Ein kleiner Ort mit einem großem Schloss, dem Lieblingsort der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn.

Die Geschichte des Ortes und des Schlosses

Die Region um die Stadt war bereits seit dem 14. Jahrhundert schwach besiedelt, während der Türkenkriege wurde die Gegend weiter verwüstet und die geringe Bevölkerungszahl verringerte sich während der Türkenherrschaft (ab 1541) noch weiter.

Schloss Gödöllő
Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Dorf von Antal Grassalkovich I. – Rechtsanwalt, Ökonom und Vertrauter Maria Theresias - erworben, der 1735 mit dem Bau des Schlosses als Stammsitz für seine Familie und einem großangelegten Gutsbetriebes begann. Das Schloss wurde als dreiflügeliger Bau, der noch heute den Innenhof umschließt, vom Salzburger Architekten Andreas Mayerhoffer errichtet und mehrmals erweitert. 1732 erhielt Antal Grassalkovich den Titel eines Barons und 1743 wurde er durch Kaiserin Maria Theresia – beide verband ein freundschaftliches Verhältnis – in den Grafenstand erhoben. Im Schloss wurde für die Kaiserin sogar eine Zimmerfolge eingerichtet, die sie 1751 kurze Zeit auch bei einem Besuch bewohnte.

Schloss Gödöllő
Unter seinem Sohn wurde Ungarns größtes Barockpalais vollendet und natürlich profitierte das gesamte Dorf: deutsche Handwerker wurden angesiedelt, der Schlossbau schuf viele Arbeitsplätze und der Ort erhielt 1763 das Marktrecht. Antal II wurde 1784 in den Fürstenstand erhoben, aber er zeigte kein großes Interesse an seinem Landsitz und residierte mehr in Wien und in Bratislava. So wurde das Schloss die meiste Zeit von einem Kastellan verwaltet. Leider fehlten ihm auch die ökonomischen Fähigkeiten des Vaters, so dass der Schuldenberg stark anwuchs. 1794 übernahm musste sein Sohn Antal III. das Erbe und musste mit dem Umstand fertig werden, dass die Gödöllőer Länderreihen unter Zwangsverwaltung gestellt wurden. Ab 1820 hielt sich der Fürst dann öfter in Gödöllő auf, ließ den alten Barockgarten zu einem Landschaftspark umgestalten und traf sich hier des Öfteren mit István Széchenyi, dem großen Ungarn.

Schloss Gödöllő
Mitte des 19. Jahrhunderts starb die männliche Linie der Familie Grassalkovich aus, das noch immer unter Zwangsverwaltung stehende Schloss ging zuerst an die Familie Viczay. 1849 diente es dem ungarischen Revolutionär Lajos Kossuth und seinen Truppen kurzfristig als Basis, dann folgten ein Bankier und eine belgische Bank als Besitzer. 1866 diente das Schloss als Lazarett für verwundete Soldaten. Kaiserin Elisabeth besuchte damals Gödöllő zum ersten Mal und wollte es bereits damals erwerben, was allerdings von Kaiser Franz Joseph auf Grund der hohen Kriegskosten abgelehnt wurde.
Schließlich kaufte der ungarische Staat das Gut und machte es schließlich dem österreichischen Kaiser- und ungarischem Königspaar Franz Joseph und Elisabeth 1867 anlässlich ihrer Krönung im Anschluss an den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich zum Geschenk. Gödöllő erfährt durch die häufige Anwesenheit von Elisabeth einen Aufschwung, es wird zur mondänen Sommerfrische für Budapester Adelsfamilien.

Schloss Gödöllő

Während der kommunistischen Herrschaft wird Industrie im Ort angesiedelt, aber auch der Hauptsitz der agrarwissenschaftlichen Szent-István-Universität, 1966 erhält der Ort das Stadtrecht.
Nach 1989 setzt ein schwieriger Transformationsprozess ein, 1990 ziehen die letzten Truppen aus dem Schloss ab, die Renovierung beginnt.

Die Geschichte der Stadt und auch ein Teil ihres Aufschwungs sind über Jahrhunderte untrennbar mit dem Schloss verbunden.

Ein kleiner Ort mit einem großem Schloss, dem Lieblingsort der Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn.

Die Geschichte des Ortes und des Schlosses

Die Region um die Stadt war bereits seit dem 14. Jahrhundert schwach besiedelt, während der Türkenkriege wurde die Gegend weiter verwüstet und die geringe Bevölkerungszahl verringerte sich während der Türkenherrschaft (ab 1541) noch weiter.

Schloss Gödöllő
Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Dorf von Antal Grassalkovich I. – Rechtsanwalt, Ökonom und Vertrauter Maria Theresias - erworben, der 1735 mit dem Bau des Schlosses als Stammsitz für seine Familie und einem großangelegten Gutsbetriebes begann. Das Schloss wurde als dreiflügeliger Bau, der noch heute den Innenhof umschließt, vom Salzburger Architekten Andreas Mayerhoffer errichtet und mehrmals erweitert. 1732 erhielt Antal Grassalkovich den Titel eines Barons und 1743 wurde er durch Kaiserin Maria Theresia – beide verband ein freundschaftliches Verhältnis – in den Grafenstand erhoben. Im Schloss wurde für die Kaiserin sogar eine Zimmerfolge eingerichtet, die sie 1751 kurze Zeit auch bei einem Besuch bewohnte.

Schloss Gödöllő
Unter seinem Sohn wurde Ungarns größtes Barockpalais vollendet und natürlich profitierte das gesamte Dorf: deutsche Handwerker wurden angesiedelt, der Schlossbau schuf viele Arbeitsplätze und der Ort erhielt 1763 das Marktrecht. Antal II wurde 1784 in den Fürstenstand erhoben, aber er zeigte kein großes Interesse an seinem Landsitz und residierte mehr in Wien und in Bratislava. So wurde das Schloss die meiste Zeit von einem Kastellan verwaltet. Leider fehlten ihm auch die ökonomischen Fähigkeiten des Vaters, so dass der Schuldenberg stark anwuchs. 1794 übernahm musste sein Sohn Antal III. das Erbe und musste mit dem Umstand fertig werden, dass die Gödöllőer Länderreihen unter Zwangsverwaltung gestellt wurden. Ab 1820 hielt sich der Fürst dann öfter in Gödöllő auf, ließ den alten Barockgarten zu einem Landschaftspark umgestalten und traf sich hier des Öfteren mit István Széchenyi, dem großen Ungarn.

Schloss Gödöllő
Mitte des 19. Jahrhunderts starb die männliche Linie der Familie Grassalkovich aus, das noch immer unter Zwangsverwaltung stehende Schloss ging zuerst an die Familie Viczay. 1849 diente es dem ungarischen Revolutionär Lajos Kossuth und seinen Truppen kurzfristig als Basis, dann folgten ein Bankier und eine belgische Bank als Besitzer. 1866 diente das Schloss als Lazarett für verwundete Soldaten. Kaiserin Elisabeth besuchte damals Gödöllő zum ersten Mal und wollte es bereits damals erwerben, was allerdings von Kaiser Franz Joseph auf Grund der hohen Kriegskosten abgelehnt wurde.
Schließlich kaufte der ungarische Staat das Gut und machte es schließlich dem österreichischen Kaiser- und ungarischem Königspaar Franz Joseph und Elisabeth 1867 anlässlich ihrer Krönung im Anschluss an den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich zum Geschenk. Gödöllő erfährt durch die häufige Anwesenheit von Elisabeth einen Aufschwung, es wird zur mondänen Sommerfrische für Budapester Adelsfamilien.

Schloss Gödöllő

Während der kommunistischen Herrschaft wird Industrie im Ort angesiedelt, aber auch der Hauptsitz der agrarwissenschaftlichen Szent-István-Universität, 1966 erhält der Ort das Stadtrecht.
Nach 1989 setzt ein schwieriger Transformationsprozess ein, 1990 ziehen die letzten Truppen aus dem Schloss ab, die Renovierung beginnt.

Die Geschichte der Stadt und auch ein Teil ihres Aufschwungs sind über Jahrhunderte untrennbar mit dem Schloss verbunden.

Das Schloss

Schloss Gödöllő

Das Schloss mit seinem großen Park ist die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt, die Jahr für Jahr über 300.000 Besucher anzieht. Es gilt als das größte Barockschloss Ungarns.

Kaiserin Sisi begrüßt ihre Gäste
Es sind nicht nur Sisi-Fans, die hier auf Besuch kommen. Das teilweise (ein Teil des Schlosses wartet noch auf seine Renovierung) bereits wieder hervorragend in Stand gesetzte Schloss bietet nicht nur 3 Dauerausstellungen und eine Wechselausstellung, sondern jede Menge Kultur, von Konzerten über Opern, Tagungen und Lesungen. Einige Räume des Schlosses können für Partys und Veranstaltungen gemietet werden und selbstverständlich kann man hier auch „Ja“ zu seinem Partner für’s Leben sagen – mit anderen Worten: hier kann auch stilgemäß geheiratet werden.

Kaiserin Sisi gibt eine Audienz
Dennoch: Im Mittelpunkt stehen Elisabeth, die beliebte Königin von Ungarn und Franz Joseph, der König von Ungarn und Kaiser von Österreich.

Im Schloss Gödöllő
Elisabeth nützte Gödöllő, um den strengen Regeln des Wiener Hofes zu entfliehen und auch, um hier ihrer großen Leidenschaft, dem Reiten nachgehen zu können. Es führte immer wieder zu Eifersüchteleien zwischen den Österreichern und den Ungarn, dass Sisi hier so viel Zeit verbrachte. Auch die Nähe zu Graf Gyula Andrássy war Anlass diverser Gerüchte der Hofkamarilla.

Die Schenkung des Schlosses war eine große Geste der Dankbarkeit des ungarischen Volkes, wollte man doch so Elisabeth für ihren Einsatz in den Verhandlungen um den ungarisch-österreichischen Ausgleich danken. Elisabeth hatte auf das Schloss, das nur eine Wegstunde von Budapest entfernt ist, schon früher ein Auge geworfen, allerdings lehnte damals Franz Joseph den Erwerb des Schlosses aus finanziellen Gründen ab.

Auf Schloss Gödöllő
Sisi liebte Ungarn und alles ungarische, sie beherrschte auch die Landessprache ausgezeichnet. In Ungarn kam auch ihre Lieblingstochter Valerie zur Welt, die mit ihr zeitlebens nur ungarisch sprechen durfte. Auch hier verstummen die Gerüchte nicht, dass eigentlich Graf Andrassy der Vater des Kindes sein könnte …

Doch auch der Kaiser war eigentlich gerne in Gödöllő, um sich hier von seinen Regierungsgeschäften zu erholen, er empfing hier sogar seine Freundin Katharina Schratt.
Allerdings gehörte das Schloss nicht dem Kaiser und der Kaiserin, sie hatten hier eigentlich nur das lebenslange Wohn- und Nutzungsrecht. Dafür wurden die Appartements im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet. Elisabeth ließ das Schloss mehrmals nach ihren Wünschen umbauen, doch die originalen Säle blieben dabei weitgehend unverändert. Elisabeth bezog ihre Gemächer im südlichen Teil des Schlosses, Franz Joseph residierte im nördlichen Teil.

Plan der Gemächer des ungarischen Königspaars

Bei einer Führung durch die Räume kann man auch die farblichen Vorlieben des Herrscherpaars erkennen: Die Räume Franz Josephs sind mit der imperialen roten Textiltapeten ausgestattet, Sisi hatte ein Faible für Veilchenblau, das heute vielleicht ein wenig düster auf uns wirkt. In der Dauerausstellung wurden auch ein Schreib- und ein Vorlesezimmer von Elisabeth eingerichtet. Allerdings weiß man nicht mehr so genau, wie diese Räumlichkeiten ausgesehen haben, da die Einrichtung verloren ging, geraubt oder demoliert wurde. Elisabeth war aber eine hochintelligente, aufgeklärte und wissbegierige Frau, sie konnte viele Sprachen, darunter das Ungarische perfekt in Grammatik und Ausdruck und liebte es nicht nur ihren Lieblingsdichter zu lesen oder vorgelesen zu bekommen, sondern auch selbst Gedichte zu schreiben.
Im Obergeschoss des Schlosses befanden sich die repräsentativen Wohnräume und Salons des Schlosses, im Erdgeschoss waren überwiegend die Wirtschafts- und Gästeräume untergebracht. Zur Zeit Sisis verfügte das Schloss über 136 Wohnräume, wovon 67 Räume für die Unterbringung der Bediensteten genutzt wurden.

31 Räume sind heutzutage zugänglich und wurden so gut wie möglich in den Zustand von 1867 versetzt, die Möblierung stammt nicht aus Gödöllő ist aber, ebenso wie die Stuckdekorationen, vorwiegend aus dem Rokoko und dem Neobarock.

Als die bedeutendsten Räume gelten der in weiß-goldenen Tönen gehaltene große Rokoko-Festsaal und das Maria Theresia Zimmer, das später als Schlafzimmer Königin Elisabeths diente.

Die Reithalle

Ursprünglich wurde der Reithof im südlichen Teil Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. Sisi gestaltete die Reithalle – die heute als Konferenzsaal benutzt werden kann – jedoch in erheblichem Maß um, damit sie auch bei schlechtem Wetter reiten konnte. Zu dieser Zeit wurde die innere Bodenebene erhöht und eine Rundmanege mit vier großen Spiegeln rund herum gebaut. Ein Marmorkamin auf der Galerie sorgte für Wärme.

Die Reithalle auf Schloss Gödöllő
Hier trainierte sie auch ihre beiden Lieblingspferde Flick und Flock, die ihre Kunststücke zur Zirkusreife brachten. (Mehr darüber kann man bis 8.1.2017 in einer Sonderausstellung in den Kaiserappartements der Wiener Hofburg erfahren). Zum Reithof gehörten auch zwei Stallgebäude, die Antal I. in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbauen ließ. Die Wände der Sattelkammer und der Putzkammer waren mit Wandmalereien geschmückt.

Die Reithalle auf Schloss Gödöllő
In den 1950er wurden die Ställe vom sowjetischen Militär als Lager benutzt. 2010 wurde gleichzeitig mit dem Reithof auch der kleiner Stall, die Putz- und die Sattelkammer, sowie die Zimmer über dem Stall restauriert.

2010 wurde der Reithof stark umgestaltet, um während der Zeit der Europäischen Präsidentschaft Ungarns als Tagungs- und Verhandlungsort zu dienen. Hier werden heute Konzerte, Konferenzen, Ausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen abgehalten.

Das Barocktheater

Im Schloss befindet sich auch das älteste erhaltene Theater Ungarns und die einzige Bühne des Landes, die über das Kulissen- und Bühnensystem eines Barocktheaters verfügt. Von 1782 bis 1785 von Antal II. erbaut. Der Saal hatte die Abmessungen von 24,5 x 8 x 9,5 Meter. Ein klassizistischer neobarocker Anstrich schmückte die Wände. Die Wandflächen zwischen den Säulen sind rosa mit ockerfarbenem Rahmen, Bandschleifen und Blumengirlanden. Die Bühne war damals mit zeitgemäßer Technik ausgestattet. Die Raumwirkung erreichte das barocke Bühnenbild mittels der seitlich einzuschiebenden Kulissen, der aufgehängten Bühnenwände und der Hintergrundwände.

Das Barocktheater im Schloss Gödöllő
Im Barocktheater gab es keinen Orchestergraben, die Musiker waren nur durch einen niedrigen Wandschirm vom Publikum getrennt.

Blick in den Zuschauerraum des Barocktheaters
Als Sisi und Franz Joseph nach Gödöllő kamen, befand sich das Theater bereits in einem ziemlich schlechten Zustand und wurde daher nicht benutzt. Die Einrichtung des Theaters wurde versteigert und für das Gefolge wurden zwei Decken eingebaut, sodass es wieder aus drei Etagen bestand, um genügend Platz für Gästeräume und das Personal zu haben. 1986 wurde das Theater im Rahmen einer Sanierung wieder rekonstruiert und 2002/03 wieder als Barocktheater eingerichtet. Die Wände und die Wandmalerei sind original, der Holzboden, die Empore und die Bühnendekoration wurden nach Originalvorlagen erneuert. Über dem Souffleurkasten ist das fürstliche Wappen der Familie Grassalkovich zu sehen. Zwei Paar drehbare Kulissen (Prisma) und drei Paar verschiebbare Kulissen sorgen für ein variables Bühnenbild. Die Kulissen können sowohl manuell als auch maschinell bewegt werden. Das Theater hat ein Fassungsvermögen von 95 Personen, es finden hier zu besonderen Anlässen wieder Aufführungen statt und es kann im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Arbeitszimmer von Franz Joseph I. (Foto © Schloss Gödöllö)
1874 wurde das Schloss mit Gasbeleuchtung ausgestattet, 1898 erhielt es elektrisches Licht und zusätzlich zu den Kaminen und Öfen wurde eine Heißluftheizung installiert.
Nach dem Ersten und vor allem dem Zweiten Weltkrieg begann der Niedergang des Schlosses. Es diente als Soldatenquartier, später als Waisen- und Altersheim und als Notunterkunft.
Nach dem Zusammenbruch der Räterepublik (in dieser Zeit wurde das Schloss auch geplündert) erhielt Miklós Horthy, der ab 1920 als Reichsverweser Ungarn verwaltete, die Nutzungsrechte am Schloss, das dafür im Inneren umgestaltet wurde und eine neue Möblierung erhielt.

Habsburger Gallerie (Foto © Schloss Gödöllö)
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss von einer Bombe getroffen, blieb aber sonst weitgehend unbeschädigt. Nach der deutschen Wehrmacht, besetzte die Rote Armee das Schloss und wieder wurde geplündert. Obwohl das Gebäude seit 1951 unter Denkmalschutz stand, kümmerte man sich nicht um die Bausubstanz und das Schloss begann zusehends zu verfallen.

Erst in den 1980er Jahren begann man mit der Restaurierung, die noch nicht abgeschlossen ist, doch schon jetzt erstrahlen Teile im alten monarchischen Glanz und wer besonders viel Glück und Ehre hat, kann der Kaiserin in ihrer ganzen Schönheit begegnen …

Blick in das Zimmer von Königin Elisabeth (Foto © Schloss Gödöllö)
Weitere Ausstellungen beschäftigen sich mit der Ära der Grassalkovichs, die die Erbauer des Schlosses sind und mit seiner weniger ruhmreichen Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Sehenswert sind hier neben den Raritäten der Münzsammlung vor allem der goldene Armreif im Rokoko-Stil, auf den Maria Theresia und die ungarischen Adeligen, die bei Ihrer Thronbesteigung schworen, ihre „Kaiserin“ mit ihrem „Leben und Blut“ zu verteidigen, zu sehen sind. Auch ein höfisches Damenkleid mit reicher Silber- und Goldverzierung aus dem 18. Jahrhundert gehört zu den sehenswerten Objekten.

Park, Schlossgarten und Schlosskirche

Der Park

Einst bestand der Park aus zwei ausgedehnten Gartenbereichen: dem Unteren und den, nach Westen gerichtete Obere Garten.

Oberer Garten

Der Obere Garten war als Barockpark angelegt und mit zahlreichen Skulpturengruppen der griechischen Mythologie geschmückt, hatte eine Länge von 440 Metern und endete an einer den Park begrenzenden Mauer. Leider ist von diesem Park heute kaum mehr etwas vorhanden: nur mehr eine Kastanienallee und der sogenannte Königspavillon – ein sechseckiges Teehaus von 1760, dessen Innenwände mit Porträts ungarischer Fürsten geschmückt ist – erinnert noch an die einstige Pracht.

Schloss Gödöllő
Antal III. war mit Leopoldina Esterházy verheiratet, die veranlasste, dass der Obere Garten ab 1817 in einen Englischen Garten umgestaltet wurde. Damals wurde die Mauer abgerissen, der Garten erweitert und verschlungene Wege und neue Baumgruppen angelegt. Nach dem Tod des Fürsten verwilderte jedoch der Park mehr und mehr.
1867 wurde der Park – anlässlich der Übergabe an Sisi und Joseph - wieder neu aufgeforstet und gepflegt: als Pendant zur nördlichen Orangerie wurde ein Palmenhaus südlich errichtet, es gab eine Kegelbahn und einen Schießstand zum Wurfscheiben schießen.

Schloss Gödöllő
Kleine Vorgärten vor der Hauptfassade wurden von Sisi und Franz Joseph persönlich genutzt, beide waren durch dichtbelaubte Bäume getrennt. Franz Joseph unternahm hier seine täglichen Spaziergänge, sein Teil des Gartens wirkte einfacher als Elisabeths Teil. In ihrem Garten gab es Blumenbeete, die mit ihren Lieblingsblumen – Stiefmütterchen und vor allem Veilchen – bepflanzt waren. Vor den Zimmern der Königin gab es eine kleine Holzveranda mit Ausgang zum Garten, von hier aus gelangte sie auch durch einen Holzkorridor bei schlechtem Wetter in den Reitstall.
Orangenpflanzen und Yuccas zierten in Kübeln den Prunkhof des Schlosses.

Königspavillon (Foto © Schloss Gödöllö)
Nach Sisis Tod wurde 1898 der sogenannte Elisabethpark angelegt, der mit 98 verschiedenen Arten immergrüner Sträucher und Bäumen bepflanzt wurde und in dem 1901 auch ein Denkmal der Kaiserin aufgestellt wurde. Die Zeit unter Horthy brachte nur kleine Veränderungen: einen Springbrunnen im Ehrenhof, ein Schwimmbecken samt Badepavillon und einen Tennisplatz.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Parkanlagen verwüstet, während der Nutzung des Schlosses als Altersheim wurde der Garten nicht gepflegt, auf den Wiesen entstanden Garagen und viele alte Bäume wurden zu Brennholz verarbeitet. Seit 1994 versucht man den Landschaftsgarten langsam zu rekonstruieren, seit 1997 steht der Obere Garten unter Naturschutz.

Die Struktur des Englischen Landschaftsgartens blieb erhalten und wird durch hundertjährige oder ältere Bäume geprägt, auch wertvolle Arten sind zu finden wie ein Gingkobaum, ein Mammutbaum, eine ungarische Esche, die Silberlinde, die Eibe, der Platanenahor, die Flaumeiche aber auch die Gemeine Rosskastanie, die eine zurzeit aus 75 Bäumen bestehende Allee bildet. Auf den Grasflecken im hinteren Teil des Parks wachsen geschützte Arten wie Thlaspi jankae, die Ungarische Skabiosen-Flockenblume und das Täuschelkraut.

Unterer Garten

Der Untere Garten diente ursprünglich nützlichen Zwecken: hier waren die Küchengärten angelegt, eine Fasanerie und ein Wildgehege. Er war auch für die Bevölkerung weitgehend zugänglich. Der Garten vor dem Mittelflügel des Schlosses wurde bereits wieder rekonstruiert und bepflanzt, vom Rest sind kaum noch sichtbare Spuren enthalten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Bereich auch zum Teil durch die Stadt in Besitz genommen und teilweise verbaut.

Die Schlosskirche

An ihrer Stelle stand früher eine Gemeindekirche, die Antal Grassalkovich I. abreißen ließ. In seinem Auftrag entstand eine, an das Schloss angeschlossene, reich verzierte katholische Kirche, die am 16.5.1749 zu Ehren des Heiligen Johannes von Nepomuk geweiht wurde. Auch das aus dem 17. Jahrhundert stammende Hauptaltarbild stellt den Heiligen dar. Der Baldachin darüber ruht auf vier schwarzen Marmorsäulen, das Grassalkovich-Wappen schmückt den Triumphbogen. Eine Besonderheit der Kirche sind die zwei Kanzeln im Rokoko-Stil.

Innenansicht der Schlosskirche

Der Pavillon auf dem Krönungshügel

Es ist das einzig erhaltene Barockgebäude des Parks und ist ungefähr 200 Meter vom Schloss entfernt. In den 1760ern wurde der sechseckige Pavillon von Antal I. auf einer künstlichen Anhöhe, dem sogenannten Krönungshügel gebaut.

Im Inneren des Königspavillons (Foto © Schloss Gödöllö)
54 in die Holzverkleidung eingelassene Ölgemälde zeigten ungarische Führer und Könige, doch ein Großteil der Bilder wurde leider vernichtet oder ist verloren gegangen, in den 1980 waren nur noch die nackten Wände erhalten. Bei der Renovierung 2002 wurde die Bilderserie mit Fototechnik rekonstruiert und der Pavillon kann heute im Rahmen einer Führung besichtigt werden.

Weitere Infos, Bildershow und Plan

Bildershow

 

www.kiralyikastely.hu/startseite
www.habsburger.net/de/kapitel/schloss-goedoelloe-landsitz-des-ungarischen-koenigspaares
www.strassederkaiserundkoenige.com/staedte-orte/goedoelloe.html

 

 

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