Franz Paul Horn erzählt in seinem Buch drei wahre Geschichten von Reise und Flucht. So reist er mit zwei Freunden von Wien nach Teheran per Rad, während sich Filip aus Syrien und Malek aus Afghanistan auf nach Europa machen.

Franz Paul Horn: Über die GrenzenEigentlich konnte ich mir die Geschichte so überhaupt nicht vorstellen. Ich erwartete eine – eher fade – Reisebeschreibung und wie der Autor die Fluchtgeschichten unterbringen wollte? Keine Ahnung.
Aber ich wurde sowas von positiv überrascht. Eigentlich sind es drei Geschichten in einem Buch. Miteinander verquickt, aber doch einzeln sehr überzeugend und lesenswert.

Die erste Geschichte handelt von Franz, der mit seinen beiden Kumpels beschließt von Wien per Rad nach Teheran zu reisen. Allein die Idee muss man haben. Horn schildert ihr Vorhaben und auch ihre Reise kurzweilig und interessant. Das Kopfkino funktioniert. Ich kann nachfühlen, wie sich die Gelsenschwärme über sie hergemacht haben, aber auch die Freundlichkeit der Balkanbewohner, denen ich zwar nicht als Radfahrer, aber schon oft als Tourist und Urlauber begegnet bin, kann ich mir gut vorstellen. Dieses „einfach eingeladen werden“, diese Freude jemanden Fremden zu bewirten. Horn hat einen sehr lässigen Schreibstil – es ist fast so, als säße er neben dem Leser und erzählt seine Geschichte, die auch mit einigen guten Anekdoten gewürzt ist.

Unterbrochen wird diese Geschichte durch die Fluchterzählungen der beiden Jungen Filip und Malek. Filip kommt aus einer wohlhabenden syrischen Familie und flieht vor dem Krieg in Syrien und dem Militär. Malek wiederum stammt aus Afghanistan, wird von den Taliban entführt und soll einen Selbstmordanschlag auf eine amerikanische Basis durchführen. Bevor es soweit kommt, flieht er und wird von den Taliban als Verräter gesucht und verfolgt.

Es sind wahrscheinlich genau diese Gegensätze, die dieses Buch so interessant und lesenswert machen. Auf der einen Seite die lässige Truppe aus dem Westen, die sich ihres Lebens freut und per Rad unterwegs ist, auf der anderen Seite die beiden jungen Männer auf der Flucht, in ständiger Angst vor der Polizei oder ihren Verfolgern, angewiesen auf Schlepper, die in erster Linie an ihrem Geld und nicht unbedingt an ihrem Leben interessiert sind.

Ein schrecklicher Gegensatz, der sich immer weiter aus einander klafft, je länger man liest. Teilweise sind die Schilderungen der Flüchtenden nur schwer zu ertragen und als Leser ist man froh, wieder die Truppe um Franz Paul Horn begleiten zu dürfen. Aber gerade dieser Gegensatz macht das Buch aus.
Ein Buch, das auch aufrüttelt, das nichts beschönigt, das nichts übertreibt. Ein absolut lesenswertes Buch.

Franz Paul Horn: Über die Grenzen
Wien, Damaskus, Kabul: Drei wahre Geschichten von Reise und Flucht
ISBN 978-3-218-01187-7
Kremayr & Scheriau
www.kremayr-scheriau.at