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Elsie Altmann-Loos: Mein Leben mit Adolf LoosDie Leistungen Adolf Loos in der Architektur und als Künstler sind wohl allgemein anerkannt.

Die American Bar im Kärntner Durchgang 10 im 1.Bezirk, von allen Wienern Loosbar genannt, beeindruckt auch heute noch Wiener und Gäste mit ihrem Ambiente. Doch wie war der Künstler als Mensch?

Wer Adolf Loos nun von seiner menschlichen, privaten Seite kennenlernen möchte und nicht nur am Künstler interessiert ist, dem sei das Buch von Elsie Altmann-Loos wärmstens ans Herz gelegt. Altmann-Loos schildert den Künstler durch die Augen eines – anfänglich – sehr verliebten jungen Mädchens, das für einen berühmten Künstler schwärmt, sich ihm total unterordnet.
Fast wie ein Tagebuch gliedert sich das Buch in bestimmte Abschnitte des gemeinsamen Lebens. Altmann-Loos beschreibt nicht nur verschiedene Anlässe, sondern zeichnet auch ein Bild der Freunde und der Epoche, sowie der Orte, die der „reisefreudige“ Adolf Loos mit ihr oder auch alleine besucht hat.
Auch auf die Schattenseite in seinem Leben wird eingegangen: so findet man erstmals die komplette Abschrift des Gerichtsurteils des Sittlichkeitsprozesses in dem Buch.
Mit zunehmender Seitenanzahl wird die Autorin mehr und mehr erwachsen und löst sich daher aus der „Umklammerung“ des Künstlers, sie will mehr und mehr selbst ihr Leben bestimmen und entfernt sich damit mehr und mehr von ihrem Mann.

Es war Loos, der sie als Tänzerin sieht, er überzeugt sie von ihrem Talent, er erklärt ihr anfänglich wie sie zu tanzen, welche Kostüme sie zu tragen hat, er verhandelt ihre Verträge und er lebt von ihren Tanzeinkünften, bis sie – erschöpft von vielen Auftritten – beschließt sich dem Schauspiel und dem Gesang zu widmen und auch hier Erfolge zu verzeichnen hat. Als sie selbständig für eine Tournee unterschreibt, besteht die Ehe mit Loos bereits länger nur mehr auf dem Papier.
Loos war ein bedeutender Förderer vieler junger Künstler. Wer ihn überzeugen konnte, für den setzte er sich bedingungslos ein. Oskar Kokoschka ist nur einer von vielen gewesen. Mit Peter Altenberg war er befreundet, wenn er sich auch vortrefflich mit ihm streiten konnte, die Künstler der Sezession und der Wiener Werkstätten verachtete er. Dies kam nicht nur in seiner Schrift „Ornament und Verbrechen“, sondern auch bei vielen Vorträgen und Vorlesungen zum Ausdruck. Arnold Schönberg, Alban Berg und Anton Webern sind Freunde der Familie, die sie oft besuchen.

Der Schreibstil von Elsie Altmann-Loos erinnert anfänglich an die Tagebuch-Eintragungen eines hoffnungslos verliebten Teenagers, der seiner großen Liebe alles verzeiht und diese einfach grenzenlos anhimmelt. Und wahrscheinlich ist es genauso gewesen, dennoch wird gerade dadurch das Buch und die Geschichte sehr lesenswert und interessant.

Elsie Altmann-Loos: Mein Leben mit Adolf Loos, Hg. von Adolf Opel
Amalthea
ISBN 978-3-85002-846-2

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