Wer heutzutage im Grenzgebiet zwischen Österreich und Tschechien seinen Urlaub verbringt oder wohnt, profitiert – EU und den nachbarschaftlichen Beziehungen sei Dank - von einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Schließlich gilt im Falle eines Notfalls nur eines: möglichst schnell möglichst kompetente Hilfe zu erhalten.

In Zeiten des Eisernen Vorhangs jedoch war eine starre Grenze hier das Problem: auch wenn ein Rettungswagen des Nachbarlandes in der Nähe war oder auch das nächste Krankenhaus nur wenige Kilometer entfernt lag, die Grenze war geschlossen, Hilfe aus dem Nachbarland weder auf der österreichischen noch auf der tschechischen Seite für den Nachbarn möglich. Ganz zu schweigen von Kostenverrechnung und anderen bürokratischen Hindernissen. Diese Zeiten sind aber nun Geschichte.

Ausstellung in der Tschechischen Botschaft
Die Rettungszentralen in Österreich und Tschechien arbeiten nun zusammen, sodass nicht nur jener Rettungswagen losfährt, der am nächsten zum Unfallgeschehen ist, sondern auch jenes Krankenhaus angefahren wird, das am nächsten zum Unfallort gelegen und am besten für die Behandlung ausgestattet ist.

Bei der Veranstaltung in der Tschechischen Botschaft in Wien: Dr. R. Policar, Ch. Chwojka, Dr. I, Cervenkova, Dr. M. Eichinger, U. Königsberger-Ludwig
Seit 2016 gibt es nun ein Rahmenabkommen der Tschechischen Republik und der Republik Österreich über die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Rettungsdienste, das den rechtlichen Rahmen für grenzüberschreitende Operationen der Rettungseinheiten eines Staates auf dem Gebiet des anderen und die Stärkung der Zusammenarbeit der angrenzenden Landkreise bzw. der Bundesländer vorantreibt.

Ausstellung in der Tschechischen Botschaft
Oftmals aber wissen die österreichischen Bürger gar nichts von der ausgezeichneten Qualität des tschechischen Gesundheitswesens und seiner Rettungsdienste. Sowohl die ärztliche Versorgung wie auch die Ausbildung des Rettungspersonals in Tschechien sind dem österreichischen Standard auf jeden Fall ebenbürdig, wie wir uns bei einer Veranstaltung in der Tschechischen Botschaft überzeugen konnten. So ist in Österreich das Rettungssystem in jedem Bundesland anders geregelt und die Ausbildung ist in Tschechien viel intensiver: während die österreichischen Retter einen 60-stündigen Kurs absolvieren, durchlaufen die tschechischen ein fünfjähriges Studium der Notfallmedizin.

Gute Ausbildung zeichnet sie aus - die tschechischen Rettungsmänner
Auch die Ausstattung der Rettungswagen ist hervorragend wie die Bilder beweisen und auch österreichische wie tschechische Redner betonten.

Auch die Ausstattung der tschechischen Rettungsautos kann sich sehen lassen

So stammt auch eine App, über die man bei einem Notfall rasch und sicher Hilfe anfordern kann, von einer Tschechischen Software-Firma. Die App für den Notruf 144 stellt im Bedarfsfall auf die Notfallnummer in Tschechien 155 um, und sorgt dafür (wenn man sich mit seiner Telefonnummer auch angemeldet hat und die Zugriffe freigegeben hat) dass der Unfallort übermittelt wird – egal ob in Österreich oder in Tschechien. Eine gelungene Kooperation über die Grenzen hinweg, die Leben retten kann, darüber hinaus kann man auch noch Gesundheitsdaten (wie Allergien, Vorkrankheiten) hinterlegen, die den Helfern das „Helfen“ erleichtern können, sowie Defi-Standort in seiner unmittelbaren Umgebung abrufen, mehr über die ärztliche Gesundheitsberatung 1450 erfahren und einiges mehr. In einem einzigen Monat des Betriebs verzeichnete die Rettungsapp bereits 15.000 Benutzer. Die Verbindung des Notrufsystems mithilfe der Applikation in beiden Staaten stellt somit ein weiteres tolles Ergebnis der tschechisch-österreichischen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit dar.
Eine App, die man auf seinem Handy haben sollte. Downloadbar für Android, Apple und Windows-Handys. Weitere Infos dazu findet man unter https://rettungsapp.com/. Ich hab sie schon auf meinem Telefon.

Ausstattung eines tschechischen Rettungsautos
Regelmäßige gemeinsame Übungen und Besuche runden zusätzlich das Programm ab, um sich besser kennen zu lernen, Sprachbarrieren zu überwinden und gemeinsam zum Wohle der Patienten vorzugehen.

Quarantänezelte
Außerdem gibt es bereits auch eine rege Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Krankenhäusern, die nicht nur den tschechischen Krankenhäusern Vorteile bringen, sondern auch den österreichischen Häusern. So können Tschechische Ärzte auf hervorragende Resultate im Bereich der Onkologie, Orthopädie, Augenheilkunde sowie der endoskopischen Kardiochirurgie verzeichnen, auf dem Gebiet der Neonatologie und Perinatologie zählt die Tschechische Republik sogar zur Weltspitze.

Dr. Radek Policar, Vizeminister Gesundheitsministerium Tschechische Republik bei der Veranstaltung
Diese Zusammenarbeit ist nicht nur ein Vorteil für uns Touristen und Urlauber, sondern auch für die Bewohner vor Ort. Grenze war gestern - heute zählt die Region.
Freuen wir uns über die Vorteile der grenzenlosen EU und der verbesserten Gesundheitsvorsorge und dass nicht nur in Tschechien wieder mehr Deutsch gelernt und gesprochen wird, sondern auch in Österreich Tschechisch. Dennoch auch heute ist die Verständigung kein Problem.

Er brachte die Zusammenarbeit auf den Weg: Dr. Clemens Auer, Sektionsleiter im BM f. Gesundheit
Healthacrossborder, der Name eines gemeinsamen Projekts ist eben nicht nur ein Schlagwort, sondern gelebte Zusammenarbeit. Seit dem Beginn des Pilotprojekts im Feber 2013 versorgte zum Beispiel das Landesklinikum Gmünd rund 5000 ambulante und 850 stationäre Patienten aus der Tschechischen Republik, während das Krankenhaus Znaim die größte medizinische Einrichtung der Region allen grenznahen Patienten zur Verfügung steht, auf zahlreiche internationale Auszeichnungen verweisen kann und österreichischen Patienten unter anderem im Bereich der Onkologie beste ärztliche Behandlung bietet.

Auch bei der Ausstattung der Krankenhäuser Top - Tschechien
Der Anfang ist gemacht, weitere Projekte sind auf Schiene und einige warten auch noch auf Verwirklichung in der Pipeline.

Tschechische Ausstatter präsentierten ebenfalls ihre Produkte