Die Stadt und der Kurort Jáchymov hat eine lange Geschichte mit vielen Hochs und Tiefs, die Bewohner erlebten grausame Zeiten und wundervollen Aufschwung. In der schönen Umgebung des Erzgebirges gelegen bietet die alte Bergwerksstadt heute Erholungs- und Genesungs-suchenden Besuchern hervorragende Kur- und Wellnessaufenthalte. Schließlich ist Jáchymov das älteste Radonbad der Welt.

Geschichte

Jáchymov - Das Kurhaus Radon Palast in einer alten Ansicht (Foto: Jáchymov)An der Straße von Boží Dar (Gottesgab) nach Karlsbad liegt Jáchymov, deren Geschichte schon 1516 beginnt. Zu dieser Zeit wurden beim Ort Conradsgrün große Silbervorkommen entdeckt, 1517 erfolgte die Umbenennung des Ortes in Sankt Joachimsthal. Diese Gegend war Pfandbesitz der Grafen von Schlick, die 1520 sogar das Münzprivileg des böhmischen Königs Ludwig II. erhielten und der die Stadt zur freien Bergerksstadt erhob. Laut Legende ist der Joachimsthaler der eigentliche Namensgeber des Talers und auch des amerikanischen Dollars. Die Stadt, ihre Einwohner und auch ihre Besitzer konnten sich am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt erfreuen, die Grafen Schlick wurden eines der reichsten Adelsgeschlechter in Böhmen. Doch bald schon wendete sich das Blatt: Graf Stephan Schlick kehrte aus der Schlacht von Mohács nicht mehr zurück, er galt als vermisst und nach seiner Todeserklärung erfolgte die Rücknahme des Münzprivilegs durch den neuen böhmischen – habsburgischen – König Ferdinand. Nach 1528 wurde kein Joachimstaler mehr geprägt, während der Silberbergbau noch immer florierte, jedoch nicht allen Einwohnern ihren gerechten Anteil am Vermögen der Stadt garantierte. So kam es zu wiederholten Aufständen der Bergleute: 1517, 1523 und schließlich 1525. In diesem Jahr kam es zu schweren Plünderungen durch die fast 9200 Bergleute, die Grafen mussten 2500 Bewaffnete organisieren um Ruhe und Ordnung wieder herstellen zu können.

Der Joachimsthaler - Namensgeber für den US-DollarBereits 1523 hatte die Reformation auf Betreiben der Grafen in Jáchymov Einzug gehalten, im Krieg 1546 standen sie daher auf der protestantischen Seite gegen die Habsburger und verloren nach der Niederlage bei der Schlacht bei Mühlberg Joachimsthal an die Habsburger. In der Hochzeit des Silberbergbaus um 1533 hatte die Stadt über 18.000 Einwohner und war eine Zeitlang neben Prag die zweitgrößte Stadt in Böhmen, 1584 waren nur noch 200 Bergleute im Silberbergbau tätig. Auch die Pest wütete in Joachimsthal - 1568 verzeichnete die Stadt an die neunhundert Sterbefälle, im Jahre 1607 forderte die Seuche an die zweihundert Tote.

Ab 1621 erfolgte die Rekatholisierung der Stadt, was einen weiteren Aderlass an Bewohnern bedeutete, da viele protestantische Bürger und Bergleute nach Sachsen auswanderten. Der Bergbau gelangte wieder zu Bedeutung: neben Silber wurden auch Nickel, Kobalt und Uranerz – die sogenannte Pechblende - abgebaut. Der Name „Pechblende“ stammte von den Bergleuten, da ihr Auftreten bedeutete, kein wertvolles Material mehr finden zu können. Immerhin konnte man die Pechblende zur Herstellung spezieller Uranfarben verwenden, mit denen man Glas und Porzellan verzierte. Die Uranfarbenfabrik stand an der Stelle des heutigen Kurparks. Auf Grund ihres strahlenden Effektes, sowie der Farbveränderungen je nach einfallendem Licht, wurden die Joachimsthaler Farben zu einem gefragten Exportartikel. Obwohl die Preise für Uranerz stiegen, musste man zum Abbau in immer tiefere Schächte hinabsteigen, der Bergbau begann unrentabel zu werden und man dachte über eine Schließung nach.

Jáchimov - Svornost1864 schoss plötzlich in der Grube Svornost aus der Tiefe von einem halben Kilometer, eine starke Wasserquelle hervor, die den ganzen Schacht unter Wasser setzte. Obwohl bereits kurze Zeit später Bergleute von der Heilkraft des Wassers überzeugt waren, dauerte es bis 1906 zur Errichtung des ersten „Kurbades“. 1898 gibt Marie Curie-Sklodowská die Entdeckung eines neuen Elements – des Radiums – bekannt, nach vierjähriger Forschungsarbeit war es dem Ehepaar Curie gelungen ein zehntel Gramm des entdeckten Grundstoffs zu gewinnen und hier spielte Jáchymov eine große Rolle: wurde doch dieses zehntel Gramm Radium aus dem Abfall isoliert, das die Uranfarbenfabrik dem Ehepaar Curie zur Verfügung gestellt hatte. Damit waren Überlegungen zur Schließung der Gruben hinfällig geworden und ein neues – allerdings auch mit dunklen Flecken ausgestattetes – Kapitel der Stadt und des Tales wurde aufgeschlagen. 1907 wurde das erste Gramm reinen Radiums in der Joachimsthaler Fabrik hergestellt. Später erreichte die jährliche (!) Produktion fünfeinhalb Gramm, das damals ein wesentlicher Teil der Weltproduktion darstellte.

Jáchymov - Svornost (Foto: Jáchymov)1906 errichtete der Bäcker Kuhn, die erste private „Badeanstalt“ – das Wasser wurde mit Holzbottichen getragen. 1911 wurde eine Rohrleitung von der Grube bis zum Haus Agricola, dem ersten richtigen Kurgebäude geführt, 1912 wurde das ursprüngliche und zu klein gewordene Gasthaus durch das neoklassizistische Hotel Radium Palace ersetzt, das von vielen berühmten Persönlichkeiten besucht wurde, wie Tomáš Masaryk, Richard Strauss, Karl May und vielen anderen. Die erste Phase des Kurbetriebes begann, die Stadt erholte sich zusehends. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie und der Entstehung des neuen Tschechoslowakischen Staates zeigte sich aber auch hier die Bruchlinie zwischen den Bewohnern. 1919 wurde Joachimsthal Teil der Tschechoslowakei. Man begann – auch mit neuen Investoren – die Kuranlagen wieder herzurichten und auszubauen. Bereits 1925 wurde Jáchymov von mehr als viertausend Kurgästen besucht, darunter auch Marie Curie in Begleitung ihres Schülers der Pariser Sorbonne Dr. F. Běhounek, der zu Jáchymov eine innige Beziehung entwickelte. Nach ihm ist heute eines der führenden Hotels benannt und die weitere Entwicklung des Ortes ging weiter voran und so etwas wie „Goldgräber-Mentalität“ setzte ein: Das lokale Brauhaus erzeugte Radium-Bier, die Sodafabrik füllte das Wasser Radium-Perle ab, die Seifenfabrik bot die beste Radiumseife an. Taschen-Joachimsthaler sollten Heilwirkungen erzielen ohne dass das Bad besucht werden musste. Leider hatten diese Erzeugnisse mehr schädliche als gesundheitliche Auswirkungen.

Jáchimov - Eine frühe Ansicht der Trinkhalle (Bild: Jáchimov)Die Wirtschaftskrise machte auch vor Jáchymov nicht halt, es kam zu weiteren Spannungen in der Bevölkerung, die sozialen Spannungen nahmen mehr und mehr zu. Durch die Entdeckung eines großen Uranerzvorkommens im Kongo fielen die Preise in den Keller. 1938 wurde Joachimsthal zusammen mit dem Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen, die tschechische Minderheit wurde in das Landesinnere Böhmens und Mährens vertrieben. 1945 erfolgte die Vertreibung der Einwohner mit deutscher Nationalität. Bereits 1939 warnte Einstein in einen Brief den amerikanischen Präsidenten F.D. Roosevelt, - in dem Schreiben wird auch Bezug auf Joachimsthal genommen: „…, dass das Element Uran schon in naher Zukunft zu einer wichtigen Energiequelle verwandelt werden kann .. Dieses neue Phänomen kann zu Konstruktion von Bomben führen und es ist möglich, sogar sicher, dass diese extrem starke Bombe eines neuen Typs konstruiert werden wird … Ich habe erfahren, dass Deutschland den Verkauf (von Uran) aus den tschechoslowakischen Gruben, die es besetzt hat, eingestellt hat …“ Die Hoffnungen der deutschsprachigen Bevölkerung in die neuen Machthaber erfüllten sich nicht. Bald wurden die ersten Kriegsgefangenen, in der Mehrzahl Franzosen, nach Joachimsthal gebracht, in der Nähe der Schächte wurden Lager errichtet. Ihr Einsatz war nicht von großen „Erfolgen“ gekennzeichnet, da sie keine Ahnung von der Bergwerksarbeit hatten, dies ändert sich allerdings mit dem Einsatz russischer Gefangener im Herbst 1941 unter denen Bergleute waren. Zu Beginn der 1940er Jahre kamen Gerüchte über Vorbereitungen für eine gewaltige Steigerung der Uranförderung auf. Diese wurde auch durch gefundene Modernisierungspläne der Grube Werner bestätigt. „Fluchtstollen“ wurden vorbereitet, so die Gruben bombardiert werden sollten.

Jáchymov - Denkmal für die Opfer der Joachimsthaler HölleDer Krieg nahm der Stadt die Männer: nicht nur die Jungen mussten immer öfter in den Kriegseinsatz, auch die Bergarbeiter, die eigentlich nach einem langen Arbeitsleben in den Urangruben aus Gesundheitsgründen entlassen wurden, mussten an die Front. Die Zahl der Gefallenen stieg.
Die ersten Monate nach dem Krieg waren gezeichnet von der Auflösung der Gefangenenlager, der Militärlazarette und der Übergabe der Stadtverwaltung. Nun wurde die deutsche Bevölkerung gezwungen in der Mehrzahl Joachimsthal zu verlassen. Uran gelangte immer mehr in den Vordergrund des Interesses. Die Erzlager gelangten in das Blickfeld des sowjetischen KGBs, zuerst kamen Offiziere, die allerdings über geologisches Fachwissen verfügten, schließlich besetzte eine Einheit der roten Armee die Uranbergwerke. Verhandlungen begannen und endeten in einem Geheimvertrag über die Uranerzförderung und Lieferung an die UdSSR. Der Kurortaspekt trat in den Hintergrund der Stadtentwicklung. Der Ort musste sich einem einzigen Ziel unterordnen: in kürzester Zeit die größtmögliche Menge des strategischen Rohstoffes zu liefern, die Zahl der Kurgäste dagegen nahm immer weiter ab.

Jáchimov - Die St. Joachimskirche InnenschiffAb 1946 mussten deutsche Kriegsgefangene in den Gruben arbeiten, die aus der Sowjetunion hierhergebracht wurden. Drei Jahre später werden bei jedem größeren Schacht Zwangsarbeitslager errichtet. Die Anlagen sind von hohen Stacheldrahtzäunen umgeben und mit Wachtürmen versehen – sie verändern das Aussehen der Stadt und ihre Umgebung wesentlich. 1953 bildeten die Häftlinge mehr als ein Drittel der vierzigtausend Grubenbeschäftigten, viele davon waren politische Häftlinge. Der Zugang zum Ort und den Gruben wurde streng kontrolliert, selbst die einheimische Bevölkerung musste sich mit einem Stempel über ihren ständigen Wohnort ausweisen.

Wieder änderte die Stadt ihr Aussehen, alles wurde unter die Bedürfnisse des Bergbaues gestellt. Dessen Generaldirektion nahm ihren Sitz in der ehemaligen Tabakfabrik, viele kleine Fabriken, ja sogar die Brauerei wurde genutzt. Unter den Halden verschwand der westliche Teil des Stadtzentrums und die Hänge des Keilberger Baches, der Badeteich, der Sportplatz wurden zugeschüttet, die Allee am Stadtplatz abgeholzt, und doch ging die Ära des Bergbaus ihrem Ende zu.

Jáchimov - Der Kurpark bei der Eröffnung der KursaisonDie Stilllegung der Gruben bedeutete für die Bewohner zwar ein Aufatmen, die schwere Zeit dauerte aber weiter an. Der Ruf der Stadt als Kurort war ruiniert, Berichte sprachen von der „Joachimsthaler Hölle“, das gute Image war ruiniert. 1956 wurde die Sondergrenzzone aufgehoben und man konnte wieder relativ frei und ohne Schwierigkeiten nach Joachimsthal reisen. Achttausend Patienten kamen immerhin bereits vier Jahre später -  1960 – wieder nach Joachimsthal zur Kur. 1964 wird der Uranabbau gänzlich eingestellt. Hotels und Pensionen wurden errichtet, die Heilquellen in den Schächten mussten abgesichert werden, Leitungen zu den Kureinrichtungen gelegt werden, die Stadt begann sich wieder dem Kurbetrieb und dem Tourismus zu widmen und heute gilt sie als eine der einzigartigsten Kurorte, nicht nur wegen der Besonderheit der Heilquellen und ihrer Geschichte, auch wegen der wunderbaren Landschaft und der vielen sportlichen Möglichkeiten die Besucher wie Kurgäste erwarten.

Heute gehören die Grube und sämtliche Behandlungseinrichtungen der Aktiengesellschaft Léčebné Lázně Jáchymov a.s, die sich wie ihre Vorgänger bemüht, modernes Kurwesen mit bewährten zu verbinden und den heutigen anspruchsvollen Gast auch durch Kultur- und Rahmenprogramm zufrieden zu stellen.

Die Stadt und der Kurort Jáchymov hat eine lange Geschichte mit vielen Hochs und Tiefs, die Bewohner erlebten grausame Zeiten und wundervollen Aufschwung. In der schönen Umgebung des Erzgebirges gelegen bietet die alte Bergwerksstadt heute Erholungs- und Genesungs-suchenden Besuchern hervorragende Kur- und Wellnessaufenthalte. Schließlich ist Jáchymov das älteste Radonbad der Welt.

Geschichte

Jáchymov - Das Kurhaus Radon Palast in einer alten Ansicht (Foto: Jáchymov)An der Straße von Boží Dar (Gottesgab) nach Karlsbad liegt Jáchymov, deren Geschichte schon 1516 beginnt. Zu dieser Zeit wurden beim Ort Conradsgrün große Silbervorkommen entdeckt, 1517 erfolgte die Umbenennung des Ortes in Sankt Joachimsthal. Diese Gegend war Pfandbesitz der Grafen von Schlick, die 1520 sogar das Münzprivileg des böhmischen Königs Ludwig II. erhielten und der die Stadt zur freien Bergerksstadt erhob. Laut Legende ist der Joachimsthaler der eigentliche Namensgeber des Talers und auch des amerikanischen Dollars. Die Stadt, ihre Einwohner und auch ihre Besitzer konnten sich am wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt erfreuen, die Grafen Schlick wurden eines der reichsten Adelsgeschlechter in Böhmen. Doch bald schon wendete sich das Blatt: Graf Stephan Schlick kehrte aus der Schlacht von Mohács nicht mehr zurück, er galt als vermisst und nach seiner Todeserklärung erfolgte die Rücknahme des Münzprivilegs durch den neuen böhmischen – habsburgischen – König Ferdinand. Nach 1528 wurde kein Joachimstaler mehr geprägt, während der Silberbergbau noch immer florierte, jedoch nicht allen Einwohnern ihren gerechten Anteil am Vermögen der Stadt garantierte. So kam es zu wiederholten Aufständen der Bergleute: 1517, 1523 und schließlich 1525. In diesem Jahr kam es zu schweren Plünderungen durch die fast 9200 Bergleute, die Grafen mussten 2500 Bewaffnete organisieren um Ruhe und Ordnung wieder herstellen zu können.

Der Joachimsthaler - Namensgeber für den US-DollarBereits 1523 hatte die Reformation auf Betreiben der Grafen in Jáchymov Einzug gehalten, im Krieg 1546 standen sie daher auf der protestantischen Seite gegen die Habsburger und verloren nach der Niederlage bei der Schlacht bei Mühlberg Joachimsthal an die Habsburger. In der Hochzeit des Silberbergbaus um 1533 hatte die Stadt über 18.000 Einwohner und war eine Zeitlang neben Prag die zweitgrößte Stadt in Böhmen, 1584 waren nur noch 200 Bergleute im Silberbergbau tätig. Auch die Pest wütete in Joachimsthal - 1568 verzeichnete die Stadt an die neunhundert Sterbefälle, im Jahre 1607 forderte die Seuche an die zweihundert Tote.

Ab 1621 erfolgte die Rekatholisierung der Stadt, was einen weiteren Aderlass an Bewohnern bedeutete, da viele protestantische Bürger und Bergleute nach Sachsen auswanderten. Der Bergbau gelangte wieder zu Bedeutung: neben Silber wurden auch Nickel, Kobalt und Uranerz – die sogenannte Pechblende - abgebaut. Der Name „Pechblende“ stammte von den Bergleuten, da ihr Auftreten bedeutete, kein wertvolles Material mehr finden zu können. Immerhin konnte man die Pechblende zur Herstellung spezieller Uranfarben verwenden, mit denen man Glas und Porzellan verzierte. Die Uranfarbenfabrik stand an der Stelle des heutigen Kurparks. Auf Grund ihres strahlenden Effektes, sowie der Farbveränderungen je nach einfallendem Licht, wurden die Joachimsthaler Farben zu einem gefragten Exportartikel. Obwohl die Preise für Uranerz stiegen, musste man zum Abbau in immer tiefere Schächte hinabsteigen, der Bergbau begann unrentabel zu werden und man dachte über eine Schließung nach.

Jáchimov - Svornost1864 schoss plötzlich in der Grube Svornost aus der Tiefe von einem halben Kilometer, eine starke Wasserquelle hervor, die den ganzen Schacht unter Wasser setzte. Obwohl bereits kurze Zeit später Bergleute von der Heilkraft des Wassers überzeugt waren, dauerte es bis 1906 zur Errichtung des ersten „Kurbades“. 1898 gibt Marie Curie-Sklodowská die Entdeckung eines neuen Elements – des Radiums – bekannt, nach vierjähriger Forschungsarbeit war es dem Ehepaar Curie gelungen ein zehntel Gramm des entdeckten Grundstoffs zu gewinnen und hier spielte Jáchymov eine große Rolle: wurde doch dieses zehntel Gramm Radium aus dem Abfall isoliert, das die Uranfarbenfabrik dem Ehepaar Curie zur Verfügung gestellt hatte. Damit waren Überlegungen zur Schließung der Gruben hinfällig geworden und ein neues – allerdings auch mit dunklen Flecken ausgestattetes – Kapitel der Stadt und des Tales wurde aufgeschlagen. 1907 wurde das erste Gramm reinen Radiums in der Joachimsthaler Fabrik hergestellt. Später erreichte die jährliche (!) Produktion fünfeinhalb Gramm, das damals ein wesentlicher Teil der Weltproduktion darstellte.

Jáchymov - Svornost (Foto: Jáchymov)1906 errichtete der Bäcker Kuhn, die erste private „Badeanstalt“ – das Wasser wurde mit Holzbottichen getragen. 1911 wurde eine Rohrleitung von der Grube bis zum Haus Agricola, dem ersten richtigen Kurgebäude geführt, 1912 wurde das ursprüngliche und zu klein gewordene Gasthaus durch das neoklassizistische Hotel Radium Palace ersetzt, das von vielen berühmten Persönlichkeiten besucht wurde, wie Tomáš Masaryk, Richard Strauss, Karl May und vielen anderen. Die erste Phase des Kurbetriebes begann, die Stadt erholte sich zusehends. Mit dem Zusammenbruch der Monarchie und der Entstehung des neuen Tschechoslowakischen Staates zeigte sich aber auch hier die Bruchlinie zwischen den Bewohnern. 1919 wurde Joachimsthal Teil der Tschechoslowakei. Man begann – auch mit neuen Investoren – die Kuranlagen wieder herzurichten und auszubauen. Bereits 1925 wurde Jáchymov von mehr als viertausend Kurgästen besucht, darunter auch Marie Curie in Begleitung ihres Schülers der Pariser Sorbonne Dr. F. Běhounek, der zu Jáchymov eine innige Beziehung entwickelte. Nach ihm ist heute eines der führenden Hotels benannt und die weitere Entwicklung des Ortes ging weiter voran und so etwas wie „Goldgräber-Mentalität“ setzte ein: Das lokale Brauhaus erzeugte Radium-Bier, die Sodafabrik füllte das Wasser Radium-Perle ab, die Seifenfabrik bot die beste Radiumseife an. Taschen-Joachimsthaler sollten Heilwirkungen erzielen ohne dass das Bad besucht werden musste. Leider hatten diese Erzeugnisse mehr schädliche als gesundheitliche Auswirkungen.

Jáchimov - Eine frühe Ansicht der Trinkhalle (Bild: Jáchimov)Die Wirtschaftskrise machte auch vor Jáchymov nicht halt, es kam zu weiteren Spannungen in der Bevölkerung, die sozialen Spannungen nahmen mehr und mehr zu. Durch die Entdeckung eines großen Uranerzvorkommens im Kongo fielen die Preise in den Keller. 1938 wurde Joachimsthal zusammen mit dem Sudetenland an das Deutsche Reich angeschlossen, die tschechische Minderheit wurde in das Landesinnere Böhmens und Mährens vertrieben. 1945 erfolgte die Vertreibung der Einwohner mit deutscher Nationalität. Bereits 1939 warnte Einstein in einen Brief den amerikanischen Präsidenten F.D. Roosevelt, - in dem Schreiben wird auch Bezug auf Joachimsthal genommen: „…, dass das Element Uran schon in naher Zukunft zu einer wichtigen Energiequelle verwandelt werden kann .. Dieses neue Phänomen kann zu Konstruktion von Bomben führen und es ist möglich, sogar sicher, dass diese extrem starke Bombe eines neuen Typs konstruiert werden wird … Ich habe erfahren, dass Deutschland den Verkauf (von Uran) aus den tschechoslowakischen Gruben, die es besetzt hat, eingestellt hat …“ Die Hoffnungen der deutschsprachigen Bevölkerung in die neuen Machthaber erfüllten sich nicht. Bald wurden die ersten Kriegsgefangenen, in der Mehrzahl Franzosen, nach Joachimsthal gebracht, in der Nähe der Schächte wurden Lager errichtet. Ihr Einsatz war nicht von großen „Erfolgen“ gekennzeichnet, da sie keine Ahnung von der Bergwerksarbeit hatten, dies ändert sich allerdings mit dem Einsatz russischer Gefangener im Herbst 1941 unter denen Bergleute waren. Zu Beginn der 1940er Jahre kamen Gerüchte über Vorbereitungen für eine gewaltige Steigerung der Uranförderung auf. Diese wurde auch durch gefundene Modernisierungspläne der Grube Werner bestätigt. „Fluchtstollen“ wurden vorbereitet, so die Gruben bombardiert werden sollten.

Jáchymov - Denkmal für die Opfer der Joachimsthaler HölleDer Krieg nahm der Stadt die Männer: nicht nur die Jungen mussten immer öfter in den Kriegseinsatz, auch die Bergarbeiter, die eigentlich nach einem langen Arbeitsleben in den Urangruben aus Gesundheitsgründen entlassen wurden, mussten an die Front. Die Zahl der Gefallenen stieg.
Die ersten Monate nach dem Krieg waren gezeichnet von der Auflösung der Gefangenenlager, der Militärlazarette und der Übergabe der Stadtverwaltung. Nun wurde die deutsche Bevölkerung gezwungen in der Mehrzahl Joachimsthal zu verlassen. Uran gelangte immer mehr in den Vordergrund des Interesses. Die Erzlager gelangten in das Blickfeld des sowjetischen KGBs, zuerst kamen Offiziere, die allerdings über geologisches Fachwissen verfügten, schließlich besetzte eine Einheit der roten Armee die Uranbergwerke. Verhandlungen begannen und endeten in einem Geheimvertrag über die Uranerzförderung und Lieferung an die UdSSR. Der Kurortaspekt trat in den Hintergrund der Stadtentwicklung. Der Ort musste sich einem einzigen Ziel unterordnen: in kürzester Zeit die größtmögliche Menge des strategischen Rohstoffes zu liefern, die Zahl der Kurgäste dagegen nahm immer weiter ab.

Jáchimov - Die St. Joachimskirche InnenschiffAb 1946 mussten deutsche Kriegsgefangene in den Gruben arbeiten, die aus der Sowjetunion hierhergebracht wurden. Drei Jahre später werden bei jedem größeren Schacht Zwangsarbeitslager errichtet. Die Anlagen sind von hohen Stacheldrahtzäunen umgeben und mit Wachtürmen versehen – sie verändern das Aussehen der Stadt und ihre Umgebung wesentlich. 1953 bildeten die Häftlinge mehr als ein Drittel der vierzigtausend Grubenbeschäftigten, viele davon waren politische Häftlinge. Der Zugang zum Ort und den Gruben wurde streng kontrolliert, selbst die einheimische Bevölkerung musste sich mit einem Stempel über ihren ständigen Wohnort ausweisen.

Wieder änderte die Stadt ihr Aussehen, alles wurde unter die Bedürfnisse des Bergbaues gestellt. Dessen Generaldirektion nahm ihren Sitz in der ehemaligen Tabakfabrik, viele kleine Fabriken, ja sogar die Brauerei wurde genutzt. Unter den Halden verschwand der westliche Teil des Stadtzentrums und die Hänge des Keilberger Baches, der Badeteich, der Sportplatz wurden zugeschüttet, die Allee am Stadtplatz abgeholzt, und doch ging die Ära des Bergbaus ihrem Ende zu.

Jáchimov - Der Kurpark bei der Eröffnung der KursaisonDie Stilllegung der Gruben bedeutete für die Bewohner zwar ein Aufatmen, die schwere Zeit dauerte aber weiter an. Der Ruf der Stadt als Kurort war ruiniert, Berichte sprachen von der „Joachimsthaler Hölle“, das gute Image war ruiniert. 1956 wurde die Sondergrenzzone aufgehoben und man konnte wieder relativ frei und ohne Schwierigkeiten nach Joachimsthal reisen. Achttausend Patienten kamen immerhin bereits vier Jahre später -  1960 – wieder nach Joachimsthal zur Kur. 1964 wird der Uranabbau gänzlich eingestellt. Hotels und Pensionen wurden errichtet, die Heilquellen in den Schächten mussten abgesichert werden, Leitungen zu den Kureinrichtungen gelegt werden, die Stadt begann sich wieder dem Kurbetrieb und dem Tourismus zu widmen und heute gilt sie als eine der einzigartigsten Kurorte, nicht nur wegen der Besonderheit der Heilquellen und ihrer Geschichte, auch wegen der wunderbaren Landschaft und der vielen sportlichen Möglichkeiten die Besucher wie Kurgäste erwarten.

Heute gehören die Grube und sämtliche Behandlungseinrichtungen der Aktiengesellschaft Léčebné Lázně Jáchymov a.s, die sich wie ihre Vorgänger bemüht, modernes Kurwesen mit bewährten zu verbinden und den heutigen anspruchsvollen Gast auch durch Kultur- und Rahmenprogramm zufrieden zu stellen.

Radonwasser, Indikationen

Das Radonwasser

Die Bläschen im Radonwasser (Foto: Jáchymov)Das Radonwasser entsteht durch das Eindringen der Regentropfen, die durch das Granitmassiv bis zu einem Kilometer unter die Erdoberfläche gelangen, wo sie das radioaktive Gestein passieren. Hier erfolgt dann die Anreicherung des Wassers mit Radongas. Das Heilwasser kommt aus vier Bohrungen, die in der Tiefe von einem halben Kilometer in der Grube Svornost liegen, das Wasser wird in ein gemeinsames Auffangbecken eingespeist. Von hier aus wird das Wasser 390 Meter höher gepumpt und mittels einer Rohrleitung in das Kurbad geleitet. Täglich werden hier 550 m3 Wasser abgepumpt, von denen 350 m3 für therapeutische Zwecke und der Rest für Wärmepumpen benutzt wird. Diese vier Quellen (Curie, C1, Běhounek und Agricola) haben eine unterschiedliche Wassertemperatur, Ergiebigkeit und auch einen unterschiedlichen Radongehalt. Das Alter des Radonwassers aus Jáchymov wird von Experten der Karlsuniversität auf 30.-35.000 Jahre geschätzt.

Radon – eine Gefahr?

Die Spezialität von Jáchymov - Die Radonbäder (Foto: Jáchymov)Radon, Radioaktivität, Uran – alles Worte, die im „Otto-Normalverbraucher“ eher einen gefährlichen Anschein erwecken – nichts womit wir Kur und Gesundheit verbinden, eher Bedrohung und Gefahr. Wie gefährlich kann das also sein und kann hier wirklich nichts passieren? Schließlich möchte man von einer Kur ja gesunder und nicht kränker nach Hause zurückkehren…

Um den besten Heilerfolg oder Erleichterung zu verspüren werden Kuren mit bis zu 21 Radonbädern empfohlen. Dabei wird vom Patienten ungefähr die gleiche Menge Radioaktivität absorbiert wie bei einem Lungenröntgen. Selbstverständlich steht man aber während der Kur die ganze Zeit unter der Aufsicht eines Arztes, der bei der Eingangsuntersuchung auch gleich feststellt, ob gesundheitliche Gründe den Antritt der Kur ausschließen:  So ist die Radontherapie für schwangere Frauen, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, Patienten mit akuten Erkrankungen wie Infektionen, Herz- und Atembeschwerden, schwankender Diabetes und einer unbehandelten Hyperfunktion der Schilddrüse nicht geeignet.

In Jáchymov gibt es viele unterschiedliche BehandlungsmethodenSollte ein Ausschlussgrund vorliegen, wird der Arzt gegebenenfalls andere geeignetere Therapiemöglichkeiten vorschlagen. Um einen Behandlungserfolg zu erzielen sind mindestens zehn Radonbäder notwendig.  Die Gesellschaft Heilbad Jáchimov AG ist auch Inhaber eines Zertifikats der staatlichen Behörde für nukleare Sicherheit bei der Durchführung von Radontherapie. Die tägliche Aufsicht über die Einhaltung der vorgeschriebenen Verfahren bei der Förderung des Radonwassers sowie bei der Durchführung der Radonbäder überwacht das dosimetrische Labor, ebenso wird regelmäßig der Radongehalt im Wasser und in der Luft gemessen.

Bester Beweis für die Wirksamkeit und Effizienz der Behandlungen sind aber wahrscheinlich die Stammgäste, von denen einige sogar schon 30 Jahre regelmäßig immer wieder nach Jáchymov kommen.

Die Indikationen

Folgende Erkrankungen werden in Jáchymov behandelt

Salzgrotte (Foto: Jáchymov)Erkrankungen des Bewegungsapparates: sowohl rheumatoide Arthritis wie auch die Bechterew-Krankheit, degenerative Erkrankungen der Gelenke und Wirbelsäule, systembedingte Sklerodermie, etc. Erkrankungen des peripheren Nervensystems wie Neuralgien, Wurzelsyndrome der Wirbelsäule, leichte Lähmungen, Polyneuropatie, Syndrome der Verengung des karpalen Tunnels, metabolische Krankheiten, Hautkrankheiten, CNS-Erkrankungen, wie auch Parkinson, Multiple Sklerose im Anfangsstadium Postoperations- und posttraumatische Zustände und Osteoporose.

Selbstverständlich gibt es aber auch noch viele Angebote mehr, die das Wohlbefinden fördern und einen Kur- oder Wellnessaufenthalt erst so richtig schön machen. Nicht immer hat man ja die Möglichkeit zwei oder drei Wochen auf Urlaub zu gehen, mancher freut sich auch über ein paar Tage Entspannung. Dann können Sie hier die verschiedenen Bäder wie Perlbäder, Wirbelbäder Spritzmassagen oder Kneippgänge buchen, oder vielleicht ein Aromabad oder ein trockenes Kohlensäurebad. Probieren Sie einmal das Vacuwell aus, lassen Sie sich von geprüften Händen massieren, oder besuchen Sie die Salzgrotte.

Jáchymov - Das neue Agricola AquazentrumIm neuen Aquazentrum Agricola finden Sie neben vielen, der eben angeführten Behandlungen noch ein Schwimmbecken mit zwei Schwimmbahnen in einer Länge von 25 Meter, einen Toboggan und ein Kinderbecken mit Wasserfall – damit werden auch die kleinsten Besucher viel Spaß bei einem Aufenthalt haben – und im Kaffee gibt es Leckerbissen für das leibliche Wohl.

Für Sportliche – oder solche die es werden wollen – gibt es Tennis, Minigolf, Petanques, Schach und russisches Kegeln. Selbstverständlich können Fahrräder ausgeborgt werden und wenn Sie Nordic Walking erst einmal ausprobieren möchten, steht Ihnen auch ein fachlich qualifizierter Trainer zur Seite. Wanderwege, Mountainbike-Strecken und eine Sommer-Bobbahn in der Nähe sorgen für weitere "Action". Selbst Freunde des Wintersports kommen hier auf ihre Rechnung: 140 km gepflegte Pisten gibt für Skilangläufer und den Skifahrern stehen mehrere Abfahrten mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden zur Verfügung.

Jáchymov - Eröffnung der KursaisonAuch Kultur-Interessierten wird einiges geboten: Das gesellschaftliche Erlebnis ist sicher die „Eröffnung der Kursaison“, aber auch der Musikherbst in Jáchymov findet seine Freunde. Für weitere Abwechslung sorgen Modeschauen, Veranstaltungen mit mährischer Volksmusik, Country, kleine Rockkonzerte, aber auch Aufführungen ernster Musik und vieles mehr. Wer davon noch nicht genug hat und noch ein bisschen Zeit übrig hat, sollte einen Ausflug in die nähere und weitere Umgebung des Tals machen. Fragen Sie einfach an der Rezeption Ihres Hotels.

Weiter Informationen unter www.laznejachymov.cz (Deutsch, Englisch, Russisch, Tschechisch)

Kureinrichtungen, Unterstadt

Sehenswürdigkeiten

Jáchymov - Die BergmannsstadtJáchymov ist keine Stadt, die mit vielen Sehenswürdigkeiten glänzt. Hierher kommt man zur Kur, im Winter um in der Nähe Ski zu fahren, aber nicht wegen Kunst und Kultur. Fast abweisend empfängt „das Tor zum Erzgebirge“ auch seine Besucher. Langgestreckt dem Tal entlang kann man anfänglich gar nicht erkennen wo die Stadt beginnt und wo sie endet. Aber es lohnt sich trotzdem sich ein wenig mit ihr auseinanderzusetzen.

Jáchymov wurde von der Geschichte hin und her geschüttelt. Wenige Ortschaften und Gebiete haben in ihrer Geschichte so viele Höhen, aber auch so schreckliche Tiefen erlebt wie Joachimsthal. Und auch heute noch zeigt die Stadt ganz unterschiedliche Gesichter.

Die Kurhotels und der Kurpark

Jáchymov - Radium Palace (Foto: Jáchymov)Das Radium Palace – erhaben an den Hang gebaut, erstrahlt bei seinem 100jährigen Jubiläum (2012) wieder in seiner vollen Pracht. Neu renoviert und auf den letzten technischen Stand gebracht, freuen sich die Kurgäste wieder über die vielen Annehmlichkeiten des Hauses. Ein Kaffee auf der Terrasse, eine kleine Wanderung durch den dahinter liegenden Wald oder ein Spaziergang im Kurpark.  Der Charme der Jahrhundertwende ist gepaart mit neuen Einrichtungen, auch die meisten Häuser um das Palace erstrahlen bereits im renovierten Glanz und man merkt, dass hier Kur und Erholung Tradition und Klasse haben. Der Kurpark ist wunderschön angelegt und zur Saisoneröffnung zeigt die Stadt jedes Jahr ihre reiche Tradition: von den Skifahrern im Gewand längst vergangener Zeiten, über die Oldtimer-Parade bis zum Aufmarsch der Bergknappen und den Kinderprogrammen.

Das Aquazentrum Agricola

Aquazentrum Agricola - Blick vom Radium PalaceVis a vis vom Radium Palace – im Kurpark gelegen – findet sich das Aquazentrum Agricola, das seinen Namen Georgius Agricola (eigentlich Georg Bauer) verdankt, der ab 1527 einige Jahre in Jáchymov als Stadtarzt tätig war. Durch seinen Wissensdurst und viele Gespräche mit Experten des Berg- und Hüttenwesens brachte er 1530 sein Werk „Gespräch über den Bergbau“ heraus, das von einer der herausragendsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit unterstützt wurde – von Erasmus von Rotterdam.

Das Akademik Běhounek und das Sanatorium Curie gehören anderen baulichen Epochen an. Doch ihre funktionalistische Bauweise der kommunistischen Ära gepaart mit dem Retrostil der 60er und 70er machen sie ebenfalls interessant. Es ist eine seltsame Paarung aus gemütlich und modern, die den Flair des Hotels Běhounek ausmacht, im Curie ist es wieder die interessante Mischung aus dem funktionalistischen Hauptgebäude und dem älteren Praha und Elektra, die zu einer Einheit verschmolzen wurden. Abgerundet von einer Konditorei, ein paar Geschäften und weiteren Pensionen hat der neue Besucher den Eindruck, dass er bereits alles von der Stadt gesehen hat. Doch weit gefehlt.
Vom Kreisverkehr biegen zwei weitere Straßen ab. Während die eine am – renovierungsbedürftigen – Gemeinschaftshaus vorbei Richtung Skigebiete um den Keilberg (Klínovec) führt, wandert man auf der anderen weiter die Stadt entlang.

Die "Unterstadt"

Jáchymov - Haus in der UnterstadtNun kommt man in den verfallenen Teil der Stadt. Selbst moderne Bauten sind hier bereits wieder verfallen. Alte - einst wunderschöne – Häuser sind hier dem Verfall preisgegeben und stehen inmitten von Gebäuden, die eher als Baracken, denn als Häuser zu bezeichnen sind. Dazwischen machen sich trotzdem und unverdrossen Souvenirläden breit. Das ist die hässliche Seite von Jáchymov, doch bereits hier gibt es die erste Sehenswürdigkeit: die Spitalskirche. Hat man vom Radium Palace aus, den Hang erklommen und den Weg zum Běhounek erreicht, so lässt man das Hotel rechts liegen und folgt einfach dem Weg weiter.

Die Spitalskirche und der Friedhof

Jáchymov - Die Spitals- oder FriedhofskircheGleich neben dem Friedhof steht die älteste Kirche der Stadt – die sogenannte Allerheiligen-Spitalskirche oder Friedhofskirche. Sie stammt vermutliche aus dem Jahr 1516. Alte Bergkarten aus dem 16.Jahrhundert zeigen das Kirchlein, das mit einem hölzernen überdachten Steg mit dem städtischen Spital verbunden war. Der Steg ist längst zerfallen, heute kann man vom Spital nur mehr die starken Stützmauern sehen.

Oberstadt

Die "Oberstadt"

Jáchimov - Die OberstadtHeute noch legen einige Häuser der „Oberstadt“, besonders um den Marktplatz Zeugnis vom früheren Reichtum der Stadt ab. Im 16. Jahrhundert – zur Zeit des Silberabbaus – war St. Joachimsthal eine reiche und große Stadt. Obwohl sie durch die Übernahme des böhmischen Throns durch Ferdinand von Habsburg ihre große Eigenständigkeit verlor, konnten die Patrizier auf Grund ihres Vermögens oft sogar Künstler aus dem Ausland für den Bau und die Verzierungen ihrer Häuser heranziehen – was man heute noch auf den erhaltenen Portalen einzelner Gebäude bewundern kann. Hausnummern waren damals nicht gebräuchlich, die Bauwerke wurden durch ein besonderes Merkmal gekennzeichnet, das wiederum in Verbindung mit dem Besitzer stand. In den Ecknischen waren des Öfteren zur Zier auch Heiligenfiguren angebracht. Lassen Sie sich nicht von den teilweise noch verfallenen Wänden abschrecken, gehen Sie mit offenen Augen durch die Stadt.

Das Rathaus und die Münzanstalt

Jáchymov - Das Rathaus und dahinter der Erker der MünzanstaltBereits renoviert ist das wunderschöne Renaissance-Rathaus, das die Gemeinde 1531 für 2000 Gulden Hiernoymus Šlik, dem früheren Besitzer von Jáchymov, abkaufte. Gleich dahinter befindet sich die – ebenfalls wieder hergerichtete – königliche Münzanstalt aus den Jahren 1534 bis 1536, mit ihrem schönen Erker. In diesem Gebäude ist nun das Museum untergebracht, dessen Besuch sich auf jeden Fall lohnt. Die königliche Münzanstalt ist der stärkste Hinweis, welche Änderungen sich in der Stadt durch die Thronbesteigung von Ferdinand abspielten: war er doch der Meinung, dass die ursprüngliche Šliksche Münzanstalt in erster Linie ihm, dem König, von Nutzen sein muss und so wurden erstmals hier königliche Beamte eingesetzt. Interessenskonflikte zwischen den Vertretern des früheren demokratischen Systems und der neuen Ordnung der „Königlichen“, in der die Stellung des Königs und des Staates gestärkt werden sollten, waren an der Tagesordnung. Die Errichtung der Münzanstalt war, unter anderem, ein Versuch diese Unstimmigkeiten einzudämmen. Schließlich besuchte der König die Stadt sogar selbst – die Gründer der Stadt – die Herren von Šlik verloren den Zwist mit Habsburg und verloren schließlich all ihren Besitz.

Die St. Joachimskirche

Jáchymov - Die St. JoachimskircheAls eine weitere Sehenswürdigkeit gilt auch die St. Joachims-Kirche, die aus den Jahren 1534 bis 1540 stammt. Ein erster Gottesdienst scheint hier bereits 1537 stattgefunden zu haben, 1624 wurde die Kirche in der Zeit der Gegenreformation katholisch geweiht. Bei dem großen Brand 1873, bei dem auch ein Großteil der Stadt in Flammen aufging, blieben außer geretteten kleinen Gegenständen nur die Mauern und das Pflaster aus dem 18. Jahrhundert erhalten. Den Wiederaufbau, den die Stadt mit Hilfe von Darlehen und Geschenken finanzierte, führte der Baumeister Karl Franz Richter aus Johanngeorgenstadt nach Plänen von Josef Mocker 1874 bis 1876 durch. Die Fenster wurden nun mit Spitzbögen abgeschlossen, einige wurden zugemauert, eine Mauer trennt den Turm vom inneren Raum, das neue Dach ist von Säulen gestützt. Die Gebrüder Habrecht aus Zwieckau und joachimsthaler Fachleute verrichteten die Steinmetzarbeiten. Reiche joachimsthaler Bürger finanzierten in den Jahren 1876 bis 1884 die Innenausstattung der Kirche: die Altare, die Kanzel wurden von der Wiener Bildhauerwerkstatt Lehner aus Holz ausgeführt, reichlich mit Schnitzereien verziert, farbig und teilweise vergoldet. Die Orgel stammt von der Firma Steinmayer, die Luster aus Reicherberg/Liberec. Bemerkenswert sind auch die Kassettendecke und die inneren Gemälde aus den Jahren 1992 – 1994, die der Kirche einen orientalischen Hauch verleihen.

Das Haus von Johannes Mathesius

Jáchymov - Das Haus von Johannes MathesiusIn einem der Häuser neben der Kirche, gekennzeichnet durch eine Gedenktafel, wohnte der damals berühmte Rektor der Lateinschule, Prediger und evangelische Pfarrer Johannes Mathesius (1504 – 1565). Der Chronist der Stadt war ein Schüler Martin Luthers. Er führte erstmals Matrikelverzeichnisse über die Geburten und Todesfälle der Stadt ein, stammte ebenfalls aus dem Bergmilieu und war bei den Menschen in der Gegend sehr beliebt. In seinen Predigten, die er später im Buch Sarepta zusammenfasste, finden sich auch die zehn – immer noch gültigen – Berggebote, wie z.B.: „Wenn euch Gott Erz beschert, dann vergesst nicht auf die Schule, die Kirchen und die Armen …“ oder „Wer Regeln festlegt, der soll sie auch selbst einhalten, gleiche Rechte für alle währen am längsten…“ Sätze, die wirklich nicht an ihrer Bedeutung verloren haben und die auch heute wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt werden sollten. Mathesius hat in seinen Predigten auch zahlreiche mineralogische Fachkenntnisse aufgezeichnet.

Das Museum von Jáchymov in der früheren Münzanstalt

Jáchymov - Das ehemalige Münzhaus mit ErkerDie Ausstellungen in der ehemaligen Münzanstalt sind wirklich sehenswert. Egal ob Sie die unterschiedlichen Erze und Steinproben, der Bergbau an sich, die Geschichte des Taler und die Münzprägung oder die Erzeugung von Urangas interessieren, Sie sollten auf jeden Fall das Museum besuchen. Erfahren Sie welch berühmte Persönlichkeiten schon früher in Jáchymov Heilung gesucht haben, wie der Kurbetrieb entstanden ist, staunen Sie über die frühen Werbeplakate und erfahren Sie wie die Stadt zur damaligen Zeit aussah. Alle Exponate sind zweisprachig (Tschechisch und Deutsch) beschriftet.

Events, Video, Bildershow und Plan

Die Eröffnung der Kursaison

Jáchymov - RadonchenWenn Sie nicht gleich zur großen Kur fahren wollen, sondern Leute und Städtchen vorab kennen lernen möchten oder nur für ein paar Tage Zeit haben, kommen Sie doch zur Eröffnung der Kursaison. Gutes Wetter vorausgesetzt – schlechtes kann man den Veranstaltern ja nicht anlasten – ist hier eine Menge los, wie Sie auf den folgenden Video sehen können. Es ist ein Fest für Groß und Klein: im Kurpark, gibt es Hüpfburgen für die Kleinen, viel Spielzeug zum Bestaunen und natürlich zum Kaufen und Zuckerwatte und Türkischen Honig zum Schmecken. Manchmal sorgt auch ein eigenes Clownpaar für die Unterhaltung – und wenn ihre Kinder auch nicht der tschechischen Sprache mächtig sind, es ist kein Problem hier mit zu machen. Radonchen – das lustige Maskottchen von Jáchymov ist auch dabei und viele Kinder freuen sich über ein Erinnerungsfoto mit ihm.

Jáchymov - Die Parade bei der SaisoneröffnungSehenswert für alle Altersgruppen ist die große Parade, die durch den Ort marschiert und beim Kurpark schließlich ihr Ende feiert – Oldtimer-Freunde kommen hier auf die Rechnung, ebenso wie Mode-Interessierte: Hier werden nicht nur alte Autos gezeigt, sondern auch die Mode vergangener Zeiten vorgeführt – auch die Skifahrer der Gegend zeigen ihre frühere Ausrüstung. Die Kapelle der Bergmänner spielt groß auf und die Tanztruppe unterhält Einheimische wie Kurgäste mit ihren Darbietungen. Stände im Kurpark mit Kunsthandwerk und Informationen zu Kur, Aufenthalt und Umgebung runden das Programm ab. Lassen Sie sich das nicht entgehen…

Übernachtungstipps Tschechien: Auf askEnrico stellen wir Ihnen auch die drei wichtigsten Hotels vor: Das Radium Palace, Akademik Běhounek, und das Kur-Sanatorium Curie.

Bildershow

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