Christoph Wagner-Trenckwitz: Schwan drüber!Neue Antiquitäten aus Oper und dem wirklichen Leben. Wien ist voll von Anekdoten aus Burg und Oper.

Legendär ist die Geschichte von Leo Slezak und dem Schwan, die sich angeblich so abgespielt haben soll: Slezak sollte den Schwan besteigen und auf/mit ihm von der Bühne gezogen werden, allerdings setzte ein übereifriger Bühnenarbeiter das „Tier“ schon vor der geplanten Zeit in Bewegung und damit ohne Leo Slezak, der daraufhin vom Publikum gut hörbar die Frage stellte: „ Und wann geht der nächste Schwan?“

Der Schwan hat daher in die Literatur von Burg und Oper seinen Einzug gehalten und kam sicher so zu Titelehren bei Wagner-Trenkwitz, der auf Tätigkeiten in der Wiener Volks- und Staatsoper zurückblicken kann. Er erzählt in seinem neuen Buch Schnurren und Erlebnisse aus seinem reichen Fundus. Es wird geschüttelt und nicht gerührt, sondern gereimt was das Zeug hält – und nicht immer ganz jugendfrei, Wagner-Trenkwitz erzählt über seine Zeit mit Ioan Hollender, die nicht ganz konfliktfrei abgelaufen zu sein scheint, aber köstlich zu lesen ist und er gibt auch Einblicke in seine Zeit mit Karl von Hohenlohe und wie es denn so ist, mit einem Fürsten den Opernball in einem kleinen „Kammerl“ zu kommentieren.

Auch freut es, zu lesen, dass es endlich einen Menschen auf dieser Erde gibt, der die Bedeutung des Wortes „Quantensprung“ als das erkennt, was es ist: die kleinste feststellbare Bewegung eines Teilchens und dieses Wissen auch noch äußerst selbstironisch anzuwenden weiß.

Herrlich auch seine Geschichten, die über Marcel Prawy erzählen. Und eine davon muss ich hier auszugsweise bringen, es geht einfach nicht anders.  So schildert Christoph Wagner-Trenkwitz einen Tipp, den er von Prawy erhielt: „Als Klaus Maria Brandauer mir sein Konzept zur Inszenierung von Lehárs ‚Das Land des Lächelns‘ schildern wollte, sagte ich zu ihm: Für ‚Das Land des Lächelns‘ brauchen Sie kein Konzept, sondern einen Tenor. Das hat er mir übelgenommen. Trotzdem, wenn dir ein Regisseur mit einem Konzept kommt, schick ihn heim.“

Und in seinem "Aufruf an das Publikum" ermuntert er die Besucher wieder mehr hemmungsvoll und auch unüberlegt bei Gefallen der Darbietungen zu klatschen und formuliert eine Absage an alle „Zischer“, die nicht gestört werden wollen. Lockerer sollte es wieder zugehen in Burg und (Volks-)Oper, das Vergnügen im Vordergrund stehen und die Leidenschaft des Publikums für „ihre“ Sänger!

Das vorliegende Buch ist bereits der erste Schritt in diese Richtung. Äußerst vergnüglich! Ja, ich muss sogar gestehen, dass ich es bei manchen Passagen nicht verhindern konnte, laut lachend aus mir herauszubrüllen und ich mir auch einige Male die (Lach-)Tränen aus den Augen streichen musste.

Herrliche Lektüre für alle, die sich ein bisschen für Oper, Musik, und deren Repräsentanten interessieren und natürlich fast ein Muss für alle Fans dieser Kunstgattung.

Christoph Wagner-Trenkwitz: Schwan drüber! Neue Antiquitäten aus der Oper und dem wirklichen Leben.
Amalthea
ISBN 978-3-85002-810-3