Es ist eine schöne, manchmal traurige Geschichte, die Günther Marchner in seinem Roman beschreibt. Sie fließt ruhig, aber sehr lesenswert dahin.

Günther Marchner: Wie eine zufällige BegegnungDer Einstieg wirkt ein wenig konstruiert, zumindest unglaublich: Bei einer Reise in den Süden kehren zwei Freundinnen in einem Gasthaus ein, in dem einst ein Gast seine Tasche vergessen hat. Und eine der beiden, kennt diesen Gast ziemlich genau…

Daraus entwickelt sich die kurze „Liebes“-Geschichte von Marija und ihrem Freund, aber – und wichtiger – der Leser lernt auch die Lebensgeschichten der beiden kennen.

Marija, die mit ihren Eltern vor dem Jugoslawienkrieg nach Österreich flüchtet und durch die Herkunft ihrer Eltern plötzlich zwischen die Fronten von Serben und Kroaten gerät. Die zusehen muss, wie sich Eltern und Großeltern plötzlich feindlich gegenüberstehen, wie ein Bruder freiwillig und der andere gezwungener Maßen in den Krieg zieht.

Auf der anderen Seite ihr „Freund“, der die Hilfe für ihren kleinen Bruder verweigert. Der auf der Suche nach der Lebensgeschichte seines Großvaters ist, die von seiner Familie totgeschwiegen wird und der sich plötzlich an der Soča wiederfindet.

Obwohl nie von den Kriegswirren erzählt wird und auch keine politische Stellungnahme erfolgt, ist man als Leser irgendwie mit den Proponenten mittendrin und kann sich sehr gut in die Konflikte mithinein fühlen. Wie es sein muss, sich plötzlich entscheiden zu müssen, auf welcher Seite man stehen will. Keinen Ausweg zu sehen, „neutral“ bleiben zu können. Seinen Bruder zu verlieren, der zu jung ist für Krieg, sich für eine Seite zu entscheiden und der dies auch mit seinem Leben bezahlt.

Auf der anderen Seite eine Familie, die nichts über das Leben eines ihrer Mitglieder wissen möchte. Die sein Schicksal vergessen, verbergen möchte. Nichts davon erzählt, es einfach tot schweigt und den Nachkommen auch keine Informationen über ihre Herkunft mitgibt.

Ein Buch das nachdenklich macht. Das mir zeigt, dass auch ich zu wenig meine Großeltern gefragt habe, obwohl zumindest jene väterlicherseits einiges erzählten und die Überlegung, mich vielleicht auch im Alter auf die Spuren meiner Familie aufzumachen…

Günther Marchner: Wie eine zufällige Begegnung
ISBN 978-3-7025-0950-7
Verlag Anton Pustet
www.pustet.at