Warum hat es bloß so lange gedauert, bis ich auf Hermann Bauer und seine Kaffeehauskrimis gestoßen bin? Wo mich doch beim Lesen alles an meine Schulzeit erinnert…

Hermann Bauer: GrillparzerkomplottDas Grillparzerkomplott ist der erste Kaffeehauskrimi des Autors, den ich in die Finger bekommen habe und es freut mich sehr, dass es wieder einen Krimi gibt, der auch über die Schönheiten und/oder Besonderheiten von Transdanubien und insbesonders Floridsdorf berichtet.

Auch ich bin in der Franklinstraße ins Gymnasium gegangen, die Grabmeyergasse ist mir wohl bekannt und das Papiergeschäft, das die Freundin des Oberkellners Leopold plant zu übernehmen, kann doch nur der frühere „Böhm“ gewesen sein, wo auch ich meine Schulbücherliste abgegeben habe.
Schon beim anfänglichen Lesen kommt mir daher auch das Cafe Heller, in dem Oberkellner Leopold seine Arbeitsstätte hat, sehr bekannt vor. Ein kurzer Blick in die Biografie: ja, es stimmt, der Autor hat auch während seiner Schulzeit des Öfteren das Café Fichtl besucht. Ob allerdings der Oberkellner auch eine „wahre Vorlage“ hatte, kann ich leider nicht sagen. Aber ich werde versuchen dies herauszufinden …

Oberkellner Leopold scheint gerne zu ermitteln und dabei auch hin und wieder seinen Freunden bei der Polizei unter die Arme zu greifen. So auch in diesem Fall, wo noch dazu ein Freund von ihm des Mordes verdächtigt wird. Um dem Schuldigen auf die Spur zu kommen, muss er allerdings neben seinem Dienst im Café Heller auch noch nach Währing und dort im Café Schopenhauer als Kellner aushelfen.

Dort trifft sich eine illustre Runde, deren Spur allerdings wieder zurück nach Floridsdorf führt. Im Schopenhauer treffen sich Schauspielerinnen zum Bauernschnapsen, aber auch der Ex-Ehemann der ermordeten Schauspielerin ist dort neben anderen Verdächtigen Gast. Alles scheint mit einem Treppensturz der Ermordeten vor vielen Jahren zusammenzuhängen. Aber auch damit, dass durch diesen Sturz und die dadurch entstandenen Verletzungen ein Engagement am Burgtheater bei einem Grillparzerstück verhindert wurde.

War der Sturz also wirklich ein Unfall? Wer hat am Burgtheater interveniert, um Katja Winkler die Rolle zu verschaffen? Leopold kann die vielen Puzzleteile erst beim großen Finale im Café Schopenhauer so richtig zusammensetzen.

Und warum musste eigentlich die zweite Schauspielerin sterben? Vielleicht weil sie ihn warnen wollte? Und was genau hat Grillparzer eigentlich mit dem allen zu tun?

Wenn auch die Wendung am Ende vielleicht ein bisschen überraschend kommt, ein wunderbares Buch für alle Krimifans und fast ein Muss für alle Floridsdorfer. Wer also das Gymnasium in der Franklinstraße besucht hat, den „Böhm“ noch kennt, das Gloria Theater schon besucht hat und auch einen Teil seiner Schulstunden im Fichtl verbracht hat, wird mit einem Lächeln auf den Lippen und im Gedanken an alte Zeiten viel Freude beim Lesen haben.

Hermann Bauer: Grillparzerkomplott
Wiener Kaffeehauskrimi
ISBN 978-3-8392-2717-6
Gmeiner Verlag
www.gmeiner-verlag.de