Es ist für alle Chormitglieder zu hoffen, dass Sabine M. Grubers Roman kein realistisches Sittenbild einer Chorgemeinschaft darstellt, aber wer weiß?

Warum sollen ausgerechnet Chöre vom Spiel um Macht und Einfluss, Erniedrigung und Liebe ausgenommen sein…

Gruber erzählt die Geschichte eines Chores und seinen egomanischen Leiter. Die Hauptfigur Cindy singt für ihr Leben gerne und ist begeistert, als sie in den berühmten Chor aufgenommen wird. Endlich kann sie auch ihrer Mutter beweisen, wozu sie fähig ist. Allerdings gilt es den erotischen Avancen des Chorchefs zu entkommen, ohne ihn zu sehr zu verärgern.

Gruber zeigt auf spannende Weise, welche Strukturen im Chor Entscheidungen beeinflussen. Wer und warum auf die Auslandsengagements mitfährt, wer auch einmal zu einer Probe zu spät kommen kann, wer im Kreuzfeuer der Kritik des „Chefs“ steht und dass all dies sehr wenig mit objektiven Leistungen, sondern vielmehr mit den Launen des Leiters zu tun hat. Ohne Grund kann dieser schon mal von gut gelaunt auf total verärgert blitzschnell wechseln und seinen Chor total verunsichern.

Und dann entspinnt sich noch – wie durch Zufall – eine Liebesgeschichte abseits des Chors. Cindy lernt Emil kennen. Und neben der Magie der Musik entwickelt sich die Magie der Liebe.
Sabine M. Gruber ist eine hervorragende Menschen-Beobachterin. Nichts Menschliches ist ihr fremd und sie versteht es, den Leser auf ihrer Reise durch Gefühle, Spannungen, Abgründe und Ephorien mitzunehmen. So entsteht ein genaues Bild der handelnden Personen vor den Augen des Lesers und er leidet mit Cindy genauso mit wie er sich mit ihr freuen kann.

Ein Roman für alle Freunde der Musik, der Musikszene, des Chorbetriebs, aber auch für alle, die gerne eine Liebesgeschichte lesen oder in die Tiefe der menschlichen Seele blicken möchten.

Sabine M. Gruber: Chorprobe
ISBN 978-3-7117-2013-9
www.picus.at