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Michaela Lindinger: Sonderlinge, Außenseiter, Femmes fatalesMichaela Lindinger gibt mit diesem Buch einen Einblick in das „andere“ Wien um 1900.

Es erstaunt beim Lesen des Buches, wie viele bekannte Namen man vorfindet und wie viele unbekannte Namen die erstgenannten beeinflusst haben. Wien um 1900 scheint auf der einen Seite recht freizügig gewesen zu sein, auf der anderen Seite überforderte die moderne Zeit und ihre Entwicklungen viele Bewohner. Die „Nervosität“ war eine durchaus verbreitete Krankheit, die man bei näherer Betrachtung ohne weiteres mit dem heute auftretenden Burn-Out vergleichen könnte.

Einweisungen in die „Irrenanstalt“ schienen nichts Außergewöhnliches zu sein, ebenso wenig wie die Einnahme diverser Drogen und Rauschmittel.

Im Buch tummeln sich bekannte historische Größen wie Mary Vetsera, aber auch die Fiakermilli oder Peter Altenberg finden ebenso Erwähnung wie Adolf Josef Lanz oder Karl Anton Guido List.
Es ist interessant herauszufinden, dass es bereits damals die ersten Überlegungen zur Vegetarier-Bewegung gab, Vorläufer der Kommunen der 1960er und die Rassentheorien der Nationalsozialisten – vor allem jene der Überlegenheit des germanischen Volkes – in dieser Zeit von vielen mitgetragen und weiter ausgebaut wurden. Auch von Personen, von denen man dieses nicht vermutet hätte…
Einige Beschreibungen erinnern erschreckend an manche Entwicklungen der Gegenwart. Das Arbeitsleben veränderte sich, viele Menschen wussten mit den Neuerungen und Erfindungen aber nichts anzufangen: Neuentwicklungen wurde als Bedrohung empfunden, Strukturen brachen auf und fehlten plötzlich, vielen ging Halt und Orientierung verloren.

Michaela Lindinger schildert anhand ausgewählter Persönlichkeiten die damaligen Verhältnisse und Zustände, zeigt politische Entwicklungen und gesellschaftliches Umfeld der handelnden Personen auf. Es ist ein Buch, das zwar unterhaltsam zu lesen ist, aber doch immer wieder zum Nachdenken anregt. Man kann nur hoffen, dass wir genug aus der Vergangenheit gelernt haben, um nicht wieder dieselben Fehler zu begehen. Einige Passagen klingen – wie bereits angeführt - leider sehr vertraut zur Gegenwart – ein Grund mehr dieses Buch zu lesen.

Michaela Lindinger: Außenseiter, Sonderlinge, Femmes fatales
Amalthea
ISBN 978-3-85002-916-2
www.amalthea.at

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