Loibelsbergers Romane und Krimis – zumindest jene, die ich gelesen habe – spielen immer im Wien um die Jahrhundertwende.

Gerhard Loibelsberger: Alles Geld der WeltDieses Mal ist es allerdings kein richtiger Krimi – wobei, ganz stimmt es auch nicht. Es geht hier weniger um Mord und Totschlag, sondern um Geld und ein wenig Wirtschaftskriminalität. Loibelsberger beschreibt die Tage  beziehungsweise Wochen vor dem Börsecrash.  

Es ist die Geschichte rund um Heinrich von Strauch, der die Bank und das Vermögen seines Vaters erbte. Heinrich von Strauch ist nicht einer der Fleißigsten, er amüsiert sich lieber bei und mit Wein, Weib und Gesang, aber er ist kreativ im Erschaffen diverser Börsegeschäfte. Während er sich dem Vergnügen hingibt, besorgt ein Freund und Schulkollege seine Geschäfte und steigt so ebenfalls die Karriereleiter weit hinauf.

In Wien vor der Eröffnung der Weltausstellung dreht sich alles um Geld. Die Börse floriert und man erwartet ein Heer an Besuchern zur Weltausstellung. Mit dieser Aussicht vor Augen wird aber auch alles in Wien teurer, Firmen werden ohne entsprechendes Firmenziel gegründet, nur um des Gründens willen und der Ausgabe fadenscheiniger Aktien. Alle, ob alt oder jung, ob reich oder arm gieren nach Geld. Es sieht so aus, als könnte man auch ohne Glück über Nacht ein reicher Mann werden.

Doch dann kann die Weltausstellung nur mit Mühe und Not und mit viel höheren Kosten als geplant zum Eröffnungstermin fertiggestellt werden und viele der Fantasiepapiere, die an der Börse lanciert wurden, erweisen sich als wertlos – Banken und die Börse schlittern in den großen Crash, über Nacht verlieren die Menschen ihr lange Zeit Erspartes, das sie in Erfolg versprechende Banken und Aktion investiert hatten.

Auch Heinrich von Strauchs Bank muss Konkurs anmelden und sein enger Freund erweist sich in dieser Zeit so gar nicht als guter Companion in Not. Eher das Gegenteil ist der Fall. Der Baron fällt tief hinab und erledigt auf seinen alten Tagen schließlich die Buchhaltung für einen Vertreter des Wiener Rotlichtmilieus, den er im Gefängnis kennen gelernt hatte. Dennoch stellt sich erst jetzt eine gewisse Zufriedenheit mit sich selbst und seinem Leben ein.

Wenn mir dieses Mal auch ein bisschen der berühmte Inspektor Nechyba und Mord und Totschlag gefehlt haben: auch dieser Loibelsberger gefällt mir. Ich liebe seine Geschichten aus dem alten Wien und wie der Autor seine Charaktere zeichnet, die Handlung aufbaut und das historische Wien beschreibt.

Ein bisschen lädt das Buch auch zum Nachdenken über die Gegenwart ein. Auch wenn es nur wenige glauben, ich finde wieder einmal, dass gewisse Parallelen zwischen damals und heute erkennbar sind. Aber lest selbst…

Gerhard Loibelsberger: Alles Geld der Welt
Ein Roman aus Wien im Jahr 1873
ISBN 978-3-8392-2686-5
Gmeiner Verlag
www.gmeiner-verlag.de