Endlich traut man sich wieder ins Kino. Und dann wird man gleich auch noch mit der eigenen Jugendzeit konfrontiert …

Skifahren! Das war früher auch für viele Wiener ein toller Freizeitsport – und wenn dann unserer Helden über die Pisten flitzten fieberte die ganze Nation mit. Kitzbühel, Gröden, St.Anton – wenn hier ein Rennen stattfand, waren die Straßen leer und man saß vor dem Fernseher.

Klammer und sein Rivale Russi bei der Pressekonferenz vor dem Rennen (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)
Klammer und sein Rivale Russi bei der Pressekonferenz vor dem Rennen (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)


So war es auch im Februar 1976 – Heim-Olympiade in Innsbruck. Die österreichische Nation erwartete eine Goldmedaillie – von ihrem Superhelden Franz Klammer.

Selbst die Anzüge waren schon in Gold gehalten (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)
Selbst die Anzüge waren schon in Gold gehalten (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)


Der Film Andreas Schmied beleuchtet in seinem Film den unheimlichen Druck, der auf dem jungen Kärntner lastete. Nicht nur, dass ganz Österreich seinen Sieg erwartete, wird auch vom Trainer und von seinem Ausstatter – Fischer Ski – ein Sieg erwartet. Pepi Fischer, eine Skiproduzentenlegende wie Toni Arnsteiner von Blizzard oder Franz Kneissl waren damals die fast uneingeschränkt Mächtigen im österreichischen Skisport. Ihr Wort hatte nicht nur Gewicht, ihr Wort war ein Befehl, den man sich nicht zu widersetzen hatte.

Pepi Fischer mit dem Lochski, den Klammer bei Olympia verwenden sollte (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)
Pepi Fischer mit dem Lochski, den Klammer bei Olympia verwenden sollte (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)


Und Franz Klammer sollt die Olympia-Abfahrt mit dem neuentwickelten Lochski seines Skisponsors bestreiten. Einen Ski, den er vorher noch nie testen konnte. Einen Ski, dem er nicht vertraute. Der Druck, der auf Klammer lastete muss schrecklich gewesen sein. Und da ich in meiner früheren Tätigkeit bei einem Weltcupsponsor ein bisschen in den Skiweltcup hineinschnuppern durfte und auch noch den einen oder anderen „Produzentengott“ live erlebt habe, glaube ich dass die Darstellung im Film ziemlich nah an die Wahrheit herankommt.

Alle warten auf seinen Sieg (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)
Alle warten auf seinen Sieg (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)


Damals waren unsere Skihelden auch noch „richtige Typen“ mit Ecken und Kanten und ausgeprägten Charakter. Heute erinnern mich viele eher an durchgestylte Marketing-Strategen. Oder könnt ihr euch vielleicht einen Werner Grissmann im heutigen Skizirkus vorstellen. Und dennoch: Mir fehlen solche Typen sehr.

Eva entscheidet sich doch noch zum Rennen zu kommen (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)
Eva entscheidet sich doch noch zum Rennen zu kommen (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)


Und da ist dann noch die Liebesgeschichte zwischen Franz Klammer und seiner Eva. Einer Wienerin! Fast unvorstellbar für Medien und Kollegen, dass dies gut gehen kann. Doch es ist eine Liebe, die ein Leben lang bleibt. Im Film fast schon zu kitschig geschildert, aber vielleicht war es ja wirklich so. Als Zuschauer möchte man es glauben und hält ihnen weiter die Daumen.

Eva fiebert beim Rennen mit (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)
Eva fiebert beim Rennen mit (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)


Ich habe jedenfalls beim Abfahrtslauf mitgefiebert wie damals. Habe mich über das Wiedersehen mit meinen Erinnerungen gefreut und eine kleine Träne zerdrückt, dass er gewonnen hat. Damals – und auch heute. Franz Klammer ist immer der sympathische Bursch geblieben und mit 25 Abfahrtssiegen und dem fünfmaligen Gewinn des Abfahrtsweltcups ist er auch heute noch der erfolgreichste Sportler in dieser Diziplin.

Wird die Zeit reichen? (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)
Wird die Zeit reichen? (Foto © epo/Samsara/Christoph Thanhoffer)


Tipp an meine Generation: Schauts euch das an – manchmal kann man ohne weiteres auch zurück schauen.
Tipp an die Jüngeren: Ja, so ging es damals wirklich zu – nicht alles war so grabesernst und nicht immer stand nur die „Kohle“ bei allen im Mittelpunkt. Aber die ersten Anzeichen gab es schon …

Hier noch der Trailer zum Film:


Franz Klammer: Chasing the Line. Ab 28.10.2021 in den österreichischen Kinos.