Ich liebe Krimis, die in bestimmten Regionen des Landes spielen. Mit Walli Winzer, der „Ermittlerin“ der Waldviertelkrimis von Maria Publig werde ich aber leider nicht so richtig warm…

Maria Publig: WaldviertelblutEigentlich ist Walli Winzer keine Ermittlerin, sondern – wenn ich mich richtig erinnere – eine ehemalige Schaufensterdekorateurin, die nun ihre eigene PR-Agentur leitet, in Wien und im Waldviertel lebt und da wie dort von einem Kriminalfall in den nächsten stolpert.

So auch dieses Mal. Kaum hat sie einen neuen PR-Auftrag für eine neue Kollektion im Wohnbereich übernommen, kugelt schon die Leiche ihres Bekannten und Auftraggebers bei der Teppichpräsentation vor ihre Füße. Zufällig gerät dann noch der Ex-Briefträger aus ihrem Waldviertler Dorf unter Mordverdacht, denn er arbeitet überraschenderweise nun in Wien und – tatatah – genau bei eben jenem Einrichtungshaus, das Walli Winzer gerade für die PR beauftragen wollte, und er ist am Tatort zur Tatzeit anwesend. Da er vom Tatort flüchtet und sein Halstuch die „Mordwaffe“ zu sein scheint, ist er für die Wiener Polizei der Hauptverdächtige.

Zufällig trifft sie dann auch noch eine Angestellte dieser Teppichfirma im Waldviertel und zufällig arbeiten deren Verwandte im Werk der Ausstattungsfirma wie auch in der Türkei für die Teppichfirma, in deren Wiener Vertretung der Mord passierte. Ein Glück für Walli, denn so erfährt sie einige Hintergründe, die sich für ihre Privatermittlung als wichtig herausstellen.

Immerhin muss sie ja ermitteln, denn auf die Wiener Polizei ist wieder einmal kein Verlass. Diese ist froh einen Verdächtigen zu haben und möchte daher den Fall abschließen. Nur nicht zu viel arbeiten - warum sollte die Wiener Polizei anders denken als der Rest der Wiener. Und mit Wien scheint die PR-Lady sowieso auf Kriegsfuß zu stehen. Vor allem mit Floridsdorf: schließlich erfährt man in dem Buch ja auch, dass dies jener Bezirk von Wien ist, in dem Männer noch Frau und Kind schlagen und die Straßen noch nicht asphaltiert sind. Wenn ich diese Stelle lese (sie hat mich bereits im letzten Buch von Maria Publig überrascht) frage ich mich immer, wie alt diese Walli Winzer eigentlich sein kann. Ich schätze sie immer so um die 40 Jahre, allerdings passt dies dann nicht zu den Schotterstraßen: ich lebe schon über 60 Jahre in dem Bezirk und seit dieser Zeit sind die Straßen asphaltiert.

Wahrscheinlich ist dieses „Wien- und Floridsdorf-Bashing“ der Grund, warum ich mit den Büchern von Maria Publig nicht so richtig warm werde. Auch wenn wir Wiener grantig sind und Floridsdorf, ebenso wie die Donaustadt oder Favoriten ein ehemaliger Arbeiterbezirk ist, heißt das noch lange nicht, dass hier Steppe ist und „Pöbel“ wohnt. Aber ich weiß, dass einige Bewohner sogenannter Nobelbezirke dies ebenfalls denken und einige freiwillig nicht in die U6 einsteigen würden.

Ich kann nur allen empfehlen: Traut euch! Egal, ob mit der U-Bahn oder dem Auto oder dem Rad. Hier sind die Straßen in Ordnung, der Wein beim Heurigen oft besser als in jedem Nobelbezirk und die Bewohner können hier – ebenso wie in den anderen Bezirken – durchaus auch freundlich sein.

Und vielleicht schaut ihr ja anschließend gleich im Waldviertel vorbei, das an manchen Ecken vielleicht ein bisschen verschlafen wirkt, aber wunderschöne Ecken hat – so wie von Walli Winzer beschrieben.

Maria Publig: Waldviertelblut
ISBN 978-3-8392-2865-4
Gmeiner Verlag
www.gmeiner-verlag.de