Um das Wiener Kaffeehaus ranken sich Geschichten und Legenden, es ist der Urquell der Wiener Gemütlichkeit und für viele Wiener auch heute noch 2.Wohnzimmer oder Büro.

Hier werden Geschäfte gemacht, hier wird geplaudert, getratscht, diskutiert und Zeitung gelesen. Wenn Sie Wien besuchen sollten Sie keinesfalls versäumen sich in einem traditionellen Wiener Kaffeehaus zu entspannen, genießen Sie die besondere Atmosphäre und die Vielfältigkeit der Wiener Kaffeetradition…

Die Geschichte des Kaffees reicht in die Zeit der Türkenbelagerung von Wien zurück. Fast zwei Monate lang wurde die Stadt unter der Führung des Großwesirs Kara Mustapha belagert, die Lage in der Stadt wurde immer kritischer und die Belagerer glaubten sich schon am Ziel, als am 12.September das lang erwartete Entsatzheer mit Unterstützung süddeutscher und polnischer Truppenverbände Wien erreichte und es gelang die Türken in die Flucht zu schlagen. Durch den ungeordneten Rückzug blieb reiche Beute für die Sieger zurück – unter anderem auch einige Säcke des damals in Wien unbekannten Kaffees. Laut einer Legende erbat sich Georg Franz Kolschitzky, ein Geschäftsmann und Dolmetscher, der dem Kaiser als Kurier während der Belagerung gute Dienste geleistet hatte und mit seinem Diener angeblich zweimal den türkischen Besatzungsring überwinden konnte, um Nachrichten zum Entsatzheer zu bringen, die erbeuteten Kaffeesäcke und gründete das erste Wiener Kaffeehaus „Zur blauen Flasche“.

Foto © Cafe Museum

Historisch belegt ist die Tatsache, dass der Armenier (oder Grieche) Johannes Deodat am 17. Jänner 1685 das Privileg zur öffentlichen Ausschank von Kaffee erhielt. Er eröffnete das erste „Wiener Kaffeehaus“ in seinem Wohnhaus am Haarmarkt (heute Rotenturmstrasse 14), - bis 1700 entstanden in Wien vier weitere Kaffeehäuser, deren Besitzer am 16. Juli 1700 von Kaiser Leopold I. das ausschließliche Privileg erhielten Kaffee, Tee, Schokolade und ähnliche Getränke in Wien herzustellen und in öffentlichen Lokalen auszuschenken. 1714 gab es in Wien bereits 11 bürgerliche Kaffeesieder, denen Kaiser Karl VI. ein Schutzpatent verlieh, dass seine Tochter und Nachfolgerin Maria Theresia im Jahr 1751 bestätigte. Das Kaffeehaus begann seinen Siegeszug; gab es kurz nach der Jahrhundertwende 89 Kaffeesieder, waren es 1819 bereits 150, die das belebende Getränk in Wien ausschenkten.

Foto © Cafe Museum

Damals änderte sich auch der Charakter der Kaffeehäuser von finsteren, komfortlosen Lokalitäten in prunkvoll ausgestattete Räume: Johann Evangelist Milani um 1770 war der erste, der diesen Trend mit seinem Café am Kohlmarkt einleitete. Es hatte ein verspiegeltes Entrée und ein mit mehreren Billardtischen ausgestattetes Spielzimmer. 1808 entstand das „Silberne Kaffeehaus“: hier wurde der Kaffee in silbernen Gefäßen serviert und man konnte sein Gewand an silbernen Kleiderhaken aufhängen. Ende des 18. Jahrhunderts entstanden die Konzertcafés: 1788 das Café Bellevue von Martin Wiegand, dann die berühmten Kaffeehäuser im Prater mit ihren großen Musikbühnen, auf denen berühmte Musiker wie Lanner, Strauß oder Ziehrer auftraten.

Im Biedermeier kamen die Garten- und Sommercafés am Rande Wiens in Mode, die vor allem Familien als Ausflugsziele dienten.
Aus der Männerdomäne „Kaffeehaus“ wandelte sich die Einrichtung zunehmend zu einem Ort für die ganze Familie. Damensalons, in denen „Kaffeekränzchen“ und „Damenrunden“ veranstaltet wurden, entstanden und mit den ersten Kaffeekonditoreien kamen auch die, heute noch beliebten, Süßspeisen ins Spiel. Das klassische Speiseangebot bestand aber in erster Linie aus Eiern (kernweiches Ei, Ei im Glas,  Eierspeise, Omlette), die süßen Klassiker waren Kipferl, Gugelhupf, Buchteln, Krapfen und Mohn-, Nuss- und Apfelstrudel.

Foto © Cafe Museum

Das Kaffeehaus war der intellektuelle, künstlerische, wissenschaftliche, wirtschaftliche und politische Treffpunkt im Habsburger Reich. Zahlreiche literarische Werke sind hier entstanden, zahlreiche Geschichten berichten über die Vorgänge in den Kaffeehäusern.

Die Wiener Kaffeehaustradition färbte aber auch auf alle größeren und kleineren Städte der Donaumonarchie ab. Nach dem Wiener Vorbild wurden auch hier zahlreiche Kaffeehäuser eröffnet, die ihre Tradition auch nach dem Zusammenbruch der k.u.k. Monarchie weiter fortsetzten.
In den 1950er Jahren kam zum Kaffeehaus das Espresso, in dem mit dem neuartigen, aus Italien importierten Espressomaschinen Kaffee gekocht wurde. Der „Espresso“ trat auch in Wien seinen Siegeszug an, da er ausgezeichnet schmeckte, aber schneller und perfekter zubereitet werden konnte. Die Rezeptur der vielen unterschiedlichen Wiener Kaffeespezialitäten blieb aber erhalten.

Eine kleine Zusammenstellung der unterschiedlichsten Kaffeearten, die Sie in den Wiener Kaffeehäusern serviert bekommen:

Zuallererst ein Tipp zur Aussprache: Bestellen Sie in Wien keinen Káffee (Betonung auf der ersten Silbe), sondern immer einen Kaffée (Betonung auf dem e): als ersterer geht in Wien maximal ein Filterkaffee durch und diesen in einem echten Wiener Kaffeehaus zu bestellen, würde zu Verwunderung und auch Entsetzen führen. Auch das in Deutschland beliebte „Käffchen“ ist einem Wiener Ober völlig fremd.

Wie meinte schon der Wiener Schriftsteller Hans Weigel: „Die Betonung auf der ersten Silbe bezeichnet nur ein Getränk, die Betonung auf der zweiten Silbe aber eine Lebensform.“

Der Braune (klein oder groß)

Schwarzer Espresso mit Kaffeeobers, wobei das Obers auch extra in einem Kännchen bestellt werden kann, was als „séparée“ bezeichnet wird. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nannte man den „Braunen“ auch eine „Schale Gold“.

Die Melange

Die Kaffeetasse wird zuerst zur Hälfte mit Kaffee befüllt und danach mit heißer, geschäumter Milch. Darauf bildet ein Häubchen aus Milchschaum den krönenden Abschluss.

Der Franziskaner

Eine Melange, die anstelle des Milchschaumhäubchens eine Schlagobershaube hat.

Kaffee verkehrt

Heller Milchkaffee, der in einem Glas serviert wird, und aus mehr Milch als Kaffee besteht (daher verkehrt). Auch als Caffé Latte bekannt.

Der Mokka (klein oder groß)

Auch als kleiner oder großer „Schwarzer“ bekannt. Espresso pur. Der große Mokka wird auch Doppelmokka genannt.

Der Einspänner

Aromatischer Doppelmokka, mit Schlagobershaube und einer Hohlhippe.

Der überstürzte Neumann

In eine leere Kaffeetasse kommt Schlagobers, das getrennt mit einem doppelten Mokka serviert wird. Dieser wird erst am Tisch über das Schlagobers gegossen.

Der Fiaker

Ein Doppelmokka, der mit einem Schuss Kirschwasser „verfeinert“ (manchmal auch Rum oder Obstler) wird, serviert in einem Henkelglas mit Schlagobershaube und Cocktailkirsche.

Maria Theresia

Ein großer Mokka mit einem Schuss Cointreau, der mit einer Schlagobershaube gekrönt wird und mit Orangenzesten verziert wird.

Obermayer

Ein großer Schwarzer auf dem eine dünne Schicht kaltes Obers schwimmt, wurde nach einem Wiener Philharmoniker benannt.

Pharisäer

Zucker, Kakao und Rum werden mit heißem Mokka aufgegossen und mit viel Schlagobers garniert.

Verlängerter

Mit heißem Wasser zum „Großem“ verlängerter kleiner Schwarzer.

Kaisermelange

Schwarzer mit Eidotter

Kapuziner

Kleiner Schwarzer mit einem Tropfen Obers, mit Kakao oder geriebener Schokolade bestreut.

Sobiesky

Kräftiger Doppelmokka, von Honig und einem Gläschen Wodka begleitet.

Der Türkische

Fein gemahlener Kaffee, der mit Zucker im Kupferkännchen unter sorgfältigem Rühren mehrmals aufgekocht und mit türkischem Lokum serviert wird

Wiener Eiskaffee

Ein doppelter Mokka wird über Vanilleeis gegossen, darauf kommt eine Schlagobershaube, eine Kaffeebohne und eine Hohlhippe.


Das Glas Wasser

In jedem Wiener Kaffeehaus, das seinen Namen verdient, erhalten Sie zum Kaffee ein Glas frisches Wiener Hochquellwasser, das zur Labung des Gaumens und zur Abrundung des Kaffeegenusses gereicht wird.

Kommentare (0)

There are no comments posted here yet

Einen Kommentar verfassen

Posting comment as a guest.
Anhänge (0 / 3)
Share Your Location

Event Suche

Wir freuen uns über Ihre Unterstützung!

Wir freuen uns sehr, wenn Sie unsere Arbeit mit einem kleinen Beitrag unterstützen. Vielen Dank.

Mein Unterstützungsbeitrag:
Zum Seitenanfang