Segal schildert nicht chronologisch das Schicksal seiner Familie, aber auch ziemlich detailreich sein eigenes Leben.

Jérôme Segal: Wie ein roter Faden

Segal, der in Frankreich aufwächst und fast durch Zufall in Wien landet, macht sich auf die Suche nach den Ursprüngen seiner Familie. Diese stammt ursprünglich aus Galizien, verdiente ihr Geld im Erdölgeschäft und übersiedelte schließlich nach Wien. Auch hier gehörte sie bald zur Elite der Stadt und konnte sogar ein kleines Schloss erwerben.

Allerdings litten auch sie – obwohl nicht streng gläubig – bald unter dem zunehmenden Antisemitismus und verloren nach dem Anschluss Österreichs an Nazideutschland bald ihr gesamtes Hab und Gut.

Es gelang ihnen nach Frankreich zu emigrieren und fast wie durch Zufall kehrt ihr Urenkel wieder nach Wien zurück.

Jérôme Segal erzählt die Geschichte zeitlich nicht chronologisch, sondern schwankt in den Kapiteln zwischen seinen Urgroßeltern, Eltern, Großeltern und seiner eigenen Gegenwart hin und her. Es ist eine interessante Geschichte, auch wie sich die verschiedenen Familienmitglieder entwickelten, wofür sie sich einsetzten und auch über sein Engagement in Österreich.

Die Geschichte seiner Familie und auch seine eigene sind interessant zu lesen und es scheint, dass sich die Ungerechtigkeit, die seine Familie widerfahren ist, auch vor seiner Person – wenn vielleicht auch nicht wegen seines jüdischen Glaubens anhält. Schwierigkeiten und Unstimmigkeiten begleiten seinen Weg, sei es bei seiner Arbeit in der französischen Botschaft oder beim Diskurs mit der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien. Ob es am Glauben oder am Eigensinn des Autors liegt?

Einen Kritikpunkt muss ich mir allerdings erlauben: Segal berichtet sehr ausführlich wo, was und worüber er überall geschrieben und berichtet hat. Es mag für ihn wichtig sein, diesen Nachweis seiner Tätigkeiten zu erbringen. Mich als Leser hat es von seiner und der Geschichte seiner Vorfahren allerdings eher abgelenkt.

Jérôme Segal: Wie ein roter Faden
Eine Familie in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts
ISBN 978-3-902968-42-5
Edition Konturen
www.konturen.cc