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Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold Ich muss zu Beginn gestehen, dass mein Wissen über die Babenberger bis dato hauptsächlich auf die männlichen Vertreter dieses Geschlechts beschränkte war und da auch nur auf wenige Highlights aus dem Geschichtsunterricht.

Über die höfische Etikette, die Art, wie man damals lebte und welchen – teilweise sogar großen – Einfluss die Frauen der Babenberger auch politisch nahmen, war mir bis dahin nichts bekannt. Drei Highlights sind von damals „hängen geblieben“: das Privilegium minus – mit dem die Markgrafschaft „Österreich“ zum Herzogtum erhoben wurde, die Legende vom verlorenen Hochzeitsschleier der Agnes und der damit verbundenen Gründung des Stifts Klosterneuburg und die Gefangennahme von Richard Löwenherz.

Bei Susanna Neukam erfährt man aber nicht nur, dass die Babenberger einige Zeit auch über Bayern herrschten (daran sollten wir hin und wieder vielleicht unsere Freunde erinnern), und dass mit dem Privilegium minus die Babenberger nicht nur die Herzogwürde erhielten, sondern auch weibliche Nachfahren die Herrschaft übernehmen konnten. Trotz dieser recht fortschriftlichen Nachfolgeregelung bestand die Hauptaufgabe der Gattin  im Hervorbringen der Nachkommenschaft und des – meistens sehnlich erwarteten – Erbens. Interessant ist es dennoch, von den sehr emanzipierten Frauen im Geschlecht der Babenberger zu lesen, die auch imstande waren, ihre Burgen selbst und allein zu verteidigen oder die gesamte Herrschaft zu übernehmen, wenn der Gatte auf Kreuzzug war.

Auch über die „Heiratsverbindungen“ zu Byzanz und damit den Einfluss des fernen Landes am Wiener Hof sind interessant geschildert.
Das Buch gliedert sich in verschiedene Kapitel, die über das damalige Leben der Frauen berichten und immer wieder Beispiele über das Verhalten und das Wirken der einzelnen Babenbergerinnen bringen. So entsteht ein lebendiges Bild vor dem Auge des Lesers: sowohl über die damalige Mode, die Erziehung, die Heiratspolitik, die Ehe, aber auch den Umgang mit Witwenschaft und Tod.

Den Abschluss bilden 17 kurze Einzelbiographien der Babenbergerinnen, die ihr jeweiliges Leben und Wirken beschreiben.

Wer sich für Geschichte, die Zeit der Babenberger und den „Ursprung“ von Österreich interessiert, wird durch das Buch viele neue Eindrücke über die damalige Zeit sammeln können. Da sich die Kapitel – mit Ausnahme der Biographien – mit Lebensabschnitten der Frauen beschäftigen und dadurch natürlich keine zeitliche Abfolge der einzelnen Babenbergerinnen gegeben ist, war für mich manchmal ein bisschen Verwirrung angesagt, um die richtige Gattin dem richtigen Babenberger und der richtigen Zeit zuordnen zu können. Dies tut aber dem Vergnügen mehr über die damalige Zeit zu erfahren, keinen Abbruch.

Susanna Neukam: Schweigen ist Silber, Herrschen ist Gold. Die Babenbergerinnen und ihre Zeit
Amalthea
ISBN 978-3-85002-822-6

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