Franz Welser-Möst erzählt von seinem Leben, als Mensch und als Dirigent. Selten hat mich ein Buch bei so vielen Passagen zum Nachdenken gebracht.

Franz Welser-Möst: Als ich die Stille fandNatürlich war mir Franz Welser-Möst als Dirigent und auch als Musikdirektor der Staatsoper bekannt. Auch hatte ich noch im Hinterkopf die Erinnerung, dass er dem Cleveland-Orchester vorstand und es wagte von einem Dirigat bei den Salzburger Festspielen zurück zu treten.

Außerdem wusste ich, dass er irgendwo in der Gegend um den Attersee aufgewachsen war. Das war alles.

In diesem Buch nun, das er in Gesprächen und mit der Hilfe von Axel Brüggemann geschrieben hat, erfährt der Leser mehr über den Menschen, sein Schicksal, seine Motivation, seine Erfolge und seine Niederlagen.

Zugleich bekommt man aber (fast) unzählige Anregungen für sein eigenes Leben geliefert – nicht nur, um den Musikbetrieb vielleicht mit anderen Augen zu sehen oder einen anderen Zugang zur Musik zu finden, sondern auch um sich mehr um die Stille zu bemühen. Sie auszuhalten, aus ihr Kraft zu schöpfen und sie nicht immer „wegzudrücken“.

„Wanderungen“ rund um das Thema Stille unterbrechen die einzelnen Kapitel, die sich dem Lebensweg des Dirigenten, seinen Lehrjahren, seinen Erfolgen, aber auch seinen Misserfolgen (es gibt wahrscheinlich wenige, die diese so konkret und genau schildern würden), dem Konsum des Klanges, aber auch dem „Hineinhören“ in die Musik widmen.

Es sind vor allem diese Wanderungen, die zum Nachdenken anregen, und die in Verbindung mit den jeweiligen Kapiteln den Menschen Franz Welser-Möst wohl am meisten beschreiben.

Ich jedenfalls habe das Lesen dieses Buches sehr genossen und bin schon auf der Suche, ihn einmal bei einer Vorstellung live am Dirigentenpult zu erleben.

Franz Welser-Möst: Als ich die Stille fand
Ein Plädoyer gegen den Lärm der Welt
ISBN 978 3 7106 0454 6
Verlag Brandstätter
www.brandstaetterverlag.com