Der Name war mir unbekannt, auch sein Lebenslauf. Staunend erfährt der Leser, was in Österreich schon früher „alles möglich war“.

Martin Haidinger: Wilhelm HöttlMartin Haidinger schildert in seinem Buch die Lebensgeschichte von Wilhelm Höttl, der seine Karriere bei den Nationalsozialisten begann, mit Nazigrößen wie Eichmann und Kaltenbrunner zusammenarbeitete und befreundet war und später den Turnaround zu den westlichen Geheimdiensten schaffte.  Manchmal tappt man sich beim Gedanken „Das kann doch alles nicht wahr sein“ und glaubt sich in einem Agententhriller. Ethik und Moral? Politische Überzeugung? Schuldempfinden? Alles Fehlanzeige! Hier wird vom Leben eines Mannes berichtet, der nur eines kennt: seinen eigenen Vorteil und diesen mit Geschick und Intrige und Phantasie sucht.

Zu guter Letzt gründete er ein Internat in Altaussee und wurde Direktor einer Schule, in der nicht nur Jochen Rindt, Niki Lauda ihre Schulzeit verbrachten, sondern zumindest einige Zeit auch Karin Brandauer und André Heller, der ihm später das „Angstlied“ widmete.

Höttl wurde sogar mit dem Großen Ehrenzeichen der Steiermark ausgezeichnet und man fragt sich wie typisch dieser Lebenslauf für Österreich ist und wie viele weitere Karrieren es wohl gegeben hat und jetzt noch gibt. Die Story eines "typischen" Österreichers damals? Das wäre zu hoch gegriffen und würde vielen Menschen Unrecht tun. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass es diese Österreicher gab und auch gibt.

Wer dieses Buch gelesen hat, versteht warum sich Österreich mit der Aufarbeitung seiner nationalsozialistischen Vergangenheit so schwer getan hat und tut und ist auch nicht mehr über rassistische Rülpser auf Facebook und in diversen Leserbriefkolumnen verwundert.

Auf jeden Fall lesenswert…

Martin Haidinger: Wilhelm Höttl
Spion für Hitler und die USA
ISBN 978-3-8000-7730-4
ueberreuter
www.ueberreuter-sachbuch.at