestattungsmuseum.at/

Die nächsten Führungstermine von Wolfgang Auinger gibt es hier: https://www.reisegourmet.at/

Am Wiener Zentralfriedhof gibt es manchmal sogar Konzerte und einer der Größten des heimischen Pophimmels hat ihm auch ein Lied gewidmet. Und dieser Song wird dabei sicher immer gespielt:

 

The Mystery of Banksy

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