• 14.7. - 6.8.2022 immer Di, Do, Sa
  • Georges Bizet: Carmen
  • Burg Gars
  • 3571 Gars am Kamp/Thunau
  • Am Schlossberg
  • T: +43 2985 33000
  • https://www.operburggars.at

Lange mussten Freunde der Oper Burg Gars auf Carmen warten. Am 14. Juli 2022 war es dann endlich so weit. (Carmen Ljubica Vraneš, Foto © Oper Burg Gars, Jennifer Bilska)

Carmen ist und bleibt meine Lieblingsoper und für mich ist dieses Werk von Bizet ein einziger „Gassenhauer“, wenn man dieses Wort (auch unter Anführungszeichen) für eine klassische Oper gebrauchen kann. Die „Habanera“, „die Einladung zu Lillas Pastia“, die „Blumenarie“, „Toreador“, „die Kartenarie“ und noch einiges mehr…

Ein Teil der Burg Gars strahlt in der Abendsonne
Ein Teil der Burg Gars strahlt in der Abendsonne

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass diese Oper am Spielplan der Oper Burg Gars stand – und musste nun zwei Jahre auf die Verwirklichung des Ereignisses warten.

Intendant Johannes Wildner begrüßt das Publikum
Intendant Johannes Wildner begrüßt das Publikum

Die wunderbare Naturkulisse der Burg schien mir sowohl für die Szenen mit den Zigarettenarbeiterinnen, der „Stierkampfarena“ im 4. Akt, aber auch für die Schmugglerszenen außergewöhnlich gut geeignet.

Das Spiel beginnt
Das Spiel beginnt

Dabei scheinen die Ideen, was man hier alles machen könnte, doch ein wenig mit mir durchgegangen zu sein. Denn: all das, was ich erwartet hatte – wurde nicht verwirklicht. Hier hatte Regisseur Dominik Wilgenbus andere Ideen. Statt dem Feuerwerk der Ideen die traumhafte Burgkulisse zu nutzen, inszenierte er in die Oper einen Gerichtsprozess, bei dem einzelne Darsteller die Situation, die Handlung erklären. Diese „Unterbrechungen“ werden in Deutsch gesprochen, ansonsten wird Französisch gesungen. Ganz ehrlich: Ich hätte diese Einschübe nicht gebraucht. Auch nicht, um die Oper zu verstehen. Im Programmheft wird die Handlung aller vier Akte beschrieben und die Übersetzung des französischen Gesangs wird (meistens) eingeblendet. Das reicht meiner Meinung nach völlig aus.

Aber kommen wir zum Positiven:

Mit Ljubica Vraneš wurde eine Carmen gefunden, wie sie besser nicht sein könnte. Durchaus stimmgewaltig, dann wieder sehr gefühlvoll in leisen Tönen, die aber trotzdem bis hoch hinauf ins Publikum zu hören sind. Auch ihr Spiel, die Darstellung einer unabhängigen Frau, die diese Freiheit auch nicht aufgibt, als sie mit dem Tod bedroht wird, ist absolut sehenswert.

Eine wunderbare Carmen: Carmen: Ljubica Vraneš (Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker)
Eine wunderbare Carmen: Carmen: Ljubica Vraneš (Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker)

Sie ist verführerisch, unabhängig, stark, flatterhaft, sexy – für mich alles Eigenschaft, die zu einer Carmen gehören und die sich „Frau“ auch alle zugestehen kann.

Ebenfalls ausgezeichnet: Corina Koller als Micaëla (Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker)
Ebenfalls ausgezeichnet: Corina Koller als Micaëla (Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker)

Ihr weiblicher Gegenpart – zwar schüchtern und in einer eher konventionellen Frauenrolle verhaftet, aber ebenso stark darin, ist Micaëla, die von Corina Koller ebenfalls hervorragend dargestellt ist und auch gesanglich dem Zuhörer viel Vergnügen bereitet.

Ebenfalls stimmgewaltig: Carmen mit dem "Schmugglerquartett", Foto © Oper Burg Gars, Jennifer Bilska
Ebenfalls stimmgewaltig: Carmen mit dem "Schmugglerquartett", Foto © Oper Burg Gars, Jennifer Bilska

Auch die Darstellerinnen von Mercédès (Tina Drole) und Frasquita (Claudia Goebl) haben mich beeindruckt und verwandelten die mystische Kartenszene mit Carmen als einen besonderen Leckerbissen. 

Carmen und Zuniga (Krzysztof Borysiewicz), Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker
Carmen und Zuniga (Krzysztof Borysiewicz), Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker

Kurz zusammengefasst: Die Damen dominierten diese Vorstellung ganz eindeutig, das gilt auch für den Chor.

Ein richtiger Torero: Neven Crnić als Escamillo, Foto © Andreas Anker
Ein richtiger Torero: Neven Crnić als Escamillo, Foto © Andreas Anker

Dennoch muss ich einen Herrn besonders hervorheben: Neven Crnić als Escamillo. Auch er besticht durch schauspielerisches Können und eine Stimme, die problemlos die Naturarena der Burg Gars erfüllt. Und das – es sei hier nochmals betont – ohne elektronische Verstärkung!

Don José (Oscar Marín), Foto © Oper Burg Gars, Jennifer Bilska
Don José (Oscar Marín), Foto © Oper Burg Gars, Jennifer Bilska

Bei dieser Konkurrenz hat es Oscar Marín als Don José naturgemäß schwer zu glänzen. Dennoch steigert auch er sich im Laufe des Abends, sodass man bei den nächsten Abenden sicher noch einiges erwarten kann.

Escamillo und Don José (Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker)
Escamillo und Don José (Foto © Oper Burg Gars, Andreas Anker)

Gewohnt souverän dirigiert Intendant Johannes Wildner auch heuer wieder das Orchester der Oper Burg Gars und auch hier erwarte ich noch mehr Feuer bei den nächsten Vorstellungen.

Intendant Johannes Wildner (Foto © Oper Burg Gars, Lukas Beck)
Intendant Johannes Wildner (Foto © Oper Burg Gars, Lukas Beck)

Kulinarisch wird man auch diesmal wieder von Berno´s Kitchen verwöhnt: Kurzfristig haben wir mit Speckweckerl oder Schweinsbratensemmerl „geflirtet“, uns aber dann für die Sacherwürstel entschieden. Schmeckt. Als Aperitif hat uns ein Aperol Spritz überzeugt – schmeckt auch …

Bühnenbeleuchtung in der Pause
Bühnenbeleuchtung in der Pause

Fazit: Es war wieder ein wunderschöner, musikalisch feiner Abend auf der Burg Gars mit tollen Stimmen und wunderbarer Musik. Selbst ein kurzer, kräftiger Regenguss konnte das Premierenpublikum nicht vertreiben, das nach den letzten Klängen der Musik den SängerInnen und dem Leading Team mehr als kräftigen Applaus zollte. Daher allen Opern- und vor allem Carmen-Fans wärmstens empfohlen.

Weitere Aufführungstermine: 16., 19., 21., 23., 28., 30.7., 2., 4., 6.8.2022 – Beginn immer um 20:00Uhr. Karten von 31,00 bis 85,00 Euro.

Weitere Informationen, wie auch Ticketbestellungen findet ihr unter www.operburggars.at. Mehr über die Burg Gars findet ihr hier.

Drei Künstlergenerationen in einer Ausstellung vereient

Blogheim.at Logo


© 2022 Dagmar Postel. All rights reserved.

Beliebte Beiträge