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Gerhard Jelinek: Schöne Tage 1914Vom Neujahrstag bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges

2014 ist wieder ein Jubiläumsjahr, jährt sich doch zum 100.Mal das Datum des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges.

Wie die Menschen in Europa und hier die letzten Tage vor dem Ausbruch des Krieges erlebt und empfunden haben, beschreibt tagebuchartig Gerhard Jelinek in seinem vorliegendem Buch.

Jelinek beginnt sein „Tagebuch“ am 1. Jänner 1914 und reiht Meldung an Meldung, Bericht an Bericht, Ereignis an Ereignis bis zum Attentat auf den Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajewo am 28. Juni 1914. Auch die darauf folgenden Tage der Eskalation und der Kriegsvorbereitungen und des Kriegsausbruchs werden geschildert – das Buch endet mit der Eintragung vom 3.August.

Beeindruckend gelingt es dem Autor, obwohl er jeweils nur kurze Momente, einzelne Begebenheiten schildert, die Atmosphäre dieser Tage einzufangen. Niemand glaubt an den Krieg. Alle beklagen den Stillstand. Arbeitslosigkeit nimmt mehr und mehr zu, Österreicher und Tschechen blockieren sich gegenseitig in den demokratischen Institutionen, der Kaiser ist über 80 und mehr auf die Bewahrung des Status Quo denn auf Aufbruch und Veränderung ausgerichtet, Banken sind in der Krise.

Dennoch gibt es so etwas wie eine Aufbruchstimmung – die Leute fühlen sich sicher, glauben an die Technik und das alles gut und besser wird. Wenn der Thronfolger auch in der Bevölkerung nicht sehr beliebt ist, wird ihm dennoch zu getraut, dass er eine kriegerische Auseinandersetzung verhindern könnte und auch Ordnung im Reich schaffen könnte.
Und dann geht alles Schlag auf Schlag.

Man könnte beim Lesen des Buches fast ein bisschen Angst bekommen, wenn man die Stimmung und die Atmosphäre mit heute vergleicht. Einiges scheint sich nun – 100 Jahre später – zu wiederholen. Den Banken geht es schlecht, trotz guter Wirtschaftslage steigen die Arbeitslosenzahlen und die Schere zwischen Arm und Reich wird nun wieder größer – so wie es damals war.
Dem Buch sind daher viele Leser zu wünschen. Es ist wichtig die Geschichte zu kennen, die ersten Vorzeichen zu sehen, rechtzeitig gegenzusteuern. Und auch um zu erkennen, dass damals wie heute, eine relativ kleine Anzahl von Menschen genügen, um einen ganzen Kontinent, eine ganze Welt in einen Krieg zu drängen.
Lesenswert!

Gerhard Jelinek: Schöne Tage. 1914, Vom Neujahrstag bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges
Amalthea
ISBN 978-3-85002-840-0

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