Für all jene, die die Oper besuchen, weil sie die Musik und Stimmen lieben und keine Abendroben, hohe Hacken und Visagistinnen brauchen … (Foto © Nationaltheater Brno, Marek Olbrzymek)

Meiner Begeisterung über Aufführungen des National Theaters Brünn habe ich ja schon in früheren Artikeln Ausdruck verliehen. Nun gab es im Amphitheater von Mikulov ein Gastspiel mit Guiseppe Verdis La Traviata. Große Oper – es war ein Traum.

Das Amphitheater Mikulov (Foto © Nationaltheater Brno, Marek Olbrzymek)
Das Amphitheater Mikulov (Foto © Nationaltheater Brno, Marek Olbrzymek)

Die kleine Stadt Mikulov begeistert die Besucher nicht nur durch das wunderbar renovierte Schloss, die Dietrichstein-Gruft oder das Sgraffiti-Haus am Hauptplatz. Es ist auch ein Zentrum der guten Weine und Ausgangspunkt von vielen Radtouren. (Mehr darüber findet ihr auf askEnrico hier)

Ausblick vom Amphitheater
Ausblick vom Amphitheater

Aber das in dem Städtchen mit seinem Amphitheater Pod Turoldem am nördlichen Rand der Stadt unterhalb der Turold Höhle bietet mit tatkräftiger Unterstützung des Teams vom Nationaltheater Brünn hochkarätigen Operngenuss.

Mikulov oder Nikolsburg ist gerade einmal 75 km vom nördlichen Rand von Wien (Floridsdorf) entfernt. Macht eine Stunde Fahrzeit und nachdem man nun wieder ohne besondere Kontrollen durch die Grenze kommt, kostet auch diese keine Zeit mehr. 

Blick zur Skateranlage
Blick zur Skateranlage

Da ich noch nie beim Freilufttheater war – in Mikulov schon – fahren wir rechtzeitig weg, um nur ja nichts zu verpassen. Mit Google Maps am Handy ist es auch kein Problem hierher zu finden. Lasst euch nicht täuschen, das Amphitheater liegt fast schon ein bisschen außerhalb der Stadt.

Ich schaffe es zwar nicht, die Parkgarage in der Hliniště zu finden – irgendwie ist Google auch ratlos – aber egal, da wir zeitig dran sind, finden wir direkt beim unteren Eingang des Amphitheaters einen Parkplatz.

Die letzten Vorbereitungen
Die letzten Vorbereitungen

Das Areal verwundert auf den ersten Blick. Gleich beim Eingang rechts ist ein Kinderspielplatz und auf der linken Seite üben gerade ein paar Skater auf den Bahnen. Geradeaus steht ein neuer Bau, von dem ich zuerst annehme, dass hier die Tickets verkauft werden und es eventuell Snacks oder Erfrischungen gibt. Das stimmt so nicht. Im Haus sind die Künstler und das Team des Národni divadlo Brno untergebracht.

Exzellente Tröpfchen im Angebot
Exzellente Tröpfchen im Angebot

Daneben gibt es allerding einige kleine Zelte und in diesen ist auf der einen Seite der Ticketshop untergebracht und auf der anderen Seite kann man in einem Bier, Sandwiches, Macronen, Kartoffelchips, Kaffee und andere Snacks erstehen, dahinter gibt es die Möglichkeit ein Gläschen Wein und/oder Frizzante vom Weingut Fučík aus Mikulov zu erstehen. Hier zeigt sich auch gleich, dass wir in einer Weingegend sind. Ich empfehle euch den Frankovka und den Frizzante rosé aus einem Zweigelt zu probieren. Uns haben beide so gut geschmeckt, dass wir nach der Vorstellung auch noch jeweils ein Fläschchen nach Wien mitgenommen haben.

Ein Gläschen vor Beginn oder in der Pause
Ein Gläschen vor Beginn oder in der Pause

Wir schauen uns noch ein wenig um, genießen unsere Gläschen und schon öffnen sich die Türen zum Hauptact und keiner hätte geglaubt, dass wir hier so einen tollen Opernabend erleben werden.

Erster Bick auf die Bühne
Erster Blick auf die Bühne - das Orchester "zieht ein" ...

Die Bühne ist nicht sehr groß, das Orchester ist überdacht auf der linken Seite der Bühne untergebracht. Die Sitze sind wie in einem Amphitheater angeordnet und wer ein empfindliches Hinterteil sein eigen nennt, sollte sich vielleicht ein Sitzpölsterchen mitnehmen. Wobei gesagt werden muss, dass solche auch vor Ort gratis ausgeliehen werden können.

Blick zu Orchester
Blick zum Orchester

Wir nehmen Platz und sind gespannt. Das Orchester zieht von rechts an der Bühne vorbei ein. Fast sieht es aus wie der Einmarsch der Gladiatoren. Schließlich folgt Dirigent Pavel Šnajdr seinen Musikern im Laufschritt und die Oper beginnt.

Das Fest beginnt ...
Das Fest beginnt ...

Da ich annehme, dass ihr die tragische Geschichte der Violetta kennt und der Inhalt überall nach gelesen werden kann, will ich mich damit nicht aufhalten, sondern gleich die Aufführung besprechen.

Violetta und Giorgio Germont (Foto © Nationaltheater Brno)
Violetta und Giorgio Germont (Foto © Nationaltheater Brno, Marek Olbrzymek)

Jana Šrejma Kačírková ist eine herausragende Violetta. Stimmlich hervorragend – egal ob es um luftige Koloraturen geht oder tiefe Töne, nie wirkt ihr Singen angestrengt. Für sie scheint es einfach eine Leichtigkeit zu sein alle Schwierigkeiten der Partitur zu meistern.

Jana Šrejma Kačírková (Foto © Nationaltheater Brünn)
Jana Šrejma Kačírková (Foto © Nationaltheater Brünn, Marek Olbrzymek)

Leise Passagen, laute Ausdrucksweise, dazu ein Spiel, das den Zuschauer emotional berühren muss. (Ich gebe es zu, ich habe zum Schluss wieder einmal etliche Tränen zerdrückt). Hervorragend. Sie war der Star des Abends, vom Publikum zu Recht umjubelt.

Die umjubelten Stars - Violetta und Alfredo
Die umjubelten Stars - Violetta und Alfredo

Ihr zur Seite stand Peter Berger als Alfredo. Ebenfalls mit einer soliden stimmlichen Leistung und einem hervorragenden Schauspiel. Glaubwürdig als Verliebter, grausam enttäuscht und zornig als Zurückgewiesener und verzweifelt am Sterbebett seiner Geliebten.

Alfredos Vater verlangt viel von Violetta (Foto © Nationaltheater Brno)
Alfredos Vater verlangt viel von Violetta (Foto © Nationaltheater Brno, Marek Olbrzymek)

Stimmlich auch außergewöhnlich gut Svatopluk Sem als Alfredos Vater, der ebenso mit seinen Auftritten überzeugt.

Das Nationaltheater Brünn auf Sommertour
Das Nationaltheater Brünn auf Sommertour

Eigentlich kann man nur dem ganzen Team des Nationaltheaters Brünn gratulieren – es war eine hervorragende Aufführung. Auch die Lichtregie, das Bühnenbild und die Kostüme – traditionell, jedoch nicht verkitscht, habe mir ausgesprochen gut gefallen.

Ein Blick in die Noten
Ein Blick in die Noten

Natürlich waren Stimmen und Orchester elektronisch verstärkt. Dies hat mich ein paar Male gerade bei Teilen des Orchesters ein wenig verwirrt, tat allerdings dem Operngenuss keinen Abbruch.

Für mich jedenfalls war diese Aufführung sowohl von der musikalischen und schauspielerischen Qualität wie auch von der ungezwungenen Atmosphäre ein echtes Highlight im Sommerprogramm.

Blick auf die Technik
Blick auf die Technik

Mikulov scheint ebenso wie die Aufführungen im Janáček oder Mahen Theater in Brünn noch ein bisschen ein Geheimtipp für Wiener und Niederösterreichische Opernfreunde zu sein. Es waren zwar vor der Aufführung und in der Pause einige österreichischen Töne zu hören und ich habe auch einen Autobus von Dr. Richard am Parkplatz gesichtet, doch diese Aufführung hätte sich noch mehr Besuch aus unseren Landen verdient. Mich haben sie jedenfalls überzeugt. Ich bin nächstes Jahr sicher wieder mit dabei ...

Die Bühne in nächtlicher Beleuchtung
Die Bühne in nächtlicher Beleuchtung

Informationen über das weitere Programm in Brünn, zukünftiges Sommertheater und Tickets findet ihr auf der Website des Nationaltheaters Brno: https://www.ndbrno.cz/de/  

Drei Künstlergenerationen in einer Ausstellung vereient

Blogheim.at Logo


© 2022 Dagmar Postel. All rights reserved.

Beliebte Beiträge