Alma Hannig: Franz Ferdinand. Eine BiographieHeuer jährt es sich zum 100. Male: Das Attentat auf den Thronfolger der Donaumonarchie Erzherzog Ferdinand, der am 28.Juni 1814 in Sarajevo von Gavrilo Princip erschossen wurde.

Beim Lesen des Buches wurde mir bewusst, wie erschreckend wenig ich eigentlich über die Person des Franz Ferdinand wusste. Es schien als ob diese Epoche nur aus dem guten alten Kaiser (Franz Joseph) und seiner Sisi bestanden hätte.

„Herr Redakteur, lernen’s erst einmal Geschichte“, dieser Kreisky-Ausspruch ist mir immer wieder Ansporn mich mit der Geschichte auseinander zu setzen, da ich glaube, dass man Gegenwart, Vorurteile und einiges mehr nur dann verstehen und damit umgehen kann, wenn man die Vergangenheit kennt. Geschichtsbücher, aber auch Biographien sind für mich daher immer interessante Leselektüre. So war es auch diesmal mit der neuen Biographie über Franz Ferdinand, die mir zeigte, dass ich so gut wie gar nichts über die Person, sein Bild in der Gesellschaft und sein Wirken wusste.

Die Biographie ist kein leicht zu lesendes Geschichtsbuch und will es auch nicht sein. Die Autorin ist bemüht, den Menschen Franz Ferdinand zu zeichnen, den privaten, wie auch den Thronfolger und – durch das Heranziehen neuer Quellen – auch mit einigen Vorurteilen ihm gegenüber aufzuräumen.

Er wird daher nicht nur als der unbeliebte, verachtete Thronfolger gezeichnet, sondern man kann auch Einblick in seine private Atmosphäre nehmen, in der er – so scheint es zumindest aus einigen historischen Quellen heraus lesbar zu sein – durchaus freundlich, humorvoll, ja liebend mit den seinen umgehen konnte.

Wussten Sie vielleicht,

  • dass, da die Ehe mit seiner Sophie nicht standesgemäß war, seine Kinder von der Thronfolge ausgeschlossen wurden und auch keinen Anspruch auf Apanage aus dem Kaiserhaus gehabt hätten?
  • dass seine Frau bei Staatsempfängen nicht eingeladen war?
  • dass er erst als 25jähriger als Thronfolger – nach dem Tod Rudolfs – herangezogen wurde und darauf auch nicht vorbereitet war?
  • dass wegen einer Erkrankung schon sein Bruder als nächster Nachfolger in der Thronfolge gesehen wurde?
  • dass er im Belvedere bereits eine Art Schattenkabinett zum Kaiser aufgebaut hatte?
  • dass er anscheinend nicht der große Kriegstreiber war, für den ihn viele gehalten haben?

Alma Hannig versucht alle diese Fragen und vieles mehr, wissenschaftlich fundiert, in diesem Buch zu beantworten und so ein neues Bild des Thronfolgers zu zeichnen, der nach wie vor als der große Unbekannte in der damaligen Politik und in der Thronfolge war und auch heute noch zum Teil ist. Außerdem wird die Entwicklung beschrieben, wie es möglich war, dass dieses Attentat direkt in den Ausbruch des Ersten Weltkrieges mündete. Natürlich wird auch die Frage gestellt „Was wäre gewesen, wenn…“ – doch diese muss wie immer – so man sich auf wissenschaftlicher Ebene bewegt – in der Geschichtsforschung unbeantwortet bleiben.

Ein Buch, das allen, die an Geschichte, an den Habsburgern und an der Zeit um die Jahrhundertwende interessiert sind, gefallen wird. Ein Buch, das man lesen sollte, um die Vergangenheit und die Entwicklungen, die sich daraus ergeben und die bis heute zum Teil noch für einige Vorurteile oder Einschätzungen verantwortlich sind, richtig deuten zu können. Ein Buch, das sich mit unserer Geschichte beschäftigt und mit der man sich auseinandersetzen sollte.

Alma Hannig: Franz Ferdinand. Die Biografie
Amalthea
ISBN 978-3-85002-845-5