Oberst Redl. Der Spionagefall. Der Skandal. Die FaktenDer Spionagefall Redl erschütterte die letzten Jahre der Monarchie wie kein Fall zuvor. Was hatte er alles an Russland, Italien und Frankreich verraten?

Für die Monarchie, die bereits damals am Rande eines Krieges stand, eine lebenswichtige Frage.

Über Oberst Redl bilden sich seit langem Geschichten und Legenden. Unvorstellbar, dass ein österreichischer Angehöriger der Armee so wesentliche Informationen wie Aufmarsch- und Versorgungspläne an den Feind in derartig schwierigen Zeiten verraten konnte, nur um sein Luxus- und Liebesleben finanzieren zu können.

Andere sahen in ihm wieder eher das Opfer einer Erpressung, die den Verrat nur dadurch möglich machte, da er seine homosexuelle Neigung nicht in der Öffentlichkeit ausleben konnte und so überhaupt erst erpressbar wurde.
Filme wurde gedreht, Bücher geschrieben – die Interpretation des Spionagefalles reicht von „Redl war Schuld an der Niederlage der Österreich-Ungarischen Monarchie im Ersten Weltkrieg und er war Spion, um seine Leidenschaften zu finanzieren“ bis zu dem Statement „Redls Informationen waren zwar wichtig, aber nicht kriegsentscheidend und eigentlich war er ein Opfer der damaligen Zeit und kam als Sündenbock nach der Niederlage gerade recht“.

Verena Moritz und Hannes Leidinger versuchen in dem Buch rein die Fakten aufzuarbeiten, die es nachweislich zu dem Fall gibt. Das Buch liest sich teilweise wie ein Roman, da auch aus den Unterlagen, die den Autoren vorlagen, ein Stimmungsbild der damaligen Zeit gezeichnet werden kann, dann wieder stehen nur die nackten Tatsachen der Polizeiberichte, Zeitungsberichte etc zur Verfügung, die aneinander gereiht, das Leben Redls und der damaligen Gesellschaft schildern.

Oberst Redl ist jedoch kein Roman, es ist der Versuch – auch mit neuem Archivmaterial – die Wahrheit über den Spionagefall und auch über den Menschen Redl herauszufinden. Trotzdem ist es größtenteils spannend wie ein Kriminalroman zu lesen.

Wer also Interesse an der „wahren“ Geschichte hat, sollte einen – oder besser mehrere – Blicke in diesen Spionagefall riskieren. Das gleichzeitig auch noch ein Sittenbild der damaligen Gesellschaft gezeichnet wird und auch die Rolle des berühmten Journalisten Egon Erwin Kisch beleuchtet wird, ist noch ein zusätzlicher Bonuspunkt.

Oberst Redl. Der Spionagefall, der Skandal, die Fakten.
Residenz Verlag
ISBN 978-3-7017-3169-5