Es gibt wohl wenige Unternehmer, die eine Stadt so geprägt haben, wie Tomáš Baťa und seine Familie Zlín. Heuer wäre er am 3. April 145 Jahre alt geworden.

Wer Zlín besucht, kommt am Namen Baťa nicht vorbei. Auch heute noch ehrt die Stadt ihren großen Sohn – und seine Familie. Noch heute kann man viele Neuheiten und Entwicklungen besichtigen, die der umtriebige Schuhmacher eingeführt hat und damit fast eine kleine Revolution am Arbeitssektor verursacht hat. Zlín ist keine schöne Stadt – es ist und bleibt eine Industriestadt, aber mit ausgesprochen vielen interessanten Ecken, die man gesehen und der Baťa-Geschichte, die man gehört haben muss.

Das Hochhaus in Zlín (Foto © Kosek)
Das Hochhaus in Zlín (Foto © Kosek)


Tamáš Baťa kam am 3. April 1876 in Zlín in Ostmähren in einer Schuhmacherfamilie auf die Welt. Schon bald widmete auch er sich, wie die acht Generationen seiner Familie vor ihm, dem Schuhmacher-Handwerk. Wissbegierig und neugierig wie er war, versuchte er sich auch – zum Leidwesen seiner Familie – in neuen Techniken des Schuhmacherhandwerks, indem er in einem anderen fortschrittlicheren Unternehmen lernte. Doch dort erkannte man bald, dass hier ein Konkurrent heranreifen konnte und er wurde entlassen.

Blick auf Zlin (Foto © Czech Tourism, Upvision)
Blick auf Zlin (Foto © Czech Tourism, Upvision)


Nun war der Weg für sein eigenes Unternehmen frei. Mit dem Geld seiner Mutter und seinen Geschwistern Antonín und Anna gründete er am 24. August 1894 mit 800 Gulden seine eigene Firma. 1904 fährt er nach Amerika, um sich weiter zu bilden und neue Produktionsweisen kennen zu lernen. Doch schon vorher, 1897, bringen die Geschwister ihren ersten großen Erfolg auf den Markt: „Bakyovky“, ein preisgünstiger, leichter Segeltuchschuh mit einer Lederkappe für die arbeitende Bevölkerung. Das Modell wird ein Hit. Anstatt der schweren Lederschuhe kann man mit den Bakyovky wie auf Wolken gehen.

Blick auf die Arbeitersiedlungen in Zlín (Foto © Czech Tourism, Vladimir Kubik)
Blick auf die Arbeitersiedlungen in Zlín (Foto © Czech Tourism, Vladimir Kubik)


Der Erste Weltkrieg unterbricht zwar die „zivile“ Erfolgsgeschichte, aber nun stattet Baťa die österreich-ungarische Armee mit Soldatenstiefeln aus – und es werden derer viele gebraucht.

Doch der Name Baťa ist nicht nur mit wirtschaftlichem Erfolg verbunden – er ist auch einer der ersten Unternehmer, die sich um seine Arbeiter kümmert. Er fördert den Bau von Wohnsiedlungen in der Nähe seiner Fabriken für seine Arbeiter, er baut Krankenhäuser und Schulen und sogar ein Kino für ihre Freizeit wird gebaut. Es wird aber auch erzählt, dass viele Filme in diesem Kino in Fremdsprachen aufgeführt wurden. Seine Mitarbeiter sollten, auch um besser weltweit agieren zu können, damit auch andere Sprachen erlernen.

Auch marketingmäßig gilt Baťa als Vorreiter: so soll er die „9er“-Preise erfunden haben, also z.B. Produkte um 99 anstatt um 100 Kronen etc zu verkaufen. Auch Werbung war für ihn wichtig. Daher gründete er auch die Zlín Film Studios, in denen neben seinen eigenen Werbefilmen auch andere Filme produziert wurden.

Baťa Memorial (Foto © Zdenek Urbanovsky)
Baťa Memorial (Foto © Zdenek Urbanovsky)


Viele seiner Pläne konnte Tamáš allerdings nicht mehr verwirklichen, da er bei einem Flugzeugabsturz 1932 ums Leben kam. Er wurde gerade einmal 56 Jahre alt.

Sein Unternehmen aber lebte weiter und musste durch einige Höhen und Tiefen gehen: Nachdem ja der Erste Weltkrieg erfolgreich mit der Produktion von Militärschuhen bewältigt worden war, konzentrierte man sich in der Zwischenkriegszeit auf die Herstellung preiswerter Schuhe und Taschen. Tamáš Halbbruder Antonín Baťa übernahm die Geschäftsleitung und baute das Unternehmen weiter aus.

Während der nationalsozialistischen Besatzung musste die Familie fliehen und auch die kommunistische Ära brachte ihre Firma nicht mehr in ihren Besitz zurück. Das Unternehmen wurde verstaatlicht.

Im Schuhmuseum (Foto © Zdenek Urbanovsky)
Im Schuhmuseum (Foto © Zdenek Urbanovsky)


Dennoch das Schuhimperium überlebte. Sein Sohn Thomas J. Baťa gründete im Exil in Kanada das Unternehmen mehr oder weniger neu. Unter dem Namen Bata Shoe Organisation konnten in einem Jahr mehr als 300 Millionen Paar Schuhe verkauft werden. Tamáš Halbbruder Jan Antonín Baťa ging 1941 nach Brasilien und versuchte dort ebenfalls wieder ein Unternehmen aufzubauen. Beide Familienzweige waren nicht immer gut aufeinander zu sprechen, wie Markéta Pilátová in ihrem Buch Mit Baťa im Dschungel beschreibt.

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs besuchte auch Baťa wieder seine Heimatstadt und wurde begeistert empfangen.

Doch nicht nur die Geschichte der Familie ist interessant – in Zlín gibt es noch einiges der Baťa Vergangenheit zu sehen.

Baťa Sehenswürdigkeiten in und um Zlín

Gebäude 14 und 15 im Baťa Areal

Hier ist das Schuhmuseum untergebracht, in dem mehr als 1000 verschiedene Schuhe ausgestellt sind, mittels derer die Geschichte der Firma Baťa (zwischen 1885 und 1945) erzählt wird. Glaubt mir, hier sind wirklich einige aufregende Stücke dabei. (Mehr in unserem Artikel über Zlín hier)

Holzschuhe im Schuhmuseum (Foto © Zdenek Urbanovsky)
Holzschuhe im Schuhmuseum (Foto © Zdenek Urbanovsky)

Zlín 21 - Zlíner Wolkenkratzer

Das Gebäude mit seinen 21 Stockwerken galt bei seiner Errichtung als das zweithöchste Gebäude Europas und symbolisierte das Baťa Reich. Jan Antonín Baťa errichtet es als Hauptsitz des Unternehmens. Sehenswert ist auf jeden Fall der Aufzug, den er sich als Büro einrichten ließ, damit er keine Zeit bei seinen Besuchen zwischen den Stockwerken verschwenden musste. Sehenswert ist auch die „Katze“, die zum Fenster putzen rund um das Haus führt. Von der Aussichtsterrasse des Wolkenkratzers kann man auch gut die rationale Stadtplanung erkennen.

Die
Die "Katze" am Hochhaus in Zlín

Baťa Kanal

Durch diesen Kanal sollten die Materialien näher und schneller zu den Fabriken gebracht werden. Heute ist es ein Paradies für Radfahrer und ideal für einen Hausbooturlaub oder einen Ausflug am Schiff. Mehr darüber erfahrt ihr hier.

Am Baťa-Kanal
Am Baťa-Kanal

Tomáš Baťá Universität

Die Universität hat sich zu einem großartigen Forschungszentrum gemausert, in dem Innovationen bei Materialien und Modellen entwickelt werden. Das Baťa Informationszentrum befindet sich in seiner Bibliothek und hält zahlreiche interessante Informationen bereit.

Batuv Institut (Foto © Fotom ark 88)
Batuv Institut (Foto © Fotom ark 88)

Internationales Kinder- und Jugend-Filmfestival

Das erste von Tomáš Baťa gegründete Filmstudio ist auch heute noch Schauplatz eines renommierten jährlichen Kinder- und Jugend-Filmfestivals, an dem alljährlich rund 100.000 Kinder und Erwachsene teilnehmen und bei dem rund 300 Filme aus 50 Länder präsentiert werden. Der Preis für den Gewinnerschuh ist – wenig überraschend – ein goldener Ballsaalschuh.

Das Aufzug-Büro im Hochhaus
Das Aufzug-Büro im Hochhaus


Mehr über Zlín und den Baťa Kanal findet ihr auf askEnrico und auf den folgenden Webseiten:

www.visitczechrepublic.com/de-DE/News/2018/04/n-bata-zlin
http://visit.vychodni-morava.cz/de.html
www.vychodni-morava.cz/de/lokalita/1
www.ic-zlin.de/25201-bata-zlin
www.ic-zlin.de/25199-stadtbesichtigung

Allgemeine Informationen rund um das Reiseland Tschechien gibt es bei CzechTourism unter www.visitczechrepublic.com. Hier erfahren Sie mehr über die aktuellen COVID-Maßnahmen in Tschechien: www.visitczechrepublic.com/de-DE/Covid-19