Vielleicht erinnert ihr euch noch an einen meiner Berichte über Ausstellungen im museum gugging. Einer der berühmtesten Künstler der Art Brut in Österreich ist August Walla.

Wolfgang Pennwieser: Jeder Mensch ist eine InselFür die Geschichte seines Romanhelden Wallner entlieh sich Wolfgang Pennwieser Eckpunkte aus dem Leben August Wallas.

Wallner lebt mit seiner Mutter in einer Kleingartensiedlung und wird bereits von Jugend an von seiner Umgebung kritisch betrachtet. In der Schule läuft es nicht besonders gut, die Lehre wird abgebrochen und als seine Mutter stirbt, bricht seine Psychose mehr oder weniger offen aus.

Während seiner Psychatrieaufenthalte lernt Wallner nicht nur mit Natascha eine Freundin fürs Leben kennen (die sich allerdings später – wie angekündigt – das Leben nehmen wird), sondern hier wird auch von einer Therapeutin sein künstlerisches Talent entdeckt.

Mit einer Zeichnung in Postkartengröße beginnt sein künstlerisches Leben und er wird ein gefeierter Art Brut-Künstler.

Pennwieser schildert nicht nur sein künstlerisches Leben. Er zeigt auf, wie Wallner es schafft durch seine künstlerische Arbeit, seine Ängste, die Stimmen, seine Sorgen zurückzudrängen. Indem er bedrohliche Gegenstände bemalt – wie sein eigenes Wohnzimmer, Bäume oder sein Gartenhaus – nimmt er ihnen den bedrohlichen Charakter und kann sie in sein „Universum“ einbringen.

Im Buch wird aber nicht nur seine künstlerische Laufbahn und seine Krankheit geschildert, sondern auch sehr gut das Psychogramm einer österreichischen Kleingartensiedlung gezeichnet. Er wird beobachtet, manche Nachbarn fürchten sich vor ihm, manche wollen ihn loswerden, zeigen ihn an, fordern seine Delogierung. Auf der anderen Seite ist man wieder stolz auf den „komischen“ Nachbarn, als plötzlich die Presse und das Fernsehen vor seiner Türe steht, um ihn zu interviewen.

Lesenswert.

Wolfgang Pennwieser: Jeder Mensch ist eine Insel
ISBN 978-3-7076-0738-3
Czernin Verlag
www.czernin-verlag.com