Es ist bereits der zweite Krimi von Heidi Emfried (schon Die Akte Kalkutta war spannend zu lesen), der mir in die Finger gekommen ist – und ich wurde nicht enttäuscht.

Heidi Emfried: Des Träumers VerderbenFür einen Krimi ist es eigentlich ein ziemlich dicker Schmöker geworden, aber es ist keine Seite zu viel oder zu wenig, wenn Kommissar Lang mit seiner Truppe wieder einmal ermitteln muss.
Obwohl: Die ersten Seiten haben mich schon überrascht. „Sie“ lautet die erste Überschrift, „Er“ die nächste. Ach Gott, dachte ich, schon wieder so eine moderne Umsetzung eines Buches, wo die Gestaltung den knappen Inhalt oder die nicht ganz durchdachte Geschichte überdecken soll. Aber: weit gefehlt!

Dann beginnt der Kommissar im Mordfall des Industriellen zu ermitteln und schon ist man mitten in der Geschichte. Emfried versteht es hervorragend die einzelnen Charaktere herauszuarbeiten: egal ob es sich um die Person des Kommissars und die Mitglieder seines Ermittlungsteams handelt oder um den verdächtigen Personenkreis rund um das Mordopfer.

Es macht Spaß zu lesen, immer tiefer taucht man in die Geschichte ein. Natürlich beginne ich mit zu raten, wer denn der Mörder (Elektroschocker, Giftspritze) sein könnte. Aber mit zunehmenden Seiten geht es mir wie dem Team der Mordermittler: ich muss jeden meiner Verdächtigen wieder rehabilitieren.

So nimmt der Krimi eine überraschende Wendung. Erst spät liegt das Tatmotiv (ist es eigentlich ein Motiv?) auf der Hand. Ein wirklich lesenswerter und spannender Krimi.

Zwei Punkte seien zu Ende noch besonders hervorgehoben, einfach weil sie mir so gut gefallen haben:
Ich finde es so schön, dass Emfried einen Ermittler (Nowotny) zumindest manchmal im Wiener Dialekt sprechen  lässt (keine Angst – Sie finden im Glossar alle Übersetzungen).  Er ist nicht nur nach dem Namen, sondern in seiner ganzen Charakterzeichnung ein „echter“ Wiener und könnte uns wahrscheinlich auch auf den einen oder anderen Wiener Kommissariat  begegnen.

Herrlich ist auch die Zeichnung der „Innenministeriumsnichte“ Alithia Podiwinsky, die einen Bachelor in Soziologie vorzuweisen hat, gerade am Master in Gender Studies arbeitet und mit ihren Ansichten vor allem den „bodenständigen“ Nowotny zumindest in ihrer Anfangszeit zur Weißglut bringt.

Heidi Emfried: Des Träumers Verderben
ISBN  978-3702-50968-2
Verlag Anton Pustet
www.pustet.at