Ein toller Roman, der auf seinen 506 Seiten an keiner einzigen Langeweile aufkommen lässt.

Eva Holzmair: Der VerdrüsslicheDie ehemalige Mitarbeiterin des Bundesdenkmalamts erfährt durch Zufall, dass eine wertvolle Büste von Franz Xaver Messerschmidt – der Verdrüssliche – an das Getty Museum in Los Angeles verkauft wurde. Wieso konnte das Bundesdenkmalamt diese Ausfuhr nur genehmigen?

Frau Hofrat – Dr. Carola Broggiato – beginnt zu recherchieren, stößt auf weitere Ungereimtheiten und auch auf ihre Vergangenheit.

Langsam beginnt sich abzuzeichnen, dass der Verdrüssliche – und einer der früheren Besitzer – in ihrem Leben eine große Rolle gespielt hat. Es steckt also auch ein bisschen privates Interesse hinter der ganzen Recherche.

Eva Holzmair versteht es hervorragend zwei Erzählstränge aufzubauen und mit einander zu verquicken. So blickt der Leser nicht nur in das Leben von Carola Broggiato, die an Krebs erkrankt, alle ihre Kraft zusammennimmt um den Verdrüsslichen (oder zumindest  seine Gipsversion) wieder aufzuspüren und lässt auf der anderen Seite den Verdrüsslichen selbst zu Wort kommen. Während die Skulptur nun im Getty Museum steht und die Ausstellungsvorbereitungen beobachtet, erzählt er seinen Kollegen von seinem Leben und auch vom Leben seines Meisters und so spannt sich der Bogen der Romans von der Erschaffung de Verdrüsslichen im 18. Jahrhundert bis zum New York von heute.

Ob es Frau Hofrat nun gelingt den Verdrüsslichen wieder nach Hause (zu sich oder in die Sammlung des Belvederes zu bringen) und welche Mittel sie dafür in Erwägung zieht (gar nicht typisch für eine Frau Hofrat) – das müsst ihr selbst lesen. Es ist jedenfalls eine vergnügliche, spannende, unterhaltsame Geschichte, die mich dazu bringt, doch endlich wieder einmal ins Belvedere zu gehen. Vielleicht sehe ich dann ja den Verdrüsslichen?

Eva Holzmair: Der Verdrüssliche
ISBN 978-3-8392-2811-1
Gmeiner Verlag
www.gmeiner-verlag.de